InterviewDezentrale Strategie

Andreas Weber
(Bildquelle: Kraftwerk Software Holding GmbH)
Herr Weber, Sie behaupten, dass klassische ERP-Systeme in der Versorgungswirtschaft ein Auslaufmodell sind. Wieso?
In der Energiewelt erleben wir derzeit einen Wandel hin zu flexiblen und dezentral vernetzten Systemen. Das Gleiche passiert in der IT. Lange Zeit waren monolithische ERP-Systeme die Norm – riesige Softwarepakete, die alle Anforderungen eines Unternehmens abdecken sollten. Doch diese Systeme sind zunehmend schwerfällig und teuer in der Wartung. Hinzu kommt, dass sich sowohl regulatorische Anforderungen als auch die technologischen Entwicklungen, insbesondere im Bereich Künstlicher Intelligenz, viel schneller verändern, als klassische ERP-Lösungen mithalten können.
Wie sieht Ihre Antwort auf diese Entwicklung aus?
Wir setzen konsequent auf eine Plattformstrategie. Damit schaffen wir eine gemeinsame, offene und erweiterbare IT-Basis, auf der alle Prozessketten von Versorgungsunternehmen wie etwa Meter-to-Cash durchgängig und komplett abgebildet werden. Im Fokus stehen dabei zunächst das Smart Billing, das Finanz-, Kunden- und Vertriebsmanagement, das Zeitreihenmanagement sowie die E-Mobilitätsplattform m8mit. Unser technologisches Fundament ist hier Microsoft Dynamics 365 Business Central.
„Wir erleben derzeit einen Wandel hin zu flexiblen und dezentral vernetzten Systemen.“
Warum setzen Sie ausgerechnet auf Microsoft als technologische Basis?
Microsoft bietet eine enorm leistungsfähige und skalierbare Architektur. Über 400 Partner in Deutschland entwickeln Lösungen auf dieser Plattform, was eine hohe Innovationsgeschwindigkeit sichert. Darüber hinaus kann auch das gesamte Microsoft-Ökosystem eingebunden werden, wie Teams, Power BI, Power Automate, Dataverse oder die Azure-Cloudservices. Über das App-Modell von Business Central ist zudem die Anbindung von Anwendungen anderer Hersteller oder individueller Apps, die auf dieser Technologieplattform entwickelt wurden, problemlos möglich. Zudem ist KI ein zentraler Bestandteil von Microsoft Dynamics 365. Als erster KI-Assistent seiner Art unterstützt Copilot auch in der neuen Kraftwerk-Software-Plattform kleine und mittelständische Unternehmen mit intuitiven KI-Tools. Die Nutzerinnen und Nutzer können so unkompliziert und effizient mit den Anwendungen auf Basis von Business Central interagieren. Über Copilot Chat können sie Fragen in natürlicher Sprache stellen oder Geschäftsdaten abrufen, ohne die traditionelle Navigation und Produkthilfen nutzen zu müssen.
Kritikern zufolge sind Plattformlösungen oft weniger individualisierbar als klassische ERP-Systeme. Wie begegnen Sie diesem Einwand?
Natürlich kann eine Standardplattform keine maßgeschneiderte Lösung für jedes einzelne Stadtwerk bieten. Aber das ist auch gar nicht notwendig – und wirtschaftlich kaum vertretbar. Die Energiebranche steht vor der Herausforderung, Prozesse zu automatisieren und effizienter zu gestalten. Individualentwicklungen führen oft dazu, dass Unternehmen auf Insellösungen setzen, die mit hohem Wartungsaufwand verbunden sind. Unsere Plattform verfolgt einen anderen Ansatz. Sie bietet einen breiten Standard, der sich über Apps und Module jederzeit erweitern lässt – ohne die typischen Schnittstellenprobleme proprietärer Lösungen. Zudem steht gerade die Versorgungswirtschaft unter enormem Druck, die sich ständig ändernden regulatorischen Anforderungen immer vollständig und rechtzeitig umsetzen zu müssen. Das lässt sich heute nur noch über entsprechend standardisierte Software-Architekturen realisieren, die sich flexibel an die jeweils neuen oder veränderten Prozesse anpassen lassen.
Wie weit sind Sie mit der Umsetzung Ihrer Plattformstrategie?
Wir befinden uns mitten im Transformationsprozess. Die zentralen Anwendungen der Plattform stehen bereit und wurden auf der diesjährigen E-world erstmals live gezeigt. Der nächste Schritt ist die Implementierung bei ersten Kunden, die bereits im Gange ist. Unser Ziel ist eine vollständig integrierte Plattform, die über alle Marktrollen eines Querverbundunternehmens hinweg die komplette Wertschöpfungskette vom Einkauf und den netzdienlichen Prozessen bis hin zum Vertrieb abdeckt – mit spezifischen Ausprägungen auch für reine Wasser- oder Wärmeversorger.
Wo sehen Sie die Kraftwerk Software Group in fünf Jahren?
Wir wollen der führende Anbieter für IT-Lösungen in der mittelständischen Versorgungswirtschaft werden. Mit unserer Plattformstrategie ermöglichen wir Stadtwerken eine digitale Transformation, die nicht nur heutige Anforderungen erfüllt, sondern auch langfristig Bestand hat.
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