Freitag, 9. Januar 2026

BMWKOptionen für das Strommarkdesign

[07.08.2024] Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) legt Optionen für ein neues Strommarktdesign vor. Ziel ist eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung. Verbände begrüßen die Vorschläge, kritisieren aber die kurze Konsultationsfrist.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) legt Optionen für ein neues Strommarktdesign vor.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) legt Optionen für ein neues Strommarktdesign vor.

(Bildquelle: BMWK)

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat am Freitag (2. August 2024) neue Optionen für das künftige Strommarktdesign vorgestellt. Diese sollen eine sichere, bezahlbare und klimaneutrale Versorgung mit Strom und Energie gewährleisten. Die Vorschläge basieren auf den Diskussionen der Plattform Klimaneutrales Stromsystem (PKNS), die seit 2023 über das zukünftige Strommarktdesign diskutiert.

Intelligente Integration der Elemente

Ein hoher und weiter steigender Anteil erneuerbarer Energien erfordert einen Paradigmenwechsel im Stromsystem. Bisher war das System durch eine unflexible Nachfrage und eine statische Erzeugung geprägt. Nun geht es um den Umbau zu einem System mit kostengünstiger, variabler Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik (PV), ergänzt durch Speicherlösungen, flexible Nachfragesteuerung und flexible Kraftwerke als Back-up. Dieses Zusammenspiel und die intelligente Integration der Elemente verändern die Anforderungen an das Strommarktdesign grundlegend. Die Öffentlichkeit und alle interessierten Kreise sind nun aufgerufen, bis zum 28. August zum neuen Strommarktdesign Stellung zu nehmen.

BDEW will Aufwand gering halten

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt in einer ersten Reaktion das Papier des Bundeswirtschaftsministeriums. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, betont die Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen für eine sichere, bezahlbare und klimaneutrale Stromversorgung. Entscheidend für den Erfolg der Reformen sei die Praxis-Expertise der beteiligten Unternehmen.
Der BDEW unterstützt die Kombination von zentralen und dezentralen Elementen im vorgeschlagenen Kapazitätsmarkt, weist aber darauf hin, dass Aufwand und Komplexität gering gehalten werden müssen. Andreae fordert eine zügige Ausgestaltung des Kapazitätsmarkts und die Einhaltung des Zeitplans, um Investitionsentscheidungen der Energieunternehmen zu ermöglichen. Konkrete Vorschläge zur Einbindung von Bestandsanlagen und zur Berücksichtigung der vielfältigen Erzeugungslandschaft, insbesondere von KWK-Anlagen, seien notwendig.
Ein gut gestalteter Kapazitätsmechanismus sollte Anreize für den Bau neuer steuerbarer Kapazitäten und die Integration von Flexibilität auf der Nachfrageseite schaffen und gleichzeitig den bürokratischen Aufwand minimieren. Kerstin Andreae betont auch die Bedeutung des Netzausbaus und die Notwendigkeit eines Dialogs mit der Industrie über Änderungen des Fördersystems für erneuerbare Energien, um Unsicherheiten zu vermeiden und den Ausbau von Erneuerbare-Energien-Anlagen sicherzustellen.

BEE kritisiert kurze Konsultationsfrist

Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßt, dass das BMWK Optionen für das zukünftige Strommarktdesign vorgelegt hat, kritisiert jedoch die kurze Konsultationsfrist und fordert eine längere und geordnete Debatte. Der BEE hebt in seiner Stellungnahme das klare Bekenntnis des BMWK zur deutsch-luxemburgischen Stromgebotszone als wichtige Grundlage hervor. Auch die Ankündigung einer koordinierten Flexibilitätsagenda wird ausdrücklich begrüßt, da Flexibilitätsoptionen wie Bioenergie und Wasserkraft bisher unzureichend genutzt oder blockiert werden. Der BEE fordert die dringende Förderung von Erzeuger-, Speicher- und Verbraucherflexibilitäten, um systemische Lösungen für erneuerbare Energien zu finden.
BEE-Präsidentin Simone Peter warnt davor, das bewährte Sicherungssystem des EEG durch unzureichend diskutierte Modelle zu ersetzen. Die Energiewende erfordere hohe Investitionen, die Sicherheit und Verlässlichkeit bräuchten. Jede Reform müsse sicherstellen, dass ausreichend finanzielle Mittel mobilisiert werden können. Abschließend verweist der BEE auf sein Maßnahmenpaket zur Erhöhung der Flexibilität im Strommarkt, das die Erhöhung der Flexibilität, die bessere Nutzung der Netzinfrastruktur und ein mengenbasiertes Absicherungssystem umfasst.



Stichwörter: Politik, BDEW, BEE, BMWK, Strommarkdesign


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Niedersachsen: Gewerbesteueraufkommen für Offshore-Windparks gesichert

[07.01.2026] Niedersachsen ordnet die Gewerbesteuer für Offshore-Windparks neu und sichert damit dauerhaft hohe Einnahmen für seine Kommunen. Kern der Regelung ist die Zuweisung der Hebeberechtigung an Wilhelmshaven ab 2026, mit umfangreichen Umverteilungseffekten über den Kommunalen Finanzausgleich. mehr...

AEE: Fortschritte bei Flächen-Ausweisungen

[07.01.2026] Die Bundesländer kommen bei der Ausweisung von Flächen für Windenergie voran, erreichen die gesetzten Zwischenziele jedoch bislang nur teilweise. Ein Hintergrundpapier der Agentur für Erneuerbare Energien zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen den Ländern sowie Fortschritte bei Genehmigungen und Photovoltaik-Freiflächen. mehr...

Schleswig-Holstein: Forschungszentrum für Leistungselektronik geplant

[06.01.2026] Schleswig-Holstein will am Campus der HAW Kiel ein neues Forschungszentrum für Leistungselektronik errichten und dafür bis zu 15,28 Millionen Euro bereitstellen. Das Vorhaben soll Forschung, industrielle Anwendung und Technologietransfer im Kontext der Energiewende bündeln. mehr...

BSI: Richtlinie für Smart Meter Gateways überarbeitet

[19.12.2025] Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat die Technische Richtlinie TR-03109-6 für die Administration von Smart Meter Gateways überarbeitet. Die neue Version 2.0 wird mit der nächsten Zertifizierung der Gateway-Administrator-Systeme ab 2027 verbindlich. mehr...

Stadtwerke Lübeck: Umfrage zu Investitionen in Energiewende

[17.12.2025] Die Bereitschaft zu staatlichen Investitionen in die Klimaneutralität ist in Deutschland tief gespalten. Eine repräsentative Umfrage zeigt zugleich, dass viele Bürgerinnen und Bürger klare Prioritäten bei Infrastrukturprojekten erwarten und kommunalen Unternehmen dabei eine zentrale Rolle zuschreiben. mehr...

BDEW: Kritik an NEST-Paket

[12.12.2025] Das von der Bundesnetzagentur veröffentlichte NEST-Paket überzeugt die Branche nicht. Aus Sicht des BDEW fehlt ein verlässlicher Rahmen für die neue Anreizregulierung. Die Verbände warnen vor Folgen für Investitionspläne vieler Netzbetreiber. mehr...

Biogasrat: Warnung vor Wettbewerbsnachteilen

[12.12.2025] Der Biogasrat warnt, dass der neue Kabinettsentwurf zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote die Existenz mittelständischer Produzenten fortschrittlicher Biokraftstoffe gefährde. mehr...

AGFW: Statement zum Geothermie-Beschleunigungsgesetz

[10.12.2025] Der Bundestag hat das Geothermie-Beschleunigungsgesetz beschlossen und damit neue Standards für schnellere Planfeststellungsverfahren bei Wärmeleitungen gesetzt. Der Energieeffizienzverband AGFW warnt vor möglichen zusätzlichen Hürden durch unklare Formulierungen im Gesetz. mehr...

interview

Interview: Der Schnellere und Bessere gewinnt

[09.12.2025] Wenn wir heute von vorne beginnen würden, ein Energiesystem aufzubauen, würden wir es dezentral gestalten, sagt Milan Nitzschke. stadt+werk sprach mit ihm und Stefan Liesner über Wege zu einem sinnvollen und zukunftsfähigen Strommarktdesign. mehr...

Energieministerkonferenz: Verlässliche Rahmenbedingungen gefordert

[09.12.2025] Die Energieministerkonferenz in Stralsund hat ein gemeinsames Signal an den Bund gesendet: Für den Erfolg der Energiewende braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, bezahlbaren Strom und Tempo beim Wasserstoffhochlauf. Ländervertretern zufolge stocken zentrale Projekte wie Kernnetz, Elektrolyse und Offshore-Ausbau, während die Industrie Planungssicherheit einfordert. mehr...

Energiepolitik: Länder warnen vor Ausbremsen der Energiewende

[02.12.2025] Sieben Bundesländer fordern vom Bund mehr Klarheit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik. Ein gemeinsames Positionspapier warnt vor Einschnitten bei Förderprogrammen und beim Ausbau der Erneuerbaren. mehr...

Bundesnetzagentur: Monitoringbericht 2025 erschienen

[01.12.2025] Der Monitoringbericht 2025 von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur sieht den Wettbewerb auf den Energie­märkten weiterhin als verlässlichen Stabilitätsanker. Trotz der Turbulenzen der vergangenen Jahre zeigen die Daten für 2024 eine hohe Wechselbereitschaft, fallende Preise und eine Stromerzeugung, die sich deutlich in Richtung erneuerbarer Energien verschiebt. mehr...

Biogasrat: Kritik an Referentenentwurf

[01.12.2025] Der Biogasrat kritisiert den Referentenentwurf zum Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpaket als unzureichend und warnt vor Rückschritten bei Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Der Verband fordert verlässliche Regeln für den Netzanschluss von Biomethananlagen, den Erhalt bestehender Privilegien und klare Vorgaben zur Investitionssicherheit. mehr...

Deutscher Bundestag: Anhörung zu Wasserstoffgesetz

[26.11.2025] Zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Beschleunigung des Wasserstoffhochlaufs hat der Ausschuss für Wirtschaft und Energie jetzt eine öffentliche Anhörung durchgeführt. Dabei zeigte sich ein breiter Wunsch nach mehr Tempo und einem deutlich erweiterten Anwendungsbereich des geplanten Gesetzes. mehr...

Lausitz: EU genehmigt Entschädigung für Kohleausstieg

[24.11.2025] Die EU-Kommission hat die Entschädigungsregelung für den Braunkohleausstieg der LEAG genehmigt und damit Milliardenhilfen für die Lausitz freigegeben. Für Brandenburg und Sachsen bedeutet das Planungssicherheit beim Strukturwandel und bei der Rekultivierung der Tagebaue. mehr...