HamburgWärme aus Abwasser

Vier leistungsstarke Aggregate bilden den Kern der Anlage im Energiepark Hafen auf der Elbinsel Dradenau.
(Bildquelle: Hamburger Energiewerke/HAMBURG WASSER)
Was für viele im Alltag unsichtbar verschwindet, ist für die Ingenieurin Kirsten Fust eine wertvolle Ressource: Abwasser. „Direkt vor unserer Haustür schlummert ein enormes Wärmepotenzial. Wir alle tragen täglich dazu bei“, sagt Fust. Sie steht am zukünftigen Standort der Abwasserwärmepumpe am Klärwerk Hamburg zwischen Verdichtern, Wärmetauschern und Rohrleitungen. Fust weiß, wovon sie spricht. Als Geschäftsführerin der Hamburger Energiewerke (HEnW) verantwortet sie das Pionierprojekt zur Nutzung des kommunalen Abwassers: die Abwasserwärmepumpe auf der Elbinsel Dradenau im Hamburger Hafen. Partner ist das Unternehmen Hamburg Wasser, der städtische Trinkwasserver- und Abwasserentsorger. Der Bau der Abwasserwärmepumpe ist bereits weit fortgeschritten. Dank geeigneter Technologie, einem idealen Standort und der treibenden Kraft politischer Entschlossenheit steht der Stadt diese bislang ungenutzte Ressource bald zur Verfügung – als verlässliche Wärmequelle für tausende Hamburger Haushalte.
Tempo beim Klimaschutz
Die Freie und Hansestadt will beim Klimaschutz Tempo machen: Bis spätestens 2030 soll der Kohleausstieg gemäß Klimaschutzgesetz vollendet sein. Als städtischer Energieversorger sind die Hamburger Energiewerke zentraler Treiber dieser Transformation. Mit der Ablösung ihrer Heizkraftwerke in Wedel und Hamburg-Tiefstack erreichen die Hamburger Energiewerke bereits 2028 ihr Zwischenziel von rund 50 Prozent klimaneutraler Wärme im Stadtnetz. Um diese Wärme zu ersetzen, müssen sie lokale Wärmepotenziale erkennen und wirtschaftlich erschließen. Hamburg hat als Millionenmetropole, Industrie- und Hafenstandort viele solcher Ressourcen.
Mit dem Energiepark Hafen auf der Dradenau entsteht derzeit ein zentraler Ort für die Wärmewende. Die Hamburger Energiewerke binden in diesen modularen Erzeugungspark klimafreundliche Wärme aus Abwasser sowie Abwärme aus Industrie und Müllverwertung ein. Gemeinsam mit dem Energiepark Tiefstack, in dem der Hamburger Kohleausstieg vollendet wird , bildet der Energiepark Hafen künftig das Rückgrat der Hamburger Wärmeversorgung.
Ideale Wärmequelle
Rund 450.000 Kubikmeter durchlaufen täglich das Klärwerk von Hamburg Wasser bei verlässlichen Temperaturen von mindestens zwölf Grad Celsius, selbst im Winter. Genau diese Grundwärme macht das Abwasser zur idealen Wärmequelle. Nach ihrer Fertigstellung liefert die 60-Megawatt-Anlage klimafreundliche Fernwärme für rechnerisch bis zu 39.000 Hamburger Haushalte. Damit zählt sie zu den größten Abwasserwärmepumpen Europas. Vier leistungsstarke Aggregate am Klärwerksablauf mit je 15 Megawatt Wärmeleistung bilden den Kern der Anlage, die bis zu 90.000 Tonnen CO2 pro Jahr im Vergleich zur bisherigen fossil erzeugten Wärme einspart.
Die aus dem Abwasser gewonnene Wärme wird zunächst zur benachbarten, derzeit im Bau befindlichen Gas-und-Dampfturbinenanlage (GuD) der Hamburger Energiewerke geleitet. Sie bildet das Herzstück des Energieparks und fungiert als Drehkreuz für die aus unterschiedlichen Quellen eintreffende Wärme. Hier wird geregelt, ob die Temperatur der Wärme noch weiter angehoben werden muss, beispielsweise im Winter, oder ob sie zur späteren Verwendung in den 50 Meter hohen Wärmespeicher geleitet wird. Über den neuen Fernwärmetunnel unter der Elbe transportieren die Hamburger Energiewerke die Wärme schließlich in das städtische Fernwärmenetz und zu den Hamburger Haushalten.
Große Transformation
Die Dimensionen dieses wie auch anderer aktueller Projekte der Hamburger Energiewerke zeigen eindrücklich: Hamburgs Fernwärmeversorgung steht vor ihrer wohl größten Transformation. Auch für den städtischen Versorger bedeutet das einen gewaltigen Kraftakt. Zwischen 2022 und 2028 investieren die HEnW rund 2,85 Milliarden Euro in den Aus- und Umbau des Fernwärmesystems sowie in den Ausbau erneuerbarer Energien.
Großwärmepumpen wie die Anlage auf der Dradenau spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie entstehen dort, wo Wärme konstant verfügbar ist. GuD-Anlagen stellen flexibel und bedarfsgerecht zusätzliche Leistung bereit. Der Energiepark Hafen verkörpert diese Logik und steht zugleich für einen Paradigmenwechsel in der Wärmeerzeugung: weg von wenigen zentralen Kraftwerken, hin zu einem modularen, flexiblen System. Weitere Großwärmepumpen sind bereits in Planung, etwa eine Flusswasserwärmepumpe an der Billwerder Bucht als Teil des neuen Energieparks Tiefstack.
Auch förderrechtlich ist das Projekt zukunftsweisend: Die Anlagenkonstellation aus Großwärmepumpe, Gas- und Dampfturbinenkraftwerk, Wärmespeicher sowie Power-to-Heat-Einheit bildet gemeinsam ein sogenanntes innovatives Kraft-Wärme-Kopplungssystem (iKWK). Über das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) wird dieses System besonders gefördert. Es verknüpft Technologien intelligent, nutzt Wärme effizient und reduziert CO₂-Emissionen signifikant. Der politische Impuls für diese Systemförderung kam maßgeblich aus Hamburg.
Der Energiepark Hafen ist daher nicht nur ein Ort technischer Innovation. Er steht auch für kommunale Umsetzungskraft und politische Rückendeckung. Mit Projekten wie der Abwasserwärmepumpe zeigen die beiden städtischen Unternehmen Hamburger Energiewerke und Hamburg Wasser, dass die Wärmewende nicht allein eine Frage der Technologie ist, sondern auch eine von Haltung, Strategie und verlässlichen Rahmenbedingungen.
Hamburger Leuchtturm
Die Abwasserwärmepumpe auf der Elbinsel Dradenau ist somit ein Leuchtturmprojekt für urbanen Klimaschutz, das die Wärmewende in Sicht bringt und zugleich zeigt, dass die Zukunft der Wärmeversorgung buchstäblich direkt vor unserer Haustür beginnt. Hamburg macht vor, wie die konsequente Nutzung eigener Potenziale die Wärmewende Realität werden lässt. Damit sendet die Stadt ein starkes Signal an andere Städte. Auch sie können ihre lokalen Ressourcen für eine klimaneutrale Zukunft erschließen.
Vaillant: XL-Wärmepumpe für Mehrfamilienhäuser
[23.02.2026] In Dortmund wurde erstmals eine sechsstufige Wärmepumpenanlage der XL-Variante in Betrieb genommen. Das System versorgt zwei Mehrfamilienhäuser aus den 1960er-Jahren. Laut den Beteiligten spart es jährlich 20,5 Tonnen CO₂ ein. mehr...
Stadtwerke Lemgo: Beteiligungsvolumen für Großwärmespeicher ausgeschöpft
[20.02.2026] Das Beteiligungsvolumen für den Großwärmespeicher der Stadtwerke Lemgo ist binnen weniger Tage vollständig ausgeschöpft. Zwei Millionen Euro flossen in das Projekt zur klimaneutralen Wärmeversorgung und zeigen die breite Unterstützung für die Wärmewende vor Ort. mehr...
Enpal: Wärmepumpe kompensiert Fernwärmenetz
[20.02.2026] Enpal steigt in die kommunale Wärmeplanung ein und übernimmt für Städte und Gemeinden die Versorgung von Haushalten außerhalb bestehender Fernwärmenetze mit Wärmepumpen. Damit reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Handlungsdruck der Kommunen und will mit hoher Installationskapazität eine Lücke in der lokalen Wärmewende schließen. mehr...
BBSR: Studie zur Wärmeplanung mit Digitalen Zwillingen
[18.02.2026] Eine neue Studie untersucht, wie Digitale Zwillinge die kommunale Wärmeplanung strategisch unterstützen. Der Bericht des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigt anhand von 189 Kommunen, wann sich der Einsatz digitaler Modelle lohnt und wo ihre Grenzen liegen. mehr...
Cuxhaven: Alter Fischereihafen erhält Energiespundwand
[13.02.2026] Niedersachsen fördert im Alten Fischereihafen Cuxhaven eine bundesweit einzigartige Energiespundwand, die Wärme direkt aus dem Meerwasser gewinnt. Das 3,1-Millionen-Euro-Projekt soll ein 61.000 Quadratmeter großes Quartier klimaneutral mit Heiz- und Kühlenergie versorgen und gilt als Modell für die Wärmewende in Häfen. mehr...
SAENA: Kostenfreies Webinar zur Wärmeplanung
[12.02.2026] Die Sächsische Energieagentur SAENA bietet am 27. Februar 2026 ein kostenfreies Webinar zu Ausschreibung und Vergabe in der kommunalen Wärmeplanung an. mehr...
Stiftung Umweltenergierecht: Webinar zur Wärmeplanung
[09.02.2026] Neue Leitfäden sollen Kommunen den Schritt von der Wärmeplanung in die praktische Umsetzung erleichtern. Die Stiftung Umweltenergierecht stellt zentrale Inhalte und Empfehlungen in einem kostenfreien Online-Seminar vor. mehr...
Stuttgart: Abwärme von Rechenzentrum macht Schule
[06.02.2026] Ein Rechenzentrum in Stuttgart speist seine Abwärme erstmals systematisch in ein lokales Wärmenetz ein. Das Projekt von nLighten und Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart zeigt, wie digitale Infrastruktur konkret zur Dekarbonisierung städtischer Wärmeversorgung beitragen kann. mehr...
Leverkusen: Wärmeplan liegt öffentlich aus
[05.02.2026] Der Entwurf der kommunalen Wärmeplanung der Stadt Leverkusen liegt nun öffentlich aus. Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, den Plan online einzusehen und Stellung zu nehmen. Das Ziel ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045. mehr...
Darmstadt/Wiesbaden: Fortschritte bei kommunaler Wärmeplanung
[05.02.2026] Wiesbaden legt den Entwurf seiner kommunalen Wärmeplanung öffentlich aus, Darmstadt hat seine Wärmeplanung bereits beschlossen und vorgestellt. Beide Städte wollen damit den Umbau der Wärmeversorgung bis 2045 klimaneutral, wirtschaftlich tragfähig und planbar gestalten. mehr...
Gebäudeenergiegesetz: Spitzenverbände fordern Reform
[29.01.2026] Mehrere Spitzenverbände aus Energie-, Kommunal- und Immobilienwirtschaft fordern eine schnelle und grundsätzliche Reform des Gebäudeenergiegesetzes hin zu einem Gebäudemodernisierungsgesetz. Sie verlangen klare, investitionsfreundliche und praxistaugliche Regeln, die nationale und europäische Vorgaben zusammenführen. mehr...
Pforzheim: Energiezentrale in Betrieb gegangen
[29.01.2026] In Huchenfeld ist eine neue Energiezentrale in Betrieb gegangen, die den Pforzheimer Stadtteil künftig mit überwiegend erneuerbarer Wärme versorgen soll. Betreiber sind die Stadtwerke Pforzheim, die damit ihre Nah- und Fernwärmestrategie weiter ausbauen. mehr...
Nexiga/DBI: Wärmebedarf von Gebäuden berechnen
[21.01.2026] Eine neue, normbasierte Methode berechnet erstmals den Wärmebedarf nahezu aller Gebäude in Deutschland gebäudescharf. Entwickelt von Nexiga und der DBI-Gruppe, soll sie Kommunen, Energiewirtschaft und Wohnungswirtschaft präzisere Planungsgrundlagen liefern. mehr...
Herrenchiemsee: Kulturerbe hat Nahwärmesystem erhalten
[19.01.2026] Auf der Herreninsel im Chiemsee ist ein neues Nahwärmesystem mit Holzvergaser-Blockheizkraftwerk in Betrieb gegangen, das mehrere denkmalgeschützte Gebäude nahezu autark mit Wärme und Strom versorgt. Das Projekt zeigt, wie sich erneuerbare Energietechnik auch in sensiblen Kulturerbe-Strukturen technisch anspruchsvoll integrieren lässt. mehr...
Rhein-Hunsrück-Kreis: Wärmeplanung abgeschlossen
[16.01.2026] Im Rhein-Hunsrück-Kreis ist die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen und zeigt Wege zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung auf. Kennzeichnend ist die interkommunale Zusammenarbeit mehrerer Kommunen, die ihre gesetzlich geforderten Wärmepläne gemeinsam erarbeitet haben. mehr...














