Sonntag, 15. März 2026

HannoverUrbane Tiefengeothermieanlage geplant

[03.09.2025] Hannover will Vorreiter bei der Wärmewende werden: Ab 2027 soll in Lahe eine Tiefengeothermieanlage Wärme aus 3.200 Metern Tiefe ins Fernwärmenetz einspeisen. Nach Angaben der Stadt können damit bis zu 20.000 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgt werden.

Seismiktrucks erkundeten bereits im Umfeld der geplanten Bohrungen die geologischen Verhältnisse.

(Bildquelle: enercity AG)

Wie die Landeshauptstadt Hannover mitteilt, entsteht im Stadtteil Lahe eine der ersten urbanen Tiefengeothermieanlagen Europas. Auf einem städtischen Grundstück an der Kirchhorster Straße soll ab 2027 ein sogenannter Eavor-Loop in Betrieb gehen. Das System arbeitet geschlossen und nutzt keine natürlichen Heißwasserreservoire. Stattdessen zirkuliert ein wasserbasiertes Medium durch kilometerlange Bohrungen in rund 3.200 Metern Tiefe. Angetrieben allein durch den Thermosiphon-Effekt nimmt es Wärme aus dem Gestein auf und transportiert diese an die Oberfläche.

Das Projekt wird gemeinsam von enercity und dem kanadischen Unternehmen Eavor umgesetzt. Geplant sind zwei Anlagen mit je 15 Megawatt Leistung. Zusammen sollen sie jährlich etwa 250 Millionen Kilowattstunden liefern, was für die Versorgung von bis zu 20.000 Haushalten ausreicht. Damit könnte die Anlage künftig rund 15 bis 20 Prozent des hannoverschen Fernwärmebedarfs abdecken.

Oberbürgermeister Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen) betonte laut Mitteilung, Hannover sei die erste Großstadt mit einer solchen Anlage. Das Vorhaben sei ein entscheidender Schritt hin zu einer erneuerbaren und unabhängigen Fernwärmeversorgung und könne als Modell für andere Städte dienen. Enercity-Vorstandsvorsitzende Aurélie Alemany sprach von einem aktiven Beitrag zur Energiezukunft Norddeutschlands und zur regionalen Versorgungssicherheit.

Eavor-Geschäftsführer Marco Becker erklärte, die Technik komme ohne Emissionen, Fracking oder natürliche Thermalquellen aus. Nach dem ersten Projekt in Geretsried sei Hannover ein weiterer Meilenstein. Die Stadt erhofft sich zudem Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2035 und zum Ausstieg aus der Kohle.

Heute wird das Projekt im Stadtbezirksrat Bothfeld-Vahrenheide vorgestellt. Auch beim „Tag der Geothermie“ am 12. und 13. September wollen enercity und Eavor ihre Pläne öffentlich präsentieren.



Stichwörter: Geothermie, enercity, Eavor, Hannover


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