Sonntag, 22. März 2026

WilkenOffenes Konzept als Alternative

[24.05.2016] Der Software-Spezialist Wilken hat mit dem P/5 SMGA Interface eine Lösung entwickelt, an die unterschiedliche Systeme für die Smart-Meter-Gateway-Administration andocken können.
Das IT-Unternehmen Wilken präsentiert eine Software

Das IT-Unternehmen Wilken präsentiert eine Software, an die unterschiedliche Systeme für die Smart-Meter-Gateway-Administration andocken können.

(Bildquelle: MEV Verlag/PEAK Agentur für Kommunikation)

Auch wenn sich die Verabschiedung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende noch bis in den Herbst ziehen wird, ist klar, dass es ab 2017 mit dem Roll-out der intelligenten Messsysteme (iMSys) ernst werden wird. Das bedeutet aber auch, dass es für die Versorgungsunternehmen höchste Zeit ist, sich darauf vorzubereiten. Dabei spielt die Frage nach dem Aufwand eine zentrale Rolle. Der wird aber nicht nur durch den Preis für eine entsprechende Lösung definiert, sondern vor allem auch durch die dazugehörigen Prozesskosten. Und die können – je nach Lösung – sehr unterschiedlich ausfallen. Das Problem fasst Gerd Gillich, Bereichsleiter im Produkt-Management Versorgungswirtschaft beim Software-Anbieter Wilken, so zusammen: „Die Frage stellt sich, ob die Prozesse zwischen den externen Systemen der Dienstleister für die Smart-Meter-Gateway-Administration und den im Hause eingesetzten Lösungen integriert und ohne große Systembrüche laufen, oder ob Parallelsysteme aufgebaut werden müssen.“ Und der Kostenfaktor sei gerade beim Thema Smart-Meter-Gateway-Administration (SMGA) eine ganz zentrale Herausforderung. „Trotz aller Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Vorfeld ist sich die Branche einig, dass die Kosten für den iMSys-Roll-out nur ausgesprochen schwer wirtschaftlich dargestellt werden können. Schon aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, nicht noch eine SMGA-Lösung zu entwickeln, sondern eine offene Integrationsschicht, an die die unterschiedlichsten Systeme andocken können“, beschreibt Gillich den Ansatz. Der Vorteil: Die SMGA- und iMSys-Roll-out-Prozesse laufen integriert mit den Kernsystemen – von der Installation der Geräte über die regelkonforme Marktkommunikation bis hin zur Abrechnung.

Einbindung von Partnern

Das modulare Konzept, bei dem Lösungen von Wilken-Partnern wie Kisters, MeterPan oder co.met, aber auch von anderen SMGA-Anbietern, einfach eingebunden werden können, bietet für den Anwender zahlreiche Vorteile: So werden die elektronischen Lieferscheine für die Gateways und die digitalen Zähler direkt in die Geräteverwaltung der beiden Wilken-Branchenlösungen ENER:GY oder NTS.suite eingespielt. Für die Planung von Roll-outs und Gerätewechseln stellen beide Systeme dann Informationen über die verbauten Zähler, deren Eichfristen oder über die Pflichteinbauquoten zur Verfügung. Digitale Checklisten unterstützen die Ist-Aufnahme der Einbausituation vor Ort. Sämtliche für das Workforce- und Roll-out-Management notwendigen Daten sind somit an zentraler Stelle abgelegt und werden von dort aus an die beteiligten Anwendungen verteilt. Ein besonderer Vorteil ist auch, dass die alte und neue Zählerwelt prozessidentisch abgebildet sind. Auf diese Weise können sämtliche Messeinrichtungen – digital wie analog – über ein einziges System verwaltet werden. Für den Roll-out, der ja erst 2032 abgeschlossen sein wird, sind somit keine Parallelstrukturen erforderlich. Auch die Abrechnung der Messstellen erfolgt integriert über ENER:GY oder NTS.suite, sodass keine Nebenabrechnung notwendig ist. Das gilt für den Netzbetreiber ebenso wie für den Messstellenbetreiber und den Lieferanten. Die integrierte Prozessabbildung erleichtert vor allem Letzteren das Leben, denn über das P/5 SMGA Interface lässt sich auch die Kommunikation mit anderen SMGAs in unterschiedlichen Netzgebieten abbilden. Die Integrationsschicht ermöglicht darüber hinaus die Visualisierung der Verbrauchsdaten über Portale oder mobile Anwendungen.

Anwender sind überzeugt

Dieser Ansatz stößt auch bei den Anwendern auf Zustimmung. Etwa bei den Stadtwerken Winsen an der Luhe, die im Bereich der Photovoltaikanlagen bereits erste Erfahrungen mit den neuen intelligenten Messsystemen von MeterPan und der Prozessintegration gesammelt haben. „Wir konnten die damit zusammenhängenden Prozesskosten innerhalb kürzester Zeit und in deutlichem Umfang reduzieren. Die installierten Zähler liefern zuverlässig Daten und bei der Jahresabrechnung der PV-Anlagen stehen diese dann ohne weiteren Aufwand im Wilken-System zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir für die Berechnung von Referenzlastgängen erheblich mehr echte Werte. Weil das insgesamt so gut funktioniert, entwickeln wir derzeit die Planung dafür, alle PV-Anlagen mit MeterPan-Messsystemen auszustatten“, berichtet Jan Löwner, Leiter Shared Services Stadtwerke Winsen an der Luhe. Auch Marc-Oliver Gries, Leiter Vertrieb Netze, Stadtwerke Norderstedt, setzt auf den modularen Ansatz. „Die Zusammenarbeit mit MeterPan und die vollständige Integration ins Wilken-System stellt für uns einen entscheidenden Baustein für die technische Umsetzung unserer SMGA-Strategie dar. Denn damit haben wir erheblich mehr Zukunftssicherheit und planerische Flexibilität als mit anderen Anbietern. Und wir sind in wichtigen Aspekten technisch ganz weit vorn – wie zum Beispiel bei der Mehrspartenablesung“, fasst Gries zusammen. Auch die co.met-Kunden sehen den modularen Ansatz als zukunftsweisend: „Die Kooperation von co.met und Wilken und vor allem der fachbezogene Austausch rund um die Herausforderungen des Roll-outs intelligenter Messsysteme werden nach unserer Erwartung zu praxisbezogenen Lösungsansätzen führen“, sagt Stefan Winkler, Prokurist bei den Stadtwerken Amberg.

Umfangreiche Unterstützungsangebote

Für die Integration sorgt das P/5 SMGA Interface, eines der ersten Produkte für die Versorgungswirtschaft, das auf Basis der neuen Wilken-Entwicklungsplattform P/5 entwickelt wurde. Sie bietet eine durchgängige Prozessorientierung, die hohe Automatisierbarkeit von Abläufen sowie die Möglichkeit zur Umsetzung individueller Lösungen. Deswegen ist auch die Anbindung weiterer SMGA-Anbieter ohne große Aufwände möglich. Voraussetzung ist jedoch eine Zertifizierung durch Wilken oder Wilken Neutrasoft. Um den Aufwand für die Versorgungsunternehmen gering zu halten, bieten Wilken und seine Partner umfangreiche Unterstützungsangebote. Dazu gehört die vollständige Auslagerung des SMGA-Prozesses über die Full-Service-Tochter Wilken PRO. Dazu kommen weitergehende Dienstleistungen durch die Partner, etwa Beratungsangebote für die Roll-out-Planung. Auch Outsourcing-Angebote, wie der Betrieb der co.met- beziehungsweise MeterPan-Lösungen im TÜV-zertifizierten Wilken Rechenzentrum, gehören zum Portfolio.

Uwe Pagel ist Geschäftsführer der Press’n’Relations GmbH, Ulm.




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