Mittwoch, 24. Juni 2026

PotsdamVerlängerung von Projekt zur Tiefengeothermie

[24.06.2026] EWP und das GFZ erschließen in Potsdam gemeinsam weitere Standorte für die Tiefengeothermie. Die vierjährige Kooperation soll den Umbau der Wärmeversorgung beschleunigen und den Weg für den Ersatz des bestehenden Heizkraftwerks ebnen.

EWP und GFZ haben jetzt eine vierjährige Kooperation zur Erschließung von tiefengeothermischer Ressourcen geschlossen.

v.l.: Tristan Grüttner, Manager Infrastrukturprojekte der EWP; Til Boehme, Senior Manager Wärme- und Energiewendeprojekte der EWP; Lars-Christian Klinnert, Administrativer Vorstand GFZ; Prof. Dr. Susanne Buiter, Wissenschaftliche Vorständin GFZ; Monty Balisch, kaufmännischer Geschäftsführer der EWP; Carsten Schulte, technischer Geschäftsführer der EWP; Dr. habil. Sven Fuchs, Arbeitsgruppenleiter Hydrothermale Energie, Sektion Geoenergie, GFZ

(Bildquelle: Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP))

Energie und Wasser Potsdam (EWP) und das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung haben einen Projektvertrag zur geothermischen Erschließung weiterer Standorte in Potsdam unterzeichnet. Wie EWP mitteilt, startet damit eine auf vier Jahre angelegte Zusammenarbeit im Rahmen des Programms „Wärme mit Geothermie“, das die Nutzung hydrothermaler Geothermie für die Wärmeversorgung der Landeshauptstadt ausbauen soll.

Ziel ist es, das geothermische Potenzial Potsdams systematisch zu erschließen und dauerhaft in die kommunale Wärmeversorgung einzubinden. Das GFZ übernimmt wissenschaftliche Aufgaben wie Exploration, Reservoirerschließung, Bewirtschaftung und Monitoring. EWP verantwortet als Projektträgerin die Gesamtplanung, die Investitionen, die technische Umsetzung sowie die Integration der Anlagen in das städtische Wärmenetz. Zudem trägt das Unternehmen die wirtschaftliche Verantwortung für Infrastruktur, Anlagenbau und Netzintegration. Der Vertrag läuft bis Ende 2029.

Nach Angaben von EWP liefert das erste große Geothermieprojekt an der Heinrich-Mann-Allee bereits einen Eindruck vom Potenzial der Technologie. Die Anlage soll künftig mehr als vier Megawatt thermische Leistung in das Wärmenetz einspeisen und damit über 6.000 Haushalte versorgen. „Die Zusammenarbeit mit dem GFZ und deren Expertise ermöglicht es uns, dieses Erfolgskonzept auf weitere Standorte zu übertragen“, sagt EWP-Technikgeschäftsführer Carsten Schulte.

Das GFZ gilt als nationales Forschungszentrum für die Geowissenschaften und verfügt über umfangreiche Erfahrung bei Tiefengeothermieprojekten. Wissenschaftliche Vorständin Professorin Susanne Buiter sieht in der Kooperation eine enge Verbindung von Forschung und Praxis. Die Nutzung von Erdwärme könne einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende leisten, zudem seien die geologischen Voraussetzungen in der Region günstig.

Professor Ingo Sass, Leiter der GFZ-Sektion Geoenergie und Projektleiter auf Seiten des Forschungszentrums, verweist auf die besonderen geologischen Bedingungen. Als Teil des Norddeutschen Beckens verfüge Berlin-Brandenburg über mindestens ein halbes Dutzend hydrothermaler Schichten. In Potsdam könnten erstmals mehrere Reservoirhorizonte erschlossen und genutzt werden. Das hätte nach seiner Einschätzung Signalwirkung weit über die Region hinaus.

Die Geothermie ist Teil einer umfassenden Umbaustrategie der Potsdamer Wärmeversorgung. EWP plant insgesamt acht Tiefengeothermieprojekte, um das seit 1995 betriebene Heizkraftwerk schrittweise zu ersetzen. Bis 2030 soll der erste Ablösungsschritt abgeschlossen sein. Künftig soll die Wärme dezentral an mehreren Standorten erzeugt werden. Neben Tiefengeothermie setzt EWP dabei auf Flusswasserwärme sowie ergänzend auf Blockheizkraftwerke und Power-to-Heat-Anlagen. Ziel ist eine langfristig sichere, unabhängige und bezahlbare Wärmeversorgung.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie

Münster: Forschungsbohrung für 2027 geplant

[22.06.2026] In Münster soll 2027 eine Forschungsbohrung prüfen, ob sich heißes Thermalwasser in mehr als einem Kilometer Tiefe nutzen lässt. Das Projekt könnte die Grundlage für eine klimafreundliche Wärmeversorgung legen und wichtige Entscheidungen für die Wärmewende in der Region beeinflussen. mehr...

Schematische Darstellung einer Anlage zur tiefen Geothermie. Die Grafik zeigt einen Querschnitt durch den Untergrund mit mehreren Gesteinsschichten. Zwei Bohrungen reichen bis in rund 3.500 Meter Tiefe zu einer etwa 150 Grad Celsius heißen wasserführenden Schicht. Heißes Wasser wird über eine Förderbohrung an die Oberfläche geleitet, zur Erzeugung von Fernwärme und Elektrizität genutzt und anschließend über eine zweite Bohrung wieder in den Untergrund zurückgeführt. An der Oberfläche sind Gebäude, Felder, Stromleitungen und technische Anlagen dargestellt. Die Beschriftungen „Fernwärme“ und „Elektrizität“ verdeutlichen die Nutzung der geothermischen Energie.

Baden-Württemberg: Landesregierung setzt auf Geothermie

[12.06.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will den Ausbau der tiefen Geothermie vorantreiben. Nach Angaben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sollen Hemmnisse für die Technologie abgebaut werden. Derzeit befinden sich 17 Anlagen im Land in Planung, eine weitere wird gebaut. mehr...

Stadtwerke Husum: Tiefengeothermie für Wärmeversorgung

[02.06.2026] Die Stadtwerke Husum lassen die Möglichkeiten für eine Nutzung von Tiefengeothermie untersuchen. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob und wo Bohrungen möglich sind und unter welchen Voraussetzungen sich das Vorhaben umsetzen lässt. mehr...

München: Geothermie-Messungen im Projekt GIGA-M

[01.06.2026] Mit einer Seismik-Kampagne sollen im Großraum München bislang ungenutzte Erdwärme-Potenziale untersucht werden. Mehrere Stadtwerke und kommunale Unternehmen haben sich dazu im Forschungsprojekt GIGA-M zusammengeschlossen. mehr...

Mehrere weiße Vibro-Trucks stehen auf einer Straße am Rand eines Feldes. Die Spezialfahrzeuge werden für seismische Messungen zur Untersuchung des Untergrunds eingesetzt. Der Himmel ist bewölkt.

Nürnberg: N-ERGIE plant Erdwärmeprojekt

[27.05.2026] N-ERGIE will in der zweiten Jahreshälfte 2026 den Untergrund in und um Nürnberg mit 2D-Seismik-Messungen untersuchen. Die Daten sollen helfen, das Potenzial von Erdwärme in der Region Nürnberg genauer zu bewerten. mehr...

Neuhofen: Informationsveranstaltung zu Tiefengeothermie-Projekt

[22.05.2026] Das Tiefengeothermie-Projekt „Rhein-Pfalz“ hat seine erste Bürgerinformationsveranstaltung in Neuhofen genutzt, um Technik, Bohrungen und Wärmenetzpläne vorzustellen. Das große Interesse der Besucher zeigt, wie stark die regionale Wärmewende und die Aussicht auf langfristig stabile Wärmepreise die Menschen vor Ort beschäftigen. mehr...

Oberschwaben: LGRB startet seismische Messkampagne im Herbst

[20.05.2026] In Oberschwaben beginnt im Oktober 2026 eine groß angelegte 2D-Seismik zur Erkundung tiefer geothermischer Potenziale. Die Messkampagne soll Kommunen und Energieversorgern belastbare Daten für klimaneutrale Wärmeprojekte liefern und gilt als wichtiger Baustein der Wärmewende in Baden-Württemberg. mehr...

Kaiserslautern: Pfälzer Wärme aus dem Untergrund

[07.05.2026] Das Unternehmen Deutsche ErdWärme und die Stadtwerke Kaiserslautern prüfen, ob Geothermie künftig zur Wärmeversorgung der Stadt beitragen kann. Dafür werden Daten aus seismischen Messungen im Untergrund ausgewertet. mehr...

Stadtwerke Münster: Untergrundmodell liefert möglichen Bohrstandort

[06.05.2026] Die Stadtwerke Münster haben aus einer groß angelegten 3D-Seismik ein detailliertes Untergrundmodell bis 6.000 Meter Tiefe erstellt und leiten daraus einen ersten möglichen Bohrstandort für Tiefengeothermie am Stadthafen ab. mehr...

Wuppertal: Machbarkeitsstudie zur tiefen Geothermie

[01.04.2026] Die Fraunhofer IEG und die Wuppertaler Stadtwerke starten eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung tiefer Geothermie in Wuppertal. Die Untersuchung soll klären, ob Erdwärme aus mehreren tausend Metern Tiefe künftig zur klimafreundlichen Wärmeversorgung der Stadt beitragen kann. mehr...

Herrsching am Ammersee: Gymnasium nutzt PVT-Module

[26.03.2026] Ein Gymnasium in Herrsching am Ammersee nutzt erstmals PVT-Module in Kombination mit Geothermie für seine Energieversorgung. Das hybride System reduziert den Bedarf an Erdsonden deutlich und zeigt, wie sich Flächen- und Genehmigungsgrenzen in Neubauten überwinden lassen. mehr...

Praxisforum Tiefengeothermie: Schwerpunkte des Programms

[23.03.2026] Das Praxisforum Tiefengeothermie stellt vier thematische Foren für sein Programm 2026 vor, darunter ein neues Wärmenetz-Forum. Die Veranstaltung in Pullach will zeigen, wie sich die heimische Energiequelle schneller ausbauen lässt und gewinnt vor dem Hintergrund hoher Energiepreise an Brisanz. mehr...

Vulcan Energy: Neuer Bohrplatz in Rohrbach

[18.03.2026] Vulcan Energy baut mit dem Bohrplatz Trappelberg in Rohrbach einen weiteren Standort für sein Geothermie- und Lithiumprojekt Lionheart bei Landau. Der Ausbau soll klimaneutrale Wärme liefern und die industrielle Lithiumgewinnung in der Region voranbringen. mehr...

Plattform Erneuerbare Energien BW: Informationsportal zur Geothermie gestartet

[13.03.2026] Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg hat das Informationsportal Geothermie BW gestartet. Die neue Online-Plattform soll Transparenz über Projekte der tiefen Geothermie schaffen und den fachlichen Austausch zwischen Bürgern, Kommunen und Fachakteuren im Land stärken. mehr...