Montag, 13. Juli 2026

Projekt-ManagementSprints zum Ziel

[05.03.2020] Auch in der Energiewirtschaft nutzen immer mehr Unternehmen die Vorteile des agilen Projekt-Managements. Der IT-Dienstleister GISA und der Versorger EnviaM beispielsweise haben mithilfe agiler Methoden ein Portal für „fliegende Rechnungen“ entwickelt.
Die Entwickler haben das System für die „fliegende Rechnung“ in jeweils 14-tägigen Sprints programmiert und stellten in den Review-Terminen jeweils ihren Arbeitsstand vor.

Die Entwickler haben das System für die „fliegende Rechnung“ in jeweils 14-tägigen Sprints programmiert und stellten in den Review-Terminen jeweils ihren Arbeitsstand vor.

(Bildquelle: tadamichi/stock.adobe.com)

Weg von starren Prozessen hin zu flexiblen Projekten: Für immer mehr Unternehmen ist agiles Arbeiten inzwischen das Mittel der Wahl. Auch der IT-Dienstleister GISA nutzt die Vorteile des agilen Projekt-Managements zunehmend. Etwa die Hälfte der rund 3.000 Projekte und Vorhaben, die das Unternehmen aus Halle (Saale) jährlich managt, wird mit agilen oder hybriden Methoden umgesetzt.
Eines dieser Projekte ist EASy. Das Kürzel steht für die Portallösung „Eingabe- und Ausgabe-Tool mit flexibler Systemanbindung“, die beim Regionalversorger Envia Mitteldeutsche Energie (EnviaM) seit Kurzem eingesetzt wird. Mit dem Portal lassen sich umfangreiche Prozesse im Rechnungswesen managen – zum Beispiel nichtrechnungsgebundene Zahlungen, die im Verhältnis zu ihren oft geringen Beträgen für erheblichen Aufwand sorgen. „Angefangen hat alles mit einem Portal zur digitalen Auszahlung von verauslagten Kosten“, erinnert sich André Emmerlich, der sich bei EnviaM im Rechnungswesen um Prozesse, Systeme und Regelungen kümmert und das Projekt EASy seit Beginn mit betreut.

Word-Formular für internen Rechnungsprozess

Ausgangspunkt war die Überlegung, interne Rechnungsprozesse durch den Umstieg auf digitale Formulare zu optimieren. „Wenn einer unserer Monteure vor Ort schnell Hilfsmittel beschaffen muss, bekommt er im Baumarkt eine Quittung und muss diese natürlich einreichen, um sein Geld zurückzubekommen“, schildert Emmerlich einen Anwendungsfall. Noch vor wenigen Jahren habe der Mitarbeiter dafür ein Word-Formular ausfüllen müssen. Anschließend seien die Papiere ihren Weg durch das Unternehmen gegangen. „Nun verläuft der gesamte Prozess von Erfassung und Scan der Quittung über die Freigabe bis zur Auszahlung digital.“ Und: EASy ermöglicht es, alle Schritte wie die Erfassung von Zahlungsaufforderungen, Weiterberechnungsaufträgen, Kleinbestellungen, internen Bewirtungsaufträgen und Mittagsversorgungsanträgen in nur einer Intranet-Anwendung abzubilden.

Agiles Projekt-Management

Den Weg von der ersten Idee bis zur Nutzung des automatisierten Rechnungsworkflows hat EnviaM gemeinsam mit GISA beschritten. Von Beginn an setzten die Partner dabei auf agiles Projekt-Management. Die Entscheidung gegen ein klassisches Vorgehen lag insbesondere darin begründet, dass zwar eine Idee bestand, die genauen Anforderungen an das fertige Produkt aber noch unklar waren. Als besonders geeignet für diese Ausgangslage erwies sich das iterative, schrittweise Vorgehen.
Das bedeutet, dass das agile Projekt zunächst in zeitliche Etappen (Iterationen) unterteilt wird, an deren Ende jeweils ein Produkt-Inkrement steht. Dieses Zwischenprodukt stimmen Dienstleister und Auftraggeber ab und geben ein Feedback, auf dessen Grundlage die weitere Arbeit erfolgt. Auf diese Weise kann das Produkt während der Projektlaufzeit bei Bedarf mehrmals angepasst werden. Für den Auftraggeber an dieser Stelle entscheidend: Beim agilen Vorgehen werden im Vorfeld Zeit, Aufwand und Kostenrahmen genau festgelegt, der Leistungsumfang hingegen ist variabel.

User Story statt Pflichtenheft

Bei EASy begann die Arbeit des Projektteams konkret mit dem Formulieren von Anforderungen an die Software – und zwar nicht wie gewohnt in einem Pflichtenheft, sondern im Rahmen von User Stories in einem Wiki. Des Weiteren wurde mithilfe einer Prototypen-Software ein klickbarer Dummy erstellt, sodass einerseits der Kunde geplante Funktionalitäten sowie das Look & Feel beurteilen und andererseits die Entwickler die Aufwände abschätzen konnten. „In der Folge haben wir fragmentarische Projektabschnitte für die Entwickler ausgearbeitet“, erklärt Carolin Arps von GISA, die für den Kunden EnviaM alle Projekte rund um EASy und seine Vorläufer begleitet hat und nunmehr leitet.
Die Entwickler programmieren das System seit Projektbeginn in jeweils 14-tägigen Sprints. In regelmäßigen Review-Terminen stellen sie ihren Arbeitsstand vor. Das beinhaltet, dass neue Funktionen einer genauen Analyse unterzogen und gegebenenfalls ergänzende Anforderungen definiert werden. „Mit diesem Verfahren sind wir als Kunde in jeder Entwicklungsphase sehr nah an den Entwicklern dran“, betont André Emmerlich. Das erfordere zwar viel Kommunikation, ermögliche aber rechtzeitiges Nachjustieren – etwa wenn Funktionen nicht exakt zu den Unternehmensabläufen passen. Laut Emmerlich kann es speziell in der Frühphase von Projekten auch längere Zeiträume geben, in denen keine sichtbaren Veränderungen im entstehenden System präsentiert werden können, da zunächst die Architektur und das Software-Fundament errichtet werden müssen.

Vertrauen als Erfolgsfaktor

Die Erfahrungen aber zeigen: Bereits nach wenigen Sprints zeichnet sich das Produkt mit seinen einzelnen Funktionen immer besser ab. Solchen Entwicklungen den nötigen Freiraum zu gewähren, erfordert von den Projektpartnern Vertrauen. „Das ist die wichtigste Grundlage für agiles Vorgehen“, unterstreicht Carolin Arps von GISA. Im Falle von EASy, das aus einem Erweiterungsprojekt heraus entstanden ist, ist dieses Vertrauen über Jahre stetig gewachsen. Als weiteren Erfolgsfaktor wertet Arps den Umstand, dass Betrieb und Projekt von Anfang an stets eng zusammengearbeitet haben. Positiv auf den Projektverlauf habe sich zudem ausgewirkt, dass während der gesamten Zeit die beteiligten Fachpersonen abrufbereit waren und je nach Bedarf hinzugezogen werden konnten.
Unter diesen Rahmenbedingungen konnte das Projekt entgegen der ursprünglichen Planung vorfristig fertiggestellt werden, sodass die verbleibenden Projekttage für die Entwicklung weiterer Funktionen zur Verfügung standen. „Der Kunde hat so letztendlich mehr für sein Geld bekommen“, resümiert Arps.

Mehr fürs Geld

Im Ergebnis steht ein Eingabe- und Ausgabe-Tool, mit dessen Hilfe die täglich im Rechnungswesen anfallenden Prozesse sofort im SAP-Buchhaltungssystem abgebildet und organisiert werden können. Eine Funktion von EASy ist beispielsweise die automatische Buchung von Rechnungen. „Diese fliegen geradezu durch das System“, beschreibt Emmerlich von EnviaM das Resultat. Dabei ist festzuhalten, dass alle Vorgänge revisionssicher sind und Schritt für Schritt geloggt werden. Alle mitbestimmungspflichtigen Aspekte hatte der Betriebsrat bereits in der Entwicklungsphase genau im Blick. Inzwischen sind jeden Monat tausende Vorgänge in EASy zu verzeichnen. Laut Emmerlich fällt das Feedback unter den rund 1.400 Nutzern im Unternehmen ausgesprochen positiv aus.

Jeannine Kallert ist Leiterin Marketing bei der GISA GmbH, Halle (Saale).




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Informationstechnik

Stadtwerke Baden-Baden: Neue GIS-Plattform für alle Versorgungssparten

[10.07.2026] Die Stadtwerke Baden-Baden stellen ihre Geoinformations- und Netzsysteme schrittweise auf eine neue webbasierte Plattform um. Nach Angaben von VertiGIS soll damit eine integrierte Arbeitsumgebung für die Sparten Strom, Gas, Wasser und Fernwärme entstehen. mehr...

bericht

Mahnwesen: Lücke im SAP-System

[09.07.2026] Stadtwerke, die SAP im Mahnwesen einsetzen, müssen Mahngebühren manuell verbuchen. Das kostet wertvolle Arbeitszeit und birgt die Gefahr von Fehlbuchungen und Compliance-Risiken. Eine SAP-basierte Erweiterung automatisiert den Prozess und beseitigt diese Schwachstelle. mehr...

cortility: Einfacher Lieferantenwechsel

[08.07.2026] Der IT-Dienstleister cortility hat eine Software vorgestellt, die Energieversorger beim seit 2025 geltenden 24-Stunden-Lieferantenwechsel unterstützen soll. mehr...

dena: Data Spaces für die Energiewende

[02.07.2026] Rund 50 Akteure aus der Energie- und Digitalwirtschaft sprechen sich für den Aufbau von Data Spaces aus. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) sollen standardisierte Datenräume den sicheren Datenaustausch erleichtern, die Energiewende unterstützen und die digitale Souveränität in Deutschland und Europa stärken. mehr...

Dresden: Energielotse überarbeitet

[30.06.2026] Dresden hat seinen Digitalen Energielotsen grundlegend überarbeitet und um neue Funktionen erweitert. Die Online-Plattform soll Bürgerinnen und Bürger bei Entscheidungen zu Heizung, Wärmeversorgung und Fördermitteln im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung unterstützen. mehr...

Mannheim: Kläranlage erhält digitales Prozessleitsystem

[26.06.2026] Die Mannheimer Kläranlage arbeitet künftig mit einem durchgängigen digitalen Prozessleitsystem. Die Modernisierung soll die Betriebssicherheit erhöhen, Ressourcen sparen und die Anlage auf strengere Vorgaben in der Wasserwirtschaft vorbereiten. mehr...

Advertorial: Das Zusammenspiel entscheidet

[25.06.2026] Stadtwerke stehen vor einer neuen Phase der Digitalisierung: Kundenerwartungen steigen, IT-Landschaften werden komplexer, Fachwissen geht verloren. Operative Handlungsfähigkeit zu erhalten und sich gleichzeitig zukunftsfähig aufzustellen, wird zur obersten Priorität. mehr...

deeeper.technology: Start von KI-Plattform

[24.06.2026] Das Unternehmen deeeper.technology hat mit den Deeeper Energy Maps eine KI-Plattform gestartet, die Energiedaten gebündelt auf einer interaktiven Karte darstellt. Die Lösung soll Projektentwicklern und Beratern die Standortbewertung deutlich erleichtern. mehr...

Kisters: Plattform für Steuerbarkeitstests

[23.06.2026] Netzbetreiber müssen jährlich die Steuerbarkeit von Erzeugungsanlagen prüfen und die Ergebnisse an die Übertragungsnetzbetreiber melden. Der Softwareanbieter Kisters hat seine Redispatch-2.0-Plattform dafür erweitert. mehr...

interview

Interview: Tief integrierte Systeme

[16.06.2026] Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für Automatisierung und effizientere Prozesse. Andreas Weber von Kraftwerk Software erklärt im Interview, warum KI erst dann ihr volles Potenzial entfaltet, wenn sie in die Systemarchitektur integriert ist. mehr...

FairEnergie: Umstieg auf Intense-Lösung

[09.06.2026] FairEnergie ersetzt seine bisherige SAP-IS-U-Landschaft durch die cloudbasierte Plattform TENTAC auf Basis von SAP S/4HANA Utilities. Der Reutlinger Versorger setzt dabei auf Standardprozesse und integrierte Abläufe, um Kosten zu senken und kundenbezogene Prozesse zu vereinfachen. mehr...

SAP will digitale Souveränität stärken und investiert in sichere Cloudlösungen für den öffentlichen Sektor.

GISA: GASAG senkt Cloud-Kosten

[08.06.2026] Die GASAG hat ihre SAP-Systemlandschaft in der Microsoft-Azure-Cloud überarbeitet. Nach Angaben des IT-Dienstleisters GISA sanken dadurch die monatlichen Speicherkosten deutlich, während sich die Leistungsfähigkeit der Systeme erhöhte. mehr...

bericht

Energiemanagement: Cyber-Sicherheit beginnt im Haus

[04.06.2026] PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Wallbox kommunizieren über digitale Schnittstellen miteinander und mit der Außenwelt. Heim-Energiemanagementsysteme fungieren dabei als zentrale Schaltstelle. Doch mit der Vernetzung steigt auch die Angriffsfläche. mehr...

Berlin: Neues Konzept soll KRITIS schützen

[27.05.2026] Berlin verschärft den Schutz Kritischer Energieinfrastrukturen mit einem neuen TOP-Konzept aus technischen, organisatorischen und physischen Maßnahmen. Anlass sind Brandanschläge auf die Stromversorgung, die zuletzt ganze Stadtteile beeinträchtigten und nun umfangreiche Investitionen sowie neue Sicherheitsstandards auslösen. mehr...

SAP will digitale Souveränität stärken und investiert in sichere Cloudlösungen für den öffentlichen Sektor.

IBM/Natuvion: Cloud-Umstieg beschleunigen

[26.05.2026] Das zentrale SAP-ERP-System (SAP ECC) wird ab 2027 nicht mehr gewartet. Um Energieversorgern den Umstieg auf die Cloud-Plattform SAP S/4HANA Utilities zu erleichtern, haben IBM und Natuvion deshalb eine Zusammenarbeit vereinbart. mehr...