Dienstag, 19. Mai 2026

PhotovoltaikAgri-PV-Potenzial für Kommunen

[18.02.2026] Eine Studie des Fraunhofer ISE hat das Potenzial der Agri-Photovoltaik in Deutschland ermittelt. Auf den am besten geeigneten Flächen sind demnach insgesamt rund 500 Gigawatt Leistung möglich. Auch für die Gemarkungen von Kommunen kann das Potenzial berechnet werden.

Kernobst profitiert besonders von der Schutzwirkung durch Photovoltaik-Module, die hier Hagelschutznetze ersetzen.

(Bildquelle: Fraunhofer ISE)

Auf Ackerflächen doppelt ernten? Das ermöglicht die Agri-Photovoltaik (Agri-PV). Mit ihr kann eine Fläche gleichzeitig sowohl der landwirtschaftlichen Nahrungs- und Futtermittelproduktion als auch der Solarstromerzeugung dienen. Das reduziert die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen und trägt zu einer effizienteren Landnutzung bei. Darüber hinaus kann die Agri-PV Schutz vor Hagel-, Frost- und Dürreschäden bieten und macht Schutzfolien und andere Materialien überflüssig. Bei manchen Ackerfrüchten können die aufgeständerten Solarmodule sogar zu einem Anstieg der landwirtschaftlichen Erträge führen. Darüber hinaus schafft die Solarstromerzeugung stabile zusätzliche Einkommensquellen für Landwirtschaftsbetriebe und erhöht damit die Resilienz gegenüber Ernteausfällen.

Kommunen profitieren

Auch Kommunen profitieren von der Technologie. Agri-PV kann einen guten Teil des Strombedarfs auf ihrer Gemarkung decken, ohne dass sie zusätzliche Freiflächen für die Photovoltaik ausweisen müssen. Die Ermittlung des Agri-PV-Potenzials ist beispielsweise für die kommunale Wärmeplanung hilfreich.

Das Agri-PV-Potenzial ist groß. Deutschlandweit sind auf den am besten geeigneten Flächen insgesamt rund 500 Gigawatt Leistung möglich. Dies hat ein Forschungsteam des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE auf Basis von geografischen Informationssystemen ermittelt. Das Potenzial ist damit mehr als doppelt so hoch, wie hierzulande bis 2030 benötigt wird. Die Photovoltaikausbauziele Deutschlands für das Jahr 2040 übertrifft es ebenfalls. 

Bei der Analyse haben die Forschenden alle Arten landwirtschaftlicher Flächen betrachtet, also Dauergrünland, Ackerflächen und Dauerkulturen wie Obstbau, Wein oder Beeren, und in einem Entscheidungsprozess mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kriterien optimale Standorte identifiziert.

Bodeneignungsindex erstellt

In einem ersten Schritt berücksichtigten die Forschenden neben geografischen Faktoren auch rechtliche und behördliche Anforderungen. Sie unterschieden hier zwei Szenarien. Szenario 1 schließt Flächen aus, die wegen harter Restriktionen wegfallen, etwa Naturschutzgebiete. Szenario 2 schließt zusätzlich Flächen nach weicheren Einschränkungen aus. Dazu gehören unter anderem Flora-Fauna-Schutzgebiete. Bei Szenario 1 bleiben nutzbare Flächen übrig, auf denen 7.900 Gigawatt Leistung installiert werden können. Szenario 2 – das naturschutzfreundlichere – kommt auf 5.600 Gigawatt. Bayern verfügt etwa in Szenario 2 über eine nutzbare Fläche von rund 2,5 Millionen Hektar. Hier sind rund 1.100 Gigawatt installierte Leistung möglich.

In einem zweiten Schritt flossen politisch-wirtschaftliche Eignungskriterien in die Bewertung ein. Auch agrarökonomische Aspekte waren ein Teil. Das Forschungsteam betrachtete, welche Flächen besonders für Agri-PV geeignet sind, etwa aufgrund der Solareinstrahlung, des vorhandenen Netzeinspeisepunkts oder weil Dauerkulturen wie Wein oder Obst besonders von Synergieeffekten profitieren.

Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen, erfolgte eine Gewichtung der Kriterien, unter anderem mit Expertinnen und Experten aus Landwirtschaft, Projektierungsbüros und von Verteilnetzbetreibern. Das Ergebnis des mehrstufigen Verfahrens ist ein Bodeneignungsindex mit Gebieten in fünf Eignungsklassen. Für die am besten geeigneten Flächen blieb 500 Gigawatt installierbare Leistung übrig. Zum Vergleich: Aktuell sind in Deutschland rund 115 Gigawatt installiert. Ziel bis 2030 sind 215 Gigawatt.

Lokale Potenzialstudien

Das Agri-PV-Potenzial kann auch für die einzelnen Bundesländer oder Kommunen erhoben werden – und das bis auf die einzelne Parzelle. Dazu arbeiten die Forschenden des Fraunhofer ISE mit Landkreisen zusammen und beziehen Netzdaten der lokalen Verteilnetzbetreiber mit ein. Für die ländlichen Gebiete Hamburgs sowie die Landkreise Ahrweiler und Breisgau-Hochschwarzwald hat das Fraunhofer ISE bereits detaillierte Studien zum Potenzial erstellt.

Im Hamburger Projekt AgriChance ordneten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die ländlichen Flächen in drei Szenarien nach techno- und agrarökonomischen Gesichtspunkten ein. Das Ergebnis: Insbesondere Dauerkulturen im Alten Land und in den Vier- und Marschlanden sind optimal für Agri-­PV-Anlagen geeignet, die ­Fläche beträgt bis zu 620 Hektar. Rund 0,4 Gigawatt sind hier möglich. Auch das Potenzial für Gewächshäuser ist vielversprechend. Auf ihnen könnten fast 50 Megawatt installiert werden. Das entspricht einer Fläche von 160 Hektar.

Beträchtliches Potenzial für Agri-PV

In einer weiteren Studie für den Landkreis Ahrweiler im nördlichen Rheinland-Pfalz und den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald im Süden von Baden-Württemberg berücksichtigte das Forschungsteam des Fraunhofer ISE verschiedene Faktoren wie Raumplanungsdaten, reale Rasterdaten und Fruchtfolgen. Die Ergebnisse zeigen ein beträchtliches Potenzial für Agri-PV in beiden Landkreisen. Agri-PV-Anlagen auf den am besten geeigneten Flächen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald könnten zwölf Prozent des Stromverbrauchs decken, im Landkreis Ahrweiler sogar 16 Prozent. Kommunen, die sich für eine solche Analyse interessieren, können sich an das Fraunhofer ISE wenden.


Die Autorin, Salome HaugerSalome Hauger zeichnet am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE für Machbarkeitsstudien und das geografische Potenzial der Agri-Photovoltaik verantwortlich. Sie ist Autorin der Fraunhofer-Studie zum Agri-PV-Potenzial in Deutschland.



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Photovoltaik | Solarthermie
Fünf Personen mit Schutzhelmen und Warnwesten stehen vor einer großen Freiflächen-Solaranlage. Sie halten ein Schild mit der Aufschrift „Hier entsteht der Solarpark Auhofen“. Im Hintergrund sind lange Reihen von Solarmodulen unter einem bewölkten Himmel zu sehen.

Stadtwerke München: Solarpark in Auhofen vor Fertigstellung

[19.05.2026] Die Stadtwerke München rechnen damit, den Solarpark in Auhofen bei Anzing im Juli fertigzustellen. Nach Angaben des Unternehmens soll die Anlage künftig rund 29 Millionen Kilowattstunden Ökostrom pro Jahr erzeugen. mehr...

Luftaufnahme eines langen Gebäudes mit zahlreichen Solarmodulen auf dem Flachdach. Neben dem Gebäude verlaufen Bahngleise, umgeben von Bäumen und Wohnhäusern. Im Hintergrund sind weitere Gebäude und viel Grünfläche unter klarem blauem Himmel zu sehen.

Köln: Baustart für Mieterstromprojekt

[19.05.2026] In Köln-Ossendorf hat der Bau eines der bislang größten Mieterstromprojekte der Stadt begonnen. Auf 55 Wohngebäuden sollen Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher installiert werden. mehr...

GModG: BSW-Solar begrüßt Stärkung der Solarthermie

[19.05.2026] Das Bundeskabinett will Solarthermie im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz stärken und den Einsatz von Solarkollektoren beim Heizungstausch erleichtern. Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartet dadurch neue Impulse für den Wärmemarkt, kritisiert aber zugleich die geplante Deckelung des CO₂-Preises. mehr...

Hameln: Pilotprojekt zum nachhaltigen Wohnungsbau mit PVT-Technologie

[15.05.2026] Eine Wohnanlage in Hameln kombiniert erstmals serielle Holzbauweise mit einer PVT-Anlage und bivalent angebundener Sole-Wasser-Wärmepumpe. Das ISFH untersucht nun bis Ende 2027, ob das System die angestrebte hohe Energieeffizienz erreicht und sich für den Serienbau eignet. mehr...

München: Mieterstromprojekt in Betrieb genommen

[06.05.2026] Münchner Wohnen und Stadtwerke München haben in Neuhausen das bislang größte Mieterstrom-Photovoltaikprojekt der Landeshauptstadt in Betrieb genommen. Die Anlage versorgt rund 1.000 Haushalte mit lokal erzeugtem Solarstrom und zeigt, wie städtische Wohnungsbestände schneller zur Energiewende beitragen können. mehr...

BSW-Solar: Zubau lässt nach

[06.05.2026] Der Photovoltaik-Ausbau in Deutschland ist schwach ins Jahr 2026 gestartet. Vor allem bei Dachanlagen für Privathaushalte und Unternehmen brechen die Neuinstallationen ein – ausgerechnet vor einer möglichen weiteren Kürzung der Förderbedingungen. mehr...

Greenovative: Satzungsbeschlüsse für vier Solarparkprojekte erhalten

[06.05.2026] Greenovative hat für vier neue Solarparkprojekte in Bayern die Satzungsbeschlüsse der Gemeinden erhalten. Damit rücken Anlagen mit zusammen mehr als 41 Megawatt peak Leistung in die konkrete Bauplanung vor und erweitern das genehmigungsreife Projektportfolio des Nürnberger Entwicklers. mehr...

Kaiserslautern: Photovoltaikanlagen erhalten Batteriespeicher

[04.05.2026] Kaiserslautern rüstet mehrere städtische Gebäude mit Batteriespeichern für bestehende Photovoltaikanlagen aus. Die zusätzlichen Speicher sollen den Eigenverbrauch deutlich steigern, Energiekosten senken und sind Teil eines größeren kommunalen Klimaschutzprogramms. mehr...

Stadtwerke Schwäbisch Hall: Bislang größte PV-Anlage in Betrieb genommen

[27.04.2026] Die Stadtwerke Schwäbisch Hall haben ihre bislang größte Photovoltaikanlage mit 10,8 Megawatt peak in Betrieb genommen. Die Anlage versorgt rechnerisch über 3.000 Haushalte und eröffnet Bürgern zugleich neue Beteiligungsmöglichkeiten an der regionalen Energiewende. mehr...

Lübeck: Neuer Solarthermiepark vorgestellt

[22.04.2026] Der neue Solarthermiepark im Lübecker Stadtteil Moisling speist CO₂-neutrale Wärme in das Fernwärmenetz ein. Die Anlage deckt bereits einen zweistelligen Anteil des lokalen Bedarfs und gilt als zentraler Baustein der kommunalen Wärmewende. mehr...

Stuttgart: Weitere PV-Anlagen auf Schuldächern

[21.04.2026] Neue Photovoltaikanlagen auf zwei Stuttgarter Schulgebäuden steigern die lokale Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Die Projekte liefern jährlich rund 140.000 Kilowattstunden und senken den CO₂-Ausstoß deutlich. mehr...

Mecklenburg-Vorpommern: Flächenkontingent für Solarparks erhöht

[20.04.2026] Mecklenburg-Vorpommern weitet die Möglichkeiten für Freiflächen-Photovoltaikanlagen aus. Das bisherige Kontingent wird nach Angaben des Landes über Zielabweichungsverfahren auf insgesamt 10.000 Hektar erhöht. mehr...

Zwei Personen stehen auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses in Hamburg zwischen mehreren Solarmodulen und sprechen miteinander. Im Hintergrund sind weitere Wohnhäuser zu sehen, deren Dächer ebenfalls mit Photovoltaikanlagen ausgestattet sind. Das Bild zeigt ein Mieterstromprojekt mit gemeinschaftlicher Solarstromnutzung in einem Wohnquartier.

Green Planet Energy: Mieterstrom ohne Vergütung unwirtschaftlich

[14.04.2026] Der geplante Wegfall der Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen könnte Mieterstromprojekte deutlich bremsen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag von Green Planet Energy. mehr...

Solarcarports: Tragwerk macht den Unterschied

[07.04.2026] Solarcarports scheitern in Deutschland häufig an der Tragwerksplanung statt an der Photovoltaiktechnik. Mit wachsendem Flächendruck und politischen Vorgaben rückt damit die ingenieurtechnische Qualität als entscheidender Erfolgsfaktor in den Fokus. mehr...

Aachen: Dynamischer Photovoltaik-Ausbau

[01.04.2026] Der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Aachener Dächern hat sich seit 2020 nahezu verfünffacht. Die Stadt übertrifft damit ihre Klimaziele deutlich und will mit neuer Förderung vor allem Mehrfamilienhäuser und Unternehmen stärker einbinden. mehr...