Mittwoch, 24. Juni 2026

NRWRealitätscheck Wasserstoff vorgelegt

[24.06.2026] Nordrhein-Westfalen hat der EU acht Vorschläge für einen schnelleren Aufbau der europäischen Wasserstoffwirtschaft vorgelegt. Die Empfehlungen sollen Investitionen erleichtern, regulatorische Hürden abbauen und den stockenden Markthochlauf voranbringen.

Mit seinem „Realitätscheck Wasserstoff“ will das Land NRW den Wasserstoffhochlauf in der EU beschleunigen.

(Bildquelle: Adobe Stock)

Nordrhein-Westfalen hat einen „Realitätscheck Wasserstoff“ mit acht Handlungsempfehlungen an die Europäische Kommission übergeben, um den Aufbau einer europäischen Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen. Wie das Land Nordrhein-Westfalen berichtet, überreichte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) das Papier am 22. Juni 2026 in Brüssel an den Exekutiv-Vizepräsidenten der EU-Kommission, Stéphane Séjourné (RE). Zuvor hatten Wüst, Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Bündnis 90/Die Grünen) und Europaminister Nathanael Liminski (CDU) das Dokument an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) übersandt.

Mit dem Papier setzt die Landesregierung eine Vereinbarung um, die sie im Juli 2025 gemeinsam mit der EU-Kommission und führenden Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen getroffen hatte. Ziel war es, die europäischen Wasserstoffregelungen einem Praxistest zu unterziehen und Vorschläge für einen schnelleren Markthochlauf zu entwickeln. Die Empfehlungen entstanden gemeinsam mit Industrie- und Wirtschaftsunternehmen und sollen in die Weiterentwicklung der europäischen Wasserstoffpolitik einfließen.

Abbau von Investitionshemmnissen

Im Mittelpunkt steht der Abbau von Investitionshemmnissen. Nach Ansicht der Landesregierung bremsen regulatorische Vorgaben, fehlende Infrastruktur und mangelnde Planungssicherheit derzeit viele Projekte aus. Wüst erklärte: „Europa kommt beim Wasserstoffhochlauf nicht schnell genug voran. Dabei ist Wasserstoff eine Schlüsseltechnologie für Klimaschutz, wirtschaftliche Stärke und eine sichere Energieversorgung.“ Viele Unternehmen seien bereit zu investieren, benötigten dafür aber verlässliche Rahmenbedingungen.

Zu den Vorschlägen gehört der schnelle und verbindliche Ausbau des European Hydrogen Backbone. Das europaweite Wasserstoffnetz soll Erzeugungsregionen mit industriellen Verbrauchszentren verbinden, die Versorgungssicherheit erhöhen und Investitionen erleichtern. Zudem fordert Nordrhein-Westfalen Instrumente zur Risikoabsicherung für Unternehmen, die Wasserstoff transportieren, speichern und handeln.

Weitere Empfehlungen betreffen die Europäische Wasserstoffbank. Deren Förderinstrumente sollen neben Elektrolyseuren auch Import- und Umwandlungsinfrastrukturen stärker berücksichtigen. Dadurch sollen regionale Unterschiede ausgeglichen und Fördermittel effizienter eingesetzt werden.

Senkung der Produktionskosten

Die Landesregierung schlägt außerdem vor, die Produktionskosten für grünen Wasserstoff zu senken. Dazu sollen bestehende Übergangsregelungen verlängert und Wettbewerbsnachteile für Elektrolyseure abgebaut werden. Gleichzeitig fordert sie mehr Planungssicherheit für Projekte im Bereich CO₂-armer Wasserstoff. Unternehmen benötigten verlässliche Vorgaben für Zertifizierung und Emissionsberechnung, um Investitionsentscheidungen treffen zu können.

Darüber hinaus setzt sich Nordrhein-Westfalen für eine stärkere Internationalisierung des Wasserstoffmarktes ein. In einer Übergangsphase sollen auch CO₂-Quellen aus Industrieprozessen in Drittstaaten genutzt werden können, um internationale Lieferketten aufzubauen. Ergänzend fordert das Land eine gemeinsame europäische Importstrategie für Wasserstoff und Wasserstoffderivate. Eine koordinierte Vorgehensweise soll die Verhandlungsmacht gegenüber Drittstaaten stärken und Konkurrenz zwischen den Mitgliedstaaten vermeiden.

Da ein flächendeckendes Wasserstoffnetz erst schrittweise entsteht, spricht sich die Landesregierung zudem für flexible Übergangslösungen aus. Ein bilanzieller Handel könnte Unternehmen bereits in der frühen Marktphase den Zugang zu erneuerbarem Wasserstoff ermöglichen.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wasserstoff

EWE/Salzgitter AG: Liefervertrag für grünen Wasserstoff abgeschlossen

[17.06.2026] EWE und die Salzgitter AG haben einen langfristigen Liefervertrag über jährlich 10.000 Tonnen grünen Wasserstoff abgeschlossen. Die Vereinbarung soll die klimafreundliche Stahlproduktion voranbringen und gilt als wichtiges Signal für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. mehr...

Ein Mann steht in einem Heizungskeller vor einer wandhängenden Wasserstoff-Heizung und bedient das Display des Geräts. Auf der Front ist der Hinweis „H2 – 100 % Wasserstoff“ zu sehen. Die Anlage ist Teil eines Projekts zur Versorgung von Gebäuden mit Wasserstoff über das bestehende Gasnetz. Im Hintergrund sind Rohrleitungen und weitere Komponenten der Heizungsinstallation erkennbar.

Vaillant: Wasserstoffnetz im Regelbetrieb

[12.06.2026] Mehrere Privathaushalte in Hohenwart heizen jetzt mit 100 Prozent Wasserstoff. Das Projekt „H2Dahoam“ ist in den dauerhaften Betrieb gegangen. mehr...

Nationaler Wasserstoffrat: Nationaler Wasserstoffrat reformiert

[12.06.2026] Die Bundesregierung hat eine Reform des Nationalen Wasserstoffrats beschlossen. Das Gremium soll künftig stärker auf den Markthochlauf von Wasserstoff ausgerichtet werden. Zudem wird sein Aufgabenbereich erweitert und die Struktur verschlankt. mehr...

EWE: Bilfinger erhält Großauftrag für Wasserstoffanlage

[20.05.2026] EWE hat Bilfinger mit zentralen Arbeiten für die 320-Megawatt-Wasserstoffanlage in Emden beauftragt. Der Großauftrag markiert den Abschluss der letzten wesentlichen Vergaben und schafft die Basis für langfristige Lieferverträge für grünen Wasserstoff. mehr...

Glänzende „H₂“-Schrift schwebt in einer blauen, wasserähnlichen Umgebung mit aufsteigenden Bläschen und Lichtreflexen.

Bundeshaushalt: Verbände fordern Geld für Wasserstoff

[30.04.2026] Ein breites Bündnis aus Wirtschaft und Kommunen verlangt neue Finanzhilfen für den Wasserstoffmarkt. Im Bundeshaushalt 2027 sollen nach Angaben der Verbände Mittel für Preisgarantien und staatliche Absicherungen eingeplant werden. Damit sollen Investitionen erleichtert und der stockende Markthochlauf beschleunigt werden. mehr...

Braunschweig: Großspeicher für Wasserstoff angeliefert

[30.04.2026] Am Forschungsflughafen Braunschweig entsteht mit neu angelieferten Metallhydridspeichern eine Forschungsanlage für bis zu 500 Kilogramm Wasserstoff. Die TU Braunschweig baut damit ihr H2-Terminal zu einem großskaligen Reallabor für Erzeugung, Verteilung und sichere Langzeitspeicherung von grünem Wasserstoff aus. mehr...

LENA: Online-Reihe zur Wasserstoffwirtschaft gestartet

[29.04.2026] Sachsen-Anhalt hat eine neue Online-Reihe zum Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mit großem Zuspruch gestartet. Zum Auftakt diskutierten mehr als 100 Fachleute, wie weit Infrastruktur, Elektrolyse und industrielle Anwendungen bereits sind – und wo Unternehmen noch auf Antworten warten. mehr...

Hamburg: tesa stellt auf grünen Wasserstoff um

[07.04.2026] tesa rüstet seine Produktion in Hamburg auf grünen Wasserstoff um und erhält dafür öffentliche Förderung. Der Anschluss an das Wasserstoffnetz HH-WIN ab 2027 markiert einen konkreten Schritt hin zur klimaneutralen Industrie. mehr...

Hamburger Energienetze: Tunnelvortrieb für Wasserstoffleitung

[30.03.2026] Hamburger Energienetze errichten einen 106 Meter langen Tunnelvortrieb unter der Hafenbahn, um eine Wasserstoffleitung zu verlegen. Das Projekt sichert den ungestörten Güterverkehr und schafft die Grundlage für die klimaneutrale Versorgung zentraler Industriestandorte ab 2027. mehr...

Saarland: PACT-H2 erhält Millionen-Förderung

[26.03.2026] Das grenzüberschreitende Wasserstoffprojekt PACT-H2 erhält rund drei Millionen Euro Förderung von der Europäischen Union. Das Vorhaben soll den Aufbau einer gemeinsamen Wasserstoffwirtschaft in der Großregion koordinieren und die Akzeptanz in der Bevölkerung stärken. mehr...

Entega: Land Hessen fördert Wasserstoffanlage

[16.03.2026] Für den Aufbau einer Wasserstoffproduktion auf dem Gelände des Darmstädter Müllheizkraftwerks erhält Entega rund 1,65 Millionen Euro vom Land Hessen. Die Förderung stammt aus EU-Strukturmitteln und wird über die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen abgewickelt. mehr...

Koblenz: evm prüft Wasserstoff im Gasnetz

[12.03.2026] Die evm hat in Koblenz untersucht, ob die bestehenden Gasnetze für die Nutzung von Wasserstoff geeignet sind. Das Pilotprojekt lief eineinhalb Jahre. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für künftige Entscheidungen über den Umbau der Gasversorgung dienen. mehr...

Saarland: ZeMA übernimmt Wasserstoffinfrastruktur von Bosch

[05.03.2026] Das ZeMA – Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik übernimmt die Wasserstoff-Infrastruktur von Robert Bosch in Homburg für Forschungszwecke. Damit startet das Land das 22,5-Millionen-Euro-Projekt HyCATT und schafft die Basis für praxisnahe Tests entlang der gesamten H2-Wertschöpfungskette. mehr...

Hamburg: Digitaler Wasserstoffmarktplatz veröffentlicht

[27.02.2026] Erneuerbare Energien Hamburg hat einen digitalen Wasserstoffmarktplatz für die Metropolregion Hamburg veröffentlicht. Die Plattform soll Produzenten, Abnehmer und Dienstleister entlang der Wertschöpfungskette vernetzen und so den Hochlauf der regionalen Wasserstoffwirtschaft beschleunigen. mehr...