Samstag, 21. März 2026

FinanzierungKlimaschutz trotz klammer Kassen

[14.06.2021] Finanzschwachen Kommunen fällt es schwerer, Investitionen in den Klimaschutz zu stemmen. Es gibt allerdings zahlreiche kostengünstige Maßnahmen, um erste Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln. Noch dazu profitieren Kommunen derzeit von optimalen Förderbedingungen.
Smarte Solarsitzbänke tragen zur Klima­bildung im öffentlichen Raum bei.

Smarte Solarsitzbänke tragen zur Klima­bildung im öffentlichen Raum bei.

(Bildquelle: Stadtwerke Stuttgart/Ronny Schonebaum)

Kommunen haben vielfältige Möglichkeiten, um Energieverbräuche zu senken und ihren Teil auf dem Weg zu einer klimaneutralen Gesellschaft beizutragen. Hierfür sind der Aufbau entsprechenden Know-hows sowie Investitionen in klimafreundliche Technologien notwendig. Das gelingt am besten dann, wenn die zuständigen Akteure aus Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft, wie beispielsweise Stadtwerke, Wohnungsbaugesellschaften, Energiedienstleister und Energiegenossenschaften, eng zusammenarbeiten.
Doch wo liegt der Schlüssel zum Öffnen dieser Handlungsspielräume? Aktuell ist Klimaschutz eine freiwillige Aufgabe der Kommunen. Gerade für die finanzschwächeren unter ihnen ist es aber oft nicht leicht, Investitionen in den Klimaschutz zu stemmen. Da kommunaler Klimaschutz jedoch mit zahlreichen positiven Nebeneffekten, wie Kosteneinsparungen, regionaler Wertschöpfung oder einer Erhöhung der Lebensqualität einhergeht, lohnt es sich, diesen mit Maßnahmen aus einzelnen Bereichen der Daseinsvorsorge zu verknüpfen: Energie, Mobilität, Gebäude sowie Bildung.

Klimaschutz in kommunale Handlungsfelder integrieren

Diese Bereiche bieten verschiedene Zugänge, um Klimaschutz in kommunale Handlungsfelder zu inte­grieren. Stellvertretend dafür stehen die Installation von Erneuerbare-Energien-Anlagen, die Bereitstellung alternativer Mobilitätsangebote, die energetische Sanierung öffentlicher und privater Gebäude sowie verschiedene Formate der Sensibilisierung und Aktivierung von Akteuren, die in klimafreundliches Handeln münden.
Vorteilhaft bei der Anbahnung von Klimaschutzmaßnahmen ist es, verschiedene Akteurskonstellationen sowie deren akzeptanz- und identitätsstiftende Wirkung bereits mitzudenken. Das trägt dazu bei, dass sämtliche Klimaschutzmaßnahmen in der Kommune langfristig erfolgreich umgesetzt werden. Gerade bei knappen kommunalen Kassen können durch kostengünstige, nicht oder gering-investive Maßnahmen erste Erfahrungen gesammelt und Strukturen geschaffen werden, welche die spätere Realisierung größerer investiver Maßnahmen begünstigen.

Strukturen schaffen

Ein Klimaschutz-Management mit dazugehörigem Konzept bildet den idealen Ausgangspunkt für den kommunalen Klimaschutz. Vorhandene Potenziale werden analysiert, Ziele definiert, ein Maßnahmenkatalog und Controlling-Mechanismen etabliert. Dadurch wird das Thema dauerhaft in den Verwaltungsstrukturen etabliert, die Vernetzung mit allen relevanten Akteuren verstetigt und dem Klimaschutz kommt die entsprechende Aufmerksamkeit zu. Das führt zur Bündelung und Sichtbarmachung sämtlicher Aktivitäten innerhalb des Querschnittsthemas Klimaschutz. Einzelne Fachämter werden entlastet und die Fördermittelakquise zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen erfolgt an zentraler Stelle. Dank des im Jahr 2020 beschlossenen Konjunkturpakets der Bundesregierung sind die Förderbedingungen aktuell optimal. Hier profitieren finanzschwache Kommunen in besonderem Maße: Sie erhalten über die Kommunalrichtlinie zur Einrichtung eines Klimaschutz-Managements eine 100-prozentige Förderung für Anträge, die bis Ende 2021 gestellt werden.

Klimaschutz erfahrbar machen

Im Bereich der Energieversorgung bietet sich aufgrund der großen Solarpotenziale die Umsetzung von Photovoltaikprojekten auf kommunalen Dächern an. Neben einer Realisierung der Projekte in Eigenregie sind insbesondere bei angespannter Haushaltslage auch Kooperationen mit Dritten möglich, beispielsweise durch die Verpachtung geeigneter Dachflächen an Energiegenossenschaften. Entsprechend verringern sich die Energiekosten bei der Eigennutzung des erzeugten Stroms oder es entstehen Pachteinnahmen.
Im Gebäudebereich unterstützen bereits viele Kommunen die energetische Sanierung privater Wohngebäude. Idealerweise sind ent­sprechende Kampagnen, die Hauseigentümer dazu anregen sollen, selbst aktiv zu werden, mit verschiedenen Beratungsleistungen und Fördermitteln für die Umsetzung konkreter Maßnahmen gekoppelt. Durch die Sanierung ihrer eigenen Liegenschaften können Kommunen darüber hinaus mit gutem Beispiel vorangehen.
Auch im Verkehrsbereich ergeben sich Handlungsspielräume. So ist durch die Einführung eines lokalen E-Carsharing-Angebots, das auch durch eine zivilgesellschaftliche Initiative unter Einbindung der Kommune getragen werden kann, die Reduzierung des Fahrzeugbestands denkbar. In Verbindung mit der Umnutzung von Stellplatzflächen, zum Beispiel für Parklets oder kleinere Grünflächen, führt das unter anderem zu einer erhöhten Aufenthaltsqualität, insbesondere in Innenstadtlagen. Zusätzlich ermöglicht es die Entlastung von kommunalen und privaten Budgets.
Und zu guter Letzt: Klimabildung im öffentlichen Raum trägt dazu bei, Klimaschutz erfahrbar zu machen. Ein Beispiel ist das Platzieren smarter Solarsitzbänke an stark frequentierten Orten. Diese laden zum zeitgleichen Verweilen und Aufladen der eigenen Endgeräte ein. Dabei kann zu kommunalen Klimaschutzaktivitäten informiert werden, etwa zu Erträgen der städtischen Solar­anlagen, zu kommunalen Beratungsangeboten und Fördermitteln oder zu kommunalen Aktionstagen.

Klimaschutz ist Gemeinschaftsaufgabe

Die Beispiele der einzelnen Klimaschutzmaßnahmen zeigen, dass Klimaschutz in Städten und Gemeinden eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Darüber lassen sich vor Ort Einspar- und Wertschöpfungseffekte erzielen, Kooperationen aufbauen, Akteure motivieren, Akzeptanz schaffen sowie durch die Einsparung von Treibhausgasen ein Beitrag zu den global vereinbarten Klimaschutzzielen leisten.
Ausgangspunkt sind oft Klimaschutzkonzepte, die in vielen Kommunen bereits vorliegen. Um alle Akteure aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft mitzunehmen, bedarf es eines adäquaten Beteiligungsrahmens und des Aufbaus institutioneller Strukturen. Dabei muss das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden, sondern es kann auf Praxiswissen aus anderen Kommunen zurückgegriffen werden. Auch sollten Konflikte und Synergien zwischen einzelnen Akteuren, Themen und Maßnahmen frühzeitig herausgearbeitet werden. Notwendig sind zudem die Verständigung auf konkrete Ziele und Leitbilder – wie beispielsweise das der Klimaneutralität – und die Unterstützung durch die Politik.

Johannes Rupp, Philipp Reiß

Johannes Rupp, Philipp ReißJohannes Rupp ist seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsfeld „Nachhaltige Energiewirtschaft und Klimaschutz“ am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin. Philipp Reiß ist seit 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Umwelt des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu).

Stichwörter: Klimaschutz, Difu, IÖW, QualiFiko


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Klimaschutz

Wiesbaden: Bilanz zu CO₂-Emissionen zeigt Fortschritte

[20.03.2026] Wiesbaden senkt Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen deutlich unter das Vor-Corona-Niveau. Eine neue Bilanz zeigt Fortschritte und macht zugleich den Handlungsdruck bei Wärmeversorgung und Verkehr sichtbar. mehr...

Sachsen: Studie zeigt Dekarbonisierungsoptionen

[19.03.2026] Eine neue Studie zeigt konkrete Dekarbonisierungsoptionen für zentrale Branchen der sächsischen Wirtschaft auf. Sie richtet sich vor allem an mittelständische Unternehmen und soll ihnen Orientierung bei technologischen und wirtschaftlichen Entscheidungen auf dem Weg zur Klimaneutralität geben. mehr...

Düsseldorf: Energie-Kommune dank Wärme- und Verkehrswende

[11.03.2026] Die Stadt Düsseldorf möchte ihre Treibhausgasemissionen deutlich reduzieren. Dabei spielen Fachkräfte, die Wärmewende und neue Mobilitätsangebote eine zentrale Rolle. Für ihr Engagement wurde die Stadt nun von der AEE zur Energiekommune des Monats Februar gekürt. mehr...

Rheinland-Pfalz: Ein Drittel ist mit Wärmeplanung fertig

[10.03.2026] Rund ein Drittel der Kommunen in Rheinland-Pfalz hat die gesetzlich vorgeschriebene kommunale Wärmeplanung bereits abgeschlossen. Die Pläne sollen den Weg zu einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung weisen und entscheiden mit darüber, wo künftig Wärmenetze entstehen oder dezentrale Lösungen dominieren. mehr...

AEE: Greifswald ist Energie-Kommune 2025

[02.03.2026] Die Stadt Greifswald hat die bundesweite Abstimmung zur „Energie-Kommune des Jahres 2025” gewonnen. Dies teilte die Agentur für erneuerbare Energien mit. 42,3 Prozent der Stimmen entfielen auf die Universitäts- und Hansestadt. mehr...

Region Mitte Niedersachsen: Förderung dreier Klimaschutz-Projekte

[02.03.2026] Die Zukunftsregion Mitte Niedersachsen fördert drei Projekte zu Mikrowärmenetzen, energetischer Sanierung und Abfallpädagogik mit rund 540.000 Euro. Die Bescheide übergab Landesbeauftragter Ottmar von Holtz in Rehburg-Loccum und setzte damit ein Signal für die interkommunale Zusammenarbeit in Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. mehr...

bericht

Würzburg: Fahrplan zur ­Klimaneutralität

[23.02.2026] Bis 2028 soll die Stadtverwaltung Würzburg treibhausgasneutral werden. Dabei stützt sie sich unter anderem auf einen kapazitätsoptimierten Sanierungsfahrplan für städtische Liegenschaften. mehr...

Anklam: Bioenergie-Cluster und H2-Kraftwerk

[17.02.2026] Die Hansestadt Anklam setzt auf Bioenergie, Wasserstoff und kommunale Wärmeplanung. Im Mittelpunkt stehen zwei Projekte: das Innovationsbündnis biogeniV und ein geplantes Verbundkraftwerk. Das Ziel ist Klimaneutralität bis 2040. mehr...

Mannheim: Phosphorrecyclinganlage in Betrieb gegangen

[16.02.2026] MVV Energie hat in Mannheim eine Phosphorrecyclinganlage in ihre bestehende Abfallverbrennung integriert. Damit gewinnt das Unternehmen aus Klärschlamm bis zu 90 Prozent des enthaltenen Phosphors zurück und stärkt die regionale Kreislaufwirtschaft in Baden-Württemberg. mehr...

Kreis Nienburg: Land fördert modulare Thermolyseanlage

[13.02.2026] Niedersachsen fördert den Bau einer modularen Thermolyseanlage des Unternehmens Waste2Value im Landkreis Nienburg mit 6,05 Millionen Euro. Die Anlage soll schwer recycelbare Kunststoffe chemisch verwerten, 27 Arbeitsplätze schaffen und den Strukturwandel in der Region vorantreiben. mehr...

bericht

Klimamanagement: Software und Beratung aus einer Hand

[11.02.2026] Der IT-Dienstleister regio iT unterstützt Kommunen mit einem modularen Lösungspaket bei Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategien. Es handelt sich um eine synergetische Kombination aus IT-gestütztem Datenmanagement, strategischer Beratung und effizienter Beschaffung. mehr...

Hessischer Staatspreis Energie 2026: Bewerbungsphase gestartet

[11.02.2026] In Hessen hat die Bewerbungsphase für den Staatspreis Energie 2026 begonnen. Bis Ende April können Projekte eingereicht werden, die zu einer sicheren, klimafreundlichen und bezahlbaren Energieversorgung beitragen. mehr...

Trianel: evm entwickelt Strategie für erneuerbare Stromversorgung

[09.02.2026] Die Energieversorgung Mittelrhein entwickelt mit Trianel eine Gesamtportfoliostrategie für eine vollständig erneuerbare Stromversorgung. Ziel ist es, Planung, Betrieb und Vermarktung so zu verzahnen, dass Klimaziele, Wirtschaftlichkeit und Marktrisiken zusammenpassen. mehr...

Baden-Württemberg: Klimaschutz-Programm reaktiviert

[04.02.2026] Kommunen in Baden-Württemberg können wieder Förderanträge für Beratungs- und Begleitmaßnahmen zur energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude stellen. Das Land reaktiviert dafür den zweiten Teil des Programms Klimaschutz-Plus und ergänzt die bereits laufende Investitionsförderung. mehr...

Energie-Kommune des Jahres: Drei Finalisten stehen fest

[04.02.2026] Greifswald, der Landkreis Regensburg und Schwalmtal stehen im Finale um den Titel „Energie-Kommune des Jahres 2025“. Die Entscheidung fällt am 26. Februar bei einer digitalen Auszeichnungsveranstaltung nach öffentlicher Abstimmung. mehr...