WindenergieRichtung tragfähiger Märkte

Der Projektentwickler JUWI setzt verstärkt auf hybride Projekte.
(Bildquelle: JUWI GmbH)
Der Projektentwickler JUWI richtet sich strategisch und organisatorisch neu aus. Damit reagiert das Unternehmen auf den zunehmenden wirtschaftlichen Druck in der Branche der erneuerbaren Energien. Verschärfter Wettbewerb, sinkende Zuschlagswerte bei Ausschreibungen, steigende Kosten, begrenzte Netzanschlusskapazitäten und rückläufige Margen haben laut JUWI die Rahmenbedingungen in den vergangenen Monaten deutlich erschwert. Mit der Restrukturierung will JUWI seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit der Muttergesellschaft MVV Energie ausbauen.
Neue Organisationsstruktur
Zur Neuausrichtung gehört auch ein Personalabbau. In Deutschland sollen standortübergreifend 280 Stellen wegfallen. Die neue Organisationsstruktur soll ab Oktober 2026 gelten. Laut Unternehmensangaben wurden die Maßnahmen gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen sowie der MVV Energie entwickelt. Der Stellenabbau soll vorrangig über freiwillige Lösungen erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nur vorgesehen, wenn sich diese nicht vermeiden lassen.
Auch die Geschäftsführung wird neu aufgestellt. Ab Oktober besteht sie aus dem Geschäftsführer Jost Backhaus und dem neuen Finanzgeschäftsführer Thomas Hüsgen. Christian Arnold, der bislang für das operative Deutschlandgeschäft verantwortlich war, scheidet Ende September aus dem Unternehmen aus. Stephan Hansen legt sein Mandat als Geschäftsführer für das internationale Geschäft ebenfalls Ende September nieder, bleibt JUWI aber bis Ende Juni 2027 als Senior Advisor für internationale Projekte verbunden.
Schwerpunkte der künftigen Strategie
Laut dem Unternehmen liegt der Schwerpunkt der künftigen Strategie auf wirtschaftlich tragfähigen Märkten, höherer Produktivität und stärkerer Integration innerhalb des MVV-Konzerns. JUWI möchte seine Geschäftsmodelle weiterentwickeln und verstärkt auf hybride Projekte setzen, bei denen Windenergie- und Photovoltaikanlagen mit Batteriespeichern kombiniert werden. Gleichzeitig soll die internationale Präsenz in wachstumsstarken Märkten ausgebaut werden. Ein weiterer Baustein der Strategie ist die engere Zusammenarbeit mit MVV, beispielsweise bei der Direktversorgung von Industrieunternehmen mit Strom aus erneuerbaren Energieanlagen.
Trotz der organisatorischen Veränderungen verweist JUWI auf eine umfangreiche Projektpipeline. Derzeit errichtet das Unternehmen in Deutschland sowie in Italien, Griechenland, Südafrika und den USA Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1.000 Megawatt. Dabei werden nach Unternehmensangaben rund 1,3 Millionen Solarmodule installiert und 46 Windenergieanlagen an elf Standorten gebaut.
Seit seiner Gründung vor 30 Jahren hat JUWI eigenen Angaben zufolge weltweit Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 3.500 Megawatt sowie Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von über 4.000 Megawatt geplant und errichtet. Mit den laufenden Projekten erreicht das Unternehmen erstmals gleichzeitig ein Gigawatt installierter Leistung auf seinen Baustellen weltweit.
Erfolge bei Ausschreibungen
Auch auf dem deutschen Markt konnte JUWI zuletzt mehrere Erfolge bei Ausschreibungen der Bundesnetzagentur verzeichnen. In den beiden jüngsten Ausschreibungsrunden erhielt das Unternehmen Zuschläge für 64 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 390 Megawatt. Allein in der Ausschreibung vom Februar 2026 entfielen zehn Windparkprojekte mit 246 Megawatt auf JUWI. Damit sicherte sich der Projektentwickler rund sieben Prozent der ausgeschriebenen Leistung und gehörte zu den erfolgreichsten Teilnehmern der deutlich überzeichneten Ausschreibungsrunde.
Die 40 geplanten Windenergieanlagen verteilen sich auf die Bundesländer Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig weist JUWI darauf hin, dass die Zuschlagswerte weiter gesunken sind. So fiel der durchschnittliche Zuschlagswert laut Bundesnetzagentur von 6,06 auf 5,54 Cent pro Kilowattstunde.
Ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie ist und bleibt das Repowering bestehender Windparks. So gingen Ende März im Windpark Minfeld in Rheinland-Pfalz zwei moderne Windenergieanlagen mit einer Leistung von jeweils sechs Megawatt in Betrieb. Sie ersetzen vier ältere Anlagen aus dem Jahr 2004, wodurch sich der jährliche Stromertrag des Windparks laut Unternehmensangaben auf mehr als 30 Millionen Kilowattstunden erhöht – das 2,5-Fache der bisherigen Produktion. Gleichzeitig sollen jährlich rund 20.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Betreiberin der neuen Anlagen ist die MVV Windenergie, eine Schwestergesellschaft von JUWI.
40 Repowering-Projekte
Laut Unternehmensangaben hat JUWI seit 2010 insgesamt 40 Repowering-Projekte umgesetzt. Dabei wurden 135 ältere Windenergieanlagen durch 121 moderne ersetzt. Die installierte Leistung stieg dadurch von 131 auf 443 Megawatt. Seit der Unternehmensgründung hat JUWI allein in Rheinland-Pfalz mehr als 600 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1.500 Megawatt errichtet. Der Marktanteil des Unternehmens im Land liegt eigenen Angaben zufolge bei über 35 Prozent.
Parallel zur Neuaufstellung treibt JUWI zahlreiche internationale Projekte voran. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Griechenland. Dort errichtet das Unternehmen derzeit an sieben Standorten Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von über 400 Megawatt. Auch in Afrika setzt JUWI auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Im Senegal steht der Hybridpark „Grande Cote Operation“ kurz vor der Fertigstellung. Das Projekt kombiniert eine 20,3-Megawatt-Photovoltaikanlage mit einem 11,12-Megawatt-Batteriespeichersystem. In Südafrika befinden sich derzeit vier weitere Photovoltaikprojekte mit einer Gesamtleistung von rund 350 Megawatt im Bau. In den USA und Italien laufen bereits die Vorbereitungen für weitere Bauvorhaben.
Kommunale Projekte
Neben Großprojekten im In- und Ausland setzt JUWI auch weiterhin auf die Zusammenarbeit mit kommunalen Unternehmen. So ging Ende Mai gemeinsam mit den Stadtwerken Heidenheim der Solarpark Lohnweiler im Landkreis Kusel in Betrieb. Die Anlage verfügt über eine Leistung von 20 Megawatt und soll jährlich rund 23 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Das entspricht dem Strombedarf von etwa 7.700 Haushalten, wie das Unternehmen angibt.
Mit einer organisatorischen Neuaufstellung, einer gut gefüllten Projektpipeline sowie dem Ausbau nationaler und internationaler Projekte will JUWI eigenen Angaben zufolge seine Position im Markt der erneuerbaren Energien langfristig sichern. Dabei setzt das Unternehmen sowohl auf den weiteren Ausbau der Wind- und Solarenergie als auch auf neue Geschäftsmodelle und eine engere Verzahnung mit dem MVV-Konzern.
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