IT-SicherheitTresor für sensible Daten
Cyber-Angriffe auf kritische Infrastrukturen bedrohen nicht mehr nur private Wirtschaftsunternehmen, sondern immer häufiger auch Einrichtungen von Bund, Ländern und Kommunen. Brandgefährlich werden dieses Hacks, wenn gängige Programme ins Visier genommen werden. So hat Microsoft jüngst eine weitere Attacke auf Regierungsstellen und NGOs in mindestens 24 Ländern gemeldet. Bei den Hackern handelt es sich laut dem Konzern um die Gruppe Nobelium, die auch hinter dem SolarWinds-Angriff steckte. Von diesem waren im vergangenen Jahr Organisationen in der ganzen Welt betroffen: Die Hacker luden sich ein kompromittiertes Software-Update herunter, mit dem sie dann monatelang interne Daten ausspionieren konnten.
Im März dieses Jahres drangen Cyber-Kriminelle über Schwachstellen in der Mail-Software von Microsoft wiederum in fremde Netze ein, unter anderem wurden sechs Bundesbehörden Opfer des Angriffs. Die Microsoft-Lücke hat deutsche Organisationen besonders stark getroffen, weil sie oftmals die E-Mail- und Kollaborationsplattform Exchange im eigenen Haus oder in angemieteten Rechenzentren betreiben. Die dabei verwendeten Exchange-Server-Versionen 2013, 2016 und 2019 wurden zum Teil erst mit Verzögerung durch ein Update gesichert.
Gefahr für die öffentliche Sicherheit
Fallen kritische Infrastrukturen zur Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft mit Energie, Wasser, Lebensmitteln, Medizin oder schnellem Internet Hackern zum Opfer, drohen folgenschwere Engpässe und erhebliche Gefahren für die öffentliche Sicherheit. Alle Organisationen, deren Leistungen für das Allgemeinwohl und den Fortbestand der Wirtschaft und Verwaltung in Deutschland unabdingbar sind, unterliegen deshalb den Vorschriften des IT-Sicherheitsgesetzes. Zu den Auflagen gehört es, die IT- und Ausfallsicherheit am aktuellen Stand der Technik auszurichten. Unter die Regelung fallen neben Bundesbehörden auch Städte und Gemeinden sowie kommunale Unternehmen wie Stadtwerke oder Verkehrsbetriebe.
Aktuell hat die Politik das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren für die Version 2.0 des IT-Sicherheitsgesetzes (IT-SiG 2.0) beendet. Zwar müssen zentrale Detailvorgaben noch über Verordnungen geregelt werden, nach Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten und der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt Ende Mai 2021 können aber bereits jetzt wichtige Teile kurzfristig in Kraft treten. Gleichzeitig ist das IT-Sicherheitsgesetz ein so genanntes Artikel- oder Mantelgesetz und bildet die Grundlage für Veränderungen in zahlreichen anderen regulatorischen Vorgaben wie der Kritisverordnung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), dem Energiewirtschaftsgesetz, dem Telemediengesetz oder dem Telekommunikationsgesetz.
Auch mobile Geräte schützen
Das IT-SiG 2.0 stuft nun auch den Bereich Entsorgung als kritische Infrastruktur ein und erweitert damit den Kreis der betroffenen Institutionen. Hintergrund ist, dass Ausfälle oder Beeinträchtigungen im Bereich der Abfallwirtschaft nicht nur zur massiven Umweltverschmutzung, sondern auch zu einem Anstieg der Seuchengefahr führen können. Daneben verpflichtet die Neufassung Behörden, Stadtverwaltungen und kommunale Einrichtungen, „Systeme zur Angriffserkennung und Angriffsbewältigung“ zu betreiben. Dazu gehören insbesondere SIEM-Lösungen (Security Information and Event Management) für das schnelle Identifizieren von Cyber-Attacken. Kommt es zu Verstößen, werden künftig analog zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Geldbußen von bis zu zwei Millionen Euro für natürliche und 20 Millionen Euro für juristische Personen fällig. Zudem erhält das BSI als zuständige Kontrollbehörde deutlich mehr Rechte für die Überwachung.
Um sich angemessen zu schützen und die Vorgaben des BSI zu erfüllen, müssen KRITIS-Unternehmen geeignete Sicherheitsmaßnahmen für die größten Schwachstellen ergreifen. Das schließt die mobile Kommunikation ein. Viele Angestellte in öffentlichen Einrichtungen wie Stadtwerken, Verkehrsbetrieben oder Flughäfen sind außerhalb ihrer eigentlichen Dienststelle unterwegs. Smartphones und Tablets machen mobiles Arbeiten möglich, stellen die Verantwortlichen jedoch vor zahlreiche Herausforderungen. Das gilt vor allem dann, wenn dienstliche Geräte auch privat oder private Geräte dienstlich genutzt werden. Richtet beispielsweise ein Mitarbeiter auf seinem eigenen Smartphone ein dienstliches Exchange-Konto ein, vermischen sich private und geschäftliche Daten und Kontakte. Ebenso kritisch ist es zu sehen, wenn sensible Dokumente in einer Dropbox oder anderen unsicheren Apps abgelegt werden. Derartige Vorgehensweisen gefährden die Datensicherheit und stellen einen Verstoß gegen die DSGVO dar. Bei einer BYOD-Regelung (Bring Your Own Device) verliert die IT-Abteilung zudem die Kontrolle: Geht das Smartphone verloren oder scheidet der Mitarbeiter aus, kann sie sensible Daten nicht löschen.
Container als Lösung
Behörden und kommunale Einrichtungen benötigen deshalb ein System, das private und dienstliche Daten sowie Apps strikt voneinander abschottet. Realisieren lässt sich dies mit einer so genannten Container-Lösung. Sollte sich ein Angreifer tatsächlich Zugang zum Smartphone oder Tablet verschafft haben, steht er vor einem verschlossenen Tresor: Die Daten und Dokumente sind nach höchsten Standards verschlüsselt und werden auch verschlüsselt übertragen. Der Zugriff auf den dienstlichen Bereich wird durch eine PIN oder biometrische Verfahren wie Touch- und Face-ID abgesichert. Für höchste Sicherheitsansprüche kann der Zugriff zusätzlich mit einer Smartcard geschützt werden. Das ist auch Voraussetzung bei der BSI-Zulassung für „Verschlusssachen – nur für den Dienstgebrauch“ (VS-NfD). Eine Container-Lösung garantiert außerdem die Einhaltung der DSGVO, da keine private App auf dienstliche Kontaktdaten zugreifen kann. Mitarbeiter können zudem keine Daten per Copy-and-Paste in den jeweils anderen Bereich übertragen.
Gerade kommunale Einrichtungen haben jedoch oftmals nicht die personellen Ressourcen, um die Kommunikation ihrer Mitarbeiter mit komplizierten Systemen wie einem Mobile Device Management (MDM) zu schützen. Vor diesem Problem standen auch die baden-württembergischen Stadtwerke Bad Saulgau, die rund 17.000 Einwohner mit Gas, Wasser, Strom, Fernwärme und Breitband versorgen. Die Stadtwerke strebten die Zertifizierung ihres Informationssicherheits-Management-Systems (ISMS) nach ISO 27001 an, eine zentrale Forderung des IT-Sicherheitskatalogs gemäß § 11 Absatz 1a Energiewirtschaftsgesetz. So suchten die IT-Verantwortlichen nach einer Lösung für die mobile Kommunikation, die vor allem Monteuren einen sicheren Zugang zu E-Mail, Kontakten und Intranet ermöglichen sollte.
Die Stadtwerke entschieden sich für die Container-Lösung SecurePIM vom Anbieter Virtual Solution, welche die Einhaltung höchster Sicherheitsstandards gewährleistet. Das System ist leicht zu implementieren und sehr benutzerfreundlich. Der Arbeits- und Support-Aufwand für die IT-Abteilung konnte so deutlich reduziert werden.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe September/Oktober 2021 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Stadtwerke Flensburg: Instandhaltung auf neue Softwarelösung umgestellt
[06.10.2026] Die Stadtwerke Flensburg haben ihre mobile Instandhaltung auf eine neue Softwarelösung umgestellt. Das Maintenance Portal von argvis soll papierbasierte Abläufe ersetzen und die Arbeit in Netzen, Erzeugung und Service auf einer gemeinsamen Plattform bündeln. mehr...
Soluvia: Abrechnungsplattform für Stadtwerke eröffnet
[29.09.2026] Soluvia Energy Services bietet seine Abrechnungsplattform SESuite erstmals Energieversorgern außerhalb des MVV-Energie-Konzerns an. Das Full-Service-Angebot richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Versorger, die ihre Abrechnungssysteme ablösen oder neu aufstellen wollen. mehr...
data analytics institute: Neuer Konsortialpartner von energy data-X
[28.09.2026] Das data analytics institute wird Konsortialpartner von energy data-X und bringt seinen Datenraum HEAT-X für die kommunale Wärmeplanung ein. Damit sollen Daten aus Strom- und Wärmesektor künftig über eine gemeinsame Infrastruktur verknüpft werden. mehr...
Greenflash: Dezentrale Energiesysteme in Echtzeit steuern
[25.09.2026] Greenflash hat mit Greencore AI eine Software zur Echtzeitsteuerung dezentraler Energiesysteme entwickelt. Sie soll Erzeugung, Speicherung und Verbrauch anhand von Prognosen und aktuellen Marktdaten wirtschaftlich aufeinander abstimmen. mehr...
items: ITS Group übernimmt Fernwärme-Software
[24.09.2026] items überträgt seine Fernwärme-Software Grid Insight: Heat zum 1. November 2026 an die ITS Group. Mit der Software wechselt auch das zuständige Team zum Dortmunder Unternehmen. mehr...
G&W Software: Unterstützung bei Investitionsentscheidungen
[21.09.2026] Der Umbau der Energieversorgung stellt Versorger vor langfristige Investitionsentscheidungen bei Gas-, Wärme- und Stromnetzen. Die Software CaliforniaX soll dabei helfen, unterschiedliche Szenarien zu kalkulieren und Infrastrukturprojekte auf ihre Wirtschaftlichkeit zu prüfen. mehr...
GISA: Stadtwerke Bonn modernisieren Data Warehouse
[17.09.2026] Die Stadtwerke Bonn haben ihr bisheriges SAP Business Warehouse durch eine neue Plattform auf Basis von SAP BW/4HANA ersetzt. Gemeinsam mit dem IT-Dienstleister GISA wurde die Analytics-Landschaft des kommunalen Unternehmens neu aufgestellt. mehr...
Thüga SmartService: KI-Plattform für Stadtwerke gestartet
[09.09.2026] Thüga SmartService hat mit SKIP eine speziell auf die Energiewirtschaft zugeschnittene Plattform für Künstliche Intelligenz entwickelt. Stadtwerke und Energieversorger sollen damit KI-Agenten für Wissensmanagement und Geschäftsprozesse einsetzen können, ohne die Kontrolle über ihre Daten abzugeben. mehr...
cortility: KI automatisiert Standardanliegen
[03.09.2026] cortility und Pipeforce wollen Künstliche Intelligenz stärker für die automatisierte Bearbeitung von Kundenanliegen bei Energieversorgern einsetzen. Standardvorgänge wie Zählerstandsmeldungen, Umzüge oder Abschlagsfragen sollen sich damit weitgehend ohne manuelle Eingriffe verarbeiten lassen. mehr...
E-Rechnung: Versandpflicht wird ausgeweitet
[26.08.2026] Für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Umsatz verschärfen sich zum Jahreswechsel die Vorgaben für elektronische Rechnungen. Ab Januar 2027 müssen sie E-Rechnungen nach der europäischen Norm EN 16931 versenden. Ein Jahr später gilt die Vorgabe für alle Unternehmen. mehr...
KRITIS-Schutz: Resilienz ist Pflicht
[18.08.2026] Mit dem KRITIS-Dachgesetz sind Städte und Gemeinden unter Zugzwang: Bis Mai 2027 müssen Schutzkonzepte stehen. Doch zwischen gesetzlicher Pflicht und gelebter Resilienz klafft häufig noch eine gefährliche Lücke. mehr...
Maingau: Portfoliomanagement in der Cloud
[14.08.2026] Maingau hat sein Portfolio-Management auf eine Cloud-Lösung von Kisters umgestellt. Damit will der Energieversorger Handelsprozesse stärker automatisieren und weitere Funktionen in die Systemlandschaft integrieren. mehr...
Kundenservice: Vom Antrag zur Lösung
[13.08.2026] Stadtwerke können ihre Kundenservices mit durchgängigen End-to-End-Prozessen effizienter gestalten. Standardisierte Abläufe, intelligentes Routing und KI sollen Bearbeitungszeiten verkürzen und Mitarbeitende entlasten – entscheidend bleibt dabei die Verbindung von Technik, Daten und Menschen. mehr...
kraftwerk Software Gruppe: Joules erhält KI-Funktionen
[13.08.2026] Die kraftwerk Software Gruppe hat die Software Joules erweitert. Das aktuelle Release bringt KI-gestützte Funktionen für verschiedene Arbeitsabläufe sowie ein neu aufgebautes Kunden-, Lead- und Servicemanagement. mehr...
IT-Infrastruktur: Vollumfassende Integration
[11.08.2026] Neue digitale Angebote und gesetzliche Anforderungen überfordern die IT-Landschaften der Stadtwerke zunehmend. Insbesondere bei systemübergreifenden Prozessen reichen punktuelle Integrationen nicht mehr aus. Gefragt sind vielmehr durchgängige Prozessketten, die verteilte Anwendungen zuverlässig verbinden. mehr...













