Kritische InfrastrukturenSmarter Schutz aus der Cloud

Energieversorger und -netzbetreiber müssen künftig noch strengere Sicherheitskriterien und Prozesse einhalten.
(Bildquelle: metamorworks/adobe.stock.com)
IT-Systeme der kritischen Infrastruktur für die Energieversorgung müssen besonders gut vor Angriffen geschützt werden. Um größeren Schaden effektiv unterbinden zu können, müssen die Energieversorger und -netzbetreiber Angriffe auf ihre IT-Infrastruktur und deren Sicherheitslücken schnellstmöglich erkennen und umgehend darauf reagieren. Dies ist keine einfache Aufgabe, handelt es sich doch bei ihren Kommunikationsnetzen in der Regel um hochkomplexe Multiservice-Betriebsnetze, über die Daten, Sprache, Video und Sensorinformationen gleichzeitig übertragen werden.
Für den sicheren Betrieb sind deshalb ein passendes Management-Konzept sowie die kontinuierliche Netzüberwachung und -steuerung essenziell. Auch braucht es Expertenwissen, damit Betreiber den besonderen Sicherheitsanforderungen gerecht werden können. Als Systemintegrator hat das Unternehmen telent mit der Tochterfirma Koramis umfangreiche Erfahrungen mit regulatorischen Verfahren. Es unterstützt seine Kunden von der Schwachstellenanalyse über die Netzplanung bis hin zur Umsetzung von Managed-Security-Konzepten inklusive Echtzeitüberwachung mit einem ganzheitlichen Sicherheitskonzept.
Sicherheit der technischen Anlagen untersuchen
Um ein Sicherheitskonzept erstellen zu können, wird zunächst eine Schwachstellenanalyse durchgeführt. Vorgenommen werden sollte sie von einem externen, neutralen Dienstleister.
Im Rahmen dieser Analyse untersuchen Fachleute die Sicherheit der technischen Anlagen und Prozesse und identifizieren dabei mögliche Angriffspunkte sowohl in der physikalischen Infrastruktur als auch in der organisatorischen Struktur sowie der Security-Strategie des Versorgungsunternehmens. Nach einer ersten groben Einschätzung der Risiken und Abhängigkeiten bezüglich der IT-Systeme und -Prozesse wird auf Basis vorhandener Dokumente eine Vor-Ort-Analyse vorbereitet. In deren Rahmen erfolgt eine breit angelegte, systematische und detaillierte Erhebung der Schwachstellen. Beispielsweise werden mithilfe von Interviews mögliche Gefährdungen in den Prozessen identifiziert. Zudem findet eine technische Prüfung der ITK-Infrastruktur statt. Anschließend werden die Erhebungen analysiert, Risiken klassifiziert, bewertet und dokumentiert. Ein abschließender Workshop thematisiert die identifizierten Schwachstellen und erläutert einen Plan mit empfohlenen Korrekturmaßnahmen für jede dieser Stellen.
Schnittstellen reduzieren
Bei kritischen Infrastrukturen bieten klassische Sicherheitsanwendungen wie Antiviren-Software kein hinreichendes Schutzniveau; gegen zielgerichtete Angriffe sind alternative Strategien notwendig. Maßnahmen zur Systemhärtung helfen, Gefahren abzuwehren, indem sie potenzielle Angriffsflächen soweit wie möglich reduzieren. Dazu zählt das Scannen der Systeme. Auf diese Weise lassen sich zunächst solche Systeme identifizieren, die bereits von Schad-Software befallen sind. Noch bevor weitere Schritte umgesetzt werden, werden diese Systeme bereinigt. Eine andere der Systemhärtung zuzurechnende Maßnahme ist die Mikrosegmentierung. Vor die Systeme geschaltete Hardware Firewalls stellen hier sicher, dass nur über zuvor spezifizierte Ports kommuniziert werden kann. Diese Firewalls sind der einzige Weg, um über das Netzwerk auf das System zuzugreifen.
Da jede Schnittstelle eine mögliche Angriffsfläche bietet, sollte ihre Anzahl so gering wie möglich gehalten werden. Unter dem Begriff der Schnittstellenreduzierung werden mehrere physikalische Schutzmaßnahmen zusammengefasst, etwa das Absichern nicht-benötigter USB-Ports mithilfe von Schlössern oder die Deaktivierung nicht-benötigter Dienste des Betriebssystems. Maßnahmen zur Systemhärtung erhöhen aber auch die organisatorische Sicherheit, indem sie vor Risiken schützen, die Mitarbeiter oder Fremdfirmen durch Fehlverhalten verursachen.
Sicherheit im Sandkasten
Steuerungsanlagen, wie sie in Kraftwerken und anderen Großanlagen zum Einsatz kommen, sind zuweilen mehrere Jahrzehnte im Einsatz und arbeiten oft mit veralteten Betriebssystemen wie Windows XP. Ein Lösungsansatz ist hier das so genannte Sandboxing. Dabei handelt es sich um eine Technik, die es erlaubt, eine Software innerhalb einer isolierten – von den restlichen System- oder Netzwerkressourcen abgeschotteten – Laufzeitumgebung auszuführen. Das gesamte System ist dazu in mehrere Sandboxes segmentiert, sodass sich Betriebssystem und kritische Anwendungen isoliert betreiben lassen. Dadurch wird verhindert, dass Eindringlinge und Malware auf diese Bereiche zugreifen können.
Durch Sandboxing lassen sich nicht nur Legacy-Systeme schützen. Es können auch Workstations, Server, Cloud-Systeme und ganze Datacenter in einer Sandbox isoliert werden, um den Schutz vor Angriffen von außen zu erhöhen. Die Methode schützt sogar vor so genannten Zero-Day-Exploit-Attacken, bei denen die Angreifer Sicherheitslücken ausnutzen, noch bevor sie vom Software-Hersteller geschlossen werden können.
24/7-Netzwerküberwachung mit Bedrohungserkennung
Energieversorger und -netzbetreiber müssen künftig noch strengere Sicherheitskriterien und Prozesse einhalten. Sie sind dazu angehalten, neben Informationssicherheits-Management-Systemen (ISMS) auch so genannte SIEM-Systeme (Security Incident and Event Management) zur Angriffserkennung und -bewältigung wirksam zu betreiben. SIEM-Systeme sammeln durch maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz Meldungen, Alarme und Logfiles verschiedener Netzkomponenten, Anwendungen und Security-Systeme in Echtzeit, korrelieren diese, werten sie aus und erkennen so Angriffe, außergewöhnliche Muster oder gefährliche Trends.
Netzbetreiber müssen die genannten Maßnahmen nicht zwingend selbst umsetzen und auch kein aufwendiges, eigenes SOC aufbauen. Spezialisierte Unternehmen wie telent bieten Managed-Security-Services an, die exakt auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zugeschnitten sind und von diesen nach Bedarf aus der Cloud abgerufen werden können. Das Managed-Security-Portfolio von telent beinhaltet unter anderem die 24/7-Netzwerküberwachung mit Bedrohungserkennung und Echtzeit-Alarmierung sowie einen integrierten Incident Management Workflow für die umgehende Behebung von Ausfällen nach Angriffen.
Dieser Beitrag ist im Juni Sonderheft 2020 von stadt+werk zur Digitalisierung der Energiewirtschaft erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Stadtwerke Lübeck: Erstes eigenes Rechenzentrum in Betrieb genommen
[13.03.2026] Die Stadtwerke Lübeck haben ihr erstes eigenes Rechenzentrum in Betrieb genommen, das sensible Daten künftig direkt vor Ort verarbeitet und speichert. Das Projekt soll die digitale Souveränität der Region stärken – und stößt schon zum Start auf große Nachfrage. mehr...
Nexiga: Plattform analysiert Strommarkt-Dynamiken
[05.03.2026] Das Unternehmen Nexiga bringt mit dem Hellbrise Monitor eine neue Datenplattform zur Analyse von Strommarkt-Dynamiken an den Start. Das Tool soll Einspeisespitzen, negative Preise und strukturelle Risiken der Energiewende transparent machen und richtet sich an Versorger, Netzbetreiber, Forschung und Politik. mehr...
VertiGIS: Vorarlberger Energienetze erneuert Geo-Informationssystem
[04.03.2026] Das Unternehmen Vorarlberger Energienetze stellt sein Geo-Informationssystem auf die dritte Generation um und setzt dabei auf Technologie von VertiGIS. Der Wechsel ist wegen des auslaufenden Altsystems bis 2028 zwingend und betrifft Datenqualität, Netzbetrieb und künftige KI-Anwendungen gleichermaßen. mehr...
evm: KI-Chatbot entlastet Kundenservice
[03.03.2026] Das kommunale Unternehmen Energieversorgung Mittelrhein (evm) zieht eine Zwischenbilanz zum Einsatz seines KI-Chatbots Eva. Demnach wurden allein im Jahr 2025 mehr als 40.000 Gespräche geführt. mehr...
WEMAG: Wechsel auf S/4HANA-Plattform
[03.03.2026] Die WEMAG-Gruppe hat ihre IT-Systeme grundlegend umgestellt. Nach einer Projektzeit von 18 Monaten nutzt das Unternehmen nun die S/4HANA-Plattform von Thüga SmartService. Dabei wurden 92 Buchungskreise und knapp 500 Nutzerinnen und Nutzer migriert. mehr...
Plattformstrategie: Hybrid denken, souverän handeln
[26.02.2026] Die Erlanger Stadtwerke sind mit Microsoft 365 auf eine Plattform umgestiegen, die Mitarbeitende spürbar entlastet und die Zusammenarbeit effizienter gestaltet. Im Sinne der digitalen Souveränität wurde für die Softwarearchitektur ein hybrider Ansatz gewählt. mehr...
Wuppertaler Stadtwerke: IT-Partnerschaft mit rku․it besiegelt
[23.02.2026] Die Wuppertaler Stadtwerke bauen ihre IT mit der NextGen-Plattform von rku.it aus. Die strategische Partnerschaft soll Prozesse im SAP-Umfeld modernisieren und den kommunalen Versorger langfristig digital absichern. mehr...
cortility: Zusatzmodule an SAP S/4HANA angepasst
[20.02.2026] Das Unternehmen cortility hat mehrere Zusatzmodule für SAP S/4HANA Utilities überarbeitet. Die Lösungen nutzen die neue Systemarchitektur und lassen sich ohne große Anpassungen integrieren. Weitere Erweiterungen sind angekündigt. mehr...
Salesfive: CRM-Vorlage für Stadtwerke
[20.02.2026] Die Energieversorgung Oberhausen und Salesfive präsentieren eine CRM-Lösung für Stadtwerke. Die auf Praxiserfahrungen basierende Vorlage soll den Kundenservice schneller und effizienter machen. Laut den Unternehmen ist der Start innerhalb weniger Wochen möglich. mehr...
Martin: Umstieg auf Stackable Data Platform
[18.02.2026] Das Unternehmen Martin für Umwelt- und Energietechnik analysiert Betriebsdaten seiner Waste-to-Energy-Anlagen mit der Stackable Data Platform zentral in einer Open-Source-Umgebung. Damit will das Unternehmen Emissionen präziser steuern, Wartungen vorausschauend planen und als Teil Kritischer Infrastruktur datensouverän bleiben. mehr...
Kisters: Neue Plattform für den Energiehandel
[12.02.2026] Das Unternehmen Kisters präsentiert auf der E-world energy & water 2026 eine neue Software für das Portfoliomanagement. Die Lösung richtet sich an Energiehändler, Stadtwerke und Dienstleister. Sie soll Prozesse automatisieren und den Handel mit Strom und Gas effizienter machen. mehr...
Klimamanagement: Software und Beratung aus einer Hand
[11.02.2026] Der IT-Dienstleister regio iT unterstützt Kommunen mit einem modularen Lösungspaket bei Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategien. Es handelt sich um eine synergetische Kombination aus IT-gestütztem Datenmanagement, strategischer Beratung und effizienter Beschaffung. mehr...
ITC: KI-Werkzeugkasten vorgestellt
[30.01.2026] ITC hat einen cloudbasierten KI-Werkzeugkasten für Stadtwerke und Energieversorger vorgestellt, der sofort einsetzbare Funktionen für Kundenservice, Prozessautomatisierung und Energiemanagement bündelt. Ziel ist es, technische Hürden abzubauen und Künstliche Intelligenz als praktisches Arbeitsmittel im Tagesgeschäft einzuführen. mehr...
Stadtwerke Eberbach: Umstieg auf Kraftwerk-Plattform
[29.01.2026] Die Stadtwerke Eberbach ersetzen ihr bisheriges SAP-System durch die Kraftwerk-Plattform auf Basis von Microsoft Business Central. Ausschlaggebend für die Entscheidung war die Möglichkeit, alle energiewirtschaftlichen Prozesse auf einer durchgängigen Softwarelösung abzubilden. mehr...
GABO IDM: Zunehmende Bedeutung von Digitalen Informationszwillingen
[27.01.2026] Digitale Informationszwillinge sollen ungeplante Stillstände in Energieanlagen deutlich verkürzen und die Anlagenverfügbarkeit erhöhen. Nach Angaben der GABO IDM bündeln sie technische Daten, Dokumentation und Prozesse in einer zentralen, webbasierten Plattform. mehr...











