Mittwoch, 14. Oktober 2026

WürzburgFahrplan zur ­Klimaneutralität

[23.02.2026] Bis 2028 soll die Stadtverwaltung Würzburg treibhausgasneutral werden. Dabei stützt sie sich unter anderem auf einen kapazitätsoptimierten Sanierungsfahrplan für städtische Liegenschaften.

Die Stadt Würzburg hat sich verpflichtet, die Klimaneutralität der Verwaltung bis 2028 und der gesamten Stadt bis 2040 zu erreichen. Der Gebäudebereich ist der größte Treibhausgasverursacher der Stadtverwaltung. Alte Fenster, fehlende Dämmung und ineffiziente Heizungen belasten aber nicht nur das Klima, sondern auch das städtische Budget. Ohne Sanierung wäre die Stadt in Zukunft mit immer weiter steigenden Energiekosten konfrontiert.

Mit der Verabschiedung eines detaillierten Sanierungsfahrplans für ihre 20 energieintensivsten kommunalen Liegenschaften unterstreicht die Stadt ihren Anspruch, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden. Der Fahrplan wurde vom Beratungsunternehmen Drees & Sommer in enger Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Klima und Nachhaltigkeit sowie dem Fachbereich Hochbau erarbeitet und ist zentraler Baustein des integrierten Klimaschutzkonzepts (iKK 2021). Er setzt auf eine schrittweise, aber konsequente energetische Sanierung des öffentlichen Gebäudebestands.

Drei Varianten

Es wurden drei Varianten des Sanierungsfahrplans ausgearbeitet, unter anderem eine Klimaschutz-Variante: Ziel ist hier die vollständige Klimaneutralität aller 20 Gebäude bis 2028. Die Analyse zeigt jedoch, dass die vorhandenen personellen und finanziellen Kapazitäten für eine vollständige Umsetzung in diesem Zeitraum nicht ausreichen. Insbesondere die Vorlaufzeiten für Planung, Ausschreibung und die Einarbeitung zusätzlichen Personals stellen erhebliche Hürden dar. In der kostenoptimierten Variante wird die Klimaneutralität bis 2040 angestrebt, unter Berücksichtigung der Restlebensdauer der Bauteile und Anlagentechnik. Die Maßnahmen werden nach wirtschaftlicher Machbarkeit priorisiert, um langfristig Kosten zu sparen und die ­Klimaziele schrittweise zu erreichen.

Die – empfohlene – kapazitäts­optimierte Variante wiederum sieht vor, jährlich maximal drei Liegenschaften zu sanieren und Gebäude mit fossilen Energieträgern zu prio­risieren. Die Klimaneutralität soll bis 2040 erreicht werden, wobei die Umsetzung realistisch, wirtschaftlich tragbar und an die verfügbaren Kapazitäten angepasst ist. Für die Priorisierung ausschlaggebend ist nicht nur der Zustand der Gebäude, sondern auch die finanziellen und personellen Kapazitäten, die Würzburg jährlich aufbringen kann. Dementsprechend hat Drees & Sommer den Sanierungsfahrplan im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Stadt erstellt.

200 Maßnahmen

Für die ersten zwanzig öffentlichen Gebäude empfiehlt der Plan rund 200 konkrete Maßnahmen – von der Dämmung über den Austausch alter Heizungen bis hin zum Ausbau von Photovoltaik und Wärmepumpen. Neben langfristigen Sanierungen wurden auch Quick-Wins identifiziert: kurzfristige Energieeinsparungen mit geringem Aufwand und niedrigen Kosten, die sofort umgesetzt werden können. Alle Maßnahmen wurden hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit geprüft und priorisiert.

Für die koordinierte Umsetzung wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, welche die Zusammenarbeit des Finanzreferats, Baureferats sowie Umwelt & Klimareferats sicherstellte. Der Arbeitskreis wird jährlich Bericht erstatten und den Fortschritt überwachen. Ein konkreter Umsetzungsplan, der Finanz- und Personalplanung umfasst, soll bereits zu den Haushaltsberatungen im Jahr 2026 vorgelegt werden. Die derzeitige Haushaltslage, wohl viele Kommunen betreffend, hemmt den Sanierungsfahrplan derzeit etwas, hebelt ihn aber nicht aus, denn er ist in der kapazitätsoptimierten Variante langfristig ausgelegt.

Vorbild für andere Kommunen

Das Beispiel Würzburg könnte auch anderen Kommunen einen Bauplan liefern, wie eine systematische Sanierung gelingen kann. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass der Sanierungsfahrplan bisher nur die 20 energieintensivsten Gebäude analysiert hat, wobei Schulen und Eigenbetriebe nicht berücksichtigt wurden. Unbestritten ist, dass auch der restliche Gebäudebestand der Stadt Würzburg derzeit nicht klimaneutral ist und hier in Zukunft ebenfalls verschiedene Sanierungsmaßnahmen erforderlich sein werden. Daher soll der vorliegende Sanierungsfahrplan schrittweise auf die verbleibenden Liegenschaften der Stadt Würzburg übertragen werden.

Öffentliche Gebäude haben eine Vorbildfunktion und sollen die Stadtgesellschaft und die Wirtschaft animieren, ebenfalls in die energetische Gebäudesanierung zu investieren. Die klimaneutrale Stadtverwaltung ist daher ein wichtiger Baustein im Klimaschutzkonzept für die gesamte Stadt. Mit dem Sanierungsfahrplan für die ersten 20 Liegenschaften hat Würzburg einen strategischen Plan entwickelt, welcher aufzeigt was, wann und – mit einer ersten Orientierung – mit wie viel das Ziel erreicht werden kann.


Der Autor, Martin HeiligMartin Heilig ist seit Juli 2025 Oberbürgermeister der Stadt Würzburg und damit erster grüner OB Bayerns. In seiner Zeit als 2. Bürgermeister und Leiter des Umwelt- und Klimareferats verantwortete er bereits die umweltstrategische Ausrichtung Würzburgs.



Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Klimaschutz

Sachsen: Kommunen erhalten Geld aus Wind- und Solarparks

[07.10.2026] Mindestens 390.000 Euro fließen jährlich aus Windenergie- und Photovoltaikanlagen an sächsische Kommunen. Grundlage sind Vereinbarungen nach Paragraf 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, wie eine Umfrage der Sächsischen Energieagentur zeigt. mehr...

ZSW/BDEW: Erneuerbare decken gut 60 Prozent des Stromverbrauchs

[05.10.2026] Erneuerbare Energien haben in den ersten drei Quartalen 2026 rund 61 Prozent des deutschen Stromverbrauchs gedeckt. Vor allem Wind- und Solarstrom legten gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich zu. mehr...

Mecklenburg-Vorpommern: Kom.EMS steht kostenfrei zur Verfügung

[25.09.2026] Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern können das Energiemanagement-System Kom.EMS ab sofort kostenfrei nutzen. Die Landesenergie- und Klimaschutzagentur Mecklenburg-Vorpommern unterstützt Städte, Gemeinden und Landkreise bei der Einführung und Anwendung. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Treibhausgasemissionen sinken um vier Prozent

[18.09.2026] Die Treibhausgasemissionen in Nordrhein-Westfalen sind 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund vier Prozent zurückgegangen. Nach vorläufigen Zahlen wurden 171,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestoßen. Seit 1990 haben sich die Emissionen damit mehr als halbiert. mehr...

European Energy Award: Fünf NRW-Kommunen für Klimaschutz ausgezeichnet

[16.09.2026] Dülmen, Minden, Wuppertal, Greven und Warendorf sind mit dem European Energy Award ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurden unter anderem Projekte in den Bereichen Wärmeversorgung, Photovoltaik, Energieeffizienz und nachhaltige Mobilität. mehr...

Leipzig: Flächenkonzept für erneuerbare Energien vorgelegt

[08.09.2026] Leipzig hat ein Flächenkonzept für erneuerbare Energien erarbeitet. Rund zwei Prozent des Stadtgebiets kommen demnach potenziell für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen infrage. Eine wichtige Rolle sollen Photovoltaikanlagen auf Dächern spielen. mehr...

Stadtwerke Osnabrück: Nachhaltigkeitsbericht erstellt

[07.09.2026] Die Stadtwerke Osnabrück haben ihren ersten konzernweiten Nachhaltigkeitsbericht nach CSRD-Logik digital erstellt. Eine PowerApp und ein Power-BI-Dashboard bündeln dafür Nachhaltigkeits- und Emissionsdaten und sollen die Transformation steuerbar machen. mehr...

bericht

Nachhaltige Wirtschaftsflächen: Vom Standort zur passenden Strategie

[02.09.2026] Eine Typologie mit sechs Kategorien zeigt, welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu Gewerbe- und Industriegebieten passen. Die Systematik soll Kommunen helfen, Flächennutzung, Klimaanpassung, Energie und Mobilität schon früh standortgerecht zu planen. mehr...

Braunschweig: Projekt als Klima-Leuchtturm ausgezeichnet

[31.08.2026] Braunschweig erhält für das Beteiligungsprojekt COABS erneut den Preis „Klima-Leuchtturm“. Das Projekt entwickelte mit Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft konkrete Bausteine für die kommunale Klimaanpassung. mehr...

Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen: Elf Kommunen erhalten Auszeichnung

[27.08.2026] Elf Kommunen sind beim Wettbewerb „Klima kommunal“ 2026 für Projekte zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung ausgezeichnet worden. Darunter finden sich auch Vorhaben mit Bezug zu Energieversorgung, Wärme und kommunalen Liegenschaften. mehr...

Photovoltaikanlage auf dem Dach des Stuttgarter Rathauses mit Blick über die Innenstadt. Am Horizont ist der Stuttgarter Fernsehturm erkennbar.
bericht

Stuttgart: Klimaziele nicht erreichbar

[17.08.2026] Stuttgart hat seine Treibhausgasemissionen seit 1990 deutlich reduziert. Für das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, reicht das bisherige Tempo jedoch nicht aus. Das geht aus dem neuen Bericht zur Gesamtstädtischen Klimastrategie hervor. Besonders kritisch bewertet die Stadt die Entwicklung im Wärmesektor. mehr...

Energie-Kommune: Tangerhütte setzt auf Erneuerbaren-Mix

[11.08.2026] In Tangerhütte sind bereits Anlagen zur Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien mit einer Leistung von rund 261 Megawatt installiert. Es sind weitere Wind- und Solarprojekte geplant. Zugleich arbeitet die Stadt an einer nachhaltigen Wärmeversorgung und setzt auf einen großen neuen Batteriespeicher. mehr...

Nürnberg: Maßnahmen zur Klimaneutralität bis 2035 vorgestellt

[05.08.2026] Die Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg baut ihre Eigenenergieerzeugung und Energieeffizienz aus, um bis 2035 klimaneutral zu werden. Ein Sachstandsbericht zeigt, welche technischen Maßnahmen bereits wirken und welche Projekte als Nächstes folgen. mehr...

Westmittelfranken: Vier Kreise legen Energienutzungspläne vor

[03.08.2026] Vier Landkreise in Westmittelfranken haben digitale Energienutzungspläne bis 2040 vorgestellt. Die Analysen zeigen, warum für die Energiewende künftig nicht mehr Jahresbilanzen, sondern das zeitliche Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch, Netzen und Speichern entscheidend ist. mehr...

bericht

Baden-Württemberg: Klima-Impulse aus dem Süden

[23.07.2026] Vier Kommunen in Baden-Württemberg haben sich auf den Weg gemacht, Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen – fünf Jahre früher als vorgeschrieben. Sie verfolgen bewusst unterschiedliche Schwerpunkte. Viele Ansätze lassen sich auf andere Kommunen übertragen. mehr...