Smart GridGläserner Verbrauch

Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar: Der Stromkunde darf nicht zum gläsernen Verbraucher werden.
(Bildquelle: Bundesregierung/Denzel)
Der erhöhte Energiebedarf, die Verknappung von fossilen Energieressourcen wie Öl, Gas und Kohle sowie die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen erfordern eine nachhaltige Energieversorgung im Sinne einer ressourcenschonenden, umweltfreundlichen und effizienten Produktion, Verteilung und Nutzung von Energie. Intelligente Energienetze und -zähler – so genannte Smart Grids und Smart Meter – sind zentrale Bausteine zur Sicherstellung einer solchen nachhaltigen Energieversorgung. Der bei der Erfassung des Energieverbrauchs erzielte Detaillierungsgrad birgt jedoch ein hohes Ausforschungspotenzial für die Lebensgewohnheiten der Betroffenen, bis in den Kernbereich privater Lebensgestaltung hinein.
Transparente Nutzung
Viele unserer Aktivitäten in Beruf, Familie und Freizeit sind technikgestützt und spiegeln sich in einem nach Energieeinsatz und Nutzungszeit spezifizierten Verbrauchsprofil wider. Da eine sekundengenaue Verbrauchserfassung technisch möglich ist, können differenzierte Nutzungsprofile erstellt werden, gegebenenfalls sogar bezogen auf das einzelne verwendete Gerät. Punktuell und in Echtzeit wird die jeweilige Aktivität erkennbar. Über den Tag ergibt sich dadurch ein Ablaufprotokoll, das wesentliche Informationen für ein Persönlichkeitsprofil enthält.
Der Datenschutz muss bereits bei der Planung der Infrastruktur, in welche die intelligenten Stromzähler eingebettet werden, berücksichtigt werden. Denn um die Energienetze optimal steuern zu können, ist im Smart Grid die Erfassung von so genannten Netzzustandsdaten erforderlich. Hierzu zählen Spannungs-, Frequenz- und Stromwerte sowie Phasenwinkel. Werden diese Daten mit der Kennung des jeweiligen Hausanschlusses in Beziehung gesetzt, entsteht ein unmittelbares Bild über den aktuellen Stromverbrauch des einzelnen Haushalts. Daher unterliegen diese Daten einem besonderen Schutz. Nach den Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes dürfen sie personenbezogen nur in begründeten und zu dokumentierenden Fällen erhoben und verarbeitet werden. Dementsprechend sieht eine Technische Richtlinie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für die Netzzustandsdaten grundsätzlich eine Pseudonymisierung durch das Smart Meter Gateway vor. Die entsprechenden Daten dürfen weder unter dem Namen noch unter der Kundennummer dem einzelnen Energieverbraucher zugeordnet werden.
Datenschutzgerecht smart
Durch ein umfassendes datenschutzkonformes Konzept für die neuen Messtechniken kann vermieden werden, dass der Stromkunde zu einem gläsernen Verbraucher wird. Auch die IT-Sicherheit, insbesondere die Gewährleistung der Vertraulichkeit und Manipulationssicherheit der Messeinrichtungen, ist bei der Konzeption intelligenter Stromnetze zu berücksichtigen. Das Smart Grid eröffnet grundsätzlich Einwirkungsmöglichkeiten auf die Endgeräte über das Netz. Die damit verbundenen Risiken bis hin zu systematischen Angriffen auf die Energieversorgung dürfen nicht unterschätzt werden.
Inzwischen gibt es Lösungen, die ohne Abstriche an der Funktionalität auch dem Datenschutz der Nutzer Rechnung tragen und so den gläsernen Energieverbraucher verhindern. Bei der Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes 2011 konnten umfassende Datenschutzregelungen erreicht werden. Sie sehen eine enge Zweckbindung für den Umgang mit sensiblen Verbrauchsdaten sowie verbindliche Standards für die Datensicherheit vor. Außerdem wird gesetzlich vorgegeben, dass für den Umgang mit personenbezogenen Daten mithilfe intelligenter Messsysteme solchen Lösungen der Vorzug zu geben ist, die ohne, beziehungsweise mit möglichst wenigen personenbezogenen Daten auskommen.
Eine im Juni 2012 von der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder herausgegebene Orientierungshilfe gibt Empfehlungen zur datenschutzgerechten Konzeption von Smart Metering. Anhand von Anwendungsfällen wird beschrieben, wie die Zweckbindung und Datensparsamkeit in der Praxis umgesetzt werden können. Die Orientierungshilfe zum datenschutzgerechten Smart Metering ist unter www.datenschutz.bund.de veröffentlicht.
Sicher ohne Nachteil
Auf Anregung des Bundesdatenschutzbeauftragten hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ein Schutzprofil für Smart Meter erarbeitet. Gewünscht war dabei insbesondere, die technischen Anforderungen an intelligente Messsysteme so auszugestalten, dass der Verbraucher stets die Wahlmöglichkeit für eine datenschutzfreundliche Lösung hat, ohne dadurch Nachteile befürchten zu müssen. Positiv zu bewerten ist, dass im Schutzprofil eine lokale, kryptografisch gesicherte Schnittstelle zum Verbraucher vorgesehen ist, über die er die detaillierten Verbrauchswerte abrufen kann. So kann vermieden werden, dass Dritte diese sensiblen Informationen zur Kenntnis nehmen.
Nicht nur in Deutschland wird über die Datenschutzanforderungen an intelligente Energienetze und -zähler diskutiert. So hat die EU-Kommission Empfehlungen zu Vorbereitungen für die Einführung intelligenter Messsysteme herausgegeben, die auch Anforderungen an den Schutz der Privatsphäre enthalten. An den weiteren Arbeiten auf EU-Ebene wird sich auch der Bundesdatenschutzbeauftragte beteiligen.
Dieser Beitrag ist in der Mai-Ausgabe von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
BDEW: Schnellere Genehmigungen für den Netzausbau
[19.06.2026] Der BDEW hat Vorschläge zur Beschleunigung des Stromnetzausbaus vorgelegt. Nach Angaben des Verbands könnten Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz und im Infrastruktur-Zukunftsgesetz dazu beitragen, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu verkürzen. Im Fokus stehen Vereinfachungen bei der Modernisierung bestehender Netze und bei Genehmigungsprozessen. mehr...
bne: Studie verweist auf Rekordrenditen bei VNB
[18.06.2026] Eine Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft zeigt Rekordrenditen bei Deutschlands größten Verteilnetzbetreibern. Gleichzeitig verschärfen sich die Probleme beim Netzausbau und bei neuen Netzanschlüssen für die Energiewende. mehr...
TransnetBW/EWE Netz: Energiewende-App bald in Niedersachsen verfügbar
[18.06.2026] Die Energiewende-App StromGedacht wird künftig auch im Netzgebiet von EWE Netz in Niedersachsen verfügbar sein. Die Kooperation mit TransnetBW erweitert das Konzept netzdienlichen Verbrauchs erstmals auf ein großes Verteilnetz und soll Verbraucher stärker in die Netzstabilisierung einbinden. mehr...
Mitnetz Strom: Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Planung
[16.06.2026] Mitnetz Strom setzt beim Bau einer neuen Hochspannungsleitung auf einen frühen und intensiven Dialog mit den Bürgern. Der Netzbetreiber will Konflikte vermeiden, die Feinplanung verbessern und Akzeptanz für den Ausbau der Energieinfrastruktur schaffen. mehr...
Netzanschluss: Software beschleunigt Berechnungen
[12.06.2026] Das Kölner Unternehmen envelio hat nach eigenen Angaben eine neue Technologie für die Berechnung von Stromnetzen entwickelt. Die Lösung soll Netzsimulationen erheblich beschleunigen und damit Netzanschlüsse schneller ermöglichen. mehr...
KIT: Transparenz für KI-gestützte Vorhersagen in Energiesystemen
[05.06.2026] KIT-Forschende haben mit SHAPformer eine Methode entwickelt, die KI-gestützte Vorhersagen für Energiesysteme nachvollziehbar macht. Die Lösung soll Transparenz bei kritischen Anwendungen wie Stromnetzsteuerung, Lastprognosen und Strompreisvorhersagen erhöhen und regulatorische Anforderungen erfüllen. mehr...
Hamburger Energienetze: Start von Fair-Grid-Projekt
[02.06.2026] Die Hamburger Energienetze führen mit Fair Grid ein neues Vergabeverfahren für große Stromanschlüsse ein. Das Projekt soll knappe Netzkapazitäten fair verteilen und reagiert auf den stark steigenden Leistungsbedarf durch Rechenzentren, Batteriespeicher und die Energiewende. mehr...
Smight/Thüga SmartService/Robotron: Vollständige Steuerkette umgesetzt
[06.05.2026] Smight, Thüga SmartService und Robotron haben eine vollständige Steuerkette nach §14a EnWG erstmals im Realbetrieb durchgängig umgesetzt. Damit steht Verteilnetzbetreibern eine standardkonforme End-to-End-Architektur zur Verfügung, die Netzengpässe automatisiert erkennt, marktseitig verarbeitet und steuernd auf Verbrauchseinrichtungen zugreift. mehr...
Pilotprojekt: Wärmepumpen entlasten Stromnetz
[27.04.2026] Wärmepumpen können als flexible Verbraucher aktiv zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. Ein Pilotprojekt von Viessmann Climate Solutions mit Übertragungsnetzbetreibern zeigt erstmals unter Realbedingungen, wie sich Haushaltsgeräte ins Engpassmanagement integrieren lassen. mehr...
München: Supraleitung für Stromnetz soll kommen
[16.04.2026] Die Stadtwerke München und der Kabelhersteller NKT möchten ihre Zusammenarbeit ausbauen. Ziel ist ein besonders leistungsfähiges Stromkabel im Zentrum der Stadt. Es könnte das weltweit längste supraleitende Hochspannungssystem werden. mehr...
Voltaris-Expertengespräch: Fachkräfte bleiben Engpass beim Smart-Meter-Roll-out
[15.04.2026] Der Einbau intelligenter Messsysteme in Deutschland nimmt Fahrt auf, bleibt aber hinter den langfristigen Zielen zurück. Das wurde bei einem digitalen Expertengespräch des Messdienstleisters Voltaris deutlich. Als größte Hürden nannten die Fachleute fehlende Montagekapazitäten, Datenqualität und technische Anbindung. mehr...
Hager: Zählerplätze für EnWG-Vorgaben
[09.04.2026] Seit 2024 gelten für leistungsstarke Stromverbraucher neue gesetzliche Anforderungen. Diese sollen dabei helfen, die Stromnetze bei steigender Belastung stabil zu halten. Der Hersteller Hager präsentiert dazu angepasste Lösungen für Zählerplätze. mehr...
Netzentwicklungsplan: Zweiten Entwurf bei Bundesnetzagentur eingereicht
[18.03.2026] Die Übertragungsnetzbetreiber haben den zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 veröffentlicht. Der Plan integriert nun auch das Szenario C und zeigt damit neue Perspektiven für den Ausbau des Höchstspannungsnetzes. mehr...
Stadtwerke Konstanz: Installation von Transformator
[10.03.2026] Die Stadtwerke Konstanz haben im Umspannwerk Weiherhof einen neuen 40-MVA-Transformator installiert. Der Ausbau reagiert auf den stark steigenden Strombedarf durch Wärmepumpen, Elektromobilität und neue Baugebiete und ist Teil einer langfristigen Netzstrategie. mehr...
Smight: Lösung integriert Kurzschlussanzeiger
[09.03.2026] Das Smight Grid2 Gateway Plus bindet erstmals Kurzschlussanzeiger aus der Mittelspannung direkt in eine Lösung zur Netzüberwachung ein. Verteilnetzbetreiber können damit Störungen schneller lokalisieren und erhalten gleichzeitig zusätzliche Transparenz über die Niederspannung. mehr...














