Freitag, 7. August 2026

VfEWNetz der Energiewende

[03.07.2015] Der Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW) hat mit Klaus Saiger einen neuen Präsidenten gewählt. Auf der Jahresversammlung forderte er mehr Investitionsanreize für den Netzausbau. Vor allem die Verteilnetze wurden diskutiert.
Klaus Saiger (links) folgt auf Rudolf Kastner als neuer Präsident des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW).

Klaus Saiger (links) folgt auf Rudolf Kastner als neuer Präsident des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW).

(Bildquelle: Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg e.V.)

„Die Energiewende findet im Verteilnetz statt.“ Das sagte Netze BW Geschäftsführer Christoph Müller im Rahmen des Energieforums des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW). Am 1. Juli 2015 kamen die Verbandsmitglieder in Marbach am Neckar zu ihrer Jahrestagung zusammen. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde Klaus Saiger, Geschäftsführer der FairNetz GmbH Reutlingen, zum neuen Verbandspräsidenten gewählt. Er folgt auf Rudolf Kastner, Vorstandsvorsitzender der EGT AG, der sich nach siebenjähriger Amtszeit nicht mehr zur Wahl stellte. Er bleibe dem VfEW aber als Präsidiumsmitglied erhalten.

Bedeutung der Verteilnetze

Anlässlich seiner Wahl forderte Saiger eine stärkere Geschlossenheit bei der Umsetzung der Energiewende. Dem Netzausbau werde bislang zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ob die Netze fit für die Zukunft sind, war zentrales Thema des Energieforums. Im Fokus standen die Verteilnetze. Denn die öffentliche Diskussion rund um den Netzausbau dominieren vor allem die Übertragungsnetze, so Helmfried Meinel (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerialdirektor des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. „Dabei dürfen wir die Verteilnetze nicht aus den Augen verlieren. Denn die Ausweitung dezentraler Erzeugungsanlagen führt vor allem in ländlichen Gebieten mit geringer Abnahme und hoher Erzeugung zu erheblichen Rückeinspeisungen in das vorgelagerte Netz, was den Ausbau der Verteilnetze erforderlich macht.“ Saiger ergänzt: „Etwa 90 Prozent aller Erneuerbare-Energien-Anlagen werden in den Verteilnetzen angeschlossen. Dies sind alleine in Baden-Württemberg über 210.000 Kilometer, welche von über 130 Unternehmen betrieben werden. Der Netzausbau ist notwendig, um die Erneuerbaren zu integrieren und der zunehmenden Dezentralität Rechnung zu tragen.“ Den Verteilnetzen in Baden-Württemberg widmet sich jetzt das Umweltministerium Baden-Württemberg. Laut Helmfried Meinel ist eine Verteilnetzstudie für Baden-Württemberg in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern geplant. „Schwerpunkt soll ein Szenario-Rahmen sein, auf dessen Grundlage der Ausbaubedarf der Verteilnetze genauer geplant werden kann. Außerdem soll untersucht werden, wie dezentrale Speicher den Ausbau beeinflussen und reduzieren können.“ Die Studie soll laut Meinel noch im Juli ausgeschrieben werden. Die Vergabe ist für Herbst geplant, erste Ergebnisse erwarte man im ersten Quartal 2016.

Gefahr der Komplexität

Geschlossenheit herrscht bei den am Netzausbau beteiligten Gruppierungen noch nicht. Das wurde vor allem in der Podiumsdiskussion deutlich. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) will laut Jean-Marc Behringer, Referatsleiter Anreizregulierung, Vergleichsverfahren bei der BNetzA, den Netzbetreiber dazu bringen, innovativ zu sein und dennoch zu investieren. Das Plenum kritisierte die vorgeschlagenen Maßnahmen als nicht praktikabel – Wissenschaft und Tatsachen stehen einander entgegen. Der neue Verbandspräsident Saiger griff vor diesem Hintergrund in seinem Schlusswort die Komplexität der Thematik auf: „Die Technik wird immer komplexer, die Gesetze auch. Über Gesetze und Verordnungen, die der Normalbürger versteht, sind wir in unserer Branche bereits hinaus. Und wir laufen Gefahr, dass die Thematik so komplex wird, dass am Ende nur noch wenige Spezialisten verstehen, was eigentlich vor sich geht und dabei auch nicht mehr das Gesamtsystem im Blick haben. Deshalb meine Bitte an alle, an Politik, Behörden und Ministerien: Keep it simple soweit möglich.“



Stichwörter: Politik, Klaus Saiger, Netze, VfEW


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Verband Region Stuttgart: Ausbau der Stromnetze beschleunigen

[06.08.2026] Der Verband Region Stuttgart und zahlreiche Partner wollen den Ausbau der Stromnetze in der Region beschleunigen. Eine gemeinsame Absichtserklärung soll Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinfachen und die Zusammenarbeit von Kommunen, Netzbetreibern und Stadtwerken stärken. mehr...

Bundesregierung: StromVKG verabschiedet

[04.08.2026] Das neue Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz schafft den Rahmen für zusätzliche flexible Stromkapazitäten. Es soll die Versorgung auch bei wachsendem Anteil erneuerbarer Energien und dem Kohleausstieg absichern. mehr...

EEG-Novelle/Netzanschlusspaket: Stellungnahmen zu Reformschritten

[29.07.2026] Das Bundeskabinett hat heute die Entwürfe für die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket beschlossen. Energieverbände begrüßen den Reformkurs, verlangen im parlamentarischen Verfahren aber an zentralen Punkten Änderungen. mehr...

Thüringen: Energie-Anlagen schneller genehmigen

[28.07.2026] Thüringen will Genehmigungsverfahren für Industrie- und Energie-Anlagen weiter beschleunigen. Neue Vorgaben und organisatorische Maßnahmen sollen Investitionen sowie den Ausbau der Energie-Infrastruktur erleichtern, ohne den Umweltschutz zu schwächen. mehr...

Politik: Stellungnahmen zur EEG-Novelle und zum Netzanschlusspaket

[24.07.2026] Die Referentenentwürfe zur EEG-Novelle und zum Netzanschlusspaket stoßen bei Ländern und Verbänden auf ein geteiltes Echo. Während einige Akteure Nachbesserungen verlangen, sehen andere wichtige Fortschritte – fordern aber mehr Zeit und einen strukturierten Dialog vor dem Kabinettsbeschluss. mehr...

Sokratherm: Politische Entscheidungen verbessern Bedingungen für KWK

[22.07.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz und ein EuGH-Urteil stärken die Rahmenbedingungen für Kraft-Wärme-Kopplung. Beide Entscheidungen könnten den Einsatz von Blockheizkraftwerken erleichtern und die anstehende Reform des KWK-Gesetzes beeinflussen. mehr...

EEG-Novelle: Kritik aus der Biogasbranche

[22.07.2026] Ein Netzwerk der Biogasbranche kritisiert den Entwurf zur EEG-Novelle als existenzielle Bedrohung für bestehende Biogasanlagen. Nach Ansicht der Flexperten gefährden die geplanten Ausschreibungsregeln Versorgungssicherheit, Wärmewende und ländliche Wertschöpfung – und fordern deutliche Nachbesserungen. mehr...

bericht

Energiewende: Hybridlösungen statt neuer Lock-ins

[14.07.2026] Die Kraftwerksstrategie des Bundes setzt auf zentrale Großprojekte – doch die kommen zu spät und schaffen neue Abhängigkeiten. Kommunale Hybridlösungen aus KWK, Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Speichern bieten einen schnelleren, resilienteren Weg. mehr...

Naturstrom: Weniger Negativpreise

[07.07.2026] An der Strombörse gab es im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Stunden mit negativen Preisen als im Vorjahr. Eine Analyse zeigt, warum die Preise trotz der globalen Energiekrise insgesamt stabil blieben und welche Rolle erneuerbare Energien und Flexibilität dabei spielen. mehr...

Ein großer Mobilkran richtet auf einer Freifläche am Waldrand einen Gittermast einer Hochspannungsfreileitung auf. Mehrere Monteure begleiten die Montage, während weitere Mastsegmente am Boden bereitliegen. Über der Baustelle erstreckt sich ein blauer Himmel mit großen weißen Wolken.

TenneT: Bund steigt ein

[06.07.2026] Der Bund hat seine Beteiligung am Stromübertragungsnetzbetreiber TenneT Germany abgeschlossen. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hält der Staat nun 25,1 Prozent der Anteile. Nach Angaben der Bundesregierung soll damit der Ausbau des Stromübertragungsnetzes unterstützt werden. mehr...

Großer Solarpark mit langen Reihen von Photovoltaikmodulen vor mehreren Windenergieanlagen. Die Anlage erstreckt sich über eine offene Landschaft unter einem wolkigen Himmel und veranschaulicht die kombinierte Nutzung von Solar- und Windenergie zur Stromerzeugung.

BDEW/ZSW: BDEW/ZSW

[02.07.2026] Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordanteil an der Stromversorgung in Deutschland erreicht. Vorläufigen Berechnungen von ZSW und BDEW zufolge stammten 58 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. mehr...

Gedämmte Fernwärmeleitungen verlaufen in mehreren Bögen über das Außengelände einer Energieanlage. Die groß dimensionierten silberfarbenen Rohre führen entlang eines modernen Technikgebäudes und veranschaulichen die Infrastruktur eines Wärmenetzes.

Städtetag / VKU: Verlässliche Regeln für die Wärmeplanung

[01.07.2026] Zum Stichtag für die Veröffentlichung kommunaler Wärmepläne fordern der Deutsche Städtetag und der Verband kommunaler Unternehmen ein umfassendes Wärmepaket der Bundesregierung. Nach Angaben beider Verbände sorgen geplante Änderungen am Gebäudemodernisierungsgesetz für Unsicherheit bei Kommunen und Stadtwerken. mehr...

Energieeffizienzgesetz: Stellungnahmen zur Gesetzesnovelle

[26.06.2026] Die Bundesregierung hat die Novelle des Energieeffizienzgesetzes beschlossen und mehrere Vorgaben für Unternehmen und Rechenzentren angepasst. Verbände aus Digitalwirtschaft und Energiewirtschaft begrüßen den Abbau von Bürokratie, sehen aber weiterhin Nachbesserungsbedarf bei einzelnen Regelungen. mehr...

Netzausbau: Bündnis fordert Freileitungsvorrang

[17.06.2026] Ein Bündnis aus Netzbetreibern, Verbänden und Wirtschaftsorganisationen fordert einen konsequenten Freileitungsvorrang beim Ausbau neuer Gleichstromtrassen. Die Akteure warnen, dass Ausnahmen im Bundesbedarfsplangesetz den Netzausbau verteuern und verzögern könnten. mehr...

Hessen: Finanzielle Beteiligung soll Pflicht werden

[15.06.2026] Hessen will Kommunen künftig verpflichtend an den Erträgen von Wind- und Solaranlagen beteiligen. Das neue Gesetz soll die Akzeptanz der Energiewende vor Ort erhöhen und den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. mehr...