Freitag, 7. August 2026

BundesnetzagenturNeue Regeln für Energienetze

[25.07.2025] Die Bundesnetzagentur will die Regeln für Strom- und Gasnetze ändern. Damit reagiert die Behörde auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Ein wissenschaftliches Gremium hält die Vorschläge für sinnvoll, sieht aber auch Diskussionsbedarf.

Für den Zugang zu Strom- und Gasnetzen sind die bisherigen Rechtsgrundlagen entfallen.

(Bildquelle: TransnetBW)

Die Bundesnetzagentur überarbeitet derzeit die Rahmenbedingungen für den Zugang zu Strom- und Gasnetzen in Deutschland. Grund dafür ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 2. September 2021, das die bisherigen Rechtsgrundlagen entfallen ließ. Die Entwürfe für neue Festlegungen wurden am 18. Juni 2025 zur öffentlichen Konsultation gestellt. Diese läuft noch bis zum 30. Juli 2025.

Unterstützt wird die Regulierungsbehörde von einem unabhängigen Expertengremium, dem Wissenschaftlichen Arbeitskreis für Regulierungsfragen (WAR). Dieses berät die Behörde seit Jahren in Fragen der Netzregulierung. Am Dienstag hat der Arbeitskreis eine Stellungnahme zu den geplanten Änderungen veröffentlicht.

Regulierung führte nicht zum „Stadtwerke-Sterben“

Darin heißt es unter anderem, dass die bisherigen zwanzig Jahre Regulierungserfahrung nützlich für die Weiterentwicklung seien. Eine echte Wettbewerbsdynamik habe sich aber nicht entfaltet, erklärte der Vorsitzende des Arbeitskreises, Jürgen Kühling. Der stellvertretende Vorsitzende Justus Haucap betonte, dass sich frühere Sorgen über ein „Stadtwerke-Sterben“ nicht bestätigt hätten. Seit der Einführung der sogenannten Anreizregulierung habe es keine nennenswerte Konsolidierung bei den Verteilnetzbetreibern gegeben. Vieles spreche dafür, dass die Regulierung bislang nicht zu streng gewesen sei.

Zentrale Punkte der Reformvorschläge

Die Bundesnetzagentur plant mehrere Änderungen:

  • Nicht beeinflussbare Kosten: Diese sollen in Zukunft seltener vom Effizienzvergleich ausgenommen werden. Das Ziel: mehr Transparenz, weniger Fehlanreize und geringerer Kontrollaufwand.
  • Dauer der Regulierungsperioden: Für Gasnetze ab dem Jahr 2032, für Stromnetze ab 2033, soll der Zeitraum von fünf auf drei Jahre verkürzt werden.
  • t-2-Versatz: Dabei werden Betriebskosten für ein Jahr mit der Inflation von zwei Jahre zuvor hochgerechnet. Das schaffe Planungssicherheit und reduziere Bürokratie.
  • Kapitalkostenmodell: Die Behörde will künftig das international übliche WACC-Modell (Weighted Average Cost of Capital) nutzen.
  • Baukostenzuschüsse: Diese Zuschüsse von Anlagenbetreibern sollen bei der Eigenkapitalbasis herausgerechnet werden. Realkapitalerhaltung statt Mischsystem: Diese Umstellung verringere Komplexität und mache das System verständlicher – auch für internationale Investorinnen und Investoren.
  • Gewerbesteuer in der Erlösobergrenze: Aktuell wird die Steuer voll berücksichtigt. Damit werde Netzbetreibern unabhängig vom realen Steueraufwand die Eigenkapitalverzinsung nach Steuern ermöglicht.
  • Effizienzvergleich: Künftig soll ein Mittelwert zweier Bewertungsverfahren (SFA und DEA) für den Effizienzvergleich herangezogen werden.

Fazit des Arbeitskreises

Insgesamt bewertet der Wissenschaftliche Arbeitskreis die Pläne positiv. Haucap sagte: „Wir sehen die Pläne der Bundesnetzagentur, die bisherige Anreizregulierung behutsam weiterzuentwickeln, sehr positiv. Sie ist letztlich überfällig.“ Die Sorge um Investitionen teile der Arbeitskreis nicht. Auch Kühling betonte, dass eine konsequente Prüfung der Netzentgelte nötig sei, gerade angesichts der hohen Energiekosten für Haushalte und Unternehmen.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

evu+: Online-Karte bietet Überblick über Stromverteilnetze

[06.08.2026] Eine neue Online-Karte zeigt die Stromnetzbetreiber in Deutschland und ihre angeschlossenen Erzeugungsanlagen sowie Batteriespeicher. Die Übersicht soll die Rolle der Verteilnetzbetreiber für Energiewende und Versorgungssicherheit anhand öffentlicher Daten sichtbar machen. mehr...

Mitnetz Strom: Investitionen in das Stromnetz in Brandenburg

[03.08.2026] Mitnetz Strom investiert 2026 rund 119 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes in Brandenburg. Die Vorhaben sollen zusätzliche Netzkapazitäten für erneuerbare Energien schaffen und die Versorgungssicherheit in mehreren Regionen stärken. mehr...

Bundesnetzagentur: Kar­te zur Ver­sor­gungs­qua­li­tät der Verteilernetzbetreiber veröffentlicht

[28.07.2026] Die Bundesnetzagentur hat eine Deutschlandkarte zur Versorgungsqualität der Stromverteilernetzbetreiber veröffentlicht. Sie macht Unterschiede bei Netzanschlüssen, Digitalisierung und Versorgungszuverlässigkeit sichtbar und soll den Wettbewerb um leistungsfähigere Netze fördern. mehr...

Hager: NH-Sicherungslastschaltleisten überarbeitet

[24.07.2026] Hager hat seine NH-Sicherungslastschaltleisten für 185-Millimeter-Sammelschienensysteme grundlegend überarbeitet. Die neue Baureihe soll die Sicherheit in Niederspannungsverteilungen erhöhen und zugleich Wartung, Überwachung und Montage erleichtern. mehr...

Stadtwerke Fellbach: Pilotprojekt zu dynamischen Zwillingen

[23.07.2026] Smight und retoflow entwickeln gemeinsam einen dynamischen Zwilling für Niederspannungsnetze. Das Pilotprojekt bei den Stadtwerken Fellbach zeigt, wie sich Mess- und Netzdaten innerhalb kurzer Zeit zu einem Modell für Planung und Netzbetrieb verknüpfen lassen. mehr...

Mitnetz Strom: Anschluss von Rechenzentrum

[21.07.2026] Mitnetz Strom schließt in Lübbenau das bislang größte Rechenzentrum seines Netzgebiets an das 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz an. Das Projekt steht für den stark wachsenden Strombedarf von Rechenzentren und zeigt, wie sich die Anforderungen an die Verteilnetze im Zuge der Energiewende verändern. mehr...

Berlin: Umspannwerke ohne Treibhausgas

[17.07.2026] Stromnetz Berlin lässt zwei neue 110-Kilovolt-Umspannwerke in Wittenau und Neukölln errichten. Dabei kommen dabei SF₆-freie gasisolierte Schaltanlagen zum Einsatz. Die Projekte sollen die Netzinfrastruktur der Hauptstadt modernisieren und die Stromversorgung absichern. mehr...

Wiesbaden: Umspannwerk für die City

[16.07.2026] Die Stadtwerke Wiesbaden Netz haben mit dem Bau eines neuen Umspannwerks begonnen. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben 39 Millionen Euro in das Projekt, das Anfang 2031 in Betrieb gehen soll. mehr...

TenneT: Ostbayernring vollständig in Betrieb

[15.07.2026] Die Höchstspannungsleitung Ostbayernring ist auf ihrer gesamten Länge von rund 185 Kilometern in Betrieb gegangen. Die Leitung erhöht die Transportkapazität für Strom und soll die Integration erneuerbarer Energien sowie die Versorgungssicherheit verbessern. mehr...

Thüga: Regler für mehr Solarstrom im Netz

[01.07.2026] Ein Pilotprojekt in Thüringen erprobt eine neue Technologie zur besseren Nutzung bestehender Stromnetze. Nach Angaben der Thüga kann ein neuer Mittelspannungslängsregler die Aufnahme von Photovoltaik-Strom deutlich erhöhen und so den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. mehr...

Ein Techniker installiert ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) in einem Stromzählerkasten. Das digitale Messgerät mit Kommunikationsmodul wird in die bestehende Strominfrastruktur eingebaut und ermöglicht die automatische Erfassung und Übermittlung von Verbrauchsdaten.

Stadtwerke Düsseldorf / EnBW: Kooperation für intelligente Stromnetze

[22.06.2026] Die Stadtwerke Düsseldorf und EnBW Utility Services bauen ihre Zusammenarbeit bei intelligenten Messsystemen aus. Künftig umfasst die Partnerschaft auch das sogenannte CLS-Management zur Steuerung dezentraler Energieanlagen. mehr...

Zwei Monteure in orangefarbener Schutzkleidung steigen an einem Hochspannungsmast aus Stahl empor. Im Hintergrund sind Stromleitungen vor blauem Himmel mit wenigen Wolken zu sehen.

BDEW: Schnellere Genehmigungen für den Netzausbau

[19.06.2026] Der BDEW hat Vorschläge zur Beschleunigung des Stromnetzausbaus vorgelegt. Nach Angaben des Verbands könnten Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz und im Infrastruktur-Zukunftsgesetz dazu beitragen, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu verkürzen. Im Fokus stehen Vereinfachungen bei der Modernisierung bestehender Netze und bei Genehmigungsprozessen. mehr...

bne: Studie verweist auf Rekordrenditen bei VNB

[18.06.2026] Eine Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft zeigt Rekordrenditen bei Deutschlands größten Verteilnetzbetreibern. Gleichzeitig verschärfen sich die Probleme beim Netzausbau und bei neuen Netzanschlüssen für die Energiewende. mehr...

TransnetBW/EWE Netz: Energiewende-App bald in Niedersachsen verfügbar

[18.06.2026] Die Energiewende-App StromGedacht wird künftig auch im Netzgebiet von EWE Netz in Niedersachsen verfügbar sein. Die Kooperation mit TransnetBW erweitert das Konzept netzdienlichen Verbrauchs erstmals auf ein großes Verteilnetz und soll Verbraucher stärker in die Netzstabilisierung einbinden. mehr...

Mitnetz Strom: Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Planung

[16.06.2026] Mitnetz Strom setzt beim Bau einer neuen Hochspannungsleitung auf einen frühen und intensiven Dialog mit den Bürgern. Der Netzbetreiber will Konflikte vermeiden, die Feinplanung verbessern und Akzeptanz für den Ausbau der Energieinfrastruktur schaffen. mehr...