Freitag, 5. Juni 2026

CloudlösungenSchlüssel für die digitale Transformation

[13.02.2025] Im Zentrum der globalen Bemühungen um eine nachhaltige, effiziente und widerstandsfähige Energieversorgung steht die Energiewirtschaft. Die digitale Transformation ist der Schlüssel zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Cloudtechnologien spielen dabei eine zentrale Rolle.

Cloudtechnologien sind der Schlüssel für eine nachhaltige, effiziente und widerstandsfähige Energieversorgung.

(Bildquelle: stock.adobe.com/Mego-studio)

Die Energiewirtschaft steht vor drei zentralen Herausforderungen, die jeweils den Einsatz von Cloudtechnologien notwendig machen. Erstens führt der Ausbau von Wind- und Solarenergie zu einer dezentralen Energieerzeugung. Das erfordert flexible und intelligente Systeme, mit denen sich Angebot und Nachfrage in Echtzeit steuern lassen. Cloudtechnologien bieten dabei die nötige Rechen- und Speicherleistung, um die enormen Datenmengen effizient zu verarbeiten und innovative Lösungen wie virtuelle Kraftwerke zu ermöglichen.

Enorme Datenmengen

Zweitens erzeugen smarte Zähler, Sensoren und IoT-Geräte enorme Datenmengen, die analysiert und in Entscheidungsprozesse integriert werden müssen. Lokale Rechenzentren stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Cloudplattformen ermöglichen es, diese Daten skalierbar, flexibel und damit kosteneffizient zu verarbeiten. Drittens erfordern strenge Vorgaben zur Transparenz und Nachverfolgbarkeit robuste und sichere IT-Systeme. Cloudanbieter stellen oft bereits zertifizierte, konforme Lösungen bereit, die den Einstieg erleichtern. Resilienz und Sicherheit sind auch für Cloudanbieter ein zentraler Faktor, daher investieren sie erheblich in Sicherheitsmaßnahmen auf globaler Ebene, die mit lokalen Lösungen in diesem Umfang nicht zu erreichen sind.

Der digitale Wandel der Energiewirtschaft stellt Unternehmen nicht nur vor neue Probleme, sondern erhöht zugleich die Abhängigkeit von digitalen Technologien. In diesem Kontext gewinnt das Konzept der digitalen Souveränität an Bedeutung. Die digitale Souveränität ist nicht nur ein abstraktes politisches Ziel, sondern ein konkreter wirtschaftlicher und technologischer Vorteil. Für die Energiewirtschaft ist sie ein wesentlicher Faktor für Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation.

Selbstbestimmt und unabhängig

Digital souverän zu sein bedeutet, die Kontrolle über Daten und IT-Systeme zu behalten und selbstbestimmt im digitalen Raum agieren zu können. Dies wird durch eine Balance zwischen verschiedenen, oft konkurrierenden Dimensionen erreicht: Kontrolle, Investitionsbedarf und Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig umfasst Souveränität Faktoren wie Sicherheit, Autarkie, Regionalität, Flexibilität und Widerstandsfähigkeit – sowohl technologisch als auch organisatorisch.

In stark regulierten Branchen wie dem Energiesektor steigen die Anforderungen an die Kontrolle und Widerstandsfähigkeit der IT-Systeme kontinuierlich. Diese Veränderungen führen zwangsläufig zu einem Umdenken in den IT-Architekturen. Dabei geht es weniger um vollständige Unabhängigkeit als vielmehr um nachhaltige Entscheidungsfreiheit und Resilienz im Umgang mit Technologien und Dienstleistern. Digitale Souveränität schafft damit die Grundlage für zukunftsfähige IT-Strategien und stärkt Organisationen in einer global vernetzten Welt.

Drei Ebenen

Die digitale Souveränität konstituiert sich aus drei Ebenen: Data Residency, Operator Access Restriction und Resiliency/Survivability. Data Residency beschreibt die physische Speicherung von Daten in bestimmten Regionen oder Ländern, um gesetzliche Vorgaben und Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Operator Access Restriction meint den Schutz vor unbefugtem Zugriff. Denn ein essenzieller Aspekt der digitalen Souveränität ist, dass die Betreiber der Cloudplattform keinen Zugriff auf Kundendaten haben – ein besonders wichtiger Punkt für KRITIS-Unternehmen. Resiliency und Survivability betreffen die Stabilität und Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur. Die Resilienz und Überlebensfähigkeit digitaler Systeme sind besonders in der Energiewirtschaft von entscheidender Bedeutung, da Ausfälle weitreichende Konsequenzen haben können. In Krisensituationen wie zum Beispiel Cyberangriffen oder Naturkatastrophen kann eine Cloudin­frastruktur helfen, Systeme schnell wiederherzustellen. Unternehmen sollten auf Multi-Region-Strategien setzen, um den Betrieb auch bei regionalen Ausfällen aufrechtzuerhalten. Cloudbasierte Disaster-Recovery-Konzepte ermöglichen es auch bei größeren Ausfällen und Krisen, den Betrieb in kürzester Zeit wiederherzustellen.

Viele Unternehmen überschätzen die Sicherheit firmeneigener Rechenzentren und privater Clouds. Dabei fehlt allerdings oft die Transparenz über eingesetzte Hard- und Software. Veraltete Systeme, mangelndes Patch- und Configuration-Management sowie unzureichende Dokumentation erhöhen die Risiken zusätzlich. Die Public Cloud verbindet hingegen technische Innovation mit wirtschaftlicher Effizienz. Im Vergleich zur Private Cloud bietet sie eine größere Auswahl an Services, globale Skalierbarkeit und Pay-per-Use-Modelle, die Investitionsrisiken minimieren. Unternehmen profitieren von schnelleren Entwicklungszyklen und geringeren Einstiegshürden, wodurch Innovationen beschleunigt werden können.

Rein souveräne Cloudlösung noch nicht verfügbar

Eine rein souveräne Cloudlösung, die sowohl die hohe Skalierbarkeit und umfangreichen Services der Public Cloud als auch die Kontrolle und Unabhängigkeit der Private Cloud in sich vereint, ist derzeit in Deutschland noch nicht verfügbar. Stattdessen setzen viele Unternehmen auf Multi-Cloud- oder hybride Strategien, um die Vorteile von Public Clouds zu nutzen und gleichzeitig die Kontrolle über sensible Daten zu behalten. Während die souveräne Cloudlandschaft in Deutschland noch im Aufbau ist, werden in den kommenden Monaten und Jahren zunehmend spezialisierte Cloudlösungen entstehen, die unterschiedliche Anforderungen und Anwendungsfälle abdecken.

Diese Clouds werden den spezifischen Bedarf der Unternehmen adressieren – je nachdem, wie viel Souveränität sie benötigen. Amazon Web Services (AWS) hat beispielsweise für Ende 2025 die AWS European Sovereign Cloud angekündigt. Mit diesem Angebot wird die gesamte Leistungsfähigkeit der bestehenden AWS Global Cloud in einer komplett unabhängigen Cloud in und aus Europa angeboten. Gleichzeitig erweitert der deutsche Cloudanbieter STACKIT sein Leistungsportfolio mit hohem Tempo und entwickelt sich neben den bereits vorhandenen europä­ischen Cloudplattformen zu einem der führenden Anbieter.

Geschickte Kombination

Digitale Souveränität ist das Ergebnis gezielter Entscheidungen, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen von Unternehmen abgestimmt sind. Durch die geschickte Kombination von Public Clouds und souveränen Lösungen können Unternehmen sowohl ihre Innovationsfähigkeit als auch ihre Sicherheit und Au­tarkie steigern – und so eine langfristig tragfähige digitale Zukunft gestalten. Die gute Nachricht ist: Die notwendigen Bausteine, um die meisten Digitalisierungsprojekte erfolgreich umzusetzen, sind bereits vorhanden.

Alwin Penner ist Global Head of Cloud bei adesso SE.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Informationstechnik
bericht

Energiemanagement: Cyber-Sicherheit beginnt im Haus

[04.06.2026] PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Wallbox kommunizieren über digitale Schnittstellen miteinander und mit der Außenwelt. Heim-Energiemanagementsysteme fungieren dabei als zentrale Schaltstelle. Doch mit der Vernetzung steigt auch die Angriffsfläche. mehr...

Berlin: Neues Konzept soll KRITIS schützen

[27.05.2026] Berlin verschärft den Schutz Kritischer Energieinfrastrukturen mit einem neuen TOP-Konzept aus technischen, organisatorischen und physischen Maßnahmen. Anlass sind Brandanschläge auf die Stromversorgung, die zuletzt ganze Stadtteile beeinträchtigten und nun umfangreiche Investitionen sowie neue Sicherheitsstandards auslösen. mehr...

SAP will digitale Souveränität stärken und investiert in sichere Cloudlösungen für den öffentlichen Sektor.

IBM/Natuvion: Cloud-Umstieg beschleunigen

[26.05.2026] Das zentrale SAP-ERP-System (SAP ECC) wird ab 2027 nicht mehr gewartet. Um Energieversorgern den Umstieg auf die Cloud-Plattform SAP S/4HANA Utilities zu erleichtern, haben IBM und Natuvion deshalb eine Zusammenarbeit vereinbart. mehr...

Modernes Gebäude der Stadtwerke Hilden mit großer Glasfassade und silberner Metallverkleidung an einer ruhigen Straße bei sonnigem Wetter. Vor dem Eingangsbereich befinden sich Grünanlagen, kleine Bäume und ein gepflasterter Gehweg.

Stadtwerke Hilden: Neues CRM-System eingeführt

[21.05.2026] Die Suche nach einer neuen Ticketing-Lösung führte bei den Stadtwerken Hilden zur Einführung eines umfassenden CRM-Systems. mehr...

Elvaco: ISO-Zertifizierung erhalten

[20.05.2026] Elvaco hat die Zertifizierung nach ISO/IEC 27001 erhalten und stärkt damit sein Informationssicherheits-Management für Gebäude- und Energiedaten. Die Zertifizierung reagiert auf strengere EU-Vorgaben und wachsende Anforderungen an sichere Datenketten in vernetzten Metering- und Smart-Building-Systemen. mehr...

50Hertz: Netzsoftware als Open Source veröffentlicht

[18.05.2026] Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz stellt die Software ToOp zur Bewältigung von Netzengpässen als Open-Source-Projekt bereit. Nach Angaben des Unternehmens soll das Tool Netzbetreiber in Europa bei der Steuerung von Stromflüssen unterstützen. mehr...

nscharfe Aufnahme eines modernen Büro- oder Veranstaltungsraums. Im Vordergrund ist auf einer Glasfläche der Schriftzug „Future Energy Lab“ zu sehen. Im Hintergrund stehen mehrere verschwommene Personen an einem Stehtisch im Gespräch.

Cyber-Sicherheit: Den Ernstfall trainieren

[18.05.2026] Ein Übungskonzept soll die Sicherheit Kritischer Infrastrukturen erhöhen. Das Konzept für KRITIS-Betreiber wurde Fraunhofer IOSB-AST mit dem Future Energy Lab der Deutschen Energie-Agentur entwickelt. mehr...

Eine Drohne steht auf einem rot-weiß markierten Landeplatz am Straßenrand vor einem Servicefahrzeug von WEMAG Netz. Das Fahrzeug ist mit einer Leiter ausgestattet und parkt neben einer ländlichen Straße mit kahlen Bäumen und freiem Feld im Hintergrund. Die Szene wirkt sonnig und zeigt den Einsatz moderner Drohnentechnik zur Kontrolle von Stromnetzen.

WEMAG: Drohnen überwachen Stromnetze

[13.05.2026] Der Einsatz von Drohnen in der Energiebranche nimmt zu. Auch der Stromnetzbetreiber WEMAG Netz setzt auf die Flugsysteme, um Stromleitungen schneller zu kontrollieren und Schäden frühzeitig zu erkennen. mehr...

ASEW: Plattform für IoT-Angebote

[29.04.2026] Eine Informationsplattform für Anwendungen des Internet of Things soll kommunale Unternehmen, Betriebe und öffentliche Einrichtungen über bestehende Angebote informieren. Das Projekt mehrerer Stadtwerke wird von der ASEW koordiniert. mehr...

Computergenerierte Ansicht eines umzäunten Umspannwerks mit zahlreichen Strommasten, Schaltanlagen und zwei Betriebsgebäuden in ländlicher Umgebung. Im Hintergrund sind Felder, Waldflächen und mehrere Windräder zu sehen. Oben rechts liegt ein türkisfarbenes Logo über dem Bild.

Siemens: Security-Dienst für Energie und Infrastruktur

[23.04.2026] Siemens Smart Infrastructure hat einen neuen Sicherheitsdienst für Energieversorger, Industrieunternehmen sowie Betreiber Kritischer Infrastrukturen vorgestellt. Die Lösung soll Cyber-Angriffe schneller erkennen und den Betrieb digitalisierter Anlagen absichern. Der erste Kunde in Deutschland sind die Hertener Stadtwerke. mehr...

interview

Interview: Ende-zu-Ende gut, alles gut

[23.04.2026] Anstatt eine Vielzahl an Einzeltools anzubieten, versteht sich die Lösungsplattform GY der Wilken Software Group als eine Art integriertes Betriebssystem. Im Interview mit stadt+werk erläutert Tobias Mann, Chief Customer Officer (CCO) der Wilken Software Group, wie GY Prozesse in der Energiewirtschaft zukunftsfähig organisiert. mehr...

Frankfurt (Oder): Stadtwerke setzen auf Echtzeit-Steuerung

[15.04.2026] Die Stadtwerke Frankfurt (Oder) treiben die digitale Optimierung ihrer Energieanlagen voran. In Zusammenarbeit mit Data Cybernetics soll eine Software den Betrieb flexibler und wirtschaftlicher gestalten. Das Ziel ist eine automatisierte Steuerung in Echtzeit. mehr...

Collage zu Energieversorgung mit Heizungsregler, Wasserhahn, Stecker, Windrädern, Strommasten und Telekom- sowie Thüga-Logo.

Thüga: KI-Rahmenvertrag mit der Telekom

[15.04.2026] Das Stadtwerke-Netzwerk Thüga setzt auf KI-Anwendungen der Deutschen Telekom. Die Systeme sollen kommunale Energie- und Wasserdienstleister bei Standardaufgaben unterstützen. Nach Angaben der Unternehmen erfolgt die Datenverarbeitung ausschließlich im europäischen Rechtsraum. mehr...

Smight: Stromversorgung Greding führt Echtzeit-Monitoring ein

[08.04.2026] Die Stromversorgung Greding führt Echtzeit-Monitoring in ihren Ortsnetzstationen ein und digitalisiert damit ihr Verteilnetz. Der Schritt soll den Netzbetrieb angesichts wachsender Einspeisung und Lasten präziser steuern und gezieltere Investitionen ermöglichen. mehr...

rku․it: Fünf Energieversorger steigen auf Plattform um

[31.03.2026] Das Unternehmen rku․it bringt fünf Energieversorger gleichzeitig auf seine Plattform NextGen in den Produktivbetrieb. Der koordinierte Parallel-Go-live zeigt, wie skalierbar integrierte Cloud-Lösungen in der Energiewirtschaft heute umgesetzt werden können. mehr...