Mittwoch, 18. März 2026

MünsterGuter Standort für Tiefe Geothermie

[27.09.2022] Die Nutzung der Tiefengeothermie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung in Münster ist möglich. Das hat der Geologische Dienst NRW ermittelt.

Der Geologische Dienst NRW hat dem Regionalrat Münsterland nach neun Monaten Datenanalyse am 26. September 2022 die Ergebnisse der seismischen Messungen im zentralen Münsterland vorgestellt. Sie zeigen ein sehr gutes zweidimensionales Bild des Untergrundes nicht nur im Münsterland, sondern auch im Stadtgebiet von Münster. „Tiefengeothermie kann in Zukunft ein wichtiger Pfeiler einer klimaneutralen Wärmeversorgung in Nordrhein-Westfalen werden. Das macht uns unabhängiger von fossilen Energielieferungen. Wichtig ist, dass die regionalen Akteurinnen und Akteure jetzt zügig anpacken und in einem guten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern die Nutzung der Tiefengeothermie gemeinsam weiter vorantreiben“, erklärt Mona Neubaur (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. „Die Ergebnisse sind vielversprechend für unsere Stadt und die zukünftige Energieversorgung“, sagt Robin Denstorff, Stadtbaurat der Stadt Münster.
Im November und Dezember des vergangenen Jahres hat der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie-Klimaschutz und Energie seismische Messungen im zentralen Münsterland durchgeführt (wir berichteten). Fünf schwere Messfahrzeuge, so genannte Vibro-Trucks, haben entlang zweier sich in der Stadt Münster kreuzender Messlinien mit insgesamt 73,5 Kilometer Länge an 1.832 Messpunkten Vibrationen in die Tiefe geschickt. 3.651 Geophone haben die Reflexionen der so erzeugten Schallwellen empfangen. Wie bei einer Ultraschalluntersuchung lässt sich aus den zurückgeworfenen Schallsignalen ein Bild erstellen, in diesem Fall ein Bild des Untergrundes bis in 6.000 Meter Tiefe. Das Untersuchungsgebiet umfasste die Stadt Münster sowie die Gemeinden Billerbeck, Dülmen, Havixbeck, Nottuln, Rosendahl, Senden und Sendenhorst. Gleich drei Kalksteinhorizonte konnten in der Region Münsterland identifiziert werden. Bei Kalksteinen geht man aufgrund ihrer Porenräume von einer hohen Wasserdurchlässigkeit aus. Dies ermöglicht es, heißes Tiefenwasser an die Oberfläche zu fördern – eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung der hydrothermalen Geothermie. Geothermische Energie kann Fernwärmenetze, Industriebetriebe oder Gewächshäuser mit klimafreundlicher Wärme aus der Tiefe versorgen – rund um die Uhr, bei jeder Witterung und Jahreszeit, preisstabil, regional und mit geringem Flächenbedarf. Die Temperaturen, die im Münsterland erwartet werden, liegen für die flacheren Kalksteine ab circa 1.000 bis 1.200 Meter Tiefe bei mindestens 40 Grad Celsius. Für die tiefer liegenden Kalksteinschichten sind Temperaturen bis über 150 Grad Celsius möglich. Nach dem Erfolg im Münsterland sind weitere Projekte geplant, gerade werden Messungen im Rheinland, zwischen Viersen (wir berichteten), Krefeld, Duisburg und Düsseldorf vorbereitet.



Stichwörter: Geothermie, Münster


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie

Vulcan Energy: Neuer Bohrplatz in Rohrbach

[18.03.2026] Vulcan Energy baut mit dem Bohrplatz Trappelberg in Rohrbach einen weiteren Standort für sein Geothermie- und Lithiumprojekt Lionheart bei Landau. Der Ausbau soll klimaneutrale Wärme liefern und die industrielle Lithiumgewinnung in der Region voranbringen. mehr...

Plattform Erneuerbare Energien BW: Informationsportal zur Geothermie gestartet

[13.03.2026] Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg hat das Informationsportal Geothermie BW gestartet. Die neue Online-Plattform soll Transparenz über Projekte der tiefen Geothermie schaffen und den fachlichen Austausch zwischen Bürgern, Kommunen und Fachakteuren im Land stärken. mehr...

Fraunhofer IEG: Studie belegt Geothermie-Potenzial von verkarsteten Kalkgesteinen

[11.03.2026] Verkarstete Kalkgesteine in zwei bis drei Kilometern Tiefe könnten in Nordrhein-Westfalen ein bislang unterschätztes Reservoir für geothermische Wärme sein. Neue Bohrkernanalysen aus Iserlohn zeigen, welches Potenzial diese Gesteinsschichten für Wärmenetze und Industrieversorgung besitzen. mehr...

GeoTHERM expo & congress: Messe bestätigt ihren Stellenwert

[06.03.2026] Die GeoTHERM expo & congress 2026 in Offenburg hat ihre Rolle als führende europäische Fachmesse für Geothermie erneut bestätigt. Mehr Besucher, starke internationale Beteiligung und ein Innovationspreis für ein neues seismisches Erkundungsfahrzeug zeigen, wie dynamisch sich die Branche im Zuge der Wärmewende entwickelt. mehr...

Stadtwerke Bruchsal: John Deere erhält grüne Fernwärme

[06.03.2026] Das Bruchsaler Werk von John Deere soll künftig mit geothermisch basierter Fernwärme versorgt werden. Ein neuer Liefervertrag mit den Stadtwerken Bruchsal und die Übernahme der Energiezentrale sollen die Wärmewende vor Ort voranbringen. mehr...

Bohrgerät bei der Verlegung von Erdsonden für ein kaltes Nahwärmenetz: Auf einer Baustelle sind gestapelte Sondenrohre zu sehen, während ein Arbeiter die Tiefenbohrung zur Nutzung von Erdwärme vorbereitet.

Stadtwerke Münster: Kalte Nahwärme im Neubaugebiet

[27.02.2026] Im Neubaugebiet Albachten-Ost setzen die Stadtwerke Münster auf ein zentrales Wärmesystem, das mit Erdwärme betrieben wird. Rund 100 Erdsonden werden künftig rund 500 Wohneinheiten mit Wärme versorgen. Die Investitionskosten belaufen sich auf 8,5 Millionen Euro. mehr...

Berlin: Kicken und wärmen

[23.02.2026] Unter einem Fußballspielfeld in Berlin entsteht ein großflächiges Geothermie-Kollektorfeld, das vier öffentliche Gebäude vollständig mit erneuerbarer Wärme versorgt. Das Projekt am Maikäferpfad gilt als wirtschaftlich tragfähiges Modell für die kommunale Wärmewende und zeigt, wie sich Sportflächen energetisch doppelt nutzen lassen. mehr...

Praxisforum Tiefengeothermie: Neuer Name spiegelt Aufschwung

[23.02.2026] Das Praxisforum Geothermie Bayern firmiert künftig als Praxisforum Tiefengeothermie und richtet sich damit neu aus. Die Umbenennung reagiert auf das Geothermie-Beschleunigungsgesetz und den bundesweiten Ausbau der Tiefengeothermie – und markiert einen strategischen Schritt für das Branchentreffen im Oktober 2026. mehr...

Trier: Kaltes Nahwärmenetz im Bau

[18.02.2026] Im Trierer Stadtteil Gartenfeld entsteht derzeit ein neues Wärmenetz. Es nutzt oberflächennahe Geothermie und soll sowohl Neubauten als auch Bestandsgebäude versorgen. Laut den Projektbeteiligten ist das Vorhaben als Pilotprojekt angelegt. mehr...

Blick von oben in eine Messehalle der GeoTHERM in Offenburg: Zahlreiche Aussteller präsentieren an hell beleuchteten Ständen Bohrtechnik, Geothermie- und Energielösungen, während Fachbesucherinnen und Fachbesucher zwischen den Ständen Gespräche führen.

Fraunhofer IEG: Mehr Tempo bei Geothermie

[16.02.2026] Auf der GeoTHERM in Offenburg präsentiert das Fraunhofer IEG neue Ansätze zur Nutzung von Erdwärme. Das Ziel besteht darin, die Geothermie schneller in den Massenmarkt zu bringen. Die Forschenden sehen großes Potenzial für Kommunen und Industrie. mehr...

bericht

Potsdam: In der heißen Phase

[12.02.2026] Potsdam ist ein bundesweit und europäisch beachtetes Leuchtturmprojekt für Tiefengeothermie und erneuerbare Fernwärme. Das Vorhaben zeigt, wie die Wärmewende technisch machbar und wirtschaftlich umsetzbar ist. mehr...

bericht

Forschung: Den Blick in den Untergrund öffnen

[02.02.2026] Um das Potenzial von Geothermie als klimaneutrale Wärmequelle zu nutzen, brauchen Stadtwerke nicht nur Investitionsbereitschaft, sondern auch fundierte Daten und erprobte Technologien. Hier setzt das Reallabor Geothermie Rheinland des Fraunhofer IEG an. mehr...

Stadtwerke München: Bauabschnitt von Goethermie-Großprojekt abgeschlossen

[02.02.2026] Beim Geothermie-Großprojekt Michaelibad in München ist ein wichtiger Bauabschnitt abgeschlossen: Die acht Standrohrbohrungen sind fertiggestellt. Damit ist der erste Meilenstein der Bauphase für die größte Geothermie-Anlage Kontinentaleuropas erreicht. mehr...

Duisburg: Ministerium unterstützt Erkundungsbohrung

[13.01.2026] Nordrhein-Westfalen fördert in Duisburg eine Erkundungsbohrung zur Tiefengeothermie mit rund 7,5 Millionen Euro. Das Projekt der Stadtwerke Duisburg soll die Grundlage für eine klimafreundliche und langfristig bezahlbare Wärmeversorgung im Fernwärmenetz schaffen. mehr...

Eckernförder Bucht: LBEG weist Erlaubnisfeld für Tiefengeothermie aus

[13.01.2026] An der Eckernförder Bucht ist ein neues Erlaubnisfeld für Tiefengeothermie ausgewiesen worden. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie hat dafür dem Unternehmen Moin Moin! Innovativcluster Erdwärme das Erlaubnisfeld Schwansen zugeteilt. mehr...