Mittwoch, 18. Februar 2026

FernwärmenetzeSo normal wie Abwasserleitungen

[30.04.2014] Für sieben deutsche Institutionen geht der Ausbau der Nah- und Fernwärmenetze nicht ausreichend genug voran. Sie fordern eine rasche Nutzung der vorhandenen Wärmepotenziale nach Vorbild skandinavischer Länder.
Im Bereich der Fernwärme gibt es in Deutschland noch viele offene Baustellen. Experten empfehlen daher

Im Bereich der Fernwärme gibt es in Deutschland noch viele offene Baustellen. Experten empfehlen daher, den Ausbau zügig fortzusetzen.

(Bildquelle: SWM/Kerstin Groh)

Der Ökostromausbau in Deutschland verläuft planmäßig. Die Fortschritte bei der Energieeffizienz sind jedoch unbefriedigend. Das hat Anfang April 2014 die Energiewende-Expertenkommission der Bundesregierung festgestellt. Bei der Emissionsminderung sollten sich die Anstrengungen vor allem auf den Wärmebereich konzentrieren, so die Experten. Sieben deutsche Institutionen, darunter die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) sowie das Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES), haben sich dieser Forderung angeschlossen. In einem gemeinsamen Posititonspapier empfehlen sie, den Ausbau der Nah- und Fernwärmenetze in Deutschland zu beschleunigen. Derzeit liege der Fernwärmeanteil am Endenergieverbrauch der Haushalte bei rund sechs Prozent und damit deutlich unter dem Niveau anderer europäischer Länder. So seien beispielsweise in Dänemark mehr als 60 Prozent aller Gebäude an Wärmenetze angeschlossen. Bis zum Jahr 2035 soll der Wärmebedarf dort vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Für die Bundesrepublik empfehlen die Experten aus den jeweiligen Institutionen die Erarbeitung von kommunalen Wärmeplänen. Dadurch lasse sich feststellen, welche Quartiere sich für den Aufbau von Wärmenetzen anbieten. In Machbarkeitsstudien sollte geprüft werden, welche Erzeugungsoptionen wirtschaftlich darstellbar sind und wie sich Energiepreisentwicklungen, Gebäudesanierung und die Entwicklung der Anschlussdichte auswirken. Neben Wärmeplänen sei auch ein Abwärmekataster sinnvoll.
Wichtig erscheint den Verfassern zudem die Einrichtung eines landes- oder bundesweiten Pools von Nahwärmeberatern, die Kommunen, Genossenschaften und Stadtwerke in einer frühen Phase der Entscheidungsfindung unterstützen. Auch eine Förderberatung für potenzielle Investoren wird angedacht. Eine Finanzierung durch Bund oder Land könne sich ebenfalls positiv auswirken. „Um ähnliche Erfolge wie in den skandinavischen Ländern zu erreichen, ist jedoch ein langer Atem nötig“, sagt Volker Kienzlen von der KEA. „Umso wichtiger ist es, rasch und entschlossen mit der verstärkten Ausschöpfung des vorhandenen Potenzials zu beginnen. Ist das erfolgreich, werden Wärmenetze künftig in den Kommunen so selbstverständlich sein wie die Abwasserleitungen.“



Stichwörter: Wärmeversorgung, ifeu, IZES, Kea


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung

Cuxhaven: Alter Fischereihafen erhält Energiespundwand

[13.02.2026] Niedersachsen fördert im Alten Fischereihafen Cuxhaven eine bundesweit einzigartige Energiespundwand, die Wärme direkt aus dem Meerwasser gewinnt. Das 3,1-Millionen-Euro-Projekt soll ein 61.000 Quadratmeter großes Quartier klimaneutral mit Heiz- und Kühlenergie versorgen und gilt als Modell für die Wärmewende in Häfen. mehr...

SAENA: Kostenfreies Webinar zur Wärmeplanung

[12.02.2026] Die Sächsische Energieagentur SAENA bietet am 27. Februar 2026 ein kostenfreies Webinar zu Ausschreibung und Vergabe in der kommunalen Wärmeplanung an. mehr...

Stiftung Umweltenergierecht: Webinar zur Wärmeplanung

[09.02.2026] Neue Leitfäden sollen Kommunen den Schritt von der Wärmeplanung in die praktische Umsetzung erleichtern. Die Stiftung Umweltenergierecht stellt zentrale Inhalte und Empfehlungen in einem kostenfreien Online-Seminar vor. mehr...

Stuttgart: Abwärme von Rechenzentrum macht Schule

[06.02.2026] Ein Rechenzentrum in Stuttgart speist seine Abwärme erstmals systematisch in ein lokales Wärmenetz ein. Das Projekt von nLighten und Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart zeigt, wie digitale Infrastruktur konkret zur Dekarbonisierung städtischer Wärmeversorgung beitragen kann. mehr...

Leverkusen: Wärmeplan liegt öffentlich aus

[05.02.2026] Der Entwurf der kommunalen Wärmeplanung der Stadt Leverkusen liegt nun öffentlich aus. Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, den Plan online einzusehen und Stellung zu nehmen. Das Ziel ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045. mehr...

Darmstadt/Wiesbaden: Fortschritte bei kommunaler Wärmeplanung

[05.02.2026] Wiesbaden legt den Entwurf seiner kommunalen Wärmeplanung öffentlich aus, Darmstadt hat seine Wärmeplanung bereits beschlossen und vorgestellt. Beide Städte wollen damit den Umbau der Wärmeversorgung bis 2045 klimaneutral, wirtschaftlich tragfähig und planbar gestalten. mehr...

Gebäudeenergiegesetz: Spitzenverbände fordern Reform

[29.01.2026] Mehrere Spitzenverbände aus Energie-, Kommunal- und Immobilienwirtschaft fordern eine schnelle und grundsätzliche Reform des Gebäudeenergiegesetzes hin zu einem Gebäudemodernisierungsgesetz. Sie verlangen klare, investitionsfreundliche und praxistaugliche Regeln, die nationale und europäische Vorgaben zusammenführen. mehr...

Pforzheim: Energiezentrale in Betrieb gegangen

[29.01.2026] In Huchenfeld ist eine neue Energiezentrale in Betrieb gegangen, die den Pforzheimer Stadtteil künftig mit überwiegend erneuerbarer Wärme versorgen soll. Betreiber sind die Stadtwerke Pforzheim, die damit ihre Nah- und Fernwärmestrategie weiter ausbauen. mehr...

Nexiga/DBI: Wärmebedarf von Gebäuden berechnen

[21.01.2026] Eine neue, normbasierte Methode berechnet erstmals den Wärmebedarf nahezu aller Gebäude in Deutschland gebäudescharf. Entwickelt von Nexiga und der DBI-Gruppe, soll sie Kommunen, Energiewirtschaft und Wohnungswirtschaft präzisere Planungsgrundlagen liefern. mehr...

Herrenchiemsee: Kulturerbe hat Nahwärmesystem erhalten

[19.01.2026] Auf der Herreninsel im Chiemsee ist ein neues Nahwärmesystem mit Holzvergaser-Blockheizkraftwerk in Betrieb gegangen, das mehrere denkmalgeschützte Gebäude nahezu autark mit Wärme und Strom versorgt. Das Projekt zeigt, wie sich erneuerbare Energietechnik auch in sensiblen Kulturerbe-Strukturen technisch anspruchsvoll integrieren lässt. mehr...

Rhein-Hunsrück-Kreis: Wärmeplanung abgeschlossen

[16.01.2026] Im Rhein-Hunsrück-Kreis ist die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen und zeigt Wege zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung auf. Kennzeichnend ist die interkommunale Zusammenarbeit mehrerer Kommunen, die ihre gesetzlich geforderten Wärmepläne gemeinsam erarbeitet haben. mehr...

bericht

Wärmeversorgung: Hoher Energieeinsatz, große Hebel

[13.01.2026] Wie Gewerbegebiete die Wärmewende vorantreiben können, zeigt ein Projekt im Ruhrgebiet. Im Rahmen von EMG.Ruhr sollen wirtschaftlich genutzte Flächen systematisch für eine klimafreundliche Energie-Infrastruktur erschlossen werden. mehr...

Fellbach: Fortschritte bei Wärmeplanung

[09.01.2026] Fellbach treibt die kommunale Wärmeplanung mit dem Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040 voran. Der Gemeinderat setzt dabei auf Machbarkeitsstudien für Wärmenetze, den Ausbau von Photovoltaik und Wärmepumpen sowie auf eine intensive Information der Bürgerschaft. mehr...

Stadtwerke Osnabrück: Zwischenbilanz zu Wärmepumpen-Komplettpaket

[08.01.2026] Nach einem Jahr ziehen die Stadtwerke Osnabrück eine positive Zwischenbilanz ihres Wärmepumpen-Komplettpakets. Das gemeinsam mit Industriepartnern und regionalem Handwerk entwickelte Modell stößt auf anhaltendes Interesse und wird inzwischen durch PV- und Speicherlösungen ergänzt. mehr...

bericht

Hamburg: Wärme aus Abwasser

[07.01.2026] Mit der größten Abwasserwärmepumpe Deutschlands treiben die Hamburger Energiewerke und Hamburg Wasser die Wärmewende voran. Das Pionierprojekt im Energiepark Hafen demonstriert, wie Städte ihre lokalen Energiepotenziale nutzen können. mehr...