Montag, 16. März 2026

Netze BWDrohnen checken 110-kV-Leitungen

[23.06.2020] Mit Drohnen und künstlicher Intelligenz will das Unternehmen Netze BW seine 110-kV-Leitungen effizienter kontrollieren. In einem Pilotprojekt werden dazu auch Bilder aus dem All genutzt.
Drohne bei der Befliegung einer 110 kV Trasse.

Drohne bei der Befliegung einer 110 kV Trasse.

(Bildquelle: Netze BW)

Hochspannungsnetze bilden das Rückgrat der überregionalen Stromversorgung. Um deren sicheren Betrieb zu gewährleisten, bedarf es regelmäßiger Kontrollen der Trassen, Leitungen und Maste. Mit einem Pilotprojekt beschreitet Netze BW dazu neue Wege: Aufnahmen von Flugdrohnen und Satelliten sollen in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz (KI) die Zuverlässigkeit der Daten erhöhen und dabei den Aufwand bei der Inspektion deutlich reduzieren helfen. Der Trend zur Automatisierung und Digitalisierung lässt sich bei der EnBW-Tochter laut eigenen Angaben in allen Bereichen spüren. Beispielsweise werden auch beim Netzbetrieb längst schon Drohnen eingesetzt, bislang allerdings nur in ausgesuchten Einzelfällen. „Der Aufwand, tausende Fotos einer großen Befliegung händisch auszuwerten war bislang einfach zu hoch“, erklärt Projektleiter Mario Gnädig. Ein Team aus jungen IT-Spezialisten und erfahrenen Netzmonteuren sowie -ingenieuren arbeitet laut Netze BW deshalb jetzt an einer KI-unterstützten Lösung. Im April seien dafür Bilder von je zwei Leitungsabschnitten in den Landkreisen Ludwigsburg sowie Ortenau mit insgesamt 20 Masten aufgenommen worden. Diese Bilder seien nun zwar auch händisch penibel zu katalogisieren. Mit dem Ergebnis werden dann allerdings Algorithmen gefüttert, die auf diese Weise die automatisierte Auswertung erlernen. Ziel ist laut Netze BW eine hohe Genauigkeit erkannter Schäden unterschiedlicher Art und Größe.
Damit nicht genug haben die Tüftler von Netze BW in Kooperation mit dem Start-up LiveEO aus Berlin die Kontrolle der Trassen selbst im Blick. Mithilfe hochauflösender Satelliten-Bilder werden rund 500 der rund 7.500 Kilometer Hochspannungsleitungen auf bevorstehende Beeinträchtigungen durch Gehölze untersucht. Entstehen sollen Modelle der betrachteten Trassen, auf denen sich durch Überlagerung mit Vegetationsprognosen dynamische Wartungsintervalle erzeugen lassen. Die Ergebnisse der aktuellen Tests sollen laut Projektleiter Mario Gnädig Ende 2020 zunächst in eine Machbarkeitsstudie und im Laufe des kommenden Jahres in weitere Feldtests münden. Dabei gehe es um eine durchgängige Erfassung und Dokumentation von Schäden und deren einheitliche Bewertung, was einen automatisierten End-to-End-Prozess von der Datenerhebung bis zur Handlungsempfehlung erlaube. Nicht zuletzt ließen sich auf diese Weise die stets risikobehafteten und aufwendigen Klettereien an Masten minimieren.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

Stadtwerke Konstanz: Installation von Transformator

[10.03.2026] Die Stadtwerke Konstanz haben im Umspannwerk Weiherhof einen neuen 40-MVA-Transformator installiert. Der Ausbau reagiert auf den stark steigenden Strombedarf durch Wärmepumpen, Elektromobilität und neue Baugebiete und ist Teil einer langfristigen Netzstrategie. mehr...

Smight: Lösung integriert Kurzschlussanzeiger

[09.03.2026] Das Smight Grid2 Gateway Plus bindet erstmals Kurzschlussanzeiger aus der Mittelspannung direkt in eine Lösung zur Netzüberwachung ein. Verteilnetzbetreiber können damit Störungen schneller lokalisieren und erhalten gleichzeitig zusätzliche Transparenz über die Niederspannung. mehr...

Ostsee: Hybrider Strom-Interkonnektor geplant

[24.02.2026] Deutschland, Lettland und Litauen planen mit dem Baltic-German PowerLink einen hybriden Strom-Interkonnektor durch die Ostsee. Das rund 600 Kilometer lange Seekabel soll Offshore-Windparks anbinden und die Märkte enger koppeln – nun starten die Netzbetreiber die Detailplanung. mehr...

Mitnetz Strom: Zahl der Netzeingriffe gesunken

[17.02.2026] Der Verteilnetzbetreiber Mitnetz Strom hat 2025 erneut weniger Einspeisemanagement-Eingriffe verzeichnet – trotz neuer Rekorde bei erneuerbaren Energien. Grund sind umfangreiche Netzinvestitionen, doch weiter steigende EEG-Leistungen und politische Rahmenbedingungen bleiben entscheidend. mehr...

bericht

Balzhausen: Pilot für die Einspeise­steckdose

[09.02.2026] Die Einspeisesteckdose stellt übliche Ausschreibungsverfahren für erneuerbare Energien auf den Kopf. LEW Verteilnetz hat dieses Verfahren jetzt in seinem Netzgebiet im Rahmen eines Pilotprojekts in Balzhausen erprobt. mehr...

enercity Netz: Digitaler Zwilling von Niederspannungsnetz in Betrieb

[09.02.2026] enercity Netz hat einen Digitalen Zwilling für das Niederspannungsnetz in Betrieb genommen. Das virtuelle Echtzeitmodell soll die Netzführung in Hannover präziser machen und bereitet den Weg für automatisierte Steuerung, schnellere Entstörung und neue Planungsprozesse. mehr...

Westfalen Weser Netz: Niederspannungsleitsystem mit CLS-Management gekoppelt

[09.02.2026] Westfalen Weser Netz koppelt erstmals ein Niederspannungsleitsystem direkt mit dem CLS-Management. Der gestartete Pilotbetrieb zeigt, wie sich Netzzustände automatisiert steuern lassen und welche Rolle das für §14a EnWG spielt. mehr...

Hochspannungsmast mit mehreren Stromleitungen vor blauem Himmel mit Wolken.

Netzanschlüsse: Reifegrad statt Windhundprinzip

[06.02.2026] Die Übertragungsnetzbetreiber ändern das Verfahren für Netzanschlüsse grundlegend. Künftig ist nicht mehr die Schnelligkeit eines Antrags entscheidend, sondern dessen Umsetzbarkeit. Das Ziel besteht darin, einen transparenten und planbaren Prozess zu etablieren. mehr...

Hertener Stadtwerke: Stabiles Stromnetz

[05.02.2026] Das Stromnetz in Herten hat 2024 erneut eine sehr hohe Zuverlässigkeit erreicht. Mit einem SAIDI-Wert von rund 1,84 Minuten pro Haushalt liegt die Ausfallzeit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. mehr...

BDEW: Milliardeninvestitionen in den Netzausbau gefordert

[02.02.2026] Neue Regionalszenarien der Stromverteilnetzbetreiber zeigen einen drastisch steigenden Bedarf an Netzanschlüssen bis 2045. Der BDEW fordert deshalb Milliardeninvestitionen in den Netzausbau und bessere regulatorische Rahmenbedingungen, um privates Kapital zu mobilisieren. mehr...

Hessen: Projektstart von SGLive

[26.01.2026] Mit dem Projekt SGLive startet in Hessen ein dreijähriges Vorhaben zur Digitalisierung der Verteilnetze und zur Stärkung der Resilienz des Energiesystems. Die Hochschule Darmstadt, das Ingenieurbüro Pfeffer und die Denkfabrik House of Energy arbeiten dabei mit rund einer Million Euro EU-Kofinanzierung an Smart-Grid-Technologien und IT-Sicherheitskonzepten. mehr...

Hamburger Energienetze: eRound bündelt drei digitale Lösungen

[05.12.2025] Die Hamburger Energienetze bündeln unter der Marke eRound drei digitale Lösungen für Lade-Infrastruktur, Verteilnetze und Smart-City-Anwendungen. Ziel ist eine effizientere Steuerung der Energiewende und ein transparenter Blick auf den Zustand kritischer Infrastruktur. mehr...

TransnetBW: Gesetz zur Strompreis-Senkung verabschiedet

[04.12.2025] Ein staatlicher Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro soll 2026 die Netzentgelte und damit die Strompreise für Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar dämpfen. Bundestag und Bundesrat haben das entsprechende Gesetz verabschiedet. mehr...

Niederviehbach: Zweite Einspeisesteckdose gestartet

[02.12.2025] In Niederviehbach ist das zweite bayerische Pilotprojekt zur sogenannten Einspeisesteckdose gestartet. Damit soll laut Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger der Netzausbau schneller, effizienter und planbarer werden. mehr...

Schleswig-Holstein: Strategiepapier für mehr Netz-Flexibilität

[28.11.2025] Ein neues Strategiepapier soll mehr Flexibilität beim Netzanschluss schaffen und Engpässe bei der Energiewende vermeiden. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums sollen dafür Vergaberegeln, Anschlussverfahren und die Nutzung bestehender Netzpunkte grundlegend überarbeitet werden. mehr...