Freitag, 6. November 2026

Durchwachsene SilphieAlternative zum Mais

[30.09.2016] Bislang musste die in Nordamerika beheimatete Pflanze Silphium perfoliatum in Form von Setzlingen aufwendig auf dem Feld gepflanzt werden. Biogas-Landwirte aus Oberschwaben haben jetzt ein Verfahren entwickelt, wie die Pflanze maschinell in Form von Saatgut ausgebracht werden kann.
Die Durchwachsene Silphie kann als Dauerkultur 15 bis 20 Jahre genutzt werden.

Die Durchwachsene Silphie kann als Dauerkultur 15 bis 20 Jahre genutzt werden.

(Bildquelle: Stadtwerke Schwäbisch Hall)

Die Vermaisung der Landschaft ist immer wieder ein Hauptkritikpunkt in Verbindung mit der Biogaserzeugung. Deshalb haben sich die Stadtwerke Schwäbisch Hall bereits im Jahr 2012 dafür eingesetzt, Alternativen zum in die Kritik geratenen Maisanbau zu suchen. Im Rahmen eines Großversuchs in Hohenlohe wurden auf vier Standorten 40.000 Setzlinge der Durchwachsenen Silphie gepflanzt. Es wurden vier Sorten aus unterschiedlichen Pflanzenbetrieben mit Herkunft aus Deutschland und Nordamerika berücksichtigt. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall hatten sich mit 10.000 Euro am Kauf des Pflanzguts beteiligt. Die von Hand gesetzten Pflanzen bildeten bereits nach einem Jahr 50 Zentimeter breite Bodenrosetten aus. Allein die Ausbringung der Pflanze war mit hohen Kosten von rund 8.000 Euro je Hektar verbunden und dann fehlte auch noch der Ernteertrag im ersten Jahr. Biogas-Landwirte aus Ostrach in Oberschwaben haben in dem Projekt Donau-Silphie aber letztendlich ein Verfahren entwickelt, wie die Pflanze maschinell in Form von Saatgut aufs Feld gebracht werden kann. Zudem konnte die für Wildpflanzen typisch geringe Keimzahl von 15 bis 20 Prozent auf 90 Prozent erhöht werden. Durch eine gemeinsame Aussaat von Silphie und Mais kann im ersten Jahr außerdem ein Ernteertragsausfall vermieden werden. Ein weiterer Vorteil: Als Dauerkultur ist die Pflanze 15 bis 20 Jahre nutzbar. Eine jährliche Saatausbringung wie beim Mais wird dadurch überflüssig. Laut den Landwirten kommt man außerdem ab dem zweiten Jahr ohne Mineraldünger und Herbizide aus. Mit den Gährresten aus der Biogasanlage können die Pflanzen im Frühjahr ausreichend gedüngt werden. Grundsätzlich liefere die Durchwachsene Silphie einen Trockenmasseertrag auf Maisniveau. So können je Tonne etwa 538 Kubikmeter Biogas und 284 Kubikmeter Biomethan gewonnen werden. Bei einem Trockensubstanzertrag von 18 Tonnen je Hektar Fläche ab der ersten Ernte liege der Deckungsbeitrag bei der Silphie bei etwa 888 Euro, bei Mais bei zirka 710 Euro. Rein betriebswirtschaftlich gesehen rechne sich der Anbau demnach nach etwa fünf bis acht Jahren. Die Durchwachsene Silphie zählt zur Familie der Korbblüter und der Ordnung Asternartige. Die von Juli bis September gelb blühende Pflanze kann bis zu 3,50 Meter hoch werden.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Bioenergie

Branchenbarometer Biomethan: Wachstum trotz schwieriger Rahmenbedingungen

[05.11.2026] Die Biomethaneinspeisung in Deutschland steigt 2026 voraussichtlich um sechs Prozent auf rund 13 Terawattstunden. Laut dem aktuellen Branchenbarometer der Deutschen Energie-Agentur (dena) erschweren jedoch hohe Netzanschlusskosten, langwierige Genehmigungen und regulatorische Unsicherheiten neue Investitionen. mehr...

Biomassekraftwerke: Flexibler Betrieb im Praxistest

[21.10.2026] Im Forschungsprojekt biovolatil erproben Fraunhofer-Institute und Industriepartner, wie sich Biomassekraftwerke flexibler betreiben und mit Geothermie sowie kommunalen Energiesystemen koppeln lassen. Erste Praxistests zeigen vielversprechende Ergebnisse. mehr...

VKU: Strategie für grüne Gase gefordert

[15.10.2026] Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt erste Eckpunkte des Bundeswirtschaftsministeriums für eine Grüngasquote, sieht aber noch erhebliche offene Fragen. Vor allem müsse die Bundesregierung klären, woher die benötigten Mengen an grünen Gasen kommen sollen und welche Kosten auf die Verbraucher zukommen. mehr...

Kiel: Erprobung von Kohlendioxid-Langzeitspeicherung

[01.10.2026] Die Stadt Kiel und das Start-up Planeteers wollen im Klärwerk Bülk ein Verfahren zur langfristigen Speicherung von Kohlendioxid in der Ostsee erproben. Die geplante Pilotanlage soll jährlich bis zu 625 Tonnen CO₂ binden; das Geomar untersucht mögliche Auswirkungen auf die Meeresumwelt. mehr...

interview

Interview: Dezentral denken

[21.09.2026] Die Bundesregierung plant den Bau neuer Gaskraftwerke. Martin Lass hält es jedoch für sinnvoller, einen Teil der benötigten Leistung durch bestehende Biogasanlagen bereitzustellen. Im Interview mit stadt+werk erläutert er das Potenzial der Bioenergie. mehr...

Biomethan: Verbände fordern bessere Rahmenbedingungen

[17.09.2026] DVGW und Fachverband Biogas sehen in Biomethan einen wichtigen Baustein für die Energiewende. Um die heimischen Potenziale stärker zu erschließen, fordern die Verbände langfristige Anschlussgarantien sowie mehr Planungssicherheit für Anlagen- und Netzbetreiber. mehr...

AEE: Integration von Biogasanlagen in Wärmeplanung

[02.09.2026] Sechs Kommunen erproben im Projekt LKFlex, wie flexible Biogasanlagen in die kommunale Wärmeplanung integriert werden können. Im Fokus stehen dabei die Nutzung von Abwärme und die flexible Stromerzeugung als Ergänzung zu Wind- und Solarenergie. mehr...

Grafik der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz: Ein Sechstel der Bioenergie-Leistung zur Stromerzeugung in Rheinland-Pfalz befindet sich im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Rechts sind zwei stilisierte Biogasanlagen abgebildet.

Eifelkreis Bitburg-Prüm: An der Spitze bei Bioenergie

[25.08.2026] Der Eifelkreis Bitburg-Prüm verfügt über die höchste installierte Bioenergie-Leistung unter den Kommunen in Rheinland-Pfalz. Mit knapp 31 Megawatt entfallen rund ein Sechstel der landesweit installierten Leistung und fast ein Viertel der Anlagen auf den Landkreis. mehr...

Green Planet Energy: Biomethan aus Morschen

[07.08.2026] Die Energiegenossenschaft Green Planet Energy baut eine Biogasanlage im hessischen Morschen zu einem Biomethanstandort aus. Das Projekt soll nachhaltiges Gas aus landwirtschaftlichen Reststoffen liefern und den erneuerbaren Anteil der Gasversorgung weiter erhöhen. mehr...

Lahr: Bau von Biomasse-Anlage

[03.08.2026] MVV Enamic baut für die Rubinmühle in Lahr eine Biomasse-Anlage zur Erzeugung von Prozessdampf aus Haferschalen. Das Projekt soll Erdgas ersetzen, CO2-Emissionen senken und zeigt, wie Industrieunternehmen Produktionsreststoffe energetisch nutzen können. mehr...

EEG-Novelle: Kritik aus der Biogasbranche

[22.07.2026] Ein Netzwerk der Biogasbranche kritisiert den Entwurf zur EEG-Novelle als existenzielle Bedrohung für bestehende Biogasanlagen. Nach Ansicht der Flexperten gefährden die geplanten Ausschreibungsregeln Versorgungssicherheit, Wärmewende und ländliche Wertschöpfung – und fordern deutliche Nachbesserungen. mehr...

Cuxhaven: Biovergärungsanlage macht Baufortschritte

[09.03.2026] Am Entsorgungszentrum Pennigbüttel entsteht eine Biovergärungsanlage, die Bioabfälle aus vier Kommunen zu Biogas und Kompost verarbeitet. Ein Jahr nach dem Spatenstich melden die Betreiber deutliche Baufortschritte und starten nach der Winterpause den nächsten Bauabschnitt. mehr...

Weikersheim: Baustart von Rohbiogasleitung

[05.03.2026] In Weikersheim entsteht eine 4,3 Kilometer lange Rohbiogasleitung mit zwei Satelliten-Blockheizkraftwerken für die kommunale Wärmeversorgung. Das vom Land Baden-Württemberg mit 300.000 Euro geförderte Projekt soll jährlich bis zu 500.000 Liter Heizöl ersetzen und gilt als Modell für den ländlichen Raum. mehr...

Hauptstadtbüro Bioenergie: Kritik am Entwurf des Netzentwicklungsplans

[19.01.2026] Der aktuelle Entwurf des Netzentwicklungsplans blendet nach Ansicht der Bioenergiebranche erneut das Potenzial von Biomasse und Biogas aus. Das Hauptstadtbüro Bioenergie kritisiert eine realitätsferne Fortschreibung früherer Annahmen trotz veränderter energiepolitischer Rahmenbedingungen. mehr...

Stadtwerke Flensburg: Gemeinde übernimmt Biomasse-Heizkraftwerk

[08.01.2026] Zum 1. Januar 2026 hat die Gemeinde Langballig das Biomasse-Heizkraftwerk von den Stadtwerken Flensburg übernommen. Damit geht eine seit mehr als drei Jahren vorbereitete Übertragung der klimaneutralen Wärme- und Stromerzeugung in kommunale Verantwortung über. mehr...