PwCAuswertung des Smart City Index
Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland hat jetzt die Mobilitätsdaten des jährlichen Bitkom Smart City Index ausgewertet. Wie PwC mitteilt, erfasst das Ranking unter anderem, ob Städte ihren Bürgerinnen und Bürgern ÖPNV-Echtzeitdaten zur Verfügung stellen, ob sie über ein digitales Verkehrsmanagement verfügen oder ob sie digitale Lösungen für die Letzte-Meile-Logistik nutzen. Eines der Kernergebnisse: Insbesondere die mittleren deutschen Großstädte (200.000 bis 500.000 Einwohner:innen) konnten ihren durchschnittlichen Indexwert deutlich verbessern, um knapp zehn Prozent auf 63,1 (2022: 57,6).
Weitere Analyseergebnisse lauten: Die kleineren Großstädte (weniger als 200.000 Einwohnerinnen und Einwohner) legten ebenfalls deutlich zu, im Vergleich zum Vorjahr um circa neun Prozent von durchschnittlich 47,1 auf 51,2 Indexpunkte. Mit großem Abstand am besten schnitten jedoch die größeren Großstädte (mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner) ab; sie seien auch in diesem Jahr auf einen durchschnittlichen Score von circa 80 Punkten gekommen. Die drei bestplatzierten Städte sind Hamburg (98,4 Punkte), Nürnberg (91,3) und Dresden (90,1).
Durchschnittlicher Mobilitätsindex von 60 Punkten
Insgesamt seien die deutschen Großstädte auf einen durchschnittlichen Mobilitätsindex von 60,0 gekommen – das entspreche einer Steigerung von knapp sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2022: 56,2). Am besten hätten sie im Teilindex „Smarter ÖPNV“ abgeschnitten (68,2). Auch beim smarten Parken (64,9) und bei den Sharing-Angeboten (63,4) erzielten sie hohe Werte. Nachholbedarf gebe es dagegen bei der Letzte-Meile-Logistik. Dort erreichten die Großstädte nur einen Durchschnittswert von 42,9 Indexpunkten.
Maximilian Rohs, Director Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland, sagt: „Die Daten zeigen: smarte Mobilität ist kein Selbstläufer. Städte, die eine Smart-City-Strategie verabschiedet haben, erzielen deutlich höhere Indexwerte als Städte ohne Strategie.“ Knapp zwei von drei Städten setzen, so Maximilian Rohs, bereits eine Smart-City-Strategie um, ein weiteres Zehntel plant zudem aktuell deren Umsetzung.
Umstieg auf ÖPNV
PwC zufolge sind smarte Technologien und Angebote wichtig dafür, dass immer mehr Menschen im Sinne der Verkehrswende auf den ÖPNV umsteigen, weil sie den ÖPNV effizienter und nutzerfreundlicher machen. Der Indexwert sei hier von 52,3 Punkten im Jahr 2022 auf nun 68,2 Punkte gestiegen. Auch hier seien die größeren Großstädte auf den höchsten Wert (87,5) gekommen. Die mittleren Großstädte hätten mit einem Indexwert von 74,0 aber ebenfalls gut abgeschnitten und sich gegenüber 2022 (53,1) deutlich verbessert.
So stellten mittlerweile alle Großstädte ÖPNV-Informationen für das Smartphone in Echtzeit bereit. Und in sechs von zehn Städten mit mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sei WLAN sowohl an den Haltestellen als auch in den Fahrzeugen verfügbar. Rund zwei Drittel aller Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern führten aktuell außerdem Pilotprojekte zum autonomen Fahren durch oder hätten solche bereits abgeschlossen. Bezogen auf alle Großstädte liege der Anteil etwa bei einem Drittel.
Gabriel Flore, Manager Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland, kommentiert: „Es besteht eine Korrelation zwischen einem hohen Indexwert, einem guten ÖPNV-Angebot, einer hohen Nachfrage sowie einem niedrigen Motorisierungsgrad. Ein attraktives und smartes Mobilitätsangebot bewegt die Menschen also dazu, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen.“
Innovative Tarifmodelle
Zusätzlich zu einem smarten ÖPNV-Angebot sind PwC zufolge auch innovative Tarifmodelle ein wichtiger Baustein, um Menschen dazu zu bewegen, den ÖPNV häufiger zu nutzen. Immer mehr Städte setzten hierfür auf eine räumliche Preisdifferenzierung, in denen der Fahrpreis beispielsweise von der zurückgelegten Luftlinie abhängt, sowie auf eine personelle Preisdifferenzierung, zum Beispiel Flex-Angebote mit Rabatten auf ausgewählte Tickets. „Die Einbindung weiterer Mobilitätsangebote wie Car-, Scooter-, und Bikesharing sowie Ridepooling in ein integriertes Mobilitäts- und Tarifsystem spielt dabei eine wichtige Rolle“, meint Gabriel Flore.
Letzte-Meile-Logistik
Bei der Letzte-Meile-Logistik ist der durchschnittliche Indexwert mit 43,0 Punkten zwar noch vergleichsweise niedrig, hat aber seit dem Vorjahr (38,0) recht deutlich zugelegt, heißt es von PwC. Zu den smarten Lösungen für die letzte Meile gehörten beispielsweise Micro Hubs. Das sind stationäre oder mobile Sammelpunkte für Pakete in Innenstädten oder Wohngebieten. In gut einem Drittel aller Großstädte (35,8 Prozent) gebe es sie bereits, in weiteren 7,4 Prozent befänden sie sich in der Testphase. Micro Hubs lassen sich gut mit alternativen Zustellungsformen verknüpfen, die beispielsweise elektrisch betriebene Kleinfahrzeuge nutzen.
Alternative Zustellungsformen kämen bereits in knapp der Hälfte aller Großstädte (48,1 Prozent) zum Einsatz, in der Testphase befänden sie sich ebenfalls in 7,4 Prozent der Großstädte. Anbieterübergreifende Paketstationen fänden sich dagegen erst in gut einem Viertel der Großstädte (17,3 Prozent im Einsatz, 9,9 Prozent in der Testphase). Eine smarte Logistik auf der letzten Meile verringere die Verkehrsbelastung, vor allem in dichtbesiedelten Innenstadtbereichen. Sie sorge außerdem dafür, dass Anwohnerinnen und Anwohner Lieferungen schneller und zuverlässiger erhalten.
Multimodale Angebote
Als Königsdisziplin der Verkehrswende gelten indes multimodale Angebote: Sie verknüpfen verschiedene Verkehrsmittel miteinander, welche die Bürgerinnen und Bürger möglichst komfortabel nutzen können – etwa indem an U-Bahnhöfen Leihfahrräder stehen, die sich über die App des regionalen ÖPNV-Anbieters buchen lassen. Multimodale Apps gebe es in acht von zehn größeren Großstädten und in gut der Hälfte aller mittleren Großstädte (52,0 Prozent). Bei den kleineren Großstädten verfügten 43,9 Prozent über eine multimodale App.
Die PwC-Analyse zeige außerdem: Smarte Mobilitätslösungen schöpfen ihr volles Potenzial erst im Zusammenspiel aus. Städte sollten sie deshalb zu einem Smart-Mobility-Ökosystem verknüpfen: Dazu gehörten die passenden Rahmenbedingungen, beispielsweise ausreichende öffentliche Finanzmittel, eine Digitalisierungsstrategie sowie eine integrierte Stadt- und Verkehrsplanung. Darauf baue die Smart-Mobility-Infrastruktur auf. Zu ihr zählten digitale Elemente wie Datenplattformen oder ein 5G-Mobilfunknetz und die klassische Verkehrsinfrastruktur. Diese Infrastruktur nutzten schließlich die smarten Mobilitätsangebote.
PwC-Experte Maximilian Rohs sagt: „Für ein smartes Mobilitätsökosystem braucht es vor allem digitale Kompetenzen. Angesichts der komplexen Herausforderungen sollten Städte außerdem mit anderen Stakeholdern, etwa mit Verkehrsverbünden und -unternehmen, aber auch der Industrie, Netzwerke bilden.“
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