Montag, 10. August 2026

HamburgTiefengeothermie-Projekt steht kurz vor Inbetriebnahme

[10.08.2026] Hamburgs erstes Tiefengeothermie-Projekt steht vor der Inbetriebnahme. Noch 2026 soll Erdwärme aus mehr als 1.300 Metern Tiefe in das Fernwärmenetz von Wilhelmsburg eingespeist werden.

Foto von den ersten Komponenten der 4-stufigen Wärmepumpenanlage Anfang Juli.

(Bildquelle: Hamburger Energiewerke GmbH)

Die Bauarbeiten an Hamburgs erster Tiefengeothermie-Anlage in Wilhelmsburg haben eine entscheidende Phase erreicht. Die Hauptkomponenten der Wärmepumpenanlage sind installiert, die Inbetriebnahme der Anlagentechnik läuft an. Wie die Hamburger Energiewerke berichten, soll noch in diesem Jahr erstmals geothermische Wärme in das Fernwärmenetz Wilhelmsburg eingespeist werden.

Die Anlage nutzt Thermalwasser aus einer Sandsteinschicht in rund 1.300 bis 1.400 Metern Tiefe. Das Wasser erreicht dort Temperaturen von etwa 48 Grad Celsius. Damit die Wärme in das Fernwärmenetz eingespeist werden kann, hebt eine speziell entwickelte Wärmepumpenanlage das Temperaturniveau auf 75 bis 85 Grad Celsius an.

Der Rohbau des Heizwerks ist inzwischen abgeschlossen. In der Maschinenhalle wurden die Hauptkomponenten von zwei vierstufigen Wärmepumpen montiert. Die Anlage entstand gemeinsam mit dem sächsischen Hersteller WESKA. Bereits vor der Auslieferung wurde sie vollständig im Werk aufgebaut und einem erfolgreichen Werksabnahmetest unterzogen. Vor dem Heizwerk stehen zudem zwei Pufferspeicher, die Lastschwankungen im Wärmenetz ausgleichen sollen.

Thermalwasserkreislauf kommt voran

Auch die Arbeiten am Thermalwasserkreislauf kommen voran. Filtersysteme in der Maschinenhalle sollen Sandpartikel aus dem geförderten Wasser entfernen. Die Thermalwasserpumpe wird derzeit beim Hersteller getestet und anschließend nach Hamburg geliefert. Aufgrund des natürlichen Drucks im Reservoir steigt der Wasserspiegel in der Förderbohrung bereits bis auf etwa 50 Meter unter Geländeoberkante. Deshalb genügt es, die Pumpe in einer Tiefe von rund 450 Metern zu installieren.

Nach Angaben der Hamburger Energiewerke erreicht die Wärmepumpenanlage eine Leistung von rund acht Megawatt. Die beiden vierstufigen Wärmepumpenstränge sollen eine Leistungszahl (COP) von bis zu 4,5 bei einer Temperaturanhebung von 48 auf 75 Grad Celsius erzielen. Durch den mehrstufigen Verdichtungsprozess lässt sich die geothermische Energie vergleichsweise effizient nutzen. Rechnerisch könnte die Anlage mehr als 6.000 Haushalte mit Wärme versorgen.

Die geothermale Wärmeleistung beträgt etwa sechs Megawatt. Das Thermalwasser soll mit einer Förderrate von rund 140 Kubikmetern pro Stunde aus der Lagerstätte gefördert und nach der Wärmeentnahme wieder in den Untergrund zurückgeführt werden. Die erschlossene Sandsteinschicht ist rund 130 Meter mächtig und etwa 45 Millionen Jahre alt.

Teil von Reallabor

Das Projekt wird von der Hamburg Energie Geothermie, einer Tochtergesellschaft der Hamburger Energiewerke, umgesetzt. Es ist Teil des Reallabors Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg (IW3). Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz fördert das Vorhaben mit rund 22,5 Millionen Euro. Ziel ist eine weitgehend CO₂-freie Wärmeversorgung für Wohnquartiere in Wilhelmsburg.

Das bestehende Wärmenetz in Wilhelmsburg entstand aus dem Zusammenschluss der Netze Energiebunker und Energieverbund. Es versorgt derzeit mehr als 3.700 Wohneinheiten. Perspektivisch soll die Tiefengeothermie dort einen wichtigen Beitrag zur Grundlastversorgung leisten, da sie unabhängig von Wetter und Tageszeit kontinuierlich Wärme bereitstellen kann.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie

Badenova: Vorbereitung von Tiefbohrungen

[10.08.2026] Das Geothermieprojekt Erdwärme Breisgau hat die bergrechtliche Genehmigung für die nächste Projektphase erhalten. Badenova und Herrenknecht bereiten nun die Bohrungen vor und investieren gemeinsam in die Erschließung eines Tiefengeothermie-Reservoirs. mehr...

Rheinisches Revier: Vorbereitung zu seismischen Messungen

[27.07.2026] Fraunhofer IEG bereitet seismische Messungen zur Erkundung des geothermischen Potenzials im Rheinischen Revier vor. Die Untersuchungen sollen die Datengrundlage für kommunale Wärmeplanung und künftige Geothermieprojekte verbessern. mehr...

EWP Potsdam: Bohrstart für Tiefengeothermie

[17.07.2026] Die Energie und Wasser Potsdam hat am Heizkraftwerk Süd die Bohrungen zur Erschließung von Tiefengeothermie begonnen. Mit dem Projekt soll eine weitere erneuerbare Wärmequelle für die Fernwärmeversorgung der Landeshauptstadt erschlossen werden. mehr...

München: Große Seismik-Kampagne

[14.07.2026] Im Großraum München beginnt Ende August eine groß angelegte seismische Messkampagne zur Erkundung von Geothermiepotenzialen. Nach Angaben des Forschungsprojekts GIGA-M soll dabei erstmals ein durchgängiges dreidimensionales Modell des tiefen Untergrunds entstehen. mehr...

Ruhrgebiet: Größtes Geothermie-Erlaubnisfeld

[25.06.2026] Im Ruhrgebiet entsteht das bislang größte Geothermie-Untersuchungsfeld in Deutschland. Für das Projekt „Erdwärme Metropole Ruhr“ wurde nun die entsprechende Erlaubnis erteilt. mehr...

Potsdam: Verlängerung von Projekt zur Tiefengeothermie

[24.06.2026] EWP und das GFZ erschließen in Potsdam gemeinsam weitere Standorte für die Tiefengeothermie. Die vierjährige Kooperation soll den Umbau der Wärmeversorgung beschleunigen und den Weg für den Ersatz des bestehenden Heizkraftwerks ebnen. mehr...

Münster: Forschungsbohrung für 2027 geplant

[22.06.2026] In Münster soll 2027 eine Forschungsbohrung prüfen, ob sich heißes Thermalwasser in mehr als einem Kilometer Tiefe nutzen lässt. Das Projekt könnte die Grundlage für eine klimafreundliche Wärmeversorgung legen und wichtige Entscheidungen für die Wärmewende in der Region beeinflussen. mehr...

Schematische Darstellung einer Anlage zur tiefen Geothermie. Die Grafik zeigt einen Querschnitt durch den Untergrund mit mehreren Gesteinsschichten. Zwei Bohrungen reichen bis in rund 3.500 Meter Tiefe zu einer etwa 150 Grad Celsius heißen wasserführenden Schicht. Heißes Wasser wird über eine Förderbohrung an die Oberfläche geleitet, zur Erzeugung von Fernwärme und Elektrizität genutzt und anschließend über eine zweite Bohrung wieder in den Untergrund zurückgeführt. An der Oberfläche sind Gebäude, Felder, Stromleitungen und technische Anlagen dargestellt. Die Beschriftungen „Fernwärme“ und „Elektrizität“ verdeutlichen die Nutzung der geothermischen Energie.

Baden-Württemberg: Landesregierung setzt auf Geothermie

[12.06.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will den Ausbau der tiefen Geothermie vorantreiben. Nach Angaben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sollen Hemmnisse für die Technologie abgebaut werden. Derzeit befinden sich 17 Anlagen im Land in Planung, eine weitere wird gebaut. mehr...

Stadtwerke Husum: Tiefengeothermie für Wärmeversorgung

[02.06.2026] Die Stadtwerke Husum lassen die Möglichkeiten für eine Nutzung von Tiefengeothermie untersuchen. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob und wo Bohrungen möglich sind und unter welchen Voraussetzungen sich das Vorhaben umsetzen lässt. mehr...

München: Geothermie-Messungen im Projekt GIGA-M

[01.06.2026] Mit einer Seismik-Kampagne sollen im Großraum München bislang ungenutzte Erdwärme-Potenziale untersucht werden. Mehrere Stadtwerke und kommunale Unternehmen haben sich dazu im Forschungsprojekt GIGA-M zusammengeschlossen. mehr...

Mehrere weiße Vibro-Trucks stehen auf einer Straße am Rand eines Feldes. Die Spezialfahrzeuge werden für seismische Messungen zur Untersuchung des Untergrunds eingesetzt. Der Himmel ist bewölkt.

Nürnberg: N-ERGIE plant Erdwärmeprojekt

[27.05.2026] N-ERGIE will in der zweiten Jahreshälfte 2026 den Untergrund in und um Nürnberg mit 2D-Seismik-Messungen untersuchen. Die Daten sollen helfen, das Potenzial von Erdwärme in der Region Nürnberg genauer zu bewerten. mehr...

Neuhofen: Informationsveranstaltung zu Tiefengeothermie-Projekt

[22.05.2026] Das Tiefengeothermie-Projekt „Rhein-Pfalz“ hat seine erste Bürgerinformationsveranstaltung in Neuhofen genutzt, um Technik, Bohrungen und Wärmenetzpläne vorzustellen. Das große Interesse der Besucher zeigt, wie stark die regionale Wärmewende und die Aussicht auf langfristig stabile Wärmepreise die Menschen vor Ort beschäftigen. mehr...

Oberschwaben: LGRB startet seismische Messkampagne im Herbst

[20.05.2026] In Oberschwaben beginnt im Oktober 2026 eine groß angelegte 2D-Seismik zur Erkundung tiefer geothermischer Potenziale. Die Messkampagne soll Kommunen und Energieversorgern belastbare Daten für klimaneutrale Wärmeprojekte liefern und gilt als wichtiger Baustein der Wärmewende in Baden-Württemberg. mehr...

Kaiserslautern: Pfälzer Wärme aus dem Untergrund

[07.05.2026] Das Unternehmen Deutsche ErdWärme und die Stadtwerke Kaiserslautern prüfen, ob Geothermie künftig zur Wärmeversorgung der Stadt beitragen kann. Dafür werden Daten aus seismischen Messungen im Untergrund ausgewertet. mehr...