Freitag, 27. Februar 2026

50HertzDrei unterirdische Höchstspannungsleitungen für Berlin

[13.05.2025] Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat Pläne für drei neue Höchstspannungsleitungen unter Berlin vorgestellt. Die unterirdisch verlaufenden Trassen sollen die Stromversorgung der Hauptstadt langfristig sichern und auf den steigenden Energiebedarf reagieren.

Wie die Kabeldiagonale Berlin verlaufen auch die drei neuen Stromautobahnen in Tunnel, tief unter der Stadt.

(Bildquelle: Britta Petersen/50Hertz)

Um den wachsenden Strombedarf Berlins zu decken und die Energieversorgung der Hauptstadt zukunftsfest zu machen, plant der Netzbetreiber 50Hertz den Bau von drei neuen unterirdischen Höchstspannungsleitungen. Wie der Netzbetreiber mitteilt, sollen die Projekte in Tunneln unter dem dicht bebauten Stadtgebiet verlaufen und die bestehende Infrastruktur ergänzen beziehungsweise erweitern. Hintergrund sind steigende Lastanforderungen infolge der Energiewende: Dekarbonisierung der Wärmeversorgung, zunehmende Elektromobilität und die Ansiedlung energieintensiver Rechenzentren treiben den Stromverbrauch Berlins laut Prognosen innerhalb eines Jahrzehnts nahezu auf das Doppelte.

Die Maßnahmen sind laut Auskunft von 50Hertz Teil des Bundesbedarfsplangesetzes und umfassen insgesamt rund 75 Kilometer neuer Stromtrassen in Berlin und dem angrenzenden Brandenburg. Drei Projekte konkretisierte 50Hertz bei der Vorstellung am Umspannwerk Friedrichshain: eine neue Verbindung innerhalb der so genannten Kabeldiagonale zwischen Reuter und Teufelsbruch, sowie die beiden so genannten Kabelvertikalen Berlin Süd und Nord. Die Planungen sehen vor, die neuen Leitungen überwiegend in bis zu 40 Metern Tiefe zu verlegen. Damit sollen oberirdische Eingriffe in den Stadtraum auf ein Minimum reduziert werden.

Die Kabeldiagonale Berlin erhält mit dem neuen Abschnitt zwischen Reuter und Teufelsbruch ein etwa sechs Kilometer langes Teilstück in Tunnelbauweise. Dieses ersetzt eine bestehende Ölkabeltrasse und steigert die Übertragungskapazität auf diesem Abschnitt um rund 40 Prozent.

Die 380-kV-Kabelvertikale Berlin Süd verbindet den Netzverknüpfungspunkt bei Großbeeren in Brandenburg mit einem neuen Umspannwerk am Heizkraftwerk Lichterfelde. Der Verlauf führt weiter bis zum Umspannwerk Mitte südlich des Potsdamer Platzes und ist mit einer Länge von rund 14 Kilometern angesetzt. Für den unterirdischen Verlauf sind drei Schachtstandorte vorgesehen.

Die dritte vorgestellte Leitung, die Kabelvertikale Berlin Nord, soll rund 20 Kilometer lang werden – davon etwa 17 Kilometer in Tunnelbauweise. Sie beginnt am Umspannwerk Reuter, führt über ein noch zu bauendes Umspannwerk im Raum Tegel und endet in Malchow. In den Bezirken Reinickendorf und Pankow sind weitere Zwischenschächte geplant.

„Mit den drei neuen, unterirdisch verlaufenden Leitungen stärken wir die Infrastruktur, ohne den urbanen Raum übermäßig zu beeinträchtigen“, erklärte Stefan Kapferer, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz. Gleichzeitig wies er auf die technische Komplexität hin, die das Bauen im hochverdichteten Innenstadtbereich mit sich bringe. Er forderte politischen Rückhalt für die Umsetzung der Projekte, um Versorgungssicherheit und Klimaziele nicht zu gefährden.

Der Baubeginn ist gestaffelt ab dem Jahr 2030 vorgesehen. Eine Inbetriebnahme der Leitungen plant 50Hertz sukzessive zwischen 2036 und dem Ende der 2030er-Jahre.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

Ostsee: Hybrider Strom-Interkonnektor geplant

[24.02.2026] Deutschland, Lettland und Litauen planen mit dem Baltic-German PowerLink einen hybriden Strom-Interkonnektor durch die Ostsee. Das rund 600 Kilometer lange Seekabel soll Offshore-Windparks anbinden und die Märkte enger koppeln – nun starten die Netzbetreiber die Detailplanung. mehr...

Mitnetz Strom: Zahl der Netzeingriffe gesunken

[17.02.2026] Der Verteilnetzbetreiber Mitnetz Strom hat 2025 erneut weniger Einspeisemanagement-Eingriffe verzeichnet – trotz neuer Rekorde bei erneuerbaren Energien. Grund sind umfangreiche Netzinvestitionen, doch weiter steigende EEG-Leistungen und politische Rahmenbedingungen bleiben entscheidend. mehr...

bericht

Balzhausen: Pilot für die Einspeise­steckdose

[09.02.2026] Die Einspeisesteckdose stellt übliche Ausschreibungsverfahren für erneuerbare Energien auf den Kopf. LEW Verteilnetz hat dieses Verfahren jetzt in seinem Netzgebiet im Rahmen eines Pilotprojekts in Balzhausen erprobt. mehr...

enercity Netz: Digitaler Zwilling von Niederspannungsnetz in Betrieb

[09.02.2026] enercity Netz hat einen Digitalen Zwilling für das Niederspannungsnetz in Betrieb genommen. Das virtuelle Echtzeitmodell soll die Netzführung in Hannover präziser machen und bereitet den Weg für automatisierte Steuerung, schnellere Entstörung und neue Planungsprozesse. mehr...

Westfalen Weser Netz: Niederspannungsleitsystem mit CLS-Management gekoppelt

[09.02.2026] Westfalen Weser Netz koppelt erstmals ein Niederspannungsleitsystem direkt mit dem CLS-Management. Der gestartete Pilotbetrieb zeigt, wie sich Netzzustände automatisiert steuern lassen und welche Rolle das für §14a EnWG spielt. mehr...

Hochspannungsmast mit mehreren Stromleitungen vor blauem Himmel mit Wolken.

Netzanschlüsse: Reifegrad statt Windhundprinzip

[06.02.2026] Die Übertragungsnetzbetreiber ändern das Verfahren für Netzanschlüsse grundlegend. Künftig ist nicht mehr die Schnelligkeit eines Antrags entscheidend, sondern dessen Umsetzbarkeit. Das Ziel besteht darin, einen transparenten und planbaren Prozess zu etablieren. mehr...

Hertener Stadtwerke: Stabiles Stromnetz

[05.02.2026] Das Stromnetz in Herten hat 2024 erneut eine sehr hohe Zuverlässigkeit erreicht. Mit einem SAIDI-Wert von rund 1,84 Minuten pro Haushalt liegt die Ausfallzeit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. mehr...

BDEW: Milliardeninvestitionen in den Netzausbau gefordert

[02.02.2026] Neue Regionalszenarien der Stromverteilnetzbetreiber zeigen einen drastisch steigenden Bedarf an Netzanschlüssen bis 2045. Der BDEW fordert deshalb Milliardeninvestitionen in den Netzausbau und bessere regulatorische Rahmenbedingungen, um privates Kapital zu mobilisieren. mehr...

Hessen: Projektstart von SGLive

[26.01.2026] Mit dem Projekt SGLive startet in Hessen ein dreijähriges Vorhaben zur Digitalisierung der Verteilnetze und zur Stärkung der Resilienz des Energiesystems. Die Hochschule Darmstadt, das Ingenieurbüro Pfeffer und die Denkfabrik House of Energy arbeiten dabei mit rund einer Million Euro EU-Kofinanzierung an Smart-Grid-Technologien und IT-Sicherheitskonzepten. mehr...

Hamburger Energienetze: eRound bündelt drei digitale Lösungen

[05.12.2025] Die Hamburger Energienetze bündeln unter der Marke eRound drei digitale Lösungen für Lade-Infrastruktur, Verteilnetze und Smart-City-Anwendungen. Ziel ist eine effizientere Steuerung der Energiewende und ein transparenter Blick auf den Zustand kritischer Infrastruktur. mehr...

TransnetBW: Gesetz zur Strompreis-Senkung verabschiedet

[04.12.2025] Ein staatlicher Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro soll 2026 die Netzentgelte und damit die Strompreise für Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar dämpfen. Bundestag und Bundesrat haben das entsprechende Gesetz verabschiedet. mehr...

Niederviehbach: Zweite Einspeisesteckdose gestartet

[02.12.2025] In Niederviehbach ist das zweite bayerische Pilotprojekt zur sogenannten Einspeisesteckdose gestartet. Damit soll laut Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger der Netzausbau schneller, effizienter und planbarer werden. mehr...

Schleswig-Holstein: Strategiepapier für mehr Netz-Flexibilität

[28.11.2025] Ein neues Strategiepapier soll mehr Flexibilität beim Netzanschluss schaffen und Engpässe bei der Energiewende vermeiden. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums sollen dafür Vergaberegeln, Anschlussverfahren und die Nutzung bestehender Netzpunkte grundlegend überarbeitet werden. mehr...

Hamburg: Projekt zur Netzsteuerung gestartet

[24.11.2025] In Hamburg startet das Leitprojekt FARFALLE, das eine präzisere und fairere Netzsteuerung nach §14a EnWG ermöglichen soll. Die Partner entwickeln dafür ein Verfahren, das steuerbare Verbrauchseinrichtungen gezielt statt pauschal drosselt und so Engpässe effizienter beseitigt. mehr...

interview

Langmatz: Plastik schlägt Beton

[17.11.2025] Warum Kabelschächte aus Kunststoff langfristig die bessere Wahl sind und welche Vorteile sich daraus für Tiefbauunternehmen, Netzbetreiber und Kommunen ergeben, erklärt Dieter Mitterer, einer der beiden Geschäftsführer von Langmatz, im Interview. mehr...