Sonntag, 8. November 2026

BundesnetzagenturNeue Regeln für Energienetze

[25.07.2025] Die Bundesnetzagentur will die Regeln für Strom- und Gasnetze ändern. Damit reagiert die Behörde auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Ein wissenschaftliches Gremium hält die Vorschläge für sinnvoll, sieht aber auch Diskussionsbedarf.

Für den Zugang zu Strom- und Gasnetzen sind die bisherigen Rechtsgrundlagen entfallen.

(Bildquelle: TransnetBW)

Die Bundesnetzagentur überarbeitet derzeit die Rahmenbedingungen für den Zugang zu Strom- und Gasnetzen in Deutschland. Grund dafür ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 2. September 2021, das die bisherigen Rechtsgrundlagen entfallen ließ. Die Entwürfe für neue Festlegungen wurden am 18. Juni 2025 zur öffentlichen Konsultation gestellt. Diese läuft noch bis zum 30. Juli 2025.

Unterstützt wird die Regulierungsbehörde von einem unabhängigen Expertengremium, dem Wissenschaftlichen Arbeitskreis für Regulierungsfragen (WAR). Dieses berät die Behörde seit Jahren in Fragen der Netzregulierung. Am Dienstag hat der Arbeitskreis eine Stellungnahme zu den geplanten Änderungen veröffentlicht.

Regulierung führte nicht zum „Stadtwerke-Sterben“

Darin heißt es unter anderem, dass die bisherigen zwanzig Jahre Regulierungserfahrung nützlich für die Weiterentwicklung seien. Eine echte Wettbewerbsdynamik habe sich aber nicht entfaltet, erklärte der Vorsitzende des Arbeitskreises, Jürgen Kühling. Der stellvertretende Vorsitzende Justus Haucap betonte, dass sich frühere Sorgen über ein „Stadtwerke-Sterben“ nicht bestätigt hätten. Seit der Einführung der sogenannten Anreizregulierung habe es keine nennenswerte Konsolidierung bei den Verteilnetzbetreibern gegeben. Vieles spreche dafür, dass die Regulierung bislang nicht zu streng gewesen sei.

Zentrale Punkte der Reformvorschläge

Die Bundesnetzagentur plant mehrere Änderungen:

  • Nicht beeinflussbare Kosten: Diese sollen in Zukunft seltener vom Effizienzvergleich ausgenommen werden. Das Ziel: mehr Transparenz, weniger Fehlanreize und geringerer Kontrollaufwand.
  • Dauer der Regulierungsperioden: Für Gasnetze ab dem Jahr 2032, für Stromnetze ab 2033, soll der Zeitraum von fünf auf drei Jahre verkürzt werden.
  • t-2-Versatz: Dabei werden Betriebskosten für ein Jahr mit der Inflation von zwei Jahre zuvor hochgerechnet. Das schaffe Planungssicherheit und reduziere Bürokratie.
  • Kapitalkostenmodell: Die Behörde will künftig das international übliche WACC-Modell (Weighted Average Cost of Capital) nutzen.
  • Baukostenzuschüsse: Diese Zuschüsse von Anlagenbetreibern sollen bei der Eigenkapitalbasis herausgerechnet werden. Realkapitalerhaltung statt Mischsystem: Diese Umstellung verringere Komplexität und mache das System verständlicher – auch für internationale Investorinnen und Investoren.
  • Gewerbesteuer in der Erlösobergrenze: Aktuell wird die Steuer voll berücksichtigt. Damit werde Netzbetreibern unabhängig vom realen Steueraufwand die Eigenkapitalverzinsung nach Steuern ermöglicht.
  • Effizienzvergleich: Künftig soll ein Mittelwert zweier Bewertungsverfahren (SFA und DEA) für den Effizienzvergleich herangezogen werden.

Fazit des Arbeitskreises

Insgesamt bewertet der Wissenschaftliche Arbeitskreis die Pläne positiv. Haucap sagte: „Wir sehen die Pläne der Bundesnetzagentur, die bisherige Anreizregulierung behutsam weiterzuentwickeln, sehr positiv. Sie ist letztlich überfällig.“ Die Sorge um Investitionen teile der Arbeitskreis nicht. Auch Kühling betonte, dass eine konsequente Prüfung der Netzentgelte nötig sei, gerade angesichts der hohen Energiekosten für Haushalte und Unternehmen.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

Hamburger Energienetze: Neues Verfahren für Großanschlüsse

[05.11.2026] Die Hamburger Energienetze führen ein neues Verfahren zur Vergabe von Netzanschlusskapazitäten ein. Hintergrund sind steigende Leistungsanforderungen und Verzögerungen beim Netzausbau. Neue Großanschlüsse können vorerst nicht mehr zugesagt werden. mehr...

Verteilnetzausbau: 66 Milliarden Euro Einsparpotenzial

[04.11.2026] Beim Ausbau der Stromverteilnetze könnten bis 2045 rund 66 Milliarden Euro eingespart werden. Eine Studie von Agora Energiewende zeigt, wie sich die Kosten durch eine bessere Netzauslastung, flexible Anschlüsse und einen effizienteren Netzbetrieb um etwa ein Viertel senken lassen. mehr...

Stadtwerke München: Zwei neue 110-kV-Schaltanlagen bestellt

[02.11.2026] Die Stadtwerke München haben bei Siemens Energy zwei neue 110-Kilovolt-Schaltanlagen mit insgesamt 120 Schaltfeldern bestellt. Die Anlagen sollen das Stromnetz für den steigenden Leistungsbedarf ertüchtigen und kommen ohne klimaschädliche fluorierte Isoliergase aus. mehr...

Advertorial: Netzdigitalisierung für kleinere Netzbetreiber – Wie der Einstieg mit begrenzten Ressourcen gelingt

[28.10.2026] Steigende Anschlussanfragen, lückenhafte Netzdaten und wachsende Anforderungen fordern kleinere Netzbetreiber. Wie sich die Digitalisierung mit begrenzten Ressourcen angehen lässt, zeigt die envelio Roadshow im November 2026. Im Mittelpunkt stehen Praxisberichte, der Austausch mit anderen Netzbetreibern und konkrete Schritte für den eigenen Betrieb. mehr...

sw netz: Neues Umspannwerk in Wiesbaden

[27.10.2026] Der Wiesbadener Netzbetreiber sw netz baut im Stadtteil Amöneburg ein neues Umspannwerk. Die Anlage soll die Stromversorgung angesichts steigender Anforderungen durch Wärmewende, Elektromobilität und neue Gewerbeansiedlungen langfristig sichern. mehr...

Ultranet: TransnetBW schließt Leitungsbau für ab

[23.10.2026] Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW hat den Leitungsbau für die Gleichstromverbindung Ultranet zwischen Mannheim-Wallstadt und Philippsburg abgeschlossen. Der erste Stromfluss ist für Ende 2026 vorgesehen. mehr...

Kisters: Neue Softwaregeneration für Messstellenbetreiber

[23.10.2026] Auf den metering days 2026 stellt Kisters neue webbasierte Anwendungen für das Messdatenmanagement und die Zählerfernauslesung vor. Weitere Schwerpunkte sind die Steuerung nach § 14a EnWG und die Integration intelligenter RLM-Messsysteme. mehr...

Baden-Württemberg: Task Force soll Netzausbau beschleunigen

[22.10.2026] Baden-Württemberg will den Ausbau der Stromverteilnetze deutlich beschleunigen. Eine neue Task Force soll Netzengpässe beseitigen, Anschlussverfahren verkürzen und die Infrastruktur für die Energiewende stärken. mehr...

Bundesnetzagentur: Netzengpässe verursachen höhere Kosten

[15.10.2026] Das Volumen der Maßnahmen gegen Netzengpässe ist im zweiten Quartal 2026 um rund zehn Prozent gesunken. Dennoch stiegen die Kosten auf 673 Millionen Euro, vor allem wegen höherer Vorhaltekosten für Reservekraftwerke. mehr...

Hager: Neue Lösungen für intelligente Netze

[12.10.2026] Hager erweitert sein Portfolio für die Energiewende. Im Mittelpunkt stehen netzdienlich steuerbare Lade-Infrastruktur, bidirektionales Laden und eine vereinfachte Spannungsversorgung intelligenter Messsysteme. Die neuen Lösungen reagieren unter anderem auf regulatorische Anforderungen an Elektromobilität und Smart-Meter-Infrastruktur. mehr...

Netzentgelte: Zahlen für das kommende Jahr veröffentlicht

[05.10.2026] Die vorläufigen Übertragungsnetzentgelte für 2027 liegen bei durchschnittlich 3,54 Cent je Kilowattstunde und damit über dem Wert von 2026. Ohne den vorgesehenen Bundeszuschuss von 5,525 Milliarden Euro würden sie nach Angaben der Netzbetreiber auf 6,52 Cent steigen. mehr...

SüdLink: Umplanung erforderlich

[01.10.2026] Beim Bau der Stromtrasse SüdLink sind im Raum Heilbronn in Baden-Württemberg Umplanungen erforderlich. Wegen neuer geologischer Erkenntnisse kann ein bereits gebauter Schacht bei Bad Friedrichshall-Kochendorf nicht wie vorgesehen genutzt werden. mehr...

Westnetz: Reaktion auf Kritik am Smart-Meter-Roll-out

[23.09.2026] Westnetz reagiert auf die Kritik der Smart-Meter-Initiative an Problemen beim Smart-Meter-Roll-out. Der Netzbetreiber räumt Einschränkungen bei der Marktkommunikation ein und will offene Vorgänge mit zusätzlichen Ressourcen und spezialisierten Teams schneller abbauen. mehr...

Smight: Kritische Netzsituationen erkennen

[15.09.2026] Der Anbieter Smight hat mit SMIGHT NeMS ein neues Netzmanagementsystem für die Niederspannung vorgestellt. Die Plattform soll Messdaten, Steuerung und Prognosen zusammenführen und Verteilnetzbetreiber bei der Umsetzung regulatorischer Vorgaben unterstützen. mehr...

Regensburg: Netzbetreiber modernisiert Schaltanlage

[11.09.2026] Regensburg Netz hat eine Mittelspannungsschaltanlage im Norden der Stadt umfassend modernisiert. Die neue Anlage kommt ohne das Isoliergas Schwefelhexafluorid aus und soll die Betriebssicherheit erhöhen. Zum Einsatz kommt Clean-Air-Technologie von Schneider Electric. mehr...