2. E-Mobility-SummitOhne Kommunen geht es nicht

Frank Doods beim 2. E-Mobility-Summit in Hannover.
(Bildquelle: NLStBV)
Rund 70 Vertreterinnen und Vertreter der niedersächsischen Landkreise und Kommunen, des Niedersächsischen Verkehrsministeriums sowie der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) haben in der vergangenen Woche beim zweiten E-Mobility-Summit in Hannover Lösungen für eine flächendeckende Lade-Infrastruktur diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Wie die NLStBv mitteilt, lag ein Schwerpunkt auf ihrer Ausbauberatung. Rund 5.000 Standorte für Lade-Infrastruktur hätten die Landkreise und die Landesstraßenbaubehörde bereits identifiziert, weitere 5.000 seien in Arbeit. An jedem Standort seien mehrere Ladepunkte möglich.
Niedersachsen wolle mit 1,5 Millionen Elektroautos zum Klimaziel der Bundesregierung von 15 Millionen Elektrofahrzeugen bis 2030 beitragen. Derzeit seien in Niedersachsen rund 115.000 reine Elektroautos unterwegs. Das sind 2,3 Prozent aller Pkw im Land (Bund: 2,2 Prozent). Die E-Flotte in Niedersachsen müsse sich also mehr als verzehnfachen. Gleiches gelte für die öffentlichen Ladepunkte. Rund 8.500 gebe es derzeit, rund 100.000 müssten es werden – zusätzlich zu den privaten Ladepunkten zu Hause oder bei Unternehmen.
Die Kommunen hielten den Schlüssel in der Hand. Sie wussten, wo Ladepunkte entstehen sollten, steuerten die Bauplanung und -genehmigung und hatten den direkten Draht zu Investoren und Netzbetreiber.
Unterstützung der Kommunen
Frank Doods (SPD), Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, betonte: „Ohne unsere Kommunen geht es nicht. Sie müssen ihre Aktivitäten rund um die Elektromobilität ausbauen. Aber: Wir als Land lassen sie dabei nicht allein. Niedersachsen hat ein klares Bekenntnis zur Elektromobilität abgegeben.“ Kostenlose Beratung und konkrete Unterstützung – auf diesen beiden Säulen ruhe derzeit die Landesförderung. Doods ergänzt: „Gemeinsam müssen wir das Ziel verfolgen, dass sich ein entsprechender Markt entwickelt. Eine privat betriebene, öffentlich zugängliche Lade-Infrastruktur, die sich wirtschaftlich trägt – dafür schaffen wir gemeinsam die Voraussetzungen.“
Eric Oehlmann, Präsident der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr: „Um flächendeckend die Voraussetzungen für Elektromobilität zu schaffen, unterstützen unsere Beraterinnen und Berater die Landkreise und Kommunen.“ Diese seien beim Ausbau der Lade-Infrastruktur auf einem guten Weg. 13 Landkreise und kreisfreie Städte arbeiteten bereits eng mit der Straßenbauverwaltung des Landes zusammen. Die Fortschritte in den einzelnen Landkreisen seien zwar unterschiedlich. „Aber das Ziel von 10.000 neuen Standorten für Lade-Infrastruktur haben wir bereits im Blick“, so Oehlmann. Neun weitere Landkreise hätten erste Gespräche mit der Landesstraßenbaubehörde geführt. Sechs Landkreise seien auf eigene Kosten aktiv geworden. Oehlmann: „Damit sind mehr als die Hälfte der Landkreise dabei, detaillierte Ausbaukonzepte zu entwickeln.“
Beratungspaket der NLStBV
Shivam Tokhi, Elektromobilitätsmanager bei der Landesstraßenbaubehörde, stellte das kostenlose Beratungsangebot der NLStBV für Kommunen vor. Die Beratung sehe vor, gemeinsam die notwendige Ladekapazität auf Basis des Ladebedarfs im Jahr 2030 zu ermitteln, Standorte für Ladepunkte zu identifizieren und die notwendige Netzabdeckung zu klären. „Entscheidend für ein gutes Ausbaukonzept ist der richtige Mix aus Ladepunkten mit unterschiedlicher Leistung, angepasst an die örtlichen Gegebenheiten“, so Tokhi. Die Konzepte skalierten und beschleunigten den konkreten Ausbau in den Kommunen deutlich. Denn nicht nur die lokalen Genehmigungsverfahren verkürzten sich. Vor allem ließen sich die am Markt verfügbaren Investitionen besser in den Kommunen platzieren. Auch bei der Vermarktung der Standorte sei die Unterstützung des Landes im Gespräch. Ziel sei es, die Marktdynamik zu steuern und so eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen.
App Nunav hält Flotte in Bewegung
Die Antriebswende dekarbonisiert laut NLStBV den Fuhrpark und das digitale Verkehrsmanagement hält die Flotte grundsätzlich in Bewegung. Wolfgang Metz, Leiter des Dezernats Betrieb und Verkehrsmanagement der NLStBV: „Wir nutzen kollaboratives Routing und Verkehrssteuerungsstrategien, um den Verkehr flüssig zu halten.“ Mit der Navigations-App Nunav könne bereits jeder Fahrer von dieser Technologie profitieren und zur Stauvermeidung beitragen. Die App sei in jedem App-Store erhältlich. „Verkehr, der fließt, schont Verkehrsressourcen und erhöht die Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur. Damit trägt digitales Verkehrsmanagement unmittelbar zum Klimaschutz bei“, so Metz.
Doppelte Verkehrswende
„Wir brauchen eine doppelte Verkehrswende“, mit dieser These appellierte Weert Canzler an das Plenum, den Blick zu weiten. Canzler ist Leiter der Forschungsgruppe Digitale Mobilität und soziale Differenzierung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Neben der Antriebswende müsse es auch eine Verkehrswende im öffentlichen Raum geben. „Die Städte ächzen unter dem Platzbedarf der Fahrzeugflotte. Die Autos werden immer größer, ihre Zahl nimmt weiter zu.“ Die Folge: Der öffentliche Raum werde knapp. „Die Städte müssen die individuelle Mobilität in Richtung öffentlicher Verkehrsmittel entwickeln. Ein Weg dazu ist, ihren Raum neu zu strukturieren“, so Canzler. Beispiele wie Brüssel, Paris, Groningen oder Mailand zeigten, wie die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten und der Ausbau des ÖPNV ineinander greifen.
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