BDEW-MittelspannungsrichtlinieDen Fehler durchfahren

Hersteller dezentraler Blockheizkraftwerke müssen ihre Anlagen laut BDEW-Mittelspannungsrichtlinie zertifizieren lassen.
(Bildquelle: 2G Energy AG)
In den vergangenen Jahren ist die Anzahl an dezentralen Energieerzeugungsanlagen rasant gestiegen, sodass neue Richtlinien zur Netzstützung notwendig wurden. Daraus entstanden die BDEW-Mittelspannungsrichtlinie sowie deren vier Ergänzungen, von denen die aktuellste seit Anfang 2013 gültig ist. Ziel dieser Richtlinie ist es, die Stabilität des Netzes zu gewährleisten und zu stärken. Wo früher wenige Großkraftwerke die Versorgung sicherstellten, gibt es heute eine Vielzahl von kleinen Energieerzeugern am Netz. Dies erfordert eine Umstrukturierung des Netzes und höhere Anforderungen an die dezentralen Anlagen, welche immer mehr wie ein Kraftwerk funktionieren müssen. Mehrere kleine Erzeuger werden über eine Einwahl in einer Leitwarte verbunden und von dort je nach Bedarf gesteuert (virtuelles Kraftwerk).
Im Fehlerfall stützen
Eine neue Anforderung der BDEW-Mittelspannungsrichtlinie ist die dynamische Netzstützung. Diese fordert, dass Erzeugungseinheiten wie ein Blockheizkraftwerk das Netz im Fehlerfall stützen. Während eines Spannungseinbruchs, der beispielsweise durch einen Kurzschluss im Netz hervorgerufen werden kann, darf die Erzeugungseinheit sich nicht oberhalb einer bestimmten Kennlinie trennen, sondern muss für einige Sekunden den Fehler „durchfahren“ und zur Stabilisierung der Netzspannung Blindleistung einspeisen. Nach der Klärung des Fehlers muss die Anlage wieder in den Vorfehlerzustand zurückkehren. Zudem sollen Erzeugungseinheiten bei erhöhter Netzfrequenz ihre Leistung nicht sofort abschalten, sondern zunächst stufenlos reduzieren.
Als Nachweis hierfür fordert die BDEW-Mittelspannungsrichtlinie von Anlagenherstellern ein komplexes Zertifizierungsverfahren. Im ersten Schritt werden in Form von Messungen an einem Spannungseinbruchscontainer die maximale Leistung, die statische und dynamische Netzstützung, die Beeinflussung des Netzes sowie die Zu- und Abschaltzeiten und -werte durch ein akkreditiertes Prüfinstitut ermittelt und anschließend bewertet. Diese Daten werden von einem Zertifizierer gemäß der technischen Richtlinien (FGW TR8) ausgewertet und in einem Prüfbericht festgehalten. Nach erfolgreicher Bewertung werden für die geprüften Einheiten Zertifikate ausgestellt.
Zertifizierter Anlagenbauer
Das Unternehmen 2G Energy hat als einer der ersten Blockheizkraftwerkehersteller der Branche dieses Zertifikat im April 2014 erhalten. Im zweiten Schritt stellte 2G dem Zertifizierungsinstitut ein Software-Modell für die Übertragung der vermessenen Einheiten zur Verfügung. Dieses wird durch den Zertifizierer mit den Echtdaten aus der Messung validiert. Dabei müssen Grenzwerte zur Genauigkeit eingehalten werden. Bei Einhaltung dieser Grenzwerte können durch Parametrierung des Modells nicht vermessene Einheiten in der Größenordnung bewertet werden. Auch diesen Schritt hat 2G bereits erfolgreich durchlaufen.
Zuletzt werden die ungemessenen Einheiten mithilfe des Modells anhand der technischen Richtlinie FGW TR8 bewertet. Die Einheitenzertifizierung der Baureihen von 250 bis 2.000 Kilowatt ist bereits abgeschlossen. Weitere Baureihen werden folgen.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe November/Dezember von stadt+werk im Titelthema Kraft-Wärme-Kopplung erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Sokratherm: Politische Entscheidungen verbessern Bedingungen für KWK
[22.07.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz und ein EuGH-Urteil stärken die Rahmenbedingungen für Kraft-Wärme-Kopplung. Beide Entscheidungen könnten den Einsatz von Blockheizkraftwerken erleichtern und die anstehende Reform des KWK-Gesetzes beeinflussen. mehr...
Stadtwerke Dessau: Spatenstich für iKWK-Anlage
[13.07.2026] Die Stadtwerke Dessau haben mit dem Bau einer innovativen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage begonnen. Die neue Energiezentrale soll ab Mitte 2028 das Wohngebiet Zoberberg, das Klinikum Dessau und weitere Bereiche des Fernwärmenetzes mit Wärme versorgen. mehr...
BDEW: Urteil schafft Rechtssicherheit für KWK-Förderung
[10.07.2026] Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass die Förderung nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz keine staatliche Beihilfe ist. Laut BDEW schafft das Urteil Rechtssicherheit für die Weiterentwicklung des KWKG. mehr...
Energieversorgung Hildesheim: ORC-Anlage ertüchtigt
[09.07.2026] Eine ORC-Anlage zur Strom- und Wärmeerzeugung aus Biomasse in Hildesheim erreicht nach einer technischen Überarbeitung wieder ihre ursprüngliche Leistung. Die EVI Energieversorgung Hildesheim hat die Anlage gemeinsam mit dem Partner GMK im laufenden Betrieb analysiert und optimiert. mehr...
KWK-Symposium: Rolle der KWK im künftigen Energiesystem
[08.06.2026] Kraft-Wärme-Kopplung steht im Mittelpunkt des 24. KWK-Symposium. Die Veranstaltung beleuchtet aktuelle politische, technische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen und zeigt, welche Rolle KWK künftig im Energiesystem spielen kann. mehr...
Tübingen: Wärmetauscher ergänzen Kläranlage
[29.05.2026] Eine Kläranlage in Tübingen wurde um ein drittes BHKW sowie eine innovative Wärmepumpe ergänzt. Damit soll die Klärgasverstromung noch effizienter werden. mehr...
Sokratherm: Förderung für BHKW sichern
[06.05.2026] Für kleinere Blockheizkraftwerke gelten derzeit vergleichsweise hohe Förderzuschläge. Nach einer geplanten Gesetzesänderung könnten diese sinken. Betreiberinnen und Betreiber haben noch bis Ende 2026 Zeit, von den aktuellen Konditionen zu profitieren. mehr...
Uniper: Vorbescheid für neues Gaskraftwerk
[05.05.2026] Für ein geplantes Gaskraftwerk in Großkrotzenburg liegt ein wichtiger Zwischenschritt im Genehmigungsverfahren vor. Die zuständige Behörde hat zentrale Fragen zur Umsetzung vorab geklärt. Das Projekt soll zur künftigen Stromversorgung beitragen. mehr...
Kraft-Wärme-Kopplung: Flexibel einsetzbar
[14.04.2026] In der aktuellen Phase der Energiewende stellt sich die Frage, wie sich Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit verbinden lassen. Eine Antwort darauf bietet die Kraft-Wärme-Kopplung. Sie zeichnet sich durch flexible Einsatzmöglichkeiten und Effizienz aus. mehr...
Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung: BHKW des Jahres 2025 ausgezeichnet
[27.03.2026] Eine KWK-Anlage bei Saarbrücken, die Grubengas und Grubenwasser nutzt, ist zum „BHKW des Jahres 2025“ gekürt worden. Die Auszeichnung zeigt, wie anspruchsvolle Technik klimaschädliches Methan nutzbar macht und neue Maßstäbe für die Energiewende vor Ort setzt. mehr...
BDEW-Studie: Kapazitätsmarkt kann KWK-Förderung nicht ersetzen
[10.03.2026] Eine Studie untersucht, wie Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung in einen künftigen Kapazitätsmarkt integriert werden könnten. Die Ergebnisse zeigen, warum ein solcher Mechanismus allein die bestehende Förderung nicht ersetzen kann und welche politischen Entscheidungen nun für Investoren entscheidend werden. mehr...
B.KWK: Analyse der Rolle der KWK
[17.02.2026] Der Branchenverband B.KWK wertet in einer Kurzanalyse Messdaten aus dem Jahr 2025 aus. Demnach ergänzen KWK-Anlagen die erneuerbaren Energien gezielt und orientieren sich am Strommarkt. Der Verband fordert eine Verlängerung des Förderrahmens. mehr...
Herrenchiemsee: Kulturerbe hat Nahwärmesystem erhalten
[19.01.2026] Auf der Herreninsel im Chiemsee ist ein neues Nahwärmesystem mit Holzvergaser-Blockheizkraftwerk in Betrieb gegangen, das mehrere denkmalgeschützte Gebäude nahezu autark mit Wärme und Strom versorgt. Das Projekt zeigt, wie sich erneuerbare Energietechnik auch in sensiblen Kulturerbe-Strukturen technisch anspruchsvoll integrieren lässt. mehr...
Thüringen: Lösung optimiert iKWK-Anlage
[15.01.2026] Mit Optimierungstechnologie des Fraunhofer IOSB-AST steuert das Unternehmen TWS Thüringer Wärme Service seine neuen iKWK-Anlagen in Gera-Langenberg und Ohrdruf kostenoptimal und förderkonform. Die Lösung verbindet Marktchancen am Strommarkt mit hoher Versorgungssicherheit im Wärmenetz. mehr...
Interview: Lösungen für die Balance im Netz
[06.01.2026] Aus dem BHKW-Pionier 2G Energy ist ein internationaler Anbieter dezentraler Energielösungen geworden. stadt+werk sprach mit dem neuen Vorstandschef Pablo Hofelich über Wachstum, Strategie und die Rolle des Unternehmens im Energiesystem der Zukunft. mehr...











