OsnabrückIm Dialog zum Ziel

Das Thema Wärmewende wurde unter anderem durch Multiplikatorenworkshops in die Breite gestreut.
(Bildquelle: Stadt Osnabrück/Wiebke Böckmann)
Die Transformation des Wärmesektors spielt eine entscheidende Rolle, um die klimapolitischen Ziele auf Bundes- und Landes- sowie auf kommunaler Ebene zu erreichen. In Osnabrück beispielsweise wird ein Drittel der gesamtstädtischen CO2-Emissionen allein durch die Erzeugung von Raumwärme verursacht. Der Wärmesektor gehört damit zu den größten Emissionsverursachern des Stadtgebiets.
Ziel der kommunalen Wärmeplanung Osnabrücks ist der Aufbau eines strategischen Instruments, um die Transformation des Wärmesektors zu koordinieren und voranzutreiben. Gemeinsam mit den betroffenen lokalen Akteuren erstellt die Stadt einen Plan, in dem dargelegt wird, wie die Wärmeversorgung im Stadtgebiet bis zum Jahr 2040 klimaneutral gestaltet werden kann. Dabei sind leitungsgebundene zentrale Wärmelösungen ebenso zu betrachten wie dezentrale Wärmelösungen und entsprechende Eignungsgebiete zu benennen.
Frühzeitiger Start
Die Wärmeplanung ist eine kommunale Pflichtaufgabe und muss im Falle Osnabrücks zwischen Januar 2024 und Ende Juni 2026 erstellt werden. Um pünktlich mit der Aufgabe zu beginnen, haben sich Stadt und Stadtwerke Osnabrück bereits im Sommer 2023 zusammengesetzt, um zu diskutieren, wie das Team aussehen soll, welche Ergebnisse rechtlich notwendig und welche für eine erfolgreiche Wärmewende wünschenswert sind. Hierbei haben sich zwei Teams gebildet. Zum einen das Kernteam mit der Aufgabe der technischen Erarbeitung und zum anderen das Kommunikationsteam für die Begleitung der Wärmeplanung. Außerdem sollte eine Lenkungsrunde – bestehend aus den Vorständen von Stadt und Stadtwerken – regelmäßig über den Projektverlauf unterrichtet werden.
Im zweiten Halbjahr 2023 wurde die Ausschreibung angefertigt und durchgeführt, sodass am 1. Februar 2024 mit der Erstellung der Wärmeplanung begonnen werden konnte. Damit beauftragt wurde eine Bietergemeinschaft aus den Firmen IP Syscon und energielenker sowie dem Kompetenzzentrum Energie der Hochschule Osnabrück. Ziel war es, die Wärmeplanung im Jahr 2025 fertigzustellen.
Erste Schritte
Die ersten Schritte bezogen sich auf eine frühe Einbeziehung von Schlüsselakteuren und die Datenbeschaffung. Vor dem offiziellen Beginn der Erstellung wurden Dialogrunden mit den betroffenen Handwerksinnungen, der Handwerkskammer, der Kreishandwerkerschaft, der IHK und der Wirtschaftsförderung organisiert, um früh Input für die Wärmeplanung zu erhalten und eine transparente Diskussionsgrundlage zu gestalten. Für die Datenbeschaffung wurden von Anfang an der Fachdienst Geodaten einbezogen, die Schornsteinfeger bereits 2023 angeschrieben und die Stadtwerke für die Verbrauchsdaten angefragt, sodass die Daten im besten Fall direkt zu Beginn der Erstellung vorlagen. Die Bestands- und die Potenzialanalyse bilden die datenintensivsten Aufgaben innerhalb der Wärmeplanung und erforderten auch den größten Zeitaufwand. Sie bilden die Grundlage für die weiteren Schritte und ermöglichen sowohl eine genaue, gebäudescharfe Analyse als auch einen detaillierten Blick auf die Gesamtstadt. Zentrale Ergebnisse der Bestandsanalyse sind die Berechnungen des Wärmeverbrauchs und -bedarfs.
Mehrere Datenquellen genutzt
Für die Wärmebedarfs- und -verbrauchsberechnung wurden rund 70 Parameter und Ergebnisse pro Gebäude ausgewertet und berechnet. Der Wärmeverbrauch wurde über mehrere Datenquellen erhoben. Für alle Gebäude, die am Gas- oder Wärmenetz angeschlossen sind, wurden die jeweiligen Verbräuche der vorangegangenen drei Jahre gemittelt. Für Gebäude ohne Anschluss ans Gasnetz, die aber über die Schornsteinfegerdaten erfasst wurden (die meisten davon Öl- und Biomassekessel), wurde der Wärmeverbrauch über die Leistung des Kessels mit durchschnittlichen Volllaststunden errechnet. Damit wurde ein Großteil des Wärmeverbrauchs in Osnabrück erfasst.
Schwieriger war die Ermittlung der Wärmepumpen im Stadtgebiet, denn diese müssen erst seit Januar 2024 beim Versorger gemeldet werden. Ihre Erfassung beruhte daher auf mehreren, teilweise unvollständigen Datenquellen. Wärmepumpen mit Geothermie als Umweltquelle müssen von der unteren Wasserschutzbehörde genehmigt werden und sind daher komplett erfasst. Bei Luft-Wärmepumpen beruhen die Ermittlungen zum einen auf freiwilligen Angaben. Zum anderen wurde angenommen, dass für Gebäude mit unbekanntem Wärmeerzeuger, also ohne Anschluss ans Gas- oder Wärmenetz oder Erfassung über die Schornsteinfegerdaten, bei einem sprunghaften Anstieg des Stromverbrauchs in den vorangegangenen drei Jahren eine Wärmepumpe verbaut wurde. Eine Datenlücke bezüglich der Ermittlung der Luft-Wärmepumpen bleibt für die Ersterstellung der kommunalen Wärmeplanung jedoch bestehen. Diese Lücke kann hoffentlich bei der nächsten Fortschreibung geschlossen werden.
Zuordnung von Wärmeverbrauch
Mit diesem Vorgehen konnte rund 93 Prozent der Gebäude in Osnabrück ein Wärmeverbrauch zugeordnet werden. Wo kein Wärmeverbrauch ermittelt werden konnte, handelt es sich zum Großteil um unbeheizte Gebäude, Nebengebäude und Gebäude, die sich einen Wärmeerzeuger oder Netzanschlusspunkt mit mehreren Gebäuden teilen.
Der Wärmebedarf errechnet sich über Gebäudeparameter nach der DIN 4108/18599. Der Bedarf wurde für jedes Gebäude errechnet. Dabei werden Alter, Nutzungsart, Außenhülle, Gebäudetyp, Grundfläche, Gebäudehöhe und andere Parameter in die Berechnung einbezogen. Da die Berechnung des Wärmebedarfs von idealisierten Verhältnissen und Standardbedingungen ausgeht, unterscheiden sich der berechnete Bedarf und der tatsächliche Verbrauch häufig. Um diesen Umstand einzubeziehen, wird der Wärmebedarf, abhängig von der Gebäudealtersklasse, mit einem Anpassungsfaktor kalibriert. Beide Werte, also Verbrauch und Bedarf, sind wichtig für die Analyse des Ist-Zustands, für Prognosen und für die Ableitung von Maßnahmen.
Für eine datenschutzkonforme Darstellung dürfen die Daten nur in aggregierter Form (mindestens fünf Gebäude) präsentiert werden. Der Wärmebedarf pro Cluster wird für diese Abbildung aufsummiert und auf die jeweilige Clusterfläche bezogen. Dicht besiedelte Gebiete, vor allem die Innenstadt und innenstadtnahe Mehrfamilienhausgebiete, weisen dabei eine hohe und Einfamilienhausgebiete eine niedrige Wärmedichte auf. Es lassen sich aber auch einzelne Hotspots außerhalb des Innenstadtbereichs, meist Gewerbegebiete, erkennen.
Gesamtes Stadtgebiet
Die Potenzialanalyse erfolgt über das gesamte Stadtgebiet. Es werden verschiedenste regenerative Potenziale untersucht, berechnet und georeferenziert dargestellt. Dazu gehören unter anderem Geothermie, Solarthermie, Wärme aus Oberflächengewässern und Kanalabwasser, Biomasse, industrielle Abwärme und eine grundstücksscharfe Darstellung für die Platzierung von Luft-Wärmepumpen.
Die zum Teil sehr technischen (Teil-)Ergebnisse der Wärmeplanung für Osnabrück stellen die Grundlage für die Öffentlichkeitsarbeit dar. Eine saubere Ausarbeitung und Darstellung steht dabei im Vordergrund. Neben der technischen Erarbeitung der Wärmeplanung ist eine kommunikative Begleitung für die Akzeptanz entscheidend. Hierbei wurden verschiedene Ebenen berücksichtigt. Dazu gehörten Fachworkshops für verschiedene Zielgruppen, zum Beispiel für das Thema serielles Sanieren mit der Zielgruppe Architekten und Energieberater oder zum Thema nachbarschaftliche Lösungen mit den Zielgruppen interessierte Nachbarschaften, Energieversorger, Bürgervereine und lokales Handwerk. Für die interne Kommunikation wurden zwei Workshops organisiert, um die Ergebnisse auch innerhalb der Verwaltung zu zeigen und Feedback zu sammeln.
In die Breite streuen
Um das Thema Wärmewende in die Breite zu streuen, wurden ein Multiplikatorenkonzept entwickelt und mehrere Workshops durchgeführt. Zu den Multiplikatoren gehören unter anderem die Innungen, Kirchen und Bürgervereine, die Wohnungswirtschaft, der Migrations- und der Seniorenbeirat, lokale Klimaschutzvereine, Hochschule, Universität und weitere Institutionen. Ziel des Konzepts ist es, dass die Multiplikatoren die Ergebnisse der Wärmeplanung in ihre jeweiligen Institutionen mitnehmen.
Auch nach der Erstellung der kommunalen Wärmeplanung soll die Kommunikation der Ergebnisse und zukünftiger Maßnahmen fortgeführt werden.
Nürnberg: Spatenstich für neues Heizkraftwerk
[17.06.2026] N-ERGIE baut im Nürnberger Südwesten ein innovatives Heizkraftwerk für eine klimafreundliche Fernwärmeversorgung. Die Anlage soll ein neues Stadtquartier und Teile des bestehenden Netzes versorgen und gilt als wichtiger Baustein der Wärmewende. mehr...
Koblenz: Konkretisierung der Wärmepläne
[15.06.2026] Koblenz treibt die kommunale Wärmeplanung voran und konkretisiert Projekte für Wärmenetze in mehreren Stadtteilen. Neue Bundesvorgaben verändern zwar den gesetzlichen Rahmen, doch für Eigentümer werden nun wichtige Weichen für die künftige Wärmeversorgung gestellt. mehr...
Krefeld/Kassel: Fortschritte bei der Wärmeplanung
[15.06.2026] Die Städte Krefeld und Kassel treiben ihre kommunale Wärmeplanung voran und schaffen damit strategische Grundlagen für die Wärmewende. Während Krefeld den politischen Fahrplan bereits beschlossen hat, hat Kassel die nächste Beschlussstufe erreicht und bereitet die verstärkte Umsetzung vor. mehr...
Stadtwerke Flensburg: Grundstein für Großwärmepumpe gelegt
[10.06.2026] Die Stadtwerke Flensburg haben den Grundstein für ihre erste Großwärmepumpe mit 60 MW thermischer Leistung gelegt. Das 70-Millionen-Euro-Projekt soll ab 2027 Wärme aus Fördewasser ins Fernwärmenetz einspeisen und ist ein zentraler Baustein für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. mehr...
Oldenburg: Rat hat Wärmeplanung beschlossen
[10.06.2026] Der Rat der Stadt Oldenburg hat den kommunalen Wärmeplan mit 18 Maßnahmen zur Wärmewende beschlossen. Nun startet die Umsetzung von Wärmenetzstudien, Beratungsangeboten und neuen Beteiligungsformaten, die den Umstieg auf klimafreundliche Wärmeversorgung voranbringen sollen. mehr...
Darmstadt: Fahrplan bis 2045 vorgestellt
[09.06.2026] Darmstadt hatte sich bereits 2022 zur Erarbeitung einer kommunalen Wärmeplanung entschlossen. Nach umfassender Datenerhebung liegen jetzt die Ergebnisse vor. Eine Erkenntnis: Wasserstoff ist für Darmstadt keine realistische Option zur flächendeckenden Wärmeversorgung. mehr...
RheinEnergie: Bau einer Flusswasser-Wärmepumpe startet
[09.06.2026] In Köln hat die Hauptbauphase für eine der europaweit größten Flusswasser-Wärmepumpen begonnen. Das Unternehmen RheinEnergie investiert 280 Millionen Euro in das Projekt am Standort Köln-Niehl. Ab 2028 soll die Anlage Fernwärme für bis zu 50.000 Haushalte liefern. mehr...
Kiel: Förderung für Quartierswärmemanagement
[08.06.2026] Schleswig-Holstein fördert erstmals ein Quartierswärmemanagement zur Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung. Die Stadt Kiel erhält dafür rund 198.000 Euro und startet in zwei Quartieren mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten für die Wärmewende. mehr...
Kommunale Wärmeplanung: Fossile Energieträger dominieren
[03.06.2026] Eine aktuelle Studie zur kommunalen Wärmeplanung zeigt: Großstädte setzen auf den Ausbau der Fernwärme. In kleineren Kommunen werden dezentrale Strategien mit Wärmepumpen und biogenen Energieträgern verfolgt. mehr...
Bremen: Erster Klimaturm soll Quartier versorgen
[03.06.2026] Towergy nimmt Ende Juni in Bremen den ersten Klimaturm in Betrieb, eine kompakte Luft-Wasser-Großwärmepumpe für dicht bebaute Quartiere. Das System soll erneuerbare Wärme und Kälte platzsparend bereitstellen und könnte neue Möglichkeiten für die Wärmewende in Städten eröffnen. mehr...
Berlin: Wärme aus dem Rechenzentrum für Modell-Campus
[01.06.2026] Auf dem Modell-Campus ringberlin soll künftig Wärme aus einem benachbarten Rechenzentrum genutzt werden. Langfristig ist die Wärmeversorgung des gesamten Quartiers geplant. mehr...
Wärmewende: Austauschprojekt zwischen Städten gestartet
[29.05.2026] Stuttgart, Leipzig und Köln starten mit der Forschungsstelle für Energiewirtschaft das Projekt GLOW-Up zur kommunalen Wärmewende. Das Netzwerk soll Städten helfen, Wärmepläne schneller umzusetzen, Bürger früh einzubinden und praxistaugliche Lösungen für Finanzierung und Infrastruktur zu entwickeln. mehr...
Kaiserslautern: Quartier erhält Energiezentrale
[29.05.2026] Im Pfaff-Quartier in Kaiserslautern ist eine Energiezentrale für die klimaneutrale Wärmeversorgung des neuen Stadtviertels in Betrieb gegangen. Das Gebäude verbindet Niedertemperatur-Wärmenetz, Abwärmenutzung und Forschung zum bidirektionalen Laden von Elektrofahrzeugen und gilt als Kernstück des Projekts EnStadt. mehr...
Borken: Kaltes Nahwärmenetz geplant
[27.05.2026] Borken will ein kaltes Nahwärmenetz aufbauen, das Wärme aus gereinigtem Abwasser nutzt. Für das kommunale Modellprojekt stellen Bund und Kommune zusammen mehr als zehn Millionen Euro bereit – mit dem Ziel, öffentliche Gebäude weitgehend ohne fossile Energien zu beheizen. mehr...
Mönchengladbach: Allianz für Wärmewende gegründet
[26.05.2026] Mönchengladbach hat mit Energieversorgern, Handwerk, Wirtschaft und Verbraucherschutz die „Allianz für die Wärmewende“ gegründet. Das Bündnis soll den Umbau der Wärmeversorgung bis 2045 koordinieren und konkrete Projekte für klimaneutrale, bezahlbare Wärme anschieben. mehr...













