Samstag, 11. Juli 2026

BerlinNeues Konzept soll KRITIS schützen

[27.05.2026] Berlin verschärft den Schutz Kritischer Energieinfrastrukturen mit einem neuen TOP-Konzept aus technischen, organisatorischen und physischen Maßnahmen. Anlass sind Brandanschläge auf die Stromversorgung, die zuletzt ganze Stadtteile beeinträchtigten und nun umfangreiche Investitionen sowie neue Sicherheitsstandards auslösen.

Sogenannter Nato-Draht soll zum physischen Schutz der KRITIS-Anlagen eingesetzt werden.

(Bildquelle: 123rf/nikvart)

Nach den Brandanschlägen auf die Stromversorgung in Johannisthal und Lichterfelde baut der Berliner Senat den Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) deutlich aus. Wie der Senat mitteilt, bündelt das neue TOP-Konzept technische, organisatorische und physische Maßnahmen zum Schutz besonders neuralgischer Punkte in der Energieversorgung sowie in der Wasser- und Abfallwirtschaft.

Hintergrund sind Sabotageakte im September 2025 und Januar 2026, die zu Versorgungsunterbrechungen führten und Haushalte wie Unternehmen erheblich belasteten. Das Konzept entstand gemeinsam mit Betreibern Kritischer Infrastrukturen und soll die Resilienz der Hauptstadt erhöhen.

Erdverkabelungen geplant

Zu den technischen Maßnahmen zählen zusätzliche Videoüberwachungssysteme, auch im öffentlichen Straßenland, sowie KI-gestützte Angriffserkennung zur Früherkennung möglicher Sabotageakte. Außerdem planen die Betreiber weitere Erdverkabelungen, zusätzliche Georedundanzen und eine stärkere Entflechtung von Kabelbrücken, um besonders verwundbare Knotenpunkte zu reduzieren. Nach Angaben des Senats sind bereits 99 Prozent der Leitungen von Stromnetz Berlin erdverkabelt.

Für den Ausbau und die Modernisierung des Berliner Stromnetzes sind laut Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bis 2029 Investitionen von rund 2,86 Milliarden Euro vorgesehen. Das entspreche einem Plus von 115 Prozent gegenüber dem Zeitraum von 2020 bis 2024. Die Mittel fließen unter anderem in Digitalisierung, Netzausbau und zusätzliche Redundanzen.

Parallel verstärken Betreiber und Behörden ihre organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen. Dazu gehören ein erweiterter Wachschutz mit 24/7-Bewachung, zusätzliche Polizeipräsenz an sensiblen Standorten, verschärfte Zugangskontrollen sowie überarbeitete Krisen- und Notfallpläne. Zudem sollen Katastrophenschutzübungen künftig stärker mit dem Lagezentrum der Innenverwaltung verzahnt werden.

Ausbau des physischen Schutzes

Auch der physische Schutz der Anlagen wird ausgebaut. Geplant sind unter anderem höhere Sicherheitszäune mit Nato-Draht, modernisierte Einhausungen, neue Schließsysteme sowie intelligente Detektionstechnik wie Laser-Perimetersensorik. Ergänzend wollen die Betreiber Beleuchtungs- und Zugangskonzepte erweitern.

Der Senat fordert darüber hinaus Anpassungen bei Finanzierung und Regulierung. Sicherheitsinvestitionen der Betreiber sollen stärker regulatorisch berücksichtigt werden. Gleichzeitig setzt sich Berlin dafür ein, sicherheitsrelevante Daten Kritischer Infrastrukturen besser vor Veröffentlichung zu schützen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf schnelleren Genehmigungsverfahren. Geprüft wird unter anderem, KRITIS-Betreiber bei bestimmten Schutz- und Reparaturmaßnahmen von verkehrsrechtlichen Einzelgenehmigungen zu entlasten, um Bau- und Sicherungsmaßnahmen schneller umsetzen zu können.





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