Freitag, 6. Februar 2026

NetzanschlüsseReifegrad statt Windhundprinzip

[06.02.2026] Die Übertragungsnetzbetreiber ändern das Verfahren für Netzanschlüsse grundlegend. Künftig ist nicht mehr die Schnelligkeit eines Antrags entscheidend, sondern dessen Umsetzbarkeit. Das Ziel besteht darin, einen transparenten und planbaren Prozess zu etablieren.
Hochspannungsmast mit mehreren Stromleitungen vor blauem Himmel mit Wolken.

Hochspannungsmast: Netzanschlüsse werden künftig nach der Wahrscheinlichkeit der Realisierung genehmigt.

(Bildquelle: TenneT)

Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT Germany und TransnetBW führen ein neues Verfahren für Netzanschlussanträge ein. Wie die Betreiber mitteilen, betrifft dies Anschlüsse an das Höchstspannungsnetz. Dazu zählen Anträge für Großbatteriespeicher, Rechenzentren, Elektrolyseure und andere große Stromverbraucher. Das neue Verfahren trägt den Namen „Reifegradverfahren“. Es ersetzt das bisherige Windhundprinzip. Bisher wurden Anträge allein nach dem Zeitpunkt ihres Eingangs bearbeitet. Künftig sollen Projekte nach klaren und überprüfbaren Kriterien bewertet werden. Maßgeblich ist ihre Realisierungswahrscheinlichkeit. Das Verfahren startet am 1. April 2026 in allen Regelzonen der Übertragungsnetzbetreiber. Zunächst ist eine Informations- und Antragsphase vorgesehen.

Messbare und transparente Kriterien

Den Angaben der Netzbetreiber zufolge werden Anträge künftig nicht mehr einzeln geprüft. Stattdessen werden sie in festen Zeiträumen gesammelt und gemeinsam bewertet. Übersteigt die Zahl der Anträge die verfügbaren Netzkapazitäten, erhalten zunächst die am weitesten entwickelten Projekte ein Angebot. Dieses enthält auch einen Zeitplan für den Netzanschluss. Grundlage der Bewertung sind demnach eindeutig messbare und transparente Kriterien. Dazu zählen die Sicherung geeigneter Flächen und der Stand der Genehmigungen. 

Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Antragsteller

Berücksichtigt werden auch das technische Anlagen- und Anschlusskonzept sowie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Antragsteller. Zusätzlich wird der Nutzen des Projekts für das Netz und das Gesamtsystem bewertet. Bei knappen Kapazitäten sollen Vorhaben mit hoher Qualität und hoher Umsetzungschance bevorzugt werden. Laut den Betreibern soll das Reifegradverfahren einen strukturierten und diskriminierungsfreien Prozess schaffen. Dadurch wird die Vergabe von Netzanschlüssen planbarer und effizienter. Vergleichbare Verfahren sind in Ländern wie Großbritannien und Norwegen bereits im Einsatz.





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