Mittwoch, 17. Dezember 2025

EnergiepolitikLänder warnen vor Ausbremsen der Energiewende

[02.12.2025] Sieben Bundesländer fordern vom Bund mehr Klarheit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik. Ein gemeinsames Positionspapier warnt vor Einschnitten bei Förderprogrammen und beim Ausbau der Erneuerbaren.

Sieben Bundesländer, darunter Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, haben ein gemeinsames Positionspapier zur energiepolitischen Ausrichtung des Bundes vorgelegt. Wie das niedersächsische Energieministerium berichtet, warnen die Länder vor einem Ausbremsen der Energiewende, weil die anhaltende Debatte über Kürzungen bei Förderprogrammen für Gebäudesanierung, Elektromobilität, Wärmepumpen und grünen Stahl zu erheblicher Verunsicherung führe. Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) kritisiert demnach, Angriffe auf Ausbauziele und Förderinstrumente gefährdeten nicht nur das Vertrauen von Investoren, sondern schadeten auch der wirtschaftlichen Entwicklung eines Energiewendelandes wie Niedersachsen.

Verlässliche Rahmenbedingungen

Den Ländern zufolge braucht die Industrie verlässliche Rahmenbedingungen, um weiter in Klimaschutz und Infrastruktur zu investieren. Forderungen nach Einschnitten bei der Förderung privater Solaranlagen oder Wärmepumpen, wie sie der Bundeswirtschaftsministerin Reiche zugeschrieben werden, würden dieses Vertrauen untergraben. Besonders betroffen wäre Niedersachsen, das beim Ausbau von Windenergie, Elektromobilität und Grünem Stahl eine Vorreiterrolle einnimmt und zugleich hohe Förderraten im Gebäudesektor erreicht. Nach Angaben des Landes wurden allein im ersten Halbjahr 2025 im KfW-Programm zur Bundesförderung für effiziente Gebäude Förderzusagen von 301 Millionen Euro bewilligt, darunter rund 15.500 Wärmepumpenanträge. Bundesweit wurden 2025 erstmals mehr Wärmepumpen als Öl- und Gasheizungen verkauft; der Absatz von Gasheizungen ging um 40 Prozent zurück, Wärmepumpen verzeichneten ein Plus von 57 Prozent.

Meyer warnt laut Ministerium, ein Kürzen der Fördermittel oder ein Wegfall der zugesagten drei Milliarden Euro für Elektromobilität würde Handwerk, Wirtschaft und Arbeitsplätze empfindlich treffen. Jeder Euro aus den Förderprogrammen löse zusätzliche Investitionen aus und mindere langfristig die Abhängigkeit von fossilen Importen. Zugleich verweist das Land auf sinkende Stromkosten: Ab Januar 2026 sollen die Strompreise bundesweit im Schnitt um neun Prozent fallen. In Niedersachsen werden die niedrigsten Netzentgelte Deutschlands erwartet, etwa im EWE-Netz, wo das Entgelt von 8,3 auf 6,3 Cent sinkt. Bei Avacon reduziert es sich von 11,64 auf 8,61 Cent. Eine Umlage für geplante fossile Gaskraftwerke im Süden könnte hingegen die Strompreise bundesweit um bis zu 1,6 Cent erhöhen.

Energiewende senkt Kosten

Dem Positionspapier zufolge senkt eine erfolgreiche Energiewende mit dem Ausbau von Erneuerbaren, Speichern und Netzen langfristig die Kosten. Die Länder plädieren für eine konsequente Ausrichtung auf nachhaltige und innovative Technologien. Meyer betont, die Energiewende sei nicht nur ein Klimaschutzprojekt, sondern ein wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Stabilitätsgewinn. Eine konsequente Umstellung auf Erneuerbare mache Deutschland resilienter und wettbewerbsfähiger. Niedersachsen, so das Ministerium, setze sich deshalb regelmäßig in Ministerkonferenzen und im Bundesrat für ambitionierte Klimaziele auf EU- und Bundesebene ein.



Stichwörter: Politik,


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

BDEW: Kritik an NEST-Paket

[12.12.2025] Das von der Bundesnetzagentur veröffentlichte NEST-Paket überzeugt die Branche nicht. Aus Sicht des BDEW fehlt ein verlässlicher Rahmen für die neue Anreizregulierung. Die Verbände warnen vor Folgen für Investitionspläne vieler Netzbetreiber. mehr...

Biogasrat: Warnung vor Wettbewerbsnachteilen

[12.12.2025] Der Biogasrat warnt, dass der neue Kabinettsentwurf zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote die Existenz mittelständischer Produzenten fortschrittlicher Biokraftstoffe gefährde. mehr...

AGFW: Statement zum Geothermie-Beschleunigungsgesetz

[10.12.2025] Der Bundestag hat das Geothermie-Beschleunigungsgesetz beschlossen und damit neue Standards für schnellere Planfeststellungsverfahren bei Wärmeleitungen gesetzt. Der Energieeffizienzverband AGFW warnt vor möglichen zusätzlichen Hürden durch unklare Formulierungen im Gesetz. mehr...

interview

Interview: Der Schnellere und Bessere gewinnt

[09.12.2025] Wenn wir heute von vorne beginnen würden, ein Energiesystem aufzubauen, würden wir es dezentral gestalten, sagt Milan Nitzschke. stadt+werk sprach mit ihm und Stefan Liesner über Wege zu einem sinnvollen und zukunftsfähigen Strommarktdesign. mehr...

Energieministerkonferenz: Verlässliche Rahmenbedingungen gefordert

[09.12.2025] Die Energieministerkonferenz in Stralsund hat ein gemeinsames Signal an den Bund gesendet: Für den Erfolg der Energiewende braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, bezahlbaren Strom und Tempo beim Wasserstoffhochlauf. Ländervertretern zufolge stocken zentrale Projekte wie Kernnetz, Elektrolyse und Offshore-Ausbau, während die Industrie Planungssicherheit einfordert. mehr...

Bundesnetzagentur: Monitoringbericht 2025 erschienen

[01.12.2025] Der Monitoringbericht 2025 von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur sieht den Wettbewerb auf den Energie­märkten weiterhin als verlässlichen Stabilitätsanker. Trotz der Turbulenzen der vergangenen Jahre zeigen die Daten für 2024 eine hohe Wechselbereitschaft, fallende Preise und eine Stromerzeugung, die sich deutlich in Richtung erneuerbarer Energien verschiebt. mehr...

Biogasrat: Kritik an Referentenentwurf

[01.12.2025] Der Biogasrat kritisiert den Referentenentwurf zum Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpaket als unzureichend und warnt vor Rückschritten bei Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Der Verband fordert verlässliche Regeln für den Netzanschluss von Biomethananlagen, den Erhalt bestehender Privilegien und klare Vorgaben zur Investitionssicherheit. mehr...

Deutscher Bundestag: Anhörung zu Wasserstoffgesetz

[26.11.2025] Zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Beschleunigung des Wasserstoffhochlaufs hat der Ausschuss für Wirtschaft und Energie jetzt eine öffentliche Anhörung durchgeführt. Dabei zeigte sich ein breiter Wunsch nach mehr Tempo und einem deutlich erweiterten Anwendungsbereich des geplanten Gesetzes. mehr...

Lausitz: EU genehmigt Entschädigung für Kohleausstieg

[24.11.2025] Die EU-Kommission hat die Entschädigungsregelung für den Braunkohleausstieg der LEAG genehmigt und damit Milliardenhilfen für die Lausitz freigegeben. Für Brandenburg und Sachsen bedeutet das Planungssicherheit beim Strukturwandel und bei der Rekultivierung der Tagebaue. mehr...

Stiftung Umweltenergierecht: Landesregeln zur Beteiligung sind widersprüchlich

[21.11.2025] Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Landesregeln zur finanziellen Beteiligung an erneuerbaren Energien teils widersprüchlich wirken und den Ausbau bremsen können. Laut der Stiftung Umweltenergierecht schafft die Vielfalt der Vorgaben Unsicherheit und in manchen Fällen sogar rechtliche Risiken. mehr...

Umweltministerkonferenz: Willingmann wirbt für stärkere Nutzung von Flusswärme

[21.11.2025] Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann hat bei der Umweltministerkonferenz für die stärkere Nutzung von Flüssen als klimafreundliche Wärmequelle geworben. Auslöser ist ein Projekt in Tangermünde, das der Elbe Wärme entziehen und ganze Stadtquartiere versorgen soll. mehr...

Berlin: Fünftes Solarpaket vereinbart

[20.11.2025] Reinickendorf und die Berliner Stadtwerke bringen das fünfte gemeinsame Solarpaket auf den Weg und erweitern die Photovoltaikleistung auf öffentlichen Dächern. Bis Mitte 2026 sollen zehn neue Anlagen mit zusammen 827 Kilowatt ans Netz gehen. mehr...

BSW-Solar: Verband begrüßt Bauänderung

[18.11.2025] Der Bundestag erleichtert den Bau von Strom-, Wärme- und Wasserstoffspeichern: Eine Änderung des Baurechts und neue Regeln zur Netzentgeltbefreiung sollen Projekte beschleunigen und wirtschaftlicher machen. Der Bundesverband Solarwirtschaft begrüßt die Beschlüsse und sieht darin einen Schub für den Speicherausbau. mehr...

BDEW/VKU: Wichtiger Schritt für die Energiewende

[17.11.2025] Die schwarz-rote Koalition hat sich auf neue Regeln für den Bau steuerbarer Kraftwerke sowie auf einen Deutschlandfonds zur Finanzierung der Energie-Infrastruktur geeinigt. Die Branchenverbände BDEW und VKU bewerten dies als Schritt in die richtige Richtung. Kritik gibt es jedoch dafür, dass die Kraft-Wärme-Kopplung im Beschluss der Koalition keine Rolle spielt. mehr...