InterviewSegel auf Zukunft gesetzt

Dominik Schwärzel
(Bildquelle: Wilken Software Group)
Herr Schwärzel, im Oktober 2022 meldete Wilken einen großen Cyber-Angriff. Sechs Wochen später war das Unternehmen wieder online. Wie haben Sie diesen Angriff so schnell verarbeitet?
Zum einen hatten wir Glück, dass unsere Kundendaten und -systeme nicht vom Angriff betroffen waren. Da hatten wir glücklicherweise Vorsorge getroffen, und die Sicherheitsvorkehrungen zwischen unseren internen Systemen und den Kundenumgebungen haben funktioniert. Zum anderen war das aber auch dem Einsatz des gesamten Wilken-Teams zu verdanken, das diese Wochen engagiert durchgearbeitet hat. So ist es gelungen, die Arbeitsfähigkeit in kurzer Zeit wiederherzustellen.
Die Arbeitsfähigkeit ist das eine, das andere ist der wirtschaftliche Schaden. Konnte der in Grenzen gehalten werden?
Das ist immer relativ zu sehen. Dennoch sind wir auch hier mit einem blauen Auge davongekommen. Durch den gerade schon erwähnten Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es gelungen, die Systemauslieferungen nach wenigen Wochen wieder vornehmen zu können. Dennoch wurde unser Dienstleistungs- und Projektbereich in dieser Zeit stark getroffen. Projektverzögerungen und verunsicherte Kunden waren hier verständlicherweise an der Tagesordnung. Zudem hatten unsere Kunden Herausforderungen wie die Soforthilfe Gas und Wärme sowie die Preisbremsen vor der Brust. Die mussten wir trotz allem zeitnah angehen und lösen.
Wie sind Sie hier vorgegangen und konnten Sie die neuen Regelungen tatsächlich fristgerecht umsetzen?
Wir hatten schon für Themen wie MaKo 2022 oder Redispatch 2.0 unser Vorgehen drastisch umgestellt. Statt wie früher einfach Releases oder Patches auszuliefern und bei Problemen eher reaktiv zu arbeiten, lautet die klare Strategie jetzt, alle unsere Kunden so früh wie möglich eng in den Anforderungsprozess einzubinden. So haben wir den gesamten Prozess mit Webinaren begleitet, die in kurzen Abständen stattfanden und allen Kunden offenstanden. Damit konnten wir sicherstellen, dass diese jeweils auf dem neuesten Stand waren und vor allem, dass ihre Anforderungen direkt in die Entwicklung einfließen konnten. Tatsächlich waren die meisten Kunden schon Mitte Februar wieder abrechnungsfähig.
„Der neue Leitsatz lautet: Das Übermorgen mitentwickeln.“
Im Mai haben Sie dann das Management neu strukturiert. Warum?
Wir haben die vergangenen Jahre damit verbracht, die Wilken Software Group neu zu strukturieren, die Fokussierung auf unsere Zielbranchen auszubauen und die internen Prozesse zu schärfen. Jetzt geht es darum, die Rahmenbedingungen für Stabilität, Skalierbarkeit und vor allem Zukunftsfähigkeit zu schaffen, um mit den Kunden unserer Zielbranchen innovative und attraktive Lösungen für das Übermorgen zu entwickeln. Dafür brauchen wir ein Executive Board, das die Freiräume hat, diese strategischen Aufgaben anzugehen. Unterhalb des neuen Executive Boards, das wir zuvor in dieser Form nicht hatten, wurde auch die Eigenständigkeit und operative Verantwortlichkeit der zweiten Leitungsebene gestärkt, sodass wir nun unsere Verantwortung deutlich mehr und deutlich breiter aufteilen können.
Das klingt so, als ob Sie einiges vorhaben…
Genau so ist es. Wir wollen uns in den kommenden Jahren nachhaltig als stabiles und relevantes Tech-Unternehmen mit klarem Fokus auf Cloud- und SaaS-Applikationen im Markt positionieren. Deswegen arbeiten wir gerade auf allen Ebenen daran, die Weichen dafür zu stellen. Der neue Leitsatz lautet: „Das Übermorgen mitentwickeln“. Der Neubau in Greven ist nur ein Teil dieser Anstrengungen. Bislang konzentrierte sich an diesem Standort alles auf die NTS.Suite, unsere Microsoft-basierte Lösung, die jetzt in einer neuen Version auf Basis von Microsoft Dynamics 365 Business Central (BC/AL) ausgerollt wird. Kurzfristig soll dort nun der Mitarbeiterstamm von 140 auf 200 wachsen und sukzessive auch die weiteren Produktlinien der Wilken Software Group angesiedelt werden.
Wie geht es an Ihrem Hauptsitz in Ulm weiter?
Hier stehen zum einen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fokus: Wir planen die Eröffnung einer Kita, und wir werden auch unseren Hauptsitz in den kommenden Monaten umbauen und einige Bereiche nach den Anforderungen an eine moderne, techorientierte New-Work-Kultur umgestalten. Zum anderen steht 2024 ganz im Zeichen unserer Markt- und Markenoffensive. Was das genau bedeutet, möchte ich heute noch nicht verraten. So viel sei aber gesagt: Ein Fokus wird auf unserer Marke, unserer Cloud-Produktlinie, Innovation und Customer Experience liegen. 2024 wird bedeutend – für die Wilken Software Group, aber auch für unsere Kunden und die Zielmärkte. Zudem werden wir uns weiter auf den engen Austausch und die Zusammenarbeit mit unseren Kunden konzentrieren, wie wir das schon seit dem vergangenen Jahr verstärkt getan haben. Es ist unsere Aufgabe, der steigenden Komplexität, dem Fachkräftemangel und dem Innovations- und Veränderungsdruck in unseren Märkten entgegenzuwirken und unsere Kunden mit nutzenstiftenden Lösungen zu unterstützen. Diese Chance werden wir wahrnehmen und erfolgreich nutzen.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe November/Dezember 2023 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
EnBW: Hohe Investitionen geplant
[07.05.2026] Der Energieversorger EnBW hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 7,6 Milliarden Euro in den Umbau des Energiesystems investiert. Der Anteil erneuerbarer Energien an der installierten Leistung stieg auf 66 Prozent. Für die kommenden Jahre plant das Unternehmen Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro. mehr...
Beteiligung: enercity und Thüga trennen sich
[06.05.2026] Die Energieunternehmen enercity und Thüga wollen ihre gegenseitigen Beteiligungen auflösen. Ziel ist nach eigenen Angaben eine klarere strategische Ausrichtung und mehr finanzieller Spielraum. mehr...
Steag Iqony Group: Neues Führungsteam angetreten
[05.05.2026] Der Energiekonzern Steag Iqony hat seine Unternehmensspitze neu besetzt. Seit Anfang Mai stehen ein neuer Vorstandschef und eine neue Personalchefin an der Spitze. Der Wechsel soll die weitere Entwicklung des Unternehmens begleiten. mehr...
Mainova: Operatives Geschäft verbessert
[04.05.2026] Mainova hat 2025 sein Ergebnis deutlich verbessert und kündigt weitere Investitionen an. Vor allem das operative Geschäft entwickelte sich besser als im Vorjahr. Für 2026 erwartet das Unternehmen jedoch ein schwächeres Ergebnis. mehr...
kraftwerk: Neue App für den Kundenkontakt veröffentlicht
[29.04.2026] Die kraftwerk Software Gruppe ergänzt ihre Portallösungen für Versorger um die mobile App-Plattform kraftwerk.One. Die neue Kooperation mit endios soll Energie- und Wasserunternehmen eine durchgängige digitale Kundenschnittstelle vom Abrechnungssystem bis zum Smartphone liefern. mehr...
Quadra energy: Migration in KISTERScloud
[28.04.2026] Quadra energy hat sein Energie- und Portfoliomanagement in wenigen Stunden aus einer On-Premise-Umgebung in die KISTERScloud verlagert. Der Umstieg soll bei laufendem Betrieb mehr Performance, höhere Stabilität und Spielraum für den weiteren Ausbau der Handels- und Marktkommunikationsprozesse schaffen. mehr...
Stadtwerke Energie Jena-Pößneck: Gründung vor 35 Jahren
[23.04.2026] Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck bestehen seit 35 Jahren. Nach Angaben des Unternehmens entwickelte sich der kommunale Versorger seit der Gründung 1991 von einem kleinen Betrieb zu einem regionalen Anbieter für Strom, Gas und Fernwärme. Heute setzt das Unternehmen verstärkt auf Projekte zur Energiewende. mehr...
Stadtwerke München: Insgesamt ein gutes Jahr
[20.04.2026] Im Geschäftsjahr 2025 haben die Stadtwerke München über eine Milliarde Euro investiert. Das operative Ergebnis lag unter dem Vorjahr, blieb aber im langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig überwies der Konzern erneut 100 Millionen Euro an die Stadt München. mehr...
Region Rhein-Eifel: Genossenschaft für Wärmewende
[17.04.2026] Zwölf Kommunen aus drei Kreisen haben gemeinsam mit dem Energieunternehmen e-regio die Genossenschaft Energiewende RheinEifel gegründet. Nach Angaben der Beteiligten soll sie Projekte zur Energie- und Wärmewende regional koordinieren. mehr...
Interview: Pioniergeist trifft Exzellenz
[17.04.2026] Seit Mitte 2025 trägt MAN Energy Solutions den Namen Everllence. Was es mit der Umbenennung auf sich hat und welche Strategie das Unternehmen beispielsweise im Bereich der Energiewirtschaft fährt, erläutert CEO Uwe Lauber im Interview mit stadt+werk. mehr...
enercity: Umsatz geht zurück
[13.04.2026] Im Jahr 2025 hat enercity einen geringeren Umsatz und Gewinn erzielt als in den Vorjahren. Gleichzeitig hat das Unternehmen seine Investitionen erhöht und den Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben. mehr...
Trianel: Beeindruckende Bilanz
[09.04.2026] Die Stadtwerke-Kooperation Trianel unterstützt mit ihren drei Gesellschaften Energieversorger und Kommunen in Deutschland bei der Umsetzung der Energiewende. Die Kooperation kann bereits auf beachtliche Erfolge zurückblicken. mehr...
enercity: Neuer CEO bei enercity Erneuerbare
[08.04.2026] Der Energiekonzern enercity besetzt die Spitze seiner Tochtergesellschaft für erneuerbare Energien neu. Mit Jörg Kubitza übernimmt ein Branchenmanager die Leitung. Der bisherige CEO Ralf Nietiet scheidet auf eigenen Wunsch aus. mehr...
Jena: Baustart von Reallabor JenErgieReal
[02.04.2026] Das Reallabor JenErgieReal geht in Jena in die bauliche Umsetzung und vernetzt erstmals Speicher, Lade-Infrastruktur und Netze intelligent. Das Projekt zeigt, wie ein digitales Energiesystem im urbanen Raum praktisch funktioniert und welche Lösungen bis 2027 entstehen. mehr...
VNEW: Unter neuer Flagge unterwegs
[27.03.2026] Der Stadtwerkeverband VSHEW firmiert künftig als Verband der Norddeutschen Energie- und Wasserwirtschaft (VNEW). Hintergrund ist die Ausweitung auf weitere Bundesländer sowie der Anspruch, die Energiewende regional stärker zu bündeln. mehr...














