Freitag, 9. Oktober 2026

EEG-ReformWie weiter mit der Energiewende?

[30.09.2013] Deutschland hat gewählt. Die schwarz-gelbe Mehrheit gibt es nicht mehr. Doch während alle Welt noch spekuliert, wie es künftig weitergehen soll, haben die Interessenverbände ihre Meinungen längst getroffen. stadt+werk hat sich umgehört.
Wer die Spielregeln zum EEG künftig bestimmt und wie diese aussehen

Wer die Spielregeln zum EEG künftig bestimmt und wie diese aussehen, bleibt offen. Die Interessenverbände haben bereits ihre ganz eigenen Vorstellungen formuliert.

ie Bundestagswahlen sind vorbei, die Frage nach der Umsetzung der Energiewende bleibt. Wer die Spielregeln zum EEG künftig bestimmt, ist offen.

(Bildquelle: pixelpart / pixelio.de)

Einig sind sich die Interessenverbände nur in einem: Die künftige Bundesregierung muss handeln, wenn sie die selbstgesteckten Ziele zum Ausbau der erneuerbaren Energien erfüllen will. Große Unterschiede gibt es bei der Frage nach der weiteren Umsetzung der Energiewende. Vor allem beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) scheiden sich die Geister. So zeigt sich Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), sichtlich zufrieden über den Ausgang der Bundestagswahl: „Die Extrem-Positionen der FDP gegen die Energiewende und gegen das EEG haben die erneuerbare Mittelstandswirtschaft düpiert.“ Das habe dazu beigetragen, dass sich Klimaschutz und Energiepolitik nun vier Jahre lang ohne die FDP gestalten ließen. „Eine schwarz-grüne Option könnte der Union neue energiepolitische Dynamik verleihen und eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Energiewende anstoßen“, so der BEE-Geschäftsführer. Ähnliche Töne schlägt auch Sylvia Pilarsky-Grosch, Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie (BWE), an: „Wir brauchen weiter einen verlässlichen gesetzlichen Rahmen, um Investitionen abzusichern. Gerade die Mindestpreisvergütung und der Einspeisevorrang machen den Erfolg der Energiewende in Deutschland aus. Wer es mit der Energiewende ehrlich meint, muss beides erhalten.“ Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will man ebenfalls die „positiven Wirkungen des EEG“ absichern. Zudem soll die neue Bundesregierung „die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an allen Entscheidungen stärken“, so BUND-Vorsitzender Hubert Weiger.

Umfassender Neuanfang

Einen Neustart der Energiewende fordert hingegen der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser. Er schlägt damit einen ganz ähnlich wachstumsfördenden Kurs ein wie der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens IBC SOLAR, Udo Möhrstedt: „Die neue Bundesregierung muss für den dringend notwendigen Transformationsprozess sorgen: weg von Atom und Kohle hin zu einer echten, dezentralen und regenerativen Stromversorgung mit einem entsprechenden Markt-Design, das unrentable Großkraftwerke nicht länger bevorzugt und erneuerbare Energien durch falsche Mechanismen an der Strombörse wertlos macht“, so Möhrstedt. Als Sofortmaßnahme müsse die Stromsteuer für erneuerbare Energien abgeschafft werden. Damit könne der Strompreis für den Endverbraucher effektiv gesenkt und die Lasten wieder gerechter verteilt werden. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert einen umfassenden Neuanfang (17000+wir berichteten): Die Energiewende brauche eine Reform, um das Ziel einer sicheren, sauberen und bezahlbaren Energieversorgung zu erreichen. „Konkret muss die neue Bundesregierung das Projekt-Management der Energiewende sorgfältig überprüfen und grundlegend überarbeiten“, sagt BDI-Präsident Ulrich Grillo. „Danach muss die Politik einen verlässlichen Fahrplan für die dringend notwendigen Schritte vorlegen.“ Besonders wichtig sei es, gemeinsam mit den Ländern das EEG „radikal zu reformieren“. Industrieentlastungen bleiben laut Grillo für energieintensive Industrieunternehmen und ihre Belegschaften aufgrund des internationalen Wettbewerbs überlebenswichtig.

Auktionsverfahren gegen Quotenmodell

Konkrete Vorschläge, wie es mit der Energiewende weitergehen soll, kommen vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Dieser empfiehlt der Politik, die Direktvermarktung von Strom aus neuen Erneuerbaren-Anlagen künftig zur Pflicht zu machen. Kern der EEG-Reform solle die Einführung einer Marktprämie sein, die auf Auktionen ermittelt wird. Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung: „Für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende muss der Rollentausch zwischen den erneuerbaren Energien und konventionellen Kraftwerken gelingen. Subventionsempfänger müssen Kaufleute werden“, erklärt die ehemalige Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Merkel-Vertraute. „Eine gute Alternative“, meint auch Wirtschaftsexperte Peter Bofinger. Die Höhe der Vergütung würde nicht mehr wie bisher im Rahmen eines politischen Verhandlungsprozesses bestimmt, der unvermeidlich von Interessengruppen beeinflusst wird, sondern durch Auktionen. „Das sorgt für Wettbewerb zwischen Investoren – und dafür, dass nur diejenigen mit den günstigsten Kosten zum Zuge kommen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Ein alternatives Quotenmodell aber, wie es vonseiten der Monopolkommission zu hören war, lehne er weiterhin ab (17046+wir berichteten). Bei diesem Modell würden die Produzenten von erneuerbaren Energien ihren Strom zum Börsenpreis verkaufen. „Die Förderung ergibt sich daraus, dass sie für den von ihnen produzierten Strom zusätzlich Grünstromzertifikate erhalten.“ Diese müssten dann von den Versorgern in einer gesetzlich festgelegten Menge abgekauft werden. Eine verlässliche Steuerung der Energiewende sei damit undenkbar, da die Quote langfristig ausgerichtet wäre. Auf neue Entwicklungen, vor allem im technologischen Bereich, könnte nicht dynamisch reagiert werden. Ein Risiko für Anleger und Verbraucher, so Bofinger.
Für welche Zukunft der Energiewende sich Politik und Wirtschaft schlussendlich auch entscheiden werden, Handlungsbedarf gibt es auch auf kommunaler Ebene. Das jedenfalls ist die Meinung des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). In einer Umfrage des Verbands sprachen sich 91 Prozent der Unternehmen dafür aus, dass sich die Bundesregierung künftig besser für die Belange der kommunalen mittelständischen Wirtschaft einsetzen soll. Im Bereich der Energiewirtschaft seien weniger als die Hälfte der Befragten mit der wirtschaftlichen Situation ihres Unternehmens zufrieden. VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck: „Auf die neue Bundesregierung warten enorme Herausforderungen. Insbesondere in der Energiepolitik sind umfassende Reformen zwingend notwendig.“

Marc Tosenberger




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Grünes Licht für E-Mobilität: Baden-Württemberg födert den Kauf von E-Fahrzeugen und den Bau von Ladesäulen.

MiSpeL: Bundesnetzagentur erleichtert Nutzung von Stromspeichern

[09.10.2026] Die Bundesnetzagentur hat die Festlegung zur Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten (MiSpeL) beschlossen. Künftig können Speicher und bidirektionale Ladepunkte sowohl Netzstrom als auch selbst erzeugten Solarstrom aufnehmen und ins Netz zurückspeisen, ohne dass die EEG-Förderung entfällt. mehr...

Netzpaket: Redispatch-Vorbehalt stößt auf deutliche Kritik

[09.10.2026] Der geplante Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket der Bundesregierung stößt bei zahlreichen Sachverständigen auf Widerstand. In einer Anhörung des Bundestags warnten sie vor rechtlichen Risiken und schlechteren Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien. mehr...

Bremen: Fecker kritisiert Umschichtung von KTF-Mitteln

[07.10.2026] Bremens Finanzsenator Björn Fecker kritisiert, dass der Bund Einnahmen aus dem Emissionshandel künftig teilweise dem allgemeinen Haushalt statt dem Klima- und Transformationsfonds zuführen will. Nach Angaben der Bremer Finanzverwaltung geht es 2027 um 2,7 Milliarden Euro, bis 2030 könnten sich die Umschichtungen auf bis zu 13 Milliarden Euro summieren. mehr...

Energy Sharing: Impulspapier fordert klare Standards

[06.10.2026] Seit Juni 2026 ist Energy Sharing in Deutschland formal möglich, in der Praxis stehen Projekten aber noch Hürden bei Netzzugang, Bilanzierung und Abrechnung entgegen. Ein Impulspapier des Projekts Forum EnShare nennt zehn Empfehlungen, die den Einstieg erleichtern sollen. mehr...

Forschungsstelle für Energiewirtschaft: Pachtdeckel könnte EEG-Kosten deutlich senken

[06.10.2026] Eine Begrenzung der Pachten für Windenergieflächen könnte nach Berechnungen der Forschungsstelle für Energiewirtschaft die EEG-Förderkosten bis 2045 um Milliarden Euro senken. Bei der im Entwurf zum EEG 2027 vorgesehenen Obergrenze von 3,5 Prozent des Jahresumsatzes errechnet das Institut je nach Vergleichsszenario Einsparungen zwischen rund drei und 37 Milliarden Euro. mehr...

Hessen: Gesetzentwurf will Drohnenüberflüge ahnden

[02.10.2026] Hessen will das unbefugte Eindringen in Kritische Infrastruktur und nicht genehmigte Drohnenüberflüge mit einem neuen Straftatbestand ahnden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf zum „gemeinschädlichen Hausfriedensbruch“ hat Justizminister Christian Heinz im Bundesrat vorgestellt. mehr...

bericht

Bundeswirtschaftsministerium: Eckpunkte für flexible KWK

[28.09.2026] Das Bundeswirtschaftsministerium will das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz bis 2035 verlängern und die Förderung stärker auf flexible, systemdienliche Anlagen ausrichten. Die Energiewirtschaft begrüßt die grundsätzliche Richtung, fordert aber unter anderem eine längere Laufzeit und Nachbesserungen bei Fördersätzen und Modernisierungen. mehr...

Novelle des KWKG: Verbände fordern Nachbesserungen

[23.09.2026] BDEW, VKU und AGFW begrüßen die Eckpunkte des Bundeswirtschaftsministeriums zur Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes. Nachbesserungsbedarf sehen die Verbände unter anderem bei Laufzeit, Fördersätzen und den Bedingungen für bestehende KWK-Anlagen. mehr...

Windenergie: Verbände fordern Südquote

[22.09.2026] Bei der jüngsten Ausschreibung für Windenergie an Land sind nach Angaben von Erneuerbaren-Verbänden nur knapp fünf Prozent der bezuschlagten Leistung auf Bayern und Baden-Württemberg entfallen. Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg und der Landesverband Erneuerbare Energien Bayern fordern deshalb Änderungen am Ausschreibungssystem und eine Südquote im EEG. mehr...

Pumpen in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage

VKU: Stadtwerke zweifeln an Wärmewende-Ziel für 2045

[17.09.2026] Eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) zeigt erhebliche Zweifel kommunaler Wärmeversorger am Zeitplan der Wärmewende. Drei Viertel der Befragten halten klimaneutrales Heizen bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. mehr...

BDEW/VKU: Kritik am BNetzA-Entwurf

[17.09.2026] BDEW und VKU haben Nachbesserungen bei der geplanten Kapitalverzinsung für Gasnetzbetreiber gefordert. Aus Sicht der Verbände reichen die von der Bundesnetzagentur vorgesehenen Zinssätze nicht aus, um die notwendigen Investitionen in die Transformation der Gasnetze zu finanzieren. mehr...

Bitkom: Besserer Schutz von Stromnetzen gefordert

[10.09.2026] Angesichts mutmaßlicher Sabotageversuche auf die Strominfrastruktur fordert der Digitalverband Bitkom einen stärkeren Schutz des Energiesystems. Neben physischen Angriffen müssten dabei auch Cyber-Attacken stärker berücksichtigt werden. mehr...

BDEW: Besserer Schutz für Kritische Infrastrukturen

[08.09.2026] Der BDEW dringt auf bessere Rahmenbedingungen für den Schutz der Energieversorgung. Der Verband fordert unter anderem weniger öffentlich zugängliche Infrastrukturdaten, eine wirksamere Drohnenabwehr und einen staatlich finanzierten Resilienzfonds. mehr...

Energiewende-Digitalisierungs-Allianz: Gesetzentwurf soll Netzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen

[08.09.2026] Eine Allianz aus 17 Energieunternehmen fordert bundesweit einheitliche und digitale Verfahren für Netzanschlüsse und Netzbetrieb. Ein eigener Gesetzentwurf sieht 30 Maßnahmen vor – darunter finanzielle Ansprüche von Netznutzern, wenn Verteilnetzbetreiber gesetzliche Standards nicht einhalten. mehr...

Sachsen-Anhalt: Energiebranche mahnt Kontinuität an

[08.09.2026] Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnen Verbände und Unternehmen vor einem Bruch in der Energiepolitik. BEE, BWE und LichtBlick verweisen auf die wirtschaftliche Bedeutung der erneuerbaren Energien und fordern verlässliche Rahmenbedingungen für weitere Investitionen. mehr...