Samstag, 20. Juni 2026

LBEGSchicht im Schacht Steinförde

[23.07.2024] Eine geplante geothermische Nachnutzung des Kalischachts Steinförde in Wietze wird nicht umgesetzt. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und der Verein Geoenergy Celle haben festgestellt, dass die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind.
12 Uhr Mittags: Thomas Finkeldey

12 Uhr Mittags: Thomas Finkeldey, Altbergbau-Spezialist des LBEG (li.), und Wolfgang Genannt vom Verein Geoenergy Celle diskutieren an der Baustelle des Schachtes Steinförde in Wietze über Geothermie.

(Bildquelle: LBEG/Eike Bruns)

Eine Nutzung des Kalischachts Steinförde in Wietze (Landkreis Celle) für die Gewinnung von Erdwärme wird nicht erfolgen. Wie das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mitteilt, wurde nach einer von ihr durchgeführten Untersuchung (wir berichteten) und einer anschließenden wirtschaftlichen Bewertung durch den Verein Geoenergy Celle entschieden, dass eine geothermische Nachnutzung unwirtschaftlich wäre.
LBEG-Präsident Carsten Mühlenmeier betont, dass die Untersuchung von ehemaligen Bergwerken auf ihre Eignung für Geothermie wichtig ist, da diese ein wertvoller Baustein der Wärmewende darstellen kann. Das LBEG ist neben seiner Rolle als Gefahrenabwehrbehörde auch als Geothermiedienst für Niedersachsen tätig und berät fachlich neutral und wirtschaftlich unabhängig zur Nutzung von Erdwärme.

Schachtzustand ist problematisch

Der Schacht Steinförde, der seit 1925 stillgelegt ist und derzeit mit Wasser gefüllt ist, hätte ein erstes Projekt dieser Art werden können. Da es keinen Rechtsnachfolger des ehemaligen Betreiberunternehmens gibt, liegt die Verantwortung für die Sicherung des Schachts beim LBEG. Ursprünglich wurde untersucht, ob im Zuge der notwendigen Verfüllung des Schachts auch Erdwärmesonden eingebaut werden könnten, um Wärme aus dem Bergwerk für die Energieversorgung zu nutzen.
Laut Thomas Finkeldey, Spezialist für die Sanierung ehemaliger Bergwerke beim LBEG, ist der Zustand des Schachts jedoch problematisch. Eine Barriere auf 60 Metern Tiefe stellte eine erhebliche Hürde dar, und Untersuchungen zeigten, dass die Innenwände des Schachts ab 275 Metern Tiefe eingestürzt sind. Dies hat zur Folge, dass der Schacht nur noch etwa 450 Meter tief ist, statt der ursprünglich 730 Meter.
Wolfgang Genannt, Vorstand des Vereins Geoenergy Celle, erläuterte, dass drei Hauptgründe gegen eine wirtschaftliche Nachnutzung sprechen: der hohe Aufwand für das Durchbohren der Barriere auf 60 Metern Tiefe, die niedrigeren Temperaturen auf 450 Metern im Vergleich zu 730 Metern und die notwendigen Sicherungsmaßnahmen aufgrund der maroden Innenwände.

Kosten übersteigen die anderer Lösungen

Angesichts dieser Faktoren übersteigen die Kosten für eine geothermische Nachnutzung die anderer geothermischer Lösungen. Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann bedauert die Entscheidung, bleibt jedoch realistisch: „Aber natürlich hat auch keiner garantieren können, dass der Schacht auf jeden Fall für Erdwärme nachgenutzt werden kann.“ Geothermie bleibe weiterhin ein wichtiges Thema für die kommunale Wärmeplanung.
Das LBEG plant weiterhin die Untersuchung von ehemaligen Bergwerken auf ihre Eignung für Geothermie. In der Nachbargemeinde Hambühren steht bereits das nächste Projekt an. Der Schacht Steinförde wird jedoch nun verfüllt, um ihn dauerhaft zu sichern und die Oberfläche wieder nutzbar zu machen. Diese Arbeiten sollen im kommenden Jahr erfolgen.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie
Schematische Darstellung einer Anlage zur tiefen Geothermie. Die Grafik zeigt einen Querschnitt durch den Untergrund mit mehreren Gesteinsschichten. Zwei Bohrungen reichen bis in rund 3.500 Meter Tiefe zu einer etwa 150 Grad Celsius heißen wasserführenden Schicht. Heißes Wasser wird über eine Förderbohrung an die Oberfläche geleitet, zur Erzeugung von Fernwärme und Elektrizität genutzt und anschließend über eine zweite Bohrung wieder in den Untergrund zurückgeführt. An der Oberfläche sind Gebäude, Felder, Stromleitungen und technische Anlagen dargestellt. Die Beschriftungen „Fernwärme“ und „Elektrizität“ verdeutlichen die Nutzung der geothermischen Energie.

Baden-Württemberg: Landesregierung setzt auf Geothermie

[12.06.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will den Ausbau der tiefen Geothermie vorantreiben. Nach Angaben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sollen Hemmnisse für die Technologie abgebaut werden. Derzeit befinden sich 17 Anlagen im Land in Planung, eine weitere wird gebaut. mehr...

Stadtwerke Husum: Tiefengeothermie für Wärmeversorgung

[02.06.2026] Die Stadtwerke Husum lassen die Möglichkeiten für eine Nutzung von Tiefengeothermie untersuchen. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob und wo Bohrungen möglich sind und unter welchen Voraussetzungen sich das Vorhaben umsetzen lässt. mehr...

München: Geothermie-Messungen im Projekt GIGA-M

[01.06.2026] Mit einer Seismik-Kampagne sollen im Großraum München bislang ungenutzte Erdwärme-Potenziale untersucht werden. Mehrere Stadtwerke und kommunale Unternehmen haben sich dazu im Forschungsprojekt GIGA-M zusammengeschlossen. mehr...

Mehrere weiße Vibro-Trucks stehen auf einer Straße am Rand eines Feldes. Die Spezialfahrzeuge werden für seismische Messungen zur Untersuchung des Untergrunds eingesetzt. Der Himmel ist bewölkt.

Nürnberg: N-ERGIE plant Erdwärmeprojekt

[27.05.2026] N-ERGIE will in der zweiten Jahreshälfte 2026 den Untergrund in und um Nürnberg mit 2D-Seismik-Messungen untersuchen. Die Daten sollen helfen, das Potenzial von Erdwärme in der Region Nürnberg genauer zu bewerten. mehr...

Neuhofen: Informationsveranstaltung zu Tiefengeothermie-Projekt

[22.05.2026] Das Tiefengeothermie-Projekt „Rhein-Pfalz“ hat seine erste Bürgerinformationsveranstaltung in Neuhofen genutzt, um Technik, Bohrungen und Wärmenetzpläne vorzustellen. Das große Interesse der Besucher zeigt, wie stark die regionale Wärmewende und die Aussicht auf langfristig stabile Wärmepreise die Menschen vor Ort beschäftigen. mehr...

Oberschwaben: LGRB startet seismische Messkampagne im Herbst

[20.05.2026] In Oberschwaben beginnt im Oktober 2026 eine groß angelegte 2D-Seismik zur Erkundung tiefer geothermischer Potenziale. Die Messkampagne soll Kommunen und Energieversorgern belastbare Daten für klimaneutrale Wärmeprojekte liefern und gilt als wichtiger Baustein der Wärmewende in Baden-Württemberg. mehr...

Kaiserslautern: Pfälzer Wärme aus dem Untergrund

[07.05.2026] Das Unternehmen Deutsche ErdWärme und die Stadtwerke Kaiserslautern prüfen, ob Geothermie künftig zur Wärmeversorgung der Stadt beitragen kann. Dafür werden Daten aus seismischen Messungen im Untergrund ausgewertet. mehr...

Stadtwerke Münster: Untergrundmodell liefert möglichen Bohrstandort

[06.05.2026] Die Stadtwerke Münster haben aus einer groß angelegten 3D-Seismik ein detailliertes Untergrundmodell bis 6.000 Meter Tiefe erstellt und leiten daraus einen ersten möglichen Bohrstandort für Tiefengeothermie am Stadthafen ab. mehr...

Wuppertal: Machbarkeitsstudie zur tiefen Geothermie

[01.04.2026] Die Fraunhofer IEG und die Wuppertaler Stadtwerke starten eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung tiefer Geothermie in Wuppertal. Die Untersuchung soll klären, ob Erdwärme aus mehreren tausend Metern Tiefe künftig zur klimafreundlichen Wärmeversorgung der Stadt beitragen kann. mehr...

Herrsching am Ammersee: Gymnasium nutzt PVT-Module

[26.03.2026] Ein Gymnasium in Herrsching am Ammersee nutzt erstmals PVT-Module in Kombination mit Geothermie für seine Energieversorgung. Das hybride System reduziert den Bedarf an Erdsonden deutlich und zeigt, wie sich Flächen- und Genehmigungsgrenzen in Neubauten überwinden lassen. mehr...

Praxisforum Tiefengeothermie: Schwerpunkte des Programms

[23.03.2026] Das Praxisforum Tiefengeothermie stellt vier thematische Foren für sein Programm 2026 vor, darunter ein neues Wärmenetz-Forum. Die Veranstaltung in Pullach will zeigen, wie sich die heimische Energiequelle schneller ausbauen lässt und gewinnt vor dem Hintergrund hoher Energiepreise an Brisanz. mehr...

Vulcan Energy: Neuer Bohrplatz in Rohrbach

[18.03.2026] Vulcan Energy baut mit dem Bohrplatz Trappelberg in Rohrbach einen weiteren Standort für sein Geothermie- und Lithiumprojekt Lionheart bei Landau. Der Ausbau soll klimaneutrale Wärme liefern und die industrielle Lithiumgewinnung in der Region voranbringen. mehr...

Plattform Erneuerbare Energien BW: Informationsportal zur Geothermie gestartet

[13.03.2026] Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg hat das Informationsportal Geothermie BW gestartet. Die neue Online-Plattform soll Transparenz über Projekte der tiefen Geothermie schaffen und den fachlichen Austausch zwischen Bürgern, Kommunen und Fachakteuren im Land stärken. mehr...

Fraunhofer IEG: Studie belegt Geothermie-Potenzial von verkarsteten Kalkgesteinen

[11.03.2026] Verkarstete Kalkgesteine in zwei bis drei Kilometern Tiefe könnten in Nordrhein-Westfalen ein bislang unterschätztes Reservoir für geothermische Wärme sein. Neue Bohrkernanalysen aus Iserlohn zeigen, welches Potenzial diese Gesteinsschichten für Wärmenetze und Industrieversorgung besitzen. mehr...

GeoTHERM expo & congress: Messe bestätigt ihren Stellenwert

[06.03.2026] Die GeoTHERM expo & congress 2026 in Offenburg hat ihre Rolle als führende europäische Fachmesse für Geothermie erneut bestätigt. Mehr Besucher, starke internationale Beteiligung und ein Innovationspreis für ein neues seismisches Erkundungsfahrzeug zeigen, wie dynamisch sich die Branche im Zuge der Wärmewende entwickelt. mehr...