Mittwoch, 22. Juli 2026

Baden-WürttembergWärmeplanung im Konvoi

[02.07.2025] Baden-Württemberg will die Wärmewende und den Schutz vor den Folgen des Klimawandels vorantreiben. Ein neuer Gesetzentwurf sieht vor, dass alle Städte und Gemeinden künftig Wärmepläne und Klimaanpassungskonzepte erstellen müssen. Die Kosten sollen über einen finanziellen Ausgleich gedeckt werden.

Die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker erwartet einen zusätzlichen Schub für den Klimaschutz im Land.

(Bildquelle: Umweltministerium/Regenscheit)

Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat am 24. Juni 2025 einen Gesetzentwurf beschlossen, der weitreichende neue Aufgaben für die Städte und Gemeinden vorsieht. Das teilte das Umweltministerium mit. Grundlage sind zwei Bundesgesetze: das Klimaanpassungsgesetz (KAnG) und das Wärmeplanungsgesetz (WPG). In Baden-Württemberg werden diese Vorgaben über eine Änderung des Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetzes (KlimaG BW) umgesetzt.

Alle Gemeinden sind betroffen

Künftig sollen alle Kommunen in Baden-Württemberg einen kommunalen Wärmeplan und ein Konzept zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels vorlegen. Bisher galt die Pflicht zur Wärmeplanung nur für 104 große Kreisstädte und Stadtkreise. Nun sind alle Gemeinden betroffen – unabhängig von ihrer Größe.

Die Wärmeplanung soll laut Land dazu beitragen, dass Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sich besser auf klimafreundliche Heizsysteme umstellen können. Der Plan soll jeweils die örtlich besten Lösungen aufzeigen. Für kleinere Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist ein vereinfachtes Verfahren vorgesehen. Auch so genannte Planungskonvois – also Zusammenschlüsse mehrerer Gemeinden – sind möglich.

Frist bis Juni 2028

Für Gemeinden, die bislang noch keinen Wärmeplan erstellt haben, gilt eine Frist bis zum 30. Juni 2028. Bereits bestehende Planungen behalten ihre Gültigkeit. Erst bei der ersten Fortschreibung müssen sie die neuen Bundesvorgaben erfüllen. Spätestens ab dem 1. Juli 2030 müssen alle Pläne bundesweit einheitlich sein.

Neben der Wärmeplanung sieht der Gesetzentwurf vor, dass alle Kommunen ein Konzept zur Anpassung an den Klimawandel erstellen. Solche Konzepte sollen dabei helfen, Risiken wie Hitzewellen, Starkregen oder Trockenheit besser zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu entwickeln. Die Konzepte müssen auf Analysen der örtlichen Gegebenheiten basieren und sollen verschiedene Lebensbereiche berücksichtigen – etwa Gesundheit, Bevölkerungsschutz, Wasser oder Landwirtschaft.

Landkreise sollen dabei kleinere Gemeinden unterstützen. Sie können gemeinsame Konzepte für mehrere Kommunen erstellen. Der Gemeinderat jeder Kommune entscheidet über die vorgeschlagenen Maßnahmen. Konzepte, die ab dem 1. Januar 2015 erstellt oder aktualisiert wurden, bleiben gültig. Ob sie angepasst werden müssen, entscheiden die Städte und Gemeinden selbst.

Unterstützung durch das Land

Die Landesregierung will den zusätzlichen Aufwand ausgleichen. Sie stellt Daten für die Analysen kostenfrei zur Verfügung, unterstützt fachlich über Schulungen und stellt Hinweise bereit – etwa über das Kompetenzzentrum Klimawandel der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Zudem ist ein finanzieller Ausgleich für Personal- und Sachkosten vorgesehen.

Umweltministerin Thekla Walker (Bündnis 90/Die Grünen) sagte: „In Baden-Württemberg sind wir frühzeitig vorangegangen, um den Gemeinden und ihren Bürgerinnen und Bürgern mit der Wärmeplanung einen Weg aufzuzeigen, wie sie künftig klimafreundlich heizen können.“ Fast alle großen Städte hätten bereits Wärmepläne erstellt, viele kleinere seien ebenfalls aktiv. Die neuen Vorgaben seien ein zusätzlicher Schub für den Klimaschutz im Land.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung

Bremerhaven: Wärme für kommunale Wohnungen

[22.07.2026] Eine langfristige Vereinbarung zur Wärmeversorgung von mehr als 5.000 Wohnungen haben die Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven und swb geschlossen. Nach Angaben von swb soll damit die Wärmeversorgung des kommunalen Wohnungsbestands schrittweise weiterentwickelt und auf dem Weg zur Klimaneutralität Fernwärme mit dezentralen Wärmelösungen kombiniert werden. mehr...

Konstanz: Wärmeverbund für neuen Stadtteil

[22.07.2026] Die Stadtwerke Konstanz und die Firma solarcomplex haben die Projektgesellschaft Wärmeversorgung Hafner gegründet. Sie soll den Aufbau und Betrieb eines Wärmeverbunds im ersten Bauabschnitt des Neubaugebiets Hafner übernehmen. mehr...

Blick über die Baustelle des Quartiers Lagarde auf dem ehemaligen Kasernengelände in Bamberg. Im Vordergrund liegen gebündelte Kunststoffrohre für die Wärmeversorgung, dahinter sind Bewehrungsarbeiten, Baugruben und Erdarbeiten zu sehen. Mehrere Kräne, Bagger und Baustellenfahrzeuge prägen das Bild. Im Hintergrund stehen sanierte historische Backsteingebäude des entstehenden Campus, der im Rahmen der Wärmewende mit einer klimafreundlichen Energieinfrastruktur ausgestattet wird.

Bamberg: Beispielhafte Wärmewende im Quartier

[20.07.2026] Der Lagarde Campus in Bamberg soll nach Angaben der Fraunhofer-Allianz Energie zeigen, wie eine klimaneutrale und wirtschaftliche Wärmeversorgung in urbanen Quartieren umgesetzt werden kann. Das Projekt verbindet erneuerbare Wärmequellen, digitale Steuerung und sektorenübergreifende Energieversorgung. Die Erfahrungen sollen auch in die kommunale Wärmeplanung einfließen. mehr...

Luftaufnahme eines zylindrischen Wärmespeichers auf dem Gelände eines Heizwerks in Gelsenkirchen. Der weiß verkleidete Speicher steht neben Industriegebäuden, einem Schornstein und Rohrleitungen. Rundherum sind Straßen, Parkplätze, Gewerbebauten und Grünflächen zu sehen. Der Wärmespeicher ist in das Fernwärmenetz des Standorts eingebunden.

Steag Iqony: Wärmespeicher auf Schalke

[09.07.2026] Die Steag Iqony Group hat nach etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit einen Wärmespeicher in Gelsenkirchen in Betrieb genommen. Die Anlage soll die Ruhrfernwärme flexibler machen und Erzeugung sowie Verbrauch zeitlich besser aufeinander abstimmen. mehr...

EWE: Großwärmepumpe ist eingetroffen

[08.07.2026] EWE hat die Großwärmepumpe für das Wärmenetz im Oldenburger Stadtteil Ohmstede geliefert. Die Anlage ist das Kernstück der Modernisierung der Heizzentrale und soll die Wärmeversorgung klimafreundlicher sowie unabhängiger von fossilen Energieträgern machen. mehr...

Bremen: Klimaturm eingeweiht

[07.07.2026] Auf der Bremer Überseeinsel ist der erste Klimaturm der Stadt in Betrieb gegangen, eine vertikale Luft-Wasser-Großwärmepumpe für urbane Quartiere. Das System soll eine Lücke zwischen Fernwärme und dezentralen Wärmepumpen schließen und könnte für die kommunale Wärmeplanung in schwer erschließbaren Gebieten relevant werden. mehr...

Ein Mitarbeiter von enercity trägt einen roten Schutzhelm und eine gelbe Warnweste und steht in einer technischen Anlage vor einer großen blauen Pumpeneinheit. Im Hintergrund bedient ein weiterer Mitarbeiter Armaturen und Rohrleitungen. Das Bild zeigt Arbeiten an einer Anlage zur Wärme- oder Energieversorgung.

enercity: Mehr Wärme aus Müllverbrennung

[29.06.2026] Die Energieversorgung in Hannover soll künftig stärker auf Fernwärme aus der thermischen Abfallverwertung setzen. EEW Energy from Waste und enercity erweitern dafür die Wärmekapazität der Anlage in Hannover-Lahe von 50 auf bis zu 85 Megawatt. mehr...

Bisher ungenutzte Abwärme kann einen Beitrag zur nachhaltigen Wärmeversorgung Berlins leisten.

Berlin: Hauptstadt hat Wärmeplan

[29.06.2026] Berlin hat einen gesamtstädtischen Wärmeplan beschlossen und legt damit den Fahrplan für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 fest. Das Konzept zeigt, wo Wärmenetze ausgebaut werden sollen und wo dezentrale Lösungen sinnvoll sind. mehr...

Augsburg: Kommunaler Wärmeplan beschlossen

[29.06.2026] Augsburg hat seinen kommunalen Wärmeplan beschlossen und legt damit die strategische Grundlage für die Wärmewende fest. Das Konzept zeigt mögliche Versorgungswege auf und wird durch neue Beratungs- und Unterstützungsangebote für Bürgerinnen und Bürger ergänzt. mehr...

Tettnang: Richtfest für Nahwärmezentrale

[24.06.2026] Das Nahwärmeprojekt in Tettnang hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Knapp elf Monate nach dem Spatenstich wurde das Richtfest für die Energiezentrale gefeiert. Die erste Versorgung öffentlicher Gebäude mit erneuerbarer Wärme ist für September 2026 vorgesehen. mehr...

Hanau: Kommunaler Beirat soll Wärmeplan begleiten

[23.06.2026] Hanau richtet einen Kommunalen Entwicklungsbeirat ein, der die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung begleiten soll. Das neue Beteiligungsformat bringt Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen und soll Konflikte bei der Wärmewende frühzeitig sichtbar machen. mehr...

DStGB/DGRV: Genossenschaften als Motor der kommunalen Wärmewende

[19.06.2026] Eine neue Publikation von DStGB und DGRV zeigt, wie Genossenschaften die kommunale Wärmewende voranbringen können. Anhand von Praxisbeispielen verdeutlicht sie, warum gerade Städte, Gemeinden und ländliche Regionen von diesem Modell profitieren. mehr...

Nürnberg: Spatenstich für neues Heizkraftwerk

[17.06.2026] N-ERGIE baut im Nürnberger Südwesten ein innovatives Heizkraftwerk für eine klimafreundliche Fernwärmeversorgung. Die Anlage soll ein neues Stadtquartier und Teile des bestehenden Netzes versorgen und gilt als wichtiger Baustein der Wärmewende. mehr...

Koblenz: Konkretisierung der Wärmepläne

[15.06.2026] Koblenz treibt die kommunale Wärmeplanung voran und konkretisiert Projekte für Wärmenetze in mehreren Stadtteilen. Neue Bundesvorgaben verändern zwar den gesetzlichen Rahmen, doch für Eigentümer werden nun wichtige Weichen für die künftige Wärmeversorgung gestellt. mehr...

Krefeld/Kassel: Fortschritte bei der Wärmeplanung

[15.06.2026] Die Städte Krefeld und Kassel treiben ihre kommunale Wärmeplanung voran und schaffen damit strategische Grundlagen für die Wärmewende. Während Krefeld den politischen Fahrplan bereits beschlossen hat, hat Kassel die nächste Beschlussstufe erreicht und bereitet die verstärkte Umsetzung vor. mehr...