TrianelPrognose deutlich übertroffen

Trianel-Geschäftsführer Sven Becker (l.) und Oliver Runte sind zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2025.
(Bildquelle: Trianel)
Die Stadtwerke-Kooperation Trianel hat ihre Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2025 deutlich übertroffen. Wie das Unternehmen auf seiner Jahrespressekonferenz am Freitag (26. Juni 2026) mitteilte, lag das Ergebnis vor Steuern (EBT) bei 46,5 Millionen Euro. Geplant waren 31,5 Millionen Euro. Damit übertraf Trianel die eigene Zielmarke um 14,9 Millionen Euro beziehungsweise 48 Prozent. Der Jahresüberschuss belief sich auf 35,1 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse lagen bei 6,5 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent des Jahresüberschusses, insgesamt rund 28 Millionen Euro, sollen an die Gesellschafter ausgeschüttet werden.
Sondereffekte der vergangenen Jahre
Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung, ordnete den Rückgang gegenüber den Vorjahren ein. Die Rekordergebnisse der Jahre 2023 und 2024 seien von außergewöhnlich hohen Strompreisen und starken Marktverwerfungen infolge des Ukraine-Kriegs geprägt gewesen. Diese Sondereffekte seien 2025 erwartungsgemäß entfallen. Entscheidend sei daher nicht der Vergleich mit den Ausnahmejahren, sondern die deutliche Übererfüllung der eigenen Planung. Trianel habe damit zum sechsten Mal in Folge besser abgeschnitten als prognostiziert.
Als wesentliche Erfolgsfaktoren nannte Becker den Energiehandel, Optimierungsgeschäfte sowie die Projektentwicklung. Hinzu kamen erste Beteiligungserträge aus der Tochtergesellschaft Trianel Flexibilitätsprojekte, nachdem für den Batteriespeicherpark in Waltrop Ankerinvestoren gewonnen werden konnten.
Flexibilität im Energiesystem
Ein zentrales Thema der Pressekonferenz war die zunehmende Bedeutung von Flexibilität im Energiesystem. Becker verwies darauf, dass erneuerbare Energien inzwischen fast 60 Prozent der Stromerzeugung ausmachten. Gleichzeitig steige mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen. 2025 habe es 573 solcher Stunden gegeben, im laufenden Jahr bereits mehr als 300. Für eine erfolgreiche Energiewende seien deshalb neben leistungsfähigen Netzen vor allem flexible Erzeugungs- und Speicherkapazitäten erforderlich. Ohne Flexibilität lasse sich die Synchronisierung von Stromerzeugung und Verbrauch künftig nicht mehr gewährleisten.
Nach Einschätzung der Geschäftsführung verändert sich zugleich das energiepolitische Umfeld. Die neue Bundesregierung lege stärkeres Gewicht auf Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit, ohne den Ausbau erneuerbarer Energien infrage zu stellen. Daraus ergäben sich neue Chancen für Investitionen in Netze, Speicher und steuerbare Kraftwerke. Gleichzeitig forderte Becker verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen für Netzausbau, Strommarktdesign und die geplanten Reformen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).
Europäischer Energiehandel entwickelt sich positiv
Auch der europäische Energiehandel entwickelte sich nach Angaben des Unternehmens positiv. Geschäftsführer Oliver Runte, dessen Vertrag jetzt vorzeitig verlängert wurde, verwies auf die erfolgreiche Integration des tschechischen Marktes sowie den Ausbau der Handelsaktivitäten in Großbritannien mit einem neuen Standort in London. Zugleich nehme die Bedeutung internationaler Märkte weiter zu. Europas Gasversorgung sei heute wesentlich stärker von globalen Entwicklungen abhängig als noch vor wenigen Jahren. Ereignisse wie Störungen im Roten Meer oder Veränderungen auf den internationalen Flüssigerdgasmärkten (LNG) wirkten sich unmittelbar auf die Preisentwicklung aus. Gleichzeitig führe der starke Ausbau der Photovoltaik zu sinkenden Margen und steigenden Anforderungen an den Handel.
Runte sieht deshalb datengetriebene Handelsstrategien als entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Trianel investiere kontinuierlich in algorithmischen Handel und prüfe den verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz. KI könne künftig Wetterdaten, Marktentwicklungen und kurzfristige Veränderungen schneller analysieren und dadurch Handelsentscheidungen unterstützen. Das Unternehmen habe hierfür ein internes Programm gestartet, mit dem Mitarbeitende den Einsatz der Technologie in den Arbeitsalltag integrieren sollen. KI werde dabei ausdrücklich als Werkzeug verstanden und nicht als Ersatz für Beschäftigte.
Projektentwicklung weiter ausgebaut
Parallel baut Trianel die Projektentwicklung weiter aus. Im Jahr 2025 wurden nach Unternehmensangaben Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 167 Megawattpeak (MWp) fertiggestellt. Zudem begann der Bau der Windparks Sundern mit 67 Megawatt, Tasdorf mit 45,6 Megawatt und Treis II mit 12,5 Megawatt. Zunehmend kombiniert das Unternehmen Wind- und Solarparks mit Batteriespeichern an gemeinsamen Netzanschlüssen. Diese sogenannten Colocation-Projekte sollen vorhandene Netzkapazitäten besser auslasten und zusätzliche Flexibilität schaffen.
Als Leuchtturmprojekt bezeichnete Trianel den Batteriespeicher in Waltrop mit einer geplanten Leistung von 900 Megawatt. Nach Angaben des Unternehmens liegen inzwischen Netzanschluss und Genehmigungen vor. Gemeinsam mit den Partnern BKW und Luxcara wurde eine Infrastrukturgesellschaft gegründet. Die Geschäftsführung strebt an, den Baubeschluss noch im Laufe des Sommers zu fassen. Die Inbetriebnahme ist für das zweite Halbjahr 2028 vorgesehen. Becker kritisierte in diesem Zusammenhang zunächst geplante Änderungen bei den Netzentgelten für Batteriespeicher. Nach Gesprächen mit der Bundesnetzagentur sei jedoch ein Bestandsschutz für bereits weit entwickelte Projekte zugesichert worden.
Kritik am Kraftwerkssicherheitsgesetzes
Kritisch äußerte sich Becker auch zum Entwurf des Kraftwerkssicherheitsgesetzes. Aus Sicht von Trianel erschwerten die vorgesehenen Preisobergrenzen und deutlich höhere Sicherheitsleistungen Investitionen insbesondere kommunaler Unternehmen in neue wasserstofffähige Gaskraftwerke. Gemeinsam mit anderen Marktteilnehmern setze sich Trianel deshalb für Änderungen im Gesetzgebungsverfahren ein.
Für das laufende Jahr zeigte sich die Geschäftsführung trotz geopolitischer Unsicherheiten vorsichtig optimistisch. Zwar bleibe das Handelsgeschäft aufgrund der internationalen Entwicklungen volatil. In der Projektentwicklung komme Trianel jedoch planmäßig voran. Strategisch wolle das Unternehmen seine Position im Handel, bei Flexibilitätslösungen und bei der Bewirtschaftung von Erzeugungs- und Speicherportfolios weiter ausbauen.
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