BHKWKleine Anlagen im Netz

Noch gibt es wenig ausgereifte Geschäftsmodelle für Mini- und Mikro-BHKW.
(Bildquelle: Bosch Thermotechnik)
Seit dem politischen Beschluss zur Energiewende im Sommer vergangenen Jahres gibt es in Deutschland einen breiten Schulterschluss, um dieses ambitionierte Vorhaben in den kommenden Jahrzehnten erfolgreich voranzubringen. Die dafür notwendigen Kapazitäten an erneuerbaren Energien werden zukünftig um ein Vielfaches über der tatsächlichen Last liegen müssen. Es zeigt sich bereits heute, welches enorme Konfliktpotenzial eine unkoordinierte Energiewende bergen kann.
Der Zubau von flankierenden und vor allem flexiblen sowie hocheffizienten konventionellen Erzeugungsanlagen wird eine zentrale Rolle einnehmen. Eine besondere Eignung im Kontext der genannten Herausforderungen wird den kompakten Blockheizkraftwerken (BHKW) attestiert. Sie besitzen durch ihre Wärme- und Strombereitstellung am Ort des Verbrauchs eine hervorragende Gesamteffizienz im Bereich von 85 bis 95 Prozent.
Durch eine intelligente Vernetzung zu virtuellen Kraftwerksverbünden sind BHKW zudem in der Lage, schnell und flexibel ihre Leistung an die vorherrschenden Netzerfordernisse anzupassen. Ihr bisher ausbleibender Markterfolg ist dabei weniger auf technische Probleme zurückzuführen, als vielmehr auf die politischen Rahmenbedingungen, die den noch relativ hohen Anlagenkosten nicht in ausreichender Weise Rechnung tragen. Ein weiteres Markthemmnis stellen die zum Großteil wenig ausgereiften Geschäftsmodelle der einzelnen Anbieter dar. Dennoch spricht vieles für den zukünftigen Markterfolg von Mini- und Mikro-BHKW. Das zeigt auch die Tatsache, dass Heizungsbauer wie Viessmann oder Vaillant neben branchenfremden Konzernen wie Telekom oder Volkswagen eine zunehmende Marktpräsenz in diesem Segment aufbauen.
Wegen ihrer starken Vor-Ort-Präsenz sind Stadtwerke als Anbieter von Mini- und Mikro-BHKW besonders geeignet. Für sie sprechen ihre sehr gute Vernetzung mit der lokalen Wirtschaft, die guten Kenntnisse kommunaler Strukturen und vor allem ihre enge Kundenbindung. Neben zukünftigen Ertragschancen durch die Bereitstellung von Systemdienstleistungen bieten Mini- und Mikro-BHKW Stadtwerken schon heute die Möglichkeit, den rückläufigen Gasabsatz zu stabilisieren. Darüber hinaus ist die Bereitstellung von Wärme und Strom unmittelbar beim Abnehmer eine Chance, dem hohen Margendruck im klassischen Strom- und zunehmend auch Gasgeschäft zu entkommen. Kommunale Energiedienstleister profitieren vom Aufbau zukunftssicherer, dezentraler Erzeugungskapazitäten und erreichen gegenüber dem Kundenkreis positive Imageeffekte.
Doch es gibt auch Punkte, die gegen den erfolgreichen Markteintritt von Stadtwerken sprechen. Größennachteile gegenüber den großen Energieversorgern oder die fehlenden personellen und finanziellen Mittel, um das Geschäftsfeld Mini- und Mikro-BHKW aufzubauen, können hier stellvertretend genannt werden. Um diesen Nachteilen entgegenzuwirken, initiierte Trianel das Umsetzungsprojekt Mini- und Mikro-BHKW.
Trianel-Umsetzungsprojekt
Das Anfang Dezember 2011 gemeinsam mit 40 Stadtwerke-Partnern gestartete Trianel-Umsetzungsprojekt Mini- und Mikro-BHKW hatte das Ziel, ein umfangreiches Umsetzungskonzept für den erfolgreichen Markteintritt zu entwickeln. Getreu dem Motto: „Ideen. Gemeinsam. Umsetzen.“ galt es, in dem herstellerunabhängigen und technologieoffenen Projekt massenmarktfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln, die einen wirtschaftlichen Markteintritt zulassen. Um dieser Zieldefinition gerecht zu werden, wurde über alle Wertschöpfungsstufen eine hohe Standardisierbarkeit angestrebt. Die einzelnen Bausteine des Konzeptes wurden im Rahmen von drei Arbeitskreisen entwickelt:
Marktanalyse: Ein zentraler Punkt des ersten Arbeitskreises war die Marktanalyse von BHKW-Herstellern und -Anlagen. Aufbauend auf einer umfassenden Marktrecherche wurden mit einer Vielzahl von Herstellern Gespräche geführt, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Durch Praxiserfahrungen der Projektpartner, Benchmark-Analysen und simulationsgestützte Auswertungen konnten die für die unterschiedlichen Einsatzbereiche attraktiven Anlagen identifiziert werden. Neben der Marktanalyse der verfügbaren Anlagen wurde ein Markt-Screening für die bereits am Markt vertretenen Geschäftsmodelle und Kooperationen durchgeführt. Weiterhin konnte in Zusammenarbeit mit einem renommierten Partner das zu erwartende Marktpotenzial für den Bereich Mini- und Mikro-BHKW eruiert werden.
Geschäftsmodellentwicklung: Die Mitglieder des zweiten Arbeitskreises analysierten zunächst die unterschiedlichen Rollen und Beziehungen der Marktteilnehmer. Basierend auf diesen Ergebnissen wurden Geschäftsmodelle für die Zielgruppen Ein- und Mehrfamilienhaus sowie den Gewerbebereich entwickelt und mit entsprechenden Kalkulationsgrundlagen versehen.
Rechtlicher Rahmen: Im dritten Arbeitskreis stand die Ausarbeitung des relevanten Rechtsrahmens im Mittelpunkt. Neben der Aufbereitung relevanter Legislativakte auf nationaler und europäischer Ebene lag der Fokus auf dem Erarbeiten von Vertragswerken für die in Arbeitskreis II entwickelten Geschäftsmodellansätze. Da die Gestaltungsspielräume bei der Entwicklung der Geschäftsmodelle stark von den rechtlichen Rahmenbedingungen abhängig waren, wurden die Experten der rechtlichen Seite von Anfang an in die Entwicklung der Geschäftsmodelle mit einbezogen und fungierten damit als ständiger Spiegel für die Geschäftsmodellentwicklung.
Parallel zu den drei Arbeitskreisen entstand ein komplettes Marketing-Konzept, das als White-Label-Lösung von den einzelnen Projektpartnern als Vertriebsunterstützung genutzt werden kann.
Netzwerk Mini- und Mikro-BHKW
Mit erfolgreicher Fertigstellung des Umsetzungskonzeptes Ende April 2012 wurden die Vorarbeiten für den Markteintritt der Stadtwerke-Projektpartner abgeschlossen. Damit auch weiterhin das Synergiepotenzial des Verbundes für jeden Partner zur Verfügung steht, wird ab Mai das Trianel Netzwerk Mini- und Mikro-BHKW die bisherige Projektstruktur ablösen. Trianel wird den gemeinsamen Markteintritt nachhaltig begleiten. Die Stärke des großen Verbundes soll besonders für das Erzielen von Synergiepotenzialen auf der Beschaffungsseite und bei der Weiterentwicklung der bisher erarbeiteten Geschäftsmodelle genutzt werden. Das Unternehmen Trianel wird hierbei die gemeinsame Plattform organisieren, die personellen Ressourcen bereitstellen und die zentrale Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle im Sinne der Stadtwerke vorantreiben.
Trianel GmbH
Die Trianel GmbH wurde 1999 von vier Stadtwerken gegründet. Ziel war es, die Interessen kommunaler Versorger zu bündeln, um ihre Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit im Energiemarkt zu stärken. Trianel konzentrierte sich von Beginn an auf die Unterstützung der Stadtwerke bei ihrer Versorgungsaufgabe. Im Energiehandel und in der Beschaffung wurden gezielt Synergien genutzt. Im Laufe der Jahre wurden neue Geschäftsfelder aufgebaut. Neben der Energiebeschaffung ist Trianel in der Energieerzeugung, im Energiehandel, der Gasspeicherung, aber auch in der Beratung von Stadtwerken aktiv. Heute hat das Unternehmen 250 Mitarbeiter und über 100 Gesellschafter und Partner aus dem kommunalen Bereich.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Mai 2012 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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