Freitag, 24. April 2026

WindenergieMehr Nutzen vor Ort

[09.04.2019] Um die Akzeptanz von Windparks in der Bevölkerung zu stärken, schlagen Experten des Projektentwicklers Windwärts ein Instrument zur Beteiligung der Kommunen an der Wertschöpfung vor: die kommunale Windabgabe.
Kommunen sollen per Abgabe an der Wertschöpfung von Windparks beteiligt werden.

Kommunen sollen per Abgabe an der Wertschöpfung von Windparks beteiligt werden.

(Bildquelle: Windwärts Energie)

Die bundesweite Zustimmung zu erneuerbaren Energien und Windenergie ist hoch. Diese allgemein positive Grundhaltung muss nach Auffassung des Unternehmens Windwärts konkret vor Ort, also an den Projektstandorten im ländlichen Raum, mit einer wahrnehmbaren wirtschaftlichen Beteiligung an der Wertschöpfung verbunden werden. So kann der Nutzen der Windenergie deutlich gemacht und die Akzeptanz langfristig gesichert werden.

Gegner melden sich zu Wort

Die Ziele der Bundesregierung sind ambitioniert: Bis 2030 soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von aktuell 38 Prozent auf 65 Prozent steigen. Neben dem Ausbau der Photovoltaik und der Windenergie auf See ist dafür pro Jahr ein Bruttozubau von rund 1.000 Windenergieanlagen an Land erforderlich. Aufgrund der heutigen Anlagendimensionen mit Gesamthöhen von mehr als 200 Metern werden diese überwiegend im ländlichen Raum errichtet werden. Doch vor Ort melden sich trotz der in der Regel mehrheitlichen Zustimmung der Bevölkerung immer häufiger auch Projektgegner lautstark zu Wort, wenn konkrete Pläne für einen Windpark veröffentlicht werden. Gut organisiert versuchen sie, Windenergieprojekte politisch und juristisch zu verzögern und zu verhindern.
Ohne die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung wird der klimaschutzpolitisch erforderliche Ausbau der Windenergie langfristig in den Kommunen nicht durchsetzbar sein. Es gilt daher, die Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken und zu stabilisieren. Die Frage ist allerdings, welche Instrumente und Maßnahmen dafür geeignet sind.
Die Akzeptanz der mit der Windenergienutzung verbundenen Auswirkungen ist ein wesentlicher Aspekt von Windenergieprojekten. Dazu zählen beispielsweise angemessene Grenzwerte für Schallimmissionen und Schattenwurf sowie die zu vermeidende Gefährdung geschützter Tierarten. Dies erfolgt im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nach Bundesimmissionsschutzgesetz. Weitere Aspekte sind Kompensationsmaßnahmen für die Veränderung des Landschaftsbilds und eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung.

Gerechte Verteilung

Von ebenfalls großer Bedeutung sind Fragen der Verfahrens- und Verteilungsgerechtigkeit. Verfahrensgerechtigkeit wird mit Prozessen zur Beteiligung der Öffentlichkeit adressiert. Verteilungsgerechtigkeit thematisiert hingegen die ökonomische Beteiligung von Bürgern und Kommunen an der durch Windenergie vor Ort generierten Wertschöpfung.
Wie bei allen Infrastruktur- und Energieprojekten ist es unerlässlich, die Bevölkerung über die Gründe und die Sinnhaftigkeit des Vorhabens zu informieren und einen transparenten Planungs- und Genehmigungsprozess durchzuführen. Neben den formalen Wegen der Verfahrensbeteiligung sind Informationsveranstaltungen, Zukunftswerkstätten und Leitbildprozesse geeignet, um die Bürger in die Meinungsbildung einzubeziehen. Förderlich für eine hohe Akzeptanz ist es, wenn die Initiatoren des Projekts einen lokalen Bezug haben oder diesen zumindest suchen.
Hinsichtlich der wirtschaftlichen Beteiligung schaffen direkte Partizipationsmöglichkeiten der Anlieger oder ein regionales (vergünstigtes) Stromangebot eine positive Verbindung. Viele Projektentwickler und Betreiber von Windparks versuchen seit Langem, derartige Konzepte im lokalen und regionalen Zusammenhang zu entwickeln und umzusetzen. Was fehlt, ist ein Instrument zur Beteiligung der Kommunen an der Wertschöpfung, das unabhängig vom Engagement einzelner Akteure und von regionalen Strukturen funktioniert und damit überall gleichermaßen anwendbar ist.

Drei Prozent für die Gemeinde

Bislang entstanden kommunale Einnahmen in der Regel lediglich aus der Verpachtung kommunaler Grundstücke für die Infrastruktur sowie aus nur eingeschränkt kalkulierbaren Einnahmen aus Gewerbesteuerzahlungen der Betreibergesellschaft. Zudem dauert es je nach Projekt und Standort viele Jahre, bis die Zahlungen der Gewerbesteuer beginnen.
Als schnell wirksames und verlässliches Instrument schlägt Windwärts vor, mittels der Windabgabe drei Prozent des Umsatzes aus der Stromproduktion eines neu errichteten Windparks an die Standortgemeinde sowie die Nachbarkommunen abzuführen. Je nach Anlagentyp, Höhe der Stromproduktion und Vergütungssatz sind jährliche Einnahmen zwischen 10.000 und 18.000 Euro pro Windenergieanlage zu erwarten. Durch die rechtliche Konzeption muss sichergestellt werden, dass diese Zahlungen nicht in den kommunalen Finanzausgleich fließen. So können Kommunen durch die Einführung einer kommunalen Windabgabe von Beginn an zuverlässig von der Wertschöpfung eines Windparks profitieren. Die positive Wirkung der kommunalen Windabgabe ist umso größer, je besser die Wahrnehmung der Einnahmen in Verbindung mit dem Betrieb des Windparks gestaltet werden kann. Windwärts schlägt daher eine optionale Steuerung der Mittelverwendung durch kommunal verankerte Gremien vor.

Bundeseinheitliche Regelung

Die Regierungskoalition in Berlin hat den Bedarf an einer Stärkung der Akzeptanz erkannt und im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD eine bundeseinheitliche Regelung beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien vorgesehen. Standortgemeinden sollen stärker an der Wertschöpfung von Anlagen beteiligt und die Möglichkeiten einer Projektbeteiligung von Bürgern verbessert werden, ohne dass dies insgesamt zu Kostensteigerungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien führt.
Die kommunale Windabgabe wird nicht alle Probleme lösen und nicht alle Kritiker verstummen lassen. Aber sie kann einen Beitrag dazu leisten, dass diejenigen profitieren, deren Wohnsitz sich in der Nähe der Anlagen befindet. Windwärts fordert die Gesetzgeber in Bund und Ländern daher auf, in den Prozess der Einführung einer Windabgabe einzusteigen und diese möglichst zeitnah umzusetzen.

Lothar Schulze

Schulze, LotharLothar Schulze zählt zu den Pionieren der Windenergie. Er ist Mitbegründer und heutiger Leiter Politik der Windwärts Energie GmbH. Als Mitglied im Rat von Agora Energiewende wirkt er an der Entwicklung nachhaltiger Lösungsmodelle für die Herausforderungen der Energiewende mit.

Stichwörter: Windenergie,


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Windenergie
Mehrere moderne Windenergieanlagen stehen im Windpark Minfeld in einer offenen Agrarlandschaft. Die hohen Windräder drehen sich über Feldern und Wegen, im Hintergrund sind weitere Anlagen sowie eine leicht hügelige Landschaft zu erkennen.

JUWI: Repowering in Minfeld

[02.04.2026] Im Landkreis Germersheim sind zwei neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen worden. Sie ersetzen vier ältere Anlagen und werden deutlich mehr Strom erzeugen. Laut den Betreibern steigt der Ertrag des Windparks dadurch erheblich. mehr...

Mehrere Windräder stehen in einer offenen Landschaft und drehen sich im Licht der untergehenden oder aufgehenden Sonne. Im Vordergrund ist ein großes, gebogenes Bauteil einer Windenergieanlage zu sehen, das den Blick auf die Anlagen im Hintergrund teilweise einrahmt.

Bundesnetzagentur: Windkraft-Ausschreibung deutlich überzeichnet

[01.04.2026] Die Nachfrage nach neuen Windkraftprojekten in Deutschland bleibt hoch. So war die jüngste Ausschreibung mehr als doppelt überzeichnet. Branchenvertreter sehen darin ein Signal für zusätzliche Ausbaupotenziale. mehr...

Bau einer Windkraftanlage aus der Vogelperspektive: Ein Kran hebt Turmteile über einem Waldgebiet, Arbeiterinnen und Arbeiter sind am Fundament im Einsatz.

Bundesrat: Initiative für mehr Windkraft

[30.03.2026] Der Bundesrat hat eine Initiative zur Förderung der Windenergie an Land beschlossen. Noch im Jahr 2026 soll eine Sonderausschreibung über 5.000 Megawatt erfolgen. Mehrere Bundesländer unterstützen den Vorstoß. Auch vom BDEW kommt Zustimmung. mehr...

Uniper: Stadtwerke Wolfenbüttel erhalten Windstrom

[30.03.2026] Uniper liefert künftig Windstrom aus Niedersachsen exklusiv an die Stadtwerke Wolfenbüttel. Der Vertrag soll regionale Ökostromangebote stärken und zeigen, wie Post-EEG-Windparks wirtschaftlich weiterbetrieben werden können. mehr...

NRW: Tool zur Artenschutzprüfung soll Genehmigungsverfahren verkürzen

[27.03.2026] Nordrhein-Westfalen führt ein digitales Tool ein, das Artenschutzprüfungen für Windenergieanlagen automatisiert erstellt. Das soll Genehmigungsverfahren deutlich verkürzen und den Ausbau der Windkraft bei gleichbleibenden Schutzstandards beschleunigen. mehr...

Frankfurt am Main: Infrastruktur für Windpark entsteht

[25.03.2026] Mainova hat jetzt mit den Erschließungsarbeiten für den Windpark Schäferköppel im Norden Frankfurts begonnen. Das Projekt schafft die Grundlage für vier leistungsstarke Anlagen und soll ab 2027 regionalen Grünstrom liefern. mehr...

Badenova: Bau des Windparks Sirnitz/Dreispitz gestartet

[25.03.2026] Der Bau des Windparks Sirnitz/Dreispitz mit fünf Großanlagen startet mit der Fundamentierung. Das Projekt soll ab Ende 2026 klimafreundlichen Strom für rund 50.000 Menschen liefern und markiert einen wichtigen Schritt für die regionale Energiewende. mehr...

Trianel: Vier neue Windparks erworben

[23.03.2026] Trianel baut seine Windenergieaktivitäten aus und sichert sich vier neue Projekte mit rund 100 Megawatt Leistung. Die Kooperation mit BMR soll Entwicklung, Finanzierung und Betrieb bündeln und den Ausbau trotz schwieriger Rahmenbedingungen beschleunigen. mehr...

Windenergieanlage auf einer Waldlichtung im Schwarzwald, umgeben von dichtem Wald und Mittelgebirgslandschaft unter wolkigem Himmel.

Süddeutschland: Milliardenpotenzial durch mehr Windkraft

[12.03.2026] Eine aktuelle Studie plädiert für einen stärkeren Ausbau der Windenergie in Süddeutschland. Mehr Windkraftanlagen in Bayern und Baden-Württemberg könnten die Kosten im Stromsystem deutlich senken. Branchenverbände fordern deshalb eine Änderung der Förderregeln. mehr...

Baden-Württemberg: 22 Windpark-Projektierer warnen vor Aus von Windenergie

[02.03.2026] 22 Windpark-Projektierer aus dem Südwesten warnen vor einem faktischen Aus für neue Anlagen in Baden-Württemberg. Sie sehen den Ausschreibungsmechanismus des EEG als Ursache und drängen die Bundesregierung zu raschen Korrekturen. mehr...

Stadtwerke Tübingen: Geplanter Windpark wird verkleinert

[02.03.2026] Die Stadtwerke Tübingen reduzieren den geplanten Windpark Rammert von 13 auf zehn Anlagen. Grundlage sind neue Windmessungen und Gutachten, die Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit einzelner Standorte neu bewerten. mehr...

Baden-Württemberg: KI soll Genehmigung von Windkraftanlagen beschleunigen

[26.02.2026] Baden-Württemberg beschleunigt die Genehmigung von Windkraftanlagen mit KI-gestützten Prüf- und Assistenzsystemen. Angesichts von mehr als 1.000 neuen Anträgen im Jahr 2025 und fast 1.800 Projekten in Planung soll die Digitalisierung Verfahren weiter verkürzen und Investitionen absichern. mehr...

50Hertz: Unterlagen für Seetrasse eingereicht

[17.02.2026] 50Hertz hat die Genehmigungsunterlagen für die Seetrasse des Offshore-Projekts Ostwind 4 vollständig eingereicht, darunter erstmals eine 525-Kilovolt-Hochspannungsgleichstromübertragung in der deutschen Ostsee. Damit startet das formelle Verfahren für den Netzanschluss eines Ein-Gigawatt-Windparks nordöstlich von Rügen und rückt die Realisierung des Vorhabens näher. mehr...

RWE: Hochzeitsvorbereitungen für Offshore-Umspannwerke

[12.02.2026] Zwei Offshore-Umspannwerke für das 1,6-Gigawatt-Nordseecluster sind in Saint-Nazaire fertiggestellt und bereit für den Einsatz vor der deutschen Küste. Mit der Installation der bis zu 2.500 Tonnen schweren Plattformen rückt die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts 2027 näher. mehr...

RWE: Stromabnahmevertrag mit Amazon geschlossen

[04.02.2026] RWE und Amazon haben einen Stromabnahmevertrag über 110 MW Offshore-Windenergie aus dem Projekt Nordseecluster B geschlossen. Der Vertrag stärkt den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland und unterstützt Amazons Ziel der CO2-Neutralität bis 2040. mehr...