Montag, 6. April 2026

Deutscher StädtetagStädte betreiben aktiv Klimaschutz

[25.09.2019] Für die deutschen Städte ist das Klimapaket der Bundesregierung nicht aussreichend, um die Klimaziele zu erreichen. Sie fordern unter anderem mehr Mittel von Bund und Ländern für Investitionen in die kommunale Verkehrsinfrastruktur.
Burkhard Jung

Burkhard Jung, Präsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister von Leipzig.

(Bildquelle: Deutscher Städtetag)

Die Städte halten einige Ansätze des von der Bundesregierung beschlossenen Klimapakets für sinnvoll. Sie gehen jedoch davon aus, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, um in Deutschland die international vereinbarten Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Das machte der Präsident des Deutschen Städtetages, Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) aus Leipzig, nach einer Sitzung des Präsidiums des kommunalen Spitzenverbandes gestern (24. September 2019) in Salzgitter deutlich.
Jung erklärte: „Es ist gut und notwendig, dass die Bundesregierung dem Klimaschutz einen höheren Stellenwert einräumt. Der Einstieg in eine CO2-Bepreisung, Förderprogramme etwa für Gebäudesanierung und einzelne Maßnahmen im Verkehrsbereich weisen in die richtige Richtung.“ Allerdings werde manches zu zaghaft und langsam angepackt. Vor allem die Vorschläge für den Verkehr halten die im Verband organisierten Städte noch nicht für ausreichend. „Alternative Antriebe zu fördern, das Bahnfahren attraktiver zu machen und die Umstellung der Kfz-Steuer sind richtig, reichen voraussichtlich aber nicht aus, um die CO2-Einsparungsziele für den Verkehrsbereich zu erreichen“, sagte Jung.

Mehr Mittel für die kommunale Verkehrsinfrastruktur

Der Städtetags-Präsident forderte mehr Unterstützung durch Bund und Länder, damit die Kommunen in einen attraktiven ÖPNV mit mehr modernen Bussen und Bahnen investieren können. Der Städtetag begrüße, dass der Bund die Mittel für die kommunale Verkehrsinfrastruktur durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) um eine Milliarde auf zwei Milliarden Euro anheben will. Dies entspreche einer langjährigen Forderung des kommunalen Spitzenverbands. Allerdings müssten die Mittel schon bei der laufenden Novelle der Gemeindefinanzierung noch in dieser Legislaturperiode berücksichtigt werden und nicht erst im Jahr 2025 zur Verfügung stehen, wie vom Bund geplant.
Der Stellvertreter des Präsidenten des Deutschen Städtetages, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) aus Osnabrück, sagte mit Blick auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, eine CO2-Bepreisung und die Senkung der EEG-Umlage sei sinnvoll, um den sauberer werdenden Strom zu begünstigen. Dazu gehöre aber auch ein ambitionierter Ausbau der erneuerbaren Energien.

Städte und ihre Stadtwerken senken CO2-Emissionen

Zum Engagement der Städte beim Klimaschutz betonte der stellvertretende Städtetagspräsident: „Klimaschutz ist eine globale Herausforderung, der sich die Städte schon seit vielen Jahren aktiv stellen. Das gilt auch für die Anpassung an den Klimawandel als eine weitere wichtige Zukunfts­aufgabe, der wir uns neben vielen anderen nationalen und regionalen Handlungsbedarfen widmen. Klimaschutz ist derzeit ein bestimmendes Thema in vielen Rathäusern. Die Städte bauen erneuerbare Energien stärker aus und senken gemeinsam mit ihren Stadtwerken ihre CO2-Emissionen. Sie forcieren den Umbau zu nachhaltiger Mobilität. Sie treiben die energetische Sanierung von Gebäuden voran und berücksichtigen Klimaschutzkriterien stärker bei der Bauleitplanung. In jeder Stadt wird derzeit diskutiert, was noch mehr getan werden kann, damit die Klimaziele von Paris erreicht werden. Diese Diskussionen müssen wir nutzen, um weiter voranzukommen beim nachhaltigen Stadtumbau.“
Der kommunale Spitzenverband empfiehlt den Städten, gemeinsam mit den im Klimaschutz aktiven gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen, wie beispielsweise den Klimabündnissen, Agenda-21-Gruppen und Schülerbewegungen örtliche Projekte im Klimaschutz zu prüfen und umzusetzen.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Saarland: Gasspeicher-Strategie gefordert

[02.04.2026] Das Saarland fordert eine nationale Strategie für Gasspeicher, um sinkenden Füllständen und Marktunsicherheiten zu begegnen. Angesichts geopolitischer Spannungen und steigender Preisrisiken wächst der Druck auf den Bund, rechtzeitig vor der nächsten Heizperiode zu handeln. mehr...

Bundesverband Erneuerbare Energie: Branche legt Maßnahmenpaket vor

[31.03.2026] Die Erneuerbaren-Branche legt ein eigenes Maßnahmenpaket für ein kostengünstiges und resilientes Energiesystem vor. Es reagiert auf umstrittene Gesetzesvorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium und zielt auf mehr Investitionssicherheit und geringere Systemkosten. mehr...

Deutscher Städte- und Gemeindebund: Umsetzung der Wärmewende in Gefahr

[30.03.2026] Deutschlands Kommunen warnen vor einem finanziellen Kollaps, der Investitionen in die Wärmewende ausbremst. Ohne grundlegende Reformen und verlässliche Förderstrukturen drohen Planung und Umsetzung vor Ort ins Stocken zu geraten. mehr...

Gaspaket: Lob und Kritik von Branchenverbänden

[26.03.2026] Drei Branchenverbände bewerten den Gesetzentwurf zum Gas- und Wasserstoffbinnenmarkt grundlegend unterschiedlich. Ihre Stellungnahmen zeigen, wo es beim Umbau der Gasnetze zu Biomethan und Wasserstoff noch hakt und welche Nachbesserungen sie fordern. mehr...

Klimaschutzprogramm: Stellungnahmen von VKU, BSW-Solar und BDEW

[26.03.2026] VKU, BSW-Solar und BDEW haben das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung bewertet und fordern Nachbesserungen. Die Verbände sehen Fortschritte, warnen aber vor Umsetzungsdefiziten und widersprüchlichen Signalen für zentrale Sektoren der Energiewende. mehr...

Naturstrom: Umfrage zur Energiepolitik veröffentlicht

[18.03.2026] Eine große Mehrheit der Bevölkerung bewertet die Energiepolitik der Bundesregierung negativ und lehnt zentrale Reformpläne ab. Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zeigen wachsende Skepsis gegenüber Solar- und Heizungsentscheidungen – mit möglichen Folgen für Investitionen und Akzeptanz der Energiewende. mehr...

Hauptverwaltung des Energieversorgers Badenova in Freiburg mit moderner Glasfassade, Eingangsbereich und Skulptur vor dem Gebäude.

Badenova: Forderungskatalog nach Landtagswahl

[13.03.2026] Nach der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg fordert der Energieversorger Badenova ein schnelleres Vorgehen bei der Energie- und Wärmewende. Das kommunale Unternehmen hat dazu ein Papier mit zwölf Punkten vorgelegt. Darin geht es unter anderem um Finanzierung, Genehmigungen, Wärmenetze und den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. mehr...

KRITIS-Gipfel: Forderung nach stärkerer Resilienz

[11.03.2026] Energieverbände fordern eine stärkere Ausrichtung auf Resilienz und Schutz Kritischer Infrastrukturen in Deutschland. Anlass war der erste KRITIS-Gipfel, der gestern in Berlin stattfand. Dort berieten Vertreter der Branche, der Politik und der Bundeswehr über neue Bedrohungslagen und konkrete Schutzmaßnahmen. mehr...

Bundesverband Solarwirtschaft: Frontalangriff auf die Energiewende

[03.03.2026] Ein geleakter Entwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sieht die Streichung der Förderung für neue private Solaranlagen und eine Pflicht zur Direktvermarktung vor. Die Solarbranche warnt vor massiven Folgen für Investitionen, Arbeitsplätze und die Klimaziele. mehr...

bericht

Gebäudemodernisierungsgesetz: Städte sehen Hürden

[02.03.2026] Die ostdeutschen Städte arbeiten an der Wärmewende. Nun liegen Eckpunkte für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz vor. Der Deutsche Städtetag begrüßt die Einigung, sieht jedoch noch offene Fragen und warnt vor Risiken für Investitionen und Klimaziele. mehr...

Baden-Württemberg: 22 Windpark-Projektierer warnen vor Aus von Windenergie

[02.03.2026] 22 Windpark-Projektierer aus dem Südwesten warnen vor einem faktischen Aus für neue Anlagen in Baden-Württemberg. Sie sehen den Ausschreibungsmechanismus des EEG als Ursache und drängen die Bundesregierung zu raschen Korrekturen. mehr...

Gebäudemodernisierungsgesetz: Kritik und Lob von Branchenverbänden

[26.02.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) setzt auf eine Grüngasquote, eine entfristete Bio-Treppe und stärkere Förderung für Fernwärmenetze. Verbände aus der Energie- und Wärmewirtschaft begrüßen den Kurswechsel, warnen aber vor Preisrisiken, fehlender Planungssicherheit und offenen Detailfragen. mehr...

Baden-Württemberg: Land stellt 50 Millionen Euro für Elektrolyseure bereit

[25.02.2026] Baden-Württemberg startet die zweite Runde seines Förderprogramms für Elektrolyseure und stellt weitere 50 Millionen Euro für die regionale Wasserstofferzeugung bereit. Das Umweltministerium reagiert damit auch auf fehlende Vorgaben des Bundes und will den Aufbau lokaler Wasserstoff-Hubs beschleunigen. mehr...

Speicherbranche: Kritik an AgNes-Prozess

[24.02.2026] Die geplante Neuordnung der Netzentgelte im AgNes-Prozess stellt die bisherige Befreiung von Stromspeichern infrage. Vertreter der Speicherbranche warnen, dass ohne Vertrauensschutz Milliardeninvestitionen und bis zu 16 GW Batteriespeicherleistung auf der Kippe stehen. mehr...

Sachsen-Anhalt: Resilienz-Stab zum KRITIS-Schutz eingerichtet

[24.02.2026] Sachsen-Anhalt richtet einen ressortübergreifenden Resilienz-Stab zum Schutz Kritischer Infrastrukturen ein. Das neue Gremium soll angesichts wachsender Risiken durch Extremwetter, Cyber-Angriffe und hybride Bedrohungen die Krisenvorsorge des Landes neu ordnen. mehr...