Freitag, 3. Juli 2026

Fraunhofer-StudieEntlastung durch Batteriespeicher

[03.07.2026] Das deutsche Stromsystem könnte nach einer Analyse des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) jährlich um fast vier Milliarden Euro entlastet werden. Dafür könnten mehr Batteriespeicher sorgen.
Batteriespeicheranlage von INTILION in Halle (Saale) mit mehreren weißen Technikcontainern auf einem Betonfundament unter freiem Himmel

Batteriespeicher: Verbände fordern, regulatorische Hemmnisse beim Speicherausbau abzubauen.

(Bildquelle: INTILION)

Ein schnellerer Ausbau von Batteriespeichern und mehr Flexibilität im Stromsystem könnten nach einer Analyse des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik erhebliche volkswirtschaftliche Einsparungen ermöglichen. Wie der Bundesverband Erneuerbare Energie, der Bundesverband Solarwirtschaft und der Bundesverband WindEnergie mitteilen, wurde die Untersuchung im Auftrag der drei Verbände erstellt.

Nach den Berechnungen hätte eine zusätzliche Speicherleistung von 20 Gigawatt mit einer Speicherdauer von vier Stunden im Zeitraum von Januar 2025 bis Ende Mai 2026 Einsparungen von 5,6 Milliarden Euro ermöglicht. Hochgerechnet auf ein Jahr entspreche dies rund 3,9 Milliarden Euro. Die Entlastungen entstünden durch höhere Marktwerte erneuerbarer Energien, geringere Förderkosten nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), niedrigere Spotmarktpreise und einen günstigeren Stromkosten-Saldo im europäischen Stromhandel.

Negative Strompreise durch Hellbrisen

Nach Angaben der Verbände nehmen mit dem steigenden Anteil von Wind- und Solarstrom Phasen mit sehr hoher gleichzeitiger Einspeisung zu. In diesen sogenannten Hellbrisen komme es häufiger zu sehr niedrigen oder negativen Strompreisen. Dies senke die Marktwerte erneuerbarer Energien, erhöhe den Förderbedarf aus dem Bundeshaushalt und verschärfe die Finanzierungsrisiken neuer Anlagen. Außerdem müsse erneuerbarer Strom zeitweise abgeregelt oder zu sehr niedrigen Preisen exportiert werden.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass zusätzliche Speicher diese Effekte deutlich verringern könnten. Negative Börsenstrompreise würden demnach um fast 70 Prozent sinken. Marktliche Abregelungen könnten um 3,3 Terawattstunden beziehungsweise rund 55 Prozent reduziert werden. Auch die Risiken durch Paragraf 51 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes würden sinken: bei Photovoltaikanlagen um rund 75 Prozent, bei Windenergie an Land um fast 55 Prozent und bei Offshore-Windenergie um fast 60 Prozent.

Preissenkende Wirkung der Erneuerbaren

Zugleich zeigt die Untersuchung nach Angaben der Verbände, dass der Ausbau von Wind- und Solaranlagen bereits heute kostendämpfend wirke. Auch ohne zusätzliche Speicher habe der Ausbau erneuerbarer Energien im untersuchten Zeitraum Nettoeinsparungen von rund 300 Millionen Euro erzielt. Die preissenkende Wirkung zusätzlicher Stromerzeugung sei größer gewesen als die zusätzlichen Förderkosten.

Für die kommenden Jahre sieht der BEE weiteren Handlungsbedarf. Um die Ausbauziele der Bundesregierung von jährlich 20 Gigawatt Photovoltaik und 15 Gigawatt Windenergie besser in das Stromsystem zu integrieren, sei ein stärkerer Speicherausbau erforderlich. Eine vereinfachte Extrapolation der Fraunhofer-Analyse ergebe einen zusätzlichen Bedarf von etwa acht Gigawatt Speicherleistung beziehungsweise 32 Gigawattstunden Speicherkapazität pro Jahr.

Hemmnisse beim Speicherausbau abbauen

Die Verbände fordern deshalb, regulatorische Hemmnisse beim Speicherausbau abzubauen. Dazu zählen beschleunigte und standardisierte Netzanschlussverfahren, der Multi-Use-Betrieb von Batteriespeichern, ein stärkerer Einsatz von Speichern bei Redispatch-Maßnahmen und Netzengpässen sowie vereinfachte Anschlussregeln für Speicher an bestehenden Netzanschlüssen.





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