Samstag, 26. September 2026

InterviewSegel auf Zukunft gesetzt

[04.12.2023] Die Wilken Software Group hat sich im Management neu aufgestellt und den Spatenstich für ein neues Firmengebäude in Greven gesetzt. Im Jahr zuvor hatte das Unternehmen einen Cyber-Angriff zu verkraften. Was sich seitdem getan hat, erläutert Wilken-CEO Dominik Schwärzel.
Dominik Schwärzel

Dominik Schwärzel

(Bildquelle: Wilken Software Group)

Herr Schwärzel, im Oktober 2022 meldete Wilken einen großen Cyber-Angriff. Sechs Wochen später war das Unternehmen wieder online. Wie haben Sie diesen Angriff so schnell verarbeitet?

Zum einen hatten wir Glück, dass unsere Kundendaten und -systeme nicht vom Angriff betroffen waren. Da hatten wir glücklicherweise Vorsorge getroffen, und die Sicherheitsvorkehrungen zwischen unseren internen Systemen und den Kundenumgebungen haben funktioniert. Zum anderen war das aber auch dem Einsatz des gesamten Wilken-Teams zu verdanken, das diese Wochen engagiert durchgearbeitet hat. So ist es gelungen, die Arbeitsfähigkeit in kurzer Zeit wiederherzustellen.

Die Arbeitsfähigkeit ist das eine, das andere ist der wirtschaftliche Schaden. Konnte der in Grenzen gehalten werden?

Das ist immer relativ zu sehen. Dennoch sind wir auch hier mit einem blauen Auge davongekommen. Durch den gerade schon erwähnten Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es gelungen, die Systemauslieferungen nach wenigen Wochen wieder vornehmen zu können. Dennoch wurde unser Dienstleistungs- und Projektbereich in dieser Zeit stark getroffen. Projektverzögerungen und verunsicherte Kunden waren hier verständlicherweise an der Tagesordnung. Zudem hatten unsere Kunden Herausforderungen wie die Soforthilfe Gas und Wärme sowie die Preisbremsen vor der Brust. Die mussten wir trotz allem zeitnah angehen und lösen.

Wie sind Sie hier vorgegangen und konnten Sie die neuen Regelungen tatsächlich fristgerecht umsetzen?

Wir hatten schon für Themen wie MaKo 2022 oder Redispatch 2.0 unser Vorgehen drastisch umgestellt. Statt wie früher einfach Releases oder Patches auszuliefern und bei Problemen eher reaktiv zu arbeiten, lautet die klare Strategie jetzt, alle unsere Kunden so früh wie möglich eng in den Anforderungsprozess einzubinden. So haben wir den gesamten Prozess mit Webinaren begleitet, die in kurzen Abständen stattfanden und allen Kunden offenstanden. Damit konnten wir sicherstellen, dass diese jeweils auf dem neuesten Stand waren und vor allem, dass ihre Anforderungen direkt in die Entwicklung einfließen konnten. Tatsächlich waren die meisten Kunden schon Mitte Februar wieder abrechnungsfähig.

„Der neue Leitsatz lautet: Das Übermorgen ­mitentwickeln.“
Im Mai haben Sie dann das Management neu strukturiert. Warum?

Wir haben die vergangenen Jahre damit verbracht, die Wilken Software Group neu zu strukturieren, die Fokussierung auf unsere Zielbranchen auszubauen und die internen Prozesse zu schärfen. Jetzt geht es darum, die Rahmenbedingungen für Stabilität, Skalierbarkeit und vor allem Zukunftsfähigkeit zu schaffen, um mit den Kunden unserer Zielbranchen innovative und attraktive Lösungen für das Übermorgen zu entwickeln. Dafür brauchen wir ein Executive Board, das die Freiräume hat, diese strategischen Aufgaben anzugehen. Unterhalb des neuen Executive Boards, das wir zuvor in dieser Form nicht hatten, wurde auch die Eigenständigkeit und operative Verantwortlichkeit der zweiten Leitungsebene gestärkt, sodass wir nun unsere Verantwortung deutlich mehr und deutlich breiter aufteilen können.

Das klingt so, als ob Sie einiges vorhaben…

Genau so ist es. Wir wollen uns in den kommenden Jahren nachhaltig als stabiles und relevantes Tech-Unternehmen mit klarem Fokus auf Cloud- und SaaS-Applikationen im Markt positionieren. Deswegen arbeiten wir gerade auf allen Ebenen daran, die Weichen dafür zu stellen. Der neue Leitsatz lautet: „Das Übermorgen mitentwickeln“. Der Neubau in Greven ist nur ein Teil dieser Anstrengungen. Bislang konzentrierte sich an diesem Standort alles auf die NTS.Suite, unsere Microsoft-basierte Lösung, die jetzt in einer neuen Version auf Basis von Microsoft Dynamics 365 Business Central (BC/AL) ausgerollt wird. Kurzfristig soll dort nun der Mitarbeiterstamm von 140 auf 200 wachsen und sukzessive auch die weiteren Produktlinien der Wilken Software Group angesiedelt werden.

Wie geht es an Ihrem Hauptsitz in Ulm weiter?

Hier stehen zum einen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fokus: Wir planen die Eröffnung einer Kita, und wir werden auch unseren Hauptsitz in den kommenden Monaten umbauen und einige Bereiche nach den Anforderungen an eine moderne, techorientierte New-Work-Kultur umgestalten. Zum anderen steht 2024 ganz im Zeichen unserer Markt- und Marken­offensive. Was das genau bedeutet, möchte ich heute noch nicht verraten. So viel sei aber gesagt: Ein Fokus wird auf unserer Marke, unserer Cloud-Produktlinie, Innovation und Customer Experience liegen. 2024 wird bedeutend – für die Wilken Software Group, aber auch für unsere Kunden und die Zielmärkte. Zudem werden wir uns weiter auf den engen Austausch und die Zusammenarbeit mit unseren Kunden konzentrieren, wie wir das schon seit dem vergangenen Jahr verstärkt getan haben. Es ist unsere Aufgabe, der steigenden Komplexität, dem Fachkräftemangel und dem Innovations- und Veränderungsdruck in unseren Märkten entgegenzuwirken und unsere Kunden mit nutzenstiftenden Lösungen zu unterstützen. Diese Chance werden wir wahrnehmen und erfolgreich nutzen.

Interview: Alexander Schaeff

Im Interview, Dominik SchwärzelDominik Schwärzel (36) ist seit dem Jahr 2021 CEO der Wilken Software Group. Er startete seine Karriere 2011 als Consultant bei CGM Systema Deutschland. Im Jahr 2014 wechselte Schwärzel zur Wilken Software Group, wurde 2016 Bereichsleiter und 2019 in die Geschäftsführung berufen.

Stichwörter: Unternehmen, Wilken, Greven


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