Dienstag, 4. August 2026

SchifferstadtStadtquartier wird CO2-neutral

[08.02.2024] Ein ganzes Stadtquartier wird in Schifferstadt CO2-neutral mit Strom und Wärme versorgt – rings um das dortige Sportzentrum.
Anbindung des Schulzentrums an die Kalt- und Warmversorgung.

Anbindung des Schulzentrums an die Kalt- und Warmversorgung.

(Bildquelle: Stadtwerke Schifferstadt)

Ein ganzer Stadtteil wird CO2-neutral mit Strom und Wärme versorgt – diese Vision soll rund um das Sportzentrum Schifferstadt Wirklichkeit werden. Green Urban Smart Energy Area (GUSEA) heißt das Projekt, für das die rheinland-pfälzische Umweltministerin Katrin Eder (Bündnis 90/Die Grünen) jetzt einen Förderbescheid über gut sieben Millionen Euro übergeben konnte.
Das Besondere am GUSEA-Projekt ist die Energieverbundlösung mit sowohl zentralen als auch dezentralen Versorgungselementen, gepaart mit einer Eigenstromerzeugung und -versorgung über Photovoltaik und Speichertechnik kombiniert mit intelligentem Energie-Management. „Die Wärme- und Stromversorgung für insgesamt acht bestehende öffentliche Liegenschaften sowie für drei Neubaukomplexe soll in der Endausbaustufe energieautark ausgerichtet werden“, erläuterte Ministerin Eder.

Erste Ausbaustufe nahezu betriebsbereit

Ein klassisches Nahwärmenetz übernimmt die Beheizung der Gebäude im Kernbereich, die Wärmeversorgung der übrigen Liegenschaften erfolgt über zwei kalte Nahwärmenetze und dezentrale Wärmepumpen. Die erste Ausbaustufe – die Errichtung der Energiezentrale mit dem warmen und den beiden kalten Nahwärmenetzen – ist nahezu betriebsbereit. Damit ist die CO2-Neutralität im Wärme- und auch im Strombereich bilanziell nahezu erreicht. Und nur auf diese erste Ausbaustufe bezieht sich die Förderung mit 7,152 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Jährlich 1.000 Tonnen THG weniger

Aus der ohnehin anstehenden Sanierung einiger Gebäude auf dem Gelände des Schul- und Sportzentrums entstand – auch auf Basis einer Machbarkeitsstudie der Universität Mainz – das Projekt, das laut Ministerin Eder „neue Maßstäbe für die kommunale Energiewende setzt“. In der Endausbaustufe wird eine Treibhausgaseinsparung von mehr als 1.000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr erreicht – das entspricht in etwa dem Wärmebedarf von 125 Vier-Personen-Haushalten.
Der ganzheitliche Ansatz umfasst neben den beiden Wärmenetzen zwei Blockheizkraftwerke und Photovoltaik auf allen Dächern. Versorgt werden das Schulzentrum und die Sportschule, die neue Kreissporthalle und die Volkshochschule, ein Jugendtreff und eine Kindertagesstätte, die Wilfried-Dietrich-Halle und eine noch zu errichtende Wohnanlage.

Klimalehrpfad für die Schüler

In der zweiten Ausbaustufe soll mithilfe von Wasserstoff aus der Elektrolyse und CO2 aus der Luft regenerativ Methan erzeugt werden (Power-to-Gas). Mit diesem Methan sollen dann die Blockheizkraftwerke betrieben werden, erklärt Professor Thomas Giel, der an der Fachhochschule Mainz Nachhaltiges Bauen lehrt. Für die Elektrolyse wird der auf den Dächern per Photovoltaik erzeugte Strom genutzt – für Giel „die beste Nutzung, nämlich direkt vor Ort“.
Betreiberin des Projekts ist eine eigens gegründete GmbH, in der neben der Gemeinde unter anderem die Stadtwerke Schifferstadt und der Rhein-Pfalz-Kreis vertreten sind. Der Kreis ist auch Hausherr der Schulgebäude. Dass für die Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums auch eine Art Klimalehrpfad entstehen soll, könnte damit zusammenhängen. Auf jeden Fall sollen den Lernenden die neuen regenerativen Energieerzeuger und Speichermedien zugänglich und sichtbar gemacht werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Fördervereins.



Stichwörter: Klimaschutz, Nahwärmenetz


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Klimaschutz

Westmittelfranken: Vier Kreise legen Energienutzungspläne vor

[03.08.2026] Vier Landkreise in Westmittelfranken haben digitale Energienutzungspläne bis 2040 vorgestellt. Die Analysen zeigen, warum für die Energiewende künftig nicht mehr Jahresbilanzen, sondern das zeitliche Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch, Netzen und Speichern entscheidend ist. mehr...

bericht

Baden-Württemberg: Klima-Impulse aus dem Süden

[23.07.2026] Vier Kommunen in Baden-Württemberg haben sich auf den Weg gemacht, Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen – fünf Jahre früher als vorgeschrieben. Sie verfolgen bewusst unterschiedliche Schwerpunkte. Viele Ansätze lassen sich auf andere Kommunen übertragen. mehr...

Tübingen: Stadt will Klimaschutzprogramm fortsetzen

[23.07.2026] Tübingen hat sein Klimaschutzprogramm bis 2030 fortgeschrieben und den Ausbau der Wärme- und Energie-Infrastruktur bekräftigt. Der Gemeinderat hält trotz schwieriger Rahmenbedingungen am Ziel der Klimaneutralität fest und setzt dabei auf umfangreiche Investitionen von Stadt und Stadtwerken. mehr...

Görlitz: 2030 grenzüberschreitend klimaneutral

[13.07.2026] Görlitz will bis zum Jahr 2030 klimaneutral werden. Daraus ist ein langfristiger Umbau der Energieversorgung, der Stadtentwicklung und der Zusammenarbeit entstanden. Die Stadt arbeitet mit Partnern aus Deutschland und Polen zusammen. Für ihr Engagement wurde die Kommune von der Agentur für Erneuerbare Energien als „Energie-Kommune des Monats Juli 2026” ausgezeichnet. mehr...

Hamburg: CO2-Bilanz vorgelegt

[08.07.2026] Hamburg hat erstmals eine CO2-Schätzbilanz bereits sechs Monate nach Ende des Bilanzjahres vorgelegt. Die vorläufigen Daten zeigen für 2025 einen Anstieg der Emissionen und sollen die Steuerung der Klimapolitik deutlich beschleunigen. mehr...

Bremen: Schornstein macht Platz für Neues

[08.07.2026] Auf dem Kraftwerksgelände der swb im Bremer Hafen beginnt der Rückbau der Schornsteine der ehemaligen Steinkohleblöcke 5 und 6. Mit dem Abriss verschwindet nicht nur das höchste Bauwerk Bremens, sondern es entstehen auch Flächen für den weiteren Umbau des Energiestandorts. mehr...

Konstanz: Neuer Klimaschutzbericht erschienen

[29.06.2026] Der 14. Klimaschutzbericht der Stadt Konstanz verweist auf eine wachsende Lücke zwischen Klimazielen und tatsächlicher Umsetzung. Zugleich nennt der Bericht konkrete Ansätze für schnellere Emissionsminderungen und eine wirksamere Finanzierung des kommunalen Klimaschutzes. mehr...

Energie-Kommune: Bremen will Klimaneutralität bis 2038

[15.06.2026] Bremen möchte seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2038 um 95 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. So sieht es die Klimaschutzstrategie des Landes vor. Dafür wurde sie jetzt von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) als Energie-Kommune des Monats Juni ausgezeichnet. mehr...

BEEKOMM: Thüringen erhält 1,6 Millionen Euro Förderung

[05.06.2026] Mit dem Projekt BEEKOMM unterstützt Thüringen Kommunen beim schnelleren Ausbau von Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik. Bund und Land stellen dafür Fördermittel bereit und finanzieren neue Beratungsangebote, die Planungsprozesse vor Ort beschleunigen sollen. mehr...

Netzwerk Altmühlfranken: Auszeichnung für Energie- und Wärmewendeprojekte erhalten

[03.06.2026] Das kommunale Klimaschutznetzwerk Altmühlfranken ist für seine interkommunale Zusammenarbeit bei Energie- und Wärmewendeprojekten ausgezeichnet worden. In drei Jahren entstanden 38 gemeinsame Konzepte und Projekte, die den Ausbau erneuerbarer Energien in der Region deutlich vorangebracht haben. mehr...

eueco: Neue Leitfadenreihe zur Bürgerbeteiligung veröffentlicht

[28.05.2026] eueco hat eine neue Leitfadenreihe für Bürgerbeteiligung an Projekten mit erneuerbaren Energien veröffentlicht. Hintergrund sind strengere Vorgaben, wachsender Finanzierungsdruck und der steigende Bedarf an standardisierten Beteiligungsmodellen für Kommunen, Stadtwerke und Projektierer. mehr...

Oberpfalz: Kommunales Klimaschutz-Netzwerk gegründet

[26.05.2026] In der Oberpfalz hat ein kommunales Klimaschutz-Netzwerk für den Ausbau erneuerbarer Energien seine Arbeit aufgenommen. Das auf drei Jahre angelegte Projekt soll Städte und Gemeinden bei Speichertechnik, Netzausbau und Finanzierungsmodellen enger zusammenbringen. mehr...

Baden-Württemberg: Zum letzten Mal erhalten Kommunen den European Energy Award

[15.05.2026] Baden-Württemberg hat acht Kommunen mit dem European Energy Award ausgezeichnet, der in Deutschland nun ausläuft. Neue Klimaschutzmanagement-Systeme sollen den Übergang sichern und Kommunen beim Ausbau ihrer Klimaschutzmaßnahmen weiter unterstützen. mehr...

Bad Berleburg: Energie-Kommune mit Wind, PV und Verkehrswende

[13.05.2026] Die Stadt Bad Berleburg wurde von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zur „Energie-Kommune des Monats Mai 2026“ gekürt. Die nordrhein-westfälische Kommune setzt auf Windkraft, Photovoltaik und neue Mobilitätskonzepte. Ihr Ziel ist es, bis 2035 treibhausgasneutral zu sein. mehr...

Klimakommune Deutschland: Neues Programm für kommunalen Klimaschutz vorgestellt

[12.05.2026] Der Verein Klimakommune Deutschland hat ein neues Programm für kommunalen Klimaschutz und die Umsetzung der Energiewende vorgestellt. Nach dem Aus des European Energy Award sollen Städte, Gemeinden und Landkreise damit wieder ein strukturiertes Instrument für Klimastrategien und Emissionsminderung erhalten. mehr...