Freitag, 1. Mai 2026

InterviewDas A und O der Energiewende

[08.02.2022] Verbund will einen substanziellen Beitrag leisten, um die Energie- und Klimaziele zu erreichen. stadt+werk sprach mit Deutschland-Chef Thomas Bächle über Projekte des Unternehmens in den Bereichen Erzeugung und Speicherung sowie über die Rolle von Wasserstoff.
Verbund-Kraftwerksspeicher BlueBattery wird aus Wasserkraft gespeist.

Verbund-Kraftwerksspeicher BlueBattery wird aus Wasserkraft gespeist.

(Bildquelle: VERBUND AG)

Herr Bächle, wie unterstützt Verbund Unternehmen und Energieversorger bei der Dekarbonisierung?

Wir sind ein starker Energie-Partner, der alles aus einer Hand anbietet – von der Stromlieferung und Grünstromzertifikaten über Business-Lösungen für Photovoltaik, Batteriespeicher und grünen Wasserstoff bis hin zum Kooperationsmanagement. Entscheidend ist, dass wir nicht einfach Anlagen verkaufen, sondern Komplettlösungen anbieten und unsere Kunden auf dem Weg in die Energiezukunft begleiten und unterstützen.

Welchen Mehrwert bieten Herkunftsnachweise und CO₂-Zertifikate für Ihre Kunden?

Strom aus Wasserkraft stellt einen Wettbewerbsvorteil dar, den die Versorger direkt an ihre Kunden weitergeben können. Ein Herkunftsnachweis zertifiziert, dass eine bestimmte Strommenge von einem bestimmten Kraftwerk auf Basis erneuerbarer Energie produziert wurde – sei es zum Beispiel ein Wasserkraftwerk oder eine Solaranlage. Auf diese Weise können Verbraucher selbst entscheiden, woher sie ihren Strom beziehen.

Und wo kommt der Strom her?

Unsere Kunden wählen zwischen H2Ö-Strom aus Wasserkraft sowie Herkunftsnachweisen in verschiedenen Qualitäten und Wunschkraftwerken in Deutschland oder Österreich. Damit optimieren die Kunden nicht nur ihre Stromkennzeichnung, sondern auch ihren Carbon Footprint. Darüber hinaus unterstützen wir speziell Industriekunden mit geeigneten Energielösungen, um bei der nachhaltigen Dekarbonisierung des Unternehmens zu unterstützen.

Verbund ist einer der größten Anbieter von Strom aus Wasserkraft. Welche ökologischen Anforderungen erfüllen Ihre Kraftwerke?

Alle 129 Wasserkraftwerke von Verbund in Österreich und Deutschland sind TÜV-Süd-zertifiziert und erzeugen sauberen Strom aus Wasserkraft, entsprechend der Umweltnorm ISO 14001. Außerdem investieren wir jedes Jahr große Summen in Natur- und Tierschutzmaßnahmen wie Wanderhilfen für Fische und Aufforstungen oder Neubepflanzungen rund um die Kraftwerke. Unsere Kraftwerke wurden deshalb von Robin Wood, Öko-Test, Utopia oder dem EKOenergie-Label mit Bestnoten für nachhaltiges Betreiben ausgezeichnet. All diese Maßnahmen sind unseren Kunden – regionalen Versorgern und Industriekunden – wichtig, da die Qualitätsunterschiede beim Strom ja nicht in seiner physikalischen Form liegen. Die Herstellung und Klimabilanz des Produzenten machen den Unterschied aus. Dabei haben wir ein Alleinstellungsmerkmal auf dem deutschen Markt, das unsere Kunden sehr zu schätzen wissen: Verbund produziert nicht nur nahezu CO2-freien Strom – wie Atomkraftwerke es im Übrigen auch tun –, sondern hat auch keinerlei Verbindungen zur Atomlobby. Genau das macht unseren Strom wertvoll für die Verbraucher.

„Grüner Wasserstoff hat viel ­Potenzial für die Energiezukunft.“
Welche Projekte verfolgt Ihr Unternehmen beim Thema Wasserstoff?

Grüner Wasserstoff hat viel Potenzial für die Energiezukunft. In Österreich werden zahlreiche Projekte in den Bereichen Verkehr, Industrie oder Stromspeicher umgesetzt. Verbund arbeitet aktuell gemeinsam mit Industrie- und Mobilitätspartnern an der Etablierung von grünem Wasserstoff, unter anderem im EU-geförderten Projekt H2FUTURE gemeinsam mit dem Unternehmen voestalpine und vier weiteren Partnern. Dabei geht es um CO2-Reduktion in der energieintensiven Stahlindustrie. Ein Beispiel für ein Forschungsprojekt ist das Verbund-Vorhaben HotFlex. Und ein sehr haptisches Projekt: Die Tiroler Zillertalbahn wird ab 2023 als erste Schmalspurbahn der Welt mit grünem Wasserstoff angetrieben fahren. Sie wird pro Tag 600 Kilogramm Wasserstoff nutzen, der direkt im Zillertaler Verbund-Kraftwerk hergestellt wird.

Ein weiterer wichtiger Baustein der Energiewende sind Batteriespeicher. Welche Anstrengungen unternimmt Verbund, um erneuerbare Energien speicherbar zu machen?

#bild2 Als Betreiber von Pumpspeicherkraftwerken, die als grüne Batterien dienen, kommt Verbund eine große Rolle in Sachen Energiewende und Versorgungssicherheit zu. Unser jahrzehntelanges Know-how bringen wir europaweit in Projekten aller Themenbereiche ein. Mit unserer Expertise im Bereich Batteriespeicher bieten wir Kunden eine sinnvolle Ergänzung und Zugang zum Thema Flexibilität. Von der Wirtschaftlichkeitsberechnung bis hin zur energiewirtschaftlichen Vermarktung können Unternehmen durch die zusätzliche Flexibilität Kosten- und Erlösoptimierungen erzielen. Industriekunden können mit uns durch Lastspitzkappung und Lastverschiebung ihre Netzkosten reduzieren, ihre Stromversorgung stabilisieren und Produktionsausfälle vermeiden.

Welche weiteren Projekte gibt es?

Vor rund einem Jahr haben wir mit der Inbetriebnahme der BlueBattery Maßstäbe gesetzt: Österreichs erste und größte Kraftwerksbatterie. Die Flexibilitätsanlage, gespeist aus Wasserkraft, kann beim Donaukraftwerk Wallsee-Mitterkirchen in Sekundenbruchteilen das Stromnetz stabilisieren. Mit dieser innovativen Anlage setzen wir Maßstäbe für mehr Effizienz und Versorgungs­sicherheit. Außerdem leiten wir das EU-Projekt Synerge-E, in dem es um den Ausbau der Elektromobilitätstechnologie mithilfe von Batteriespeichern geht, konkret um die Optimierung der Lade-Infrastruktur für Elektromobilität und die Entwicklung neuer Anwendungsbereiche. In den vergangenen drei Jahren hat Verbund zehn lokale Batteriespeicher an Ultra-Schnellladestandorten in Österreich und Deutschland in Betrieb genommen.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die saubere Energiezukunft in Europa aus – und welche Rolle spielt Verbund dabei?

Verbund kann einen substanziellen Beitrag leisten, um die Energie- und Klimaziele zu erreichen und den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. In Zukunft wollen wir einen stärkeren Fokus auf Photovoltaik legen und unseren Anteil weiter ausbauen. In Kombination mit der Wasserkraft sehen wir in grünem Wasserstoff enormes Dekarbonisierungspotenzial. Die Energiewende kann aber nur mit moderner und belastbarer Infrastruktur gelingen. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien sind die Errichtung von Leitungen, Speicher und Flexibilitätskapazitäten das A und O der Energiewende.

Interview: Alexander Schaeff

Im Interview, Thomas BächleThomas Bächle ist seit April 2012 Geschäftsführer bei der VERBUND Energy4Business Germany GmbH. In den Jahren 2000 bis 2006 war der Diplom-Ingenieur als Key Account Manager und später als Koordinator für erneuerbare Energien tätig. Von 2006 bis 2011 war er Geschäftsführer der Verbund-Tochtergesellschaft in Griechenland.



Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wasserstoff
Glänzende „H₂“-Schrift schwebt in einer blauen, wasserähnlichen Umgebung mit aufsteigenden Bläschen und Lichtreflexen.

Bundeshaushalt: Verbände fordern Geld für Wasserstoff

[30.04.2026] Ein breites Bündnis aus Wirtschaft und Kommunen verlangt neue Finanzhilfen für den Wasserstoffmarkt. Im Bundeshaushalt 2027 sollen nach Angaben der Verbände Mittel für Preisgarantien und staatliche Absicherungen eingeplant werden. Damit sollen Investitionen erleichtert und der stockende Markthochlauf beschleunigt werden. mehr...

Braunschweig: Großspeicher für Wasserstoff angeliefert

[30.04.2026] Am Forschungsflughafen Braunschweig entsteht mit neu angelieferten Metallhydridspeichern eine Forschungsanlage für bis zu 500 Kilogramm Wasserstoff. Die TU Braunschweig baut damit ihr H2-Terminal zu einem großskaligen Reallabor für Erzeugung, Verteilung und sichere Langzeitspeicherung von grünem Wasserstoff aus. mehr...

LENA: Online-Reihe zur Wasserstoffwirtschaft gestartet

[29.04.2026] Sachsen-Anhalt hat eine neue Online-Reihe zum Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mit großem Zuspruch gestartet. Zum Auftakt diskutierten mehr als 100 Fachleute, wie weit Infrastruktur, Elektrolyse und industrielle Anwendungen bereits sind – und wo Unternehmen noch auf Antworten warten. mehr...

Hamburg: tesa stellt auf grünen Wasserstoff um

[07.04.2026] tesa rüstet seine Produktion in Hamburg auf grünen Wasserstoff um und erhält dafür öffentliche Förderung. Der Anschluss an das Wasserstoffnetz HH-WIN ab 2027 markiert einen konkreten Schritt hin zur klimaneutralen Industrie. mehr...

Hamburger Energienetze: Tunnelvortrieb für Wasserstoffleitung

[30.03.2026] Hamburger Energienetze errichten einen 106 Meter langen Tunnelvortrieb unter der Hafenbahn, um eine Wasserstoffleitung zu verlegen. Das Projekt sichert den ungestörten Güterverkehr und schafft die Grundlage für die klimaneutrale Versorgung zentraler Industriestandorte ab 2027. mehr...

Saarland: PACT-H2 erhält Millionen-Förderung

[26.03.2026] Das grenzüberschreitende Wasserstoffprojekt PACT-H2 erhält rund drei Millionen Euro Förderung von der Europäischen Union. Das Vorhaben soll den Aufbau einer gemeinsamen Wasserstoffwirtschaft in der Großregion koordinieren und die Akzeptanz in der Bevölkerung stärken. mehr...

Entega: Land Hessen fördert Wasserstoffanlage

[16.03.2026] Für den Aufbau einer Wasserstoffproduktion auf dem Gelände des Darmstädter Müllheizkraftwerks erhält Entega rund 1,65 Millionen Euro vom Land Hessen. Die Förderung stammt aus EU-Strukturmitteln und wird über die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen abgewickelt. mehr...

Koblenz: evm prüft Wasserstoff im Gasnetz

[12.03.2026] Die evm hat in Koblenz untersucht, ob die bestehenden Gasnetze für die Nutzung von Wasserstoff geeignet sind. Das Pilotprojekt lief eineinhalb Jahre. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für künftige Entscheidungen über den Umbau der Gasversorgung dienen. mehr...

Saarland: ZeMA übernimmt Wasserstoffinfrastruktur von Bosch

[05.03.2026] Das ZeMA – Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik übernimmt die Wasserstoff-Infrastruktur von Robert Bosch in Homburg für Forschungszwecke. Damit startet das Land das 22,5-Millionen-Euro-Projekt HyCATT und schafft die Basis für praxisnahe Tests entlang der gesamten H2-Wertschöpfungskette. mehr...

Hamburg: Digitaler Wasserstoffmarktplatz veröffentlicht

[27.02.2026] Erneuerbare Energien Hamburg hat einen digitalen Wasserstoffmarktplatz für die Metropolregion Hamburg veröffentlicht. Die Plattform soll Produzenten, Abnehmer und Dienstleister entlang der Wertschöpfungskette vernetzen und so den Hochlauf der regionalen Wasserstoffwirtschaft beschleunigen. mehr...

ZSW/Holst Centre: Projekt entwickelt AEM-Elektrolyseure

[25.02.2026] ZSW und Holst Centre entwickeln im Projekt genAEMStack einen kosteneffizienten, großskalierbaren AEM-Elektrolyse-Stack für die Wasserstoffproduktion. Das Vorhaben soll Europas technologische Unabhängigkeit stärken und die industrielle Wertschöpfung in Baden-Württemberg und Noord-Brabant ausbauen. mehr...

Baden-Württemberg: Land stellt 50 Millionen Euro für Elektrolyseure bereit

[25.02.2026] Baden-Württemberg startet die zweite Runde seines Förderprogramms für Elektrolyseure und stellt weitere 50 Millionen Euro für die regionale Wasserstofferzeugung bereit. Das Umweltministerium reagiert damit auch auf fehlende Vorgaben des Bundes und will den Aufbau lokaler Wasserstoff-Hubs beschleunigen. mehr...

BDEW/Capgemini: Studie zum Wasserstoff-Hochlauf vorgestellt

[12.02.2026] Eine Studie von BDEW und Capgemini warnt vor einem Stillstand beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Regulatorische Vorgaben, fehlende Absicherung und hohe Investitionsrisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette verhindern bislang belastbare Investitionsentscheidungen. mehr...

GET H2: Karte zum Wasserstoffhochlauf veröffentlicht

[10.02.2026] Die Wasserstoffinitiative GET H2 hat ihren Webauftritt erneuert und zeigt erstmals eine interaktive Karte mit 30 realen Wasserstoffprojekten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Übersicht macht sichtbar, wie weit der Wasserstoffhochlauf in Deutschland bereits vorangekommen ist und warum belastbare Projekte jetzt den Unterschied machen. mehr...

Aachen: Grenzprojekt für Wasserstoff startet

[02.02.2026] Ein neues Projekt soll Unternehmen dabei unterstützen, auf klimafreundliche Energie umzusteigen. Dafür arbeiten Partner aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden zusammen. Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer grenzüberschreitenden Wasserstoffwirtschaft. mehr...