Freitag, 24. Juli 2026

BDEW Kongress 2016Zuverlässige Politik angemahnt

[08.06.2016] Heute startet in Berlin das größte Branchentreffen der Energie- und Wasserwirtschaft. Zum Auftakt des BDEW Kongresses nannte Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer die Forderungen der Energiewirtschaft an die Politik.

Der neue Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Stefan Kapferer, hat die Politik dazu aufgerufen, die unternehmerischen Spielräume der Energieversorger nicht noch weiter einzuengen. „Das Ziel, die CO2-Emissionen zu reduzieren, erreichen wir am effizientesten über den Wettbewerb der besten Ideen aus einem funktionierenden Markt heraus. Der Versuch, die Zukunft bis ins Jahr 2050 im Detail am Schreibtisch von Ministerien zu planen, lähmt Innovationen“, sagte Kapferer zum Auftakt des BDEW-Kongresses 2016, der heute und morgen (8. bis 9. Juni) in Berlin stattfindet.
Die Unternehmen müssten sich auf immer neue gesetzliche Rahmenbedingungen einstellen. Erforderlich sei jedoch das Gegenteil: „Das Maß an Zuverlässigkeit, das beispielsweise hinsichtlich der Versorgungssicherheit von uns verlangt wird, erwarten wir auch von der Politik.“ Ganz wesentlich sei dieses Vertrauen beim Thema Netzausbau. „Das Bekenntnis zum Netzausbau darf in keiner Sonntagsrede zur Energiewende fehlen. Trotzdem handelt hier manche Landesregierung im offenen Widerspruch zu ihren eigenen Entscheidungen und früheren Absprachen auf Bundesebene. Auch bei den Verteilnetzen fehlt bisher die so entscheidende finanzielle Planungssicherheit samt belastbaren Anreizen, die im letzten Koalitionsvertrag in Aussicht gestellt wurden. Bis 2032 müssen bis zu 50 Milliarden Euro in die Verteilnetze investiert werden. Dafür brauchen wir stabile Investitionsbedingungen.“

Motor der Energiewende

Kapferer betonte, dass die erneuerbaren Energien der Motor der Energiewende seien. „Wie alle anderen Erzeugungsformen müssen wir ihre Einspeisung aber auf das Gesamtsystem abstimmen und den Ausbau wirtschaftlich effizient fortsetzen. Deshalb begrüßen wir die im Rahmen der EEG-Reform geplante Umstellung auf wettbewerbliche Ausschreibungen zur Bestimmung der Förderhöhe für EEG-Anlagen.“ Die Anstrengungen für mehr Kosteneffizienz sollten jedoch nicht durch großzügige Grenzwerte für Photovoltaik-Dachanlagen ausgebremst werden.
Im Wärmesektor könne es wiederum wesentlich kostengünstiger sein, durch Modernisierungen Effizienzpotenziale zu heben, anstatt ausschließlich auf einen Ausbau der Erneuerbaren zu setzen. 50 Prozent aller Wohnungen in Deutschland werden nach BDEW-Angaben mit Gas beheizt. Und auch bei neuen Heizungen entscheidet sich die Hälfte aller Kunden für Erdgas. Dieser Kontext müsse bei allen Zukunftsszenarien bedacht werden. Angesichts der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sieht Kapferer für Erdgas eine klare Perspektive über 2030 hinaus. „Die Flexibilität konventioneller Gaskraftwerke ist im Zusammenspiel mit der volatilen Einspeisung aus Erneuerbaren Energien unverzichtbar“, sagte Kapferer.

Chancen der Digitalisierung

Mit der fortschreitenden Digitalisierung verbindet Kapferer eine große Chance für Energieversorger, neue Geschäftsfelder zu erschließen. „Der digitale Wandel bedeutet neue Geschäftsfelder, aber auch neue Wettbewerber. Gleichzeitig ändern sich die Ansprüche der Kunden. Für die Energieversorger bedeutet dies, dass sie ihr Geschäftsmodell neu ausrichten müssen. Um sie dabei zu unterstützen, hat der BDEW kürzlich die ‚Digitale Agenda der Energiewirtschaft‘ veröffentlicht (wir berichteten). Darin geben wir den Unternehmen konkrete Instrumente und Empfehlungen an die Hand, um ihnen die Orientierung und Neuausrichtung zu erleichtern. Die Agenda formuliert darüber hinaus konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik“, so der Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung abschließend. Diese Empfehlungen kann Kapferer heute Angela Merkel direkt geben. Die Kanzlerin spricht noch heute vormittag vor den Vertretern des Verbands.



Stichwörter: Politik, BDEW Kongress 2016


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Sokratherm: Politische Entscheidungen verbessern Bedingungen für KWK

[22.07.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz und ein EuGH-Urteil stärken die Rahmenbedingungen für Kraft-Wärme-Kopplung. Beide Entscheidungen könnten den Einsatz von Blockheizkraftwerken erleichtern und die anstehende Reform des KWK-Gesetzes beeinflussen. mehr...

EEG-Novelle: Kritik aus der Biogasbranche

[22.07.2026] Ein Netzwerk der Biogasbranche kritisiert den Entwurf zur EEG-Novelle als existenzielle Bedrohung für bestehende Biogasanlagen. Nach Ansicht der Flexperten gefährden die geplanten Ausschreibungsregeln Versorgungssicherheit, Wärmewende und ländliche Wertschöpfung – und fordern deutliche Nachbesserungen. mehr...

bericht

Energiewende: Hybridlösungen statt neuer Lock-ins

[14.07.2026] Die Kraftwerksstrategie des Bundes setzt auf zentrale Großprojekte – doch die kommen zu spät und schaffen neue Abhängigkeiten. Kommunale Hybridlösungen aus KWK, Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Speichern bieten einen schnelleren, resilienteren Weg. mehr...

Naturstrom: Weniger Negativpreise

[07.07.2026] An der Strombörse gab es im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Stunden mit negativen Preisen als im Vorjahr. Eine Analyse zeigt, warum die Preise trotz der globalen Energiekrise insgesamt stabil blieben und welche Rolle erneuerbare Energien und Flexibilität dabei spielen. mehr...

Ein großer Mobilkran richtet auf einer Freifläche am Waldrand einen Gittermast einer Hochspannungsfreileitung auf. Mehrere Monteure begleiten die Montage, während weitere Mastsegmente am Boden bereitliegen. Über der Baustelle erstreckt sich ein blauer Himmel mit großen weißen Wolken.

TenneT: Bund steigt ein

[06.07.2026] Der Bund hat seine Beteiligung am Stromübertragungsnetzbetreiber TenneT Germany abgeschlossen. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hält der Staat nun 25,1 Prozent der Anteile. Nach Angaben der Bundesregierung soll damit der Ausbau des Stromübertragungsnetzes unterstützt werden. mehr...

Großer Solarpark mit langen Reihen von Photovoltaikmodulen vor mehreren Windenergieanlagen. Die Anlage erstreckt sich über eine offene Landschaft unter einem wolkigen Himmel und veranschaulicht die kombinierte Nutzung von Solar- und Windenergie zur Stromerzeugung.

BDEW/ZSW: BDEW/ZSW

[02.07.2026] Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordanteil an der Stromversorgung in Deutschland erreicht. Vorläufigen Berechnungen von ZSW und BDEW zufolge stammten 58 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. mehr...

Gedämmte Fernwärmeleitungen verlaufen in mehreren Bögen über das Außengelände einer Energieanlage. Die groß dimensionierten silberfarbenen Rohre führen entlang eines modernen Technikgebäudes und veranschaulichen die Infrastruktur eines Wärmenetzes.

Städtetag / VKU: Verlässliche Regeln für die Wärmeplanung

[01.07.2026] Zum Stichtag für die Veröffentlichung kommunaler Wärmepläne fordern der Deutsche Städtetag und der Verband kommunaler Unternehmen ein umfassendes Wärmepaket der Bundesregierung. Nach Angaben beider Verbände sorgen geplante Änderungen am Gebäudemodernisierungsgesetz für Unsicherheit bei Kommunen und Stadtwerken. mehr...

Energieeffizienzgesetz: Stellungnahmen zur Gesetzesnovelle

[26.06.2026] Die Bundesregierung hat die Novelle des Energieeffizienzgesetzes beschlossen und mehrere Vorgaben für Unternehmen und Rechenzentren angepasst. Verbände aus Digitalwirtschaft und Energiewirtschaft begrüßen den Abbau von Bürokratie, sehen aber weiterhin Nachbesserungsbedarf bei einzelnen Regelungen. mehr...

Netzausbau: Bündnis fordert Freileitungsvorrang

[17.06.2026] Ein Bündnis aus Netzbetreibern, Verbänden und Wirtschaftsorganisationen fordert einen konsequenten Freileitungsvorrang beim Ausbau neuer Gleichstromtrassen. Die Akteure warnen, dass Ausnahmen im Bundesbedarfsplangesetz den Netzausbau verteuern und verzögern könnten. mehr...

Hessen: Finanzielle Beteiligung soll Pflicht werden

[15.06.2026] Hessen will Kommunen künftig verpflichtend an den Erträgen von Wind- und Solaranlagen beteiligen. Das neue Gesetz soll die Akzeptanz der Energiewende vor Ort erhöhen und den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. mehr...

BDEW Kongress 2026: Branche fordert Planungssicherheit

[11.06.2026] Die Energiebranche fordert von der Bundesregierung zügige Entscheidungen bei zentralen energiepolitischen Vorhaben. Beim BDEW Kongress 2026 warnten Verbandsvertreter vor Verzögerungen bei wichtigen Gesetzen und forderten mehr Planungssicherheit für Investitionen. mehr...

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), spricht auf der Bühne des BDEW-Kongresses 2026 an einem Rednerpult. Hinter ihr ist das Kongresslogo auf einer großflächigen, violett beleuchteten Bühnenwand zu sehen. Im Vordergrund stehen die roten Buchstaben des BDEW-Logos. Die Aufnahme zeigt ihren Auftritt während der Eröffnung der Fachveranstaltung.

BDEW Kongress 2026: Verband drängt auf schnelle Beschlüsse

[11.06.2026] Der BDEW fordert von der Bundesregierung ein abgestimmtes Energiepaket für 2026. Nach Ansicht des Verbands müssen mehrere zentrale Gesetzesvorhaben zügig beschlossen werden, um Investitionen in die Energieinfrastruktur abzusichern. mehr...

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche spricht auf dem BDEW-Kongress 2026 an einem Rednerpult vor einem großen Publikum. Hinter ihr zeigt eine überdimensionale Leinwand eine Nahaufnahme der Ministerin während ihrer Rede. Der Bühnenhintergrund ist in violetten und magentafarbenen Tönen gestaltet und trägt das Logo „BDEW Kongress 2026“.

BDEW Kongress 2026: Reiche wirbt für Energiekonsens

[11.06.2026] Auf dem BDEW Kongress setzte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ein Zeichen. Um Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit gleichermaßen zu gewährleisten, sei ein Energiekonsens zwischen Politik, Energiewirtschaft und Gesellschaft notwendig. Die Energiewende könne nur gelingen, wenn politische Ziele und energiewirtschaftliche Realität zusammengeführt würden. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Bürgerenergiegesetz überarbeitet

[11.06.2026] Nordrhein-Westfalen hat das Bürgerenergiegesetz für Windenergieprojekte überarbeitet und das Beteiligungsverfahren vereinfacht. Kommunen erhalten in bestimmten Fällen mehr Geld, während neue Regeln die Umsetzung von Projekten erleichtern. mehr...

Mehrere Photovoltaikmodule sind auf dem geneigten Ziegeldach eines Wohnhauses installiert. Die Solaranlage wird von Sonnenlicht angestrahlt, während im Hintergrund unscharf Bäume und ein blauer Himmel zu sehen sind. Das Bild symbolisiert die dezentrale Erzeugung von Solarstrom und die Nutzung erneuerbarer Energien im privaten Haushalt.
bericht

Energy Sharing: Solarstrom teilen

[03.06.2026] Seit diesem Monat können die Bürger selbst erzeugten Solarstrom untereinander teilen. Das sogenannte Energy Sharing soll für beide Seiten Vorteile bringen. Doch es gibt noch Hürden für die Stromgemeinschaften. mehr...