Dienstag, 21. Juli 2026

KrefeldGeothermisches Potenzial nachgewiesen

[23.06.2025] Die erste Forschungsbohrung im Rahmen des Masterplans Geothermie NRW hat in Krefeld ein nutzbares tiefengeothermisches Reservoir nachgewiesen. Der durchbohrte Kalkstein weist günstige Voraussetzungen für eine klimafreundliche Wärmegewinnung aus großer Tiefe auf.

Erste Forschungsbohrung im Rahmen des Masterplans Geothermie weist tiefengeothermisches Reservoir in Nordrhein-Westfalen nach.

(Bildquelle: GD NRW)

Ein knapp 1.000 Meter tiefes Bohrloch in Krefeld hat bestätigt, dass tief unter Nordrhein-Westfalen nutzbares geothermisches Potenzial vorhanden ist. Wie der Geologische Dienst NRW mitteilt, wurde die Bohrung im Rahmen des Explorationsprogramms Geowärme – Wir erkunden NRW durchgeführt und liefert erstmals belastbare Daten über die Durchlässigkeit und Wasserführung des so genannten Kohlenkalks, einer Kalkstein-Formation aus der Karbon-Zeit. Die Gesteinsschicht, deren Basis deutlich tiefer liegt als bislang angenommen, enthält wassergefüllte Spalten und Karsthohlräume, die für die Förderung von Tiefenwasser geeignet sind.

Unerwartet hohe Wasservorkommen

Die Bohrarbeiten hatten im März begonnen (wir berichteten) und dauerten 73 Tage. In 380 Metern Tiefe wurde der Kohlenkalk erreicht und anschließend vollständig durchteuft. Die geologischen Erwartungen wurden zunächst bestätigt, jedoch reichte die Formation deutlich weiter in die Tiefe als prognostiziert. Erst in 944 Metern Tiefe stieß das Team auf das unterlagernde Oberdevon, was auf eine größere Mächtigkeit des Kohlenkalks hinweist als bisher vermutet.

Ein zentraler Befund der Bohrung war das unerwartet hohe Wasservorkommen im Gestein. Wiederholt trat Tiefenwasser eigenständig in die Bohrung ein, was auf eine starke hydraulische Durchlässigkeit hinweist. Ein anschließender Test bestätigte die Förderfähigkeit – ein entscheidendes Kriterium für den geothermischen Nutzen. Damit ist der geologische Nachweis eines potenziell nutzbaren geothermischen Reservoirs erbracht.

Die gewonnenen Bohrkerne liefern nicht nur technische Daten für die künftige Nutzung, sondern auch geowissenschaftliche Erkenntnisse über die Entwicklung des Gesteins, das vor mehr als 340 Millionen Jahren in einem tropischen Schelfmeer entstanden ist. Die Auswertung soll helfen, das geothermische Potenzial in der Region systematisch zu erfassen und auf andere Standorte zu übertragen.

Teil eines Masterplans

Die Bohrung ist Teil des Masterplans Geothermie, den das nordrhein-westfälische Wirtschafts- und Klimaministerium 2024 vorgestellt hat. Ziel ist es, bis 2045 rund 20 Prozent des Wärmebedarfs im Land aus Erdwärme zu decken. Die jetzt nachgewiesene Eignung des Kohlenkalks markiert einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Eine weitere Forschungsbohrung ist für Anfang 2026 in Köln-Dellbrück geplant.

Der Bohrplatz in Krefeld wird nicht dauerhaft genutzt. Da es sich um eine rein wissenschaftliche Untersuchung handelte, wird das Bohrloch gemäß den bergrechtlichen Vorgaben wieder verfüllt und die Fläche zurückgebaut. Während der Arbeiten war das Interesse aus der Bevölkerung groß, begleitet von Führungen, einem Informationscontainer und dem Besuch der Landeswirtschaftsministerin Mona Neubaur.

Der Geologische Dienst NRW stellt alle Informationen zum Projekt online bereit. Zusätzliche Einblicke und aktuelle Entwicklungen werden über die Social-Media-Kanäle des Dienstes kommuniziert.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie

EWP Potsdam: Bohrstart für Tiefengeothermie

[17.07.2026] Die Energie und Wasser Potsdam hat am Heizkraftwerk Süd die Bohrungen zur Erschließung von Tiefengeothermie begonnen. Mit dem Projekt soll eine weitere erneuerbare Wärmequelle für die Fernwärmeversorgung der Landeshauptstadt erschlossen werden. mehr...

München: Große Seismik-Kampagne

[14.07.2026] Im Großraum München beginnt Ende August eine groß angelegte seismische Messkampagne zur Erkundung von Geothermiepotenzialen. Nach Angaben des Forschungsprojekts GIGA-M soll dabei erstmals ein durchgängiges dreidimensionales Modell des tiefen Untergrunds entstehen. mehr...

Ruhrgebiet: Größtes Geothermie-Erlaubnisfeld

[25.06.2026] Im Ruhrgebiet entsteht das bislang größte Geothermie-Untersuchungsfeld in Deutschland. Für das Projekt „Erdwärme Metropole Ruhr“ wurde nun die entsprechende Erlaubnis erteilt. mehr...

Potsdam: Verlängerung von Projekt zur Tiefengeothermie

[24.06.2026] EWP und das GFZ erschließen in Potsdam gemeinsam weitere Standorte für die Tiefengeothermie. Die vierjährige Kooperation soll den Umbau der Wärmeversorgung beschleunigen und den Weg für den Ersatz des bestehenden Heizkraftwerks ebnen. mehr...

Münster: Forschungsbohrung für 2027 geplant

[22.06.2026] In Münster soll 2027 eine Forschungsbohrung prüfen, ob sich heißes Thermalwasser in mehr als einem Kilometer Tiefe nutzen lässt. Das Projekt könnte die Grundlage für eine klimafreundliche Wärmeversorgung legen und wichtige Entscheidungen für die Wärmewende in der Region beeinflussen. mehr...

Schematische Darstellung einer Anlage zur tiefen Geothermie. Die Grafik zeigt einen Querschnitt durch den Untergrund mit mehreren Gesteinsschichten. Zwei Bohrungen reichen bis in rund 3.500 Meter Tiefe zu einer etwa 150 Grad Celsius heißen wasserführenden Schicht. Heißes Wasser wird über eine Förderbohrung an die Oberfläche geleitet, zur Erzeugung von Fernwärme und Elektrizität genutzt und anschließend über eine zweite Bohrung wieder in den Untergrund zurückgeführt. An der Oberfläche sind Gebäude, Felder, Stromleitungen und technische Anlagen dargestellt. Die Beschriftungen „Fernwärme“ und „Elektrizität“ verdeutlichen die Nutzung der geothermischen Energie.

Baden-Württemberg: Landesregierung setzt auf Geothermie

[12.06.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will den Ausbau der tiefen Geothermie vorantreiben. Nach Angaben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sollen Hemmnisse für die Technologie abgebaut werden. Derzeit befinden sich 17 Anlagen im Land in Planung, eine weitere wird gebaut. mehr...

Stadtwerke Husum: Tiefengeothermie für Wärmeversorgung

[02.06.2026] Die Stadtwerke Husum lassen die Möglichkeiten für eine Nutzung von Tiefengeothermie untersuchen. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob und wo Bohrungen möglich sind und unter welchen Voraussetzungen sich das Vorhaben umsetzen lässt. mehr...

München: Geothermie-Messungen im Projekt GIGA-M

[01.06.2026] Mit einer Seismik-Kampagne sollen im Großraum München bislang ungenutzte Erdwärme-Potenziale untersucht werden. Mehrere Stadtwerke und kommunale Unternehmen haben sich dazu im Forschungsprojekt GIGA-M zusammengeschlossen. mehr...

Mehrere weiße Vibro-Trucks stehen auf einer Straße am Rand eines Feldes. Die Spezialfahrzeuge werden für seismische Messungen zur Untersuchung des Untergrunds eingesetzt. Der Himmel ist bewölkt.

Nürnberg: N-ERGIE plant Erdwärmeprojekt

[27.05.2026] N-ERGIE will in der zweiten Jahreshälfte 2026 den Untergrund in und um Nürnberg mit 2D-Seismik-Messungen untersuchen. Die Daten sollen helfen, das Potenzial von Erdwärme in der Region Nürnberg genauer zu bewerten. mehr...

Neuhofen: Informationsveranstaltung zu Tiefengeothermie-Projekt

[22.05.2026] Das Tiefengeothermie-Projekt „Rhein-Pfalz“ hat seine erste Bürgerinformationsveranstaltung in Neuhofen genutzt, um Technik, Bohrungen und Wärmenetzpläne vorzustellen. Das große Interesse der Besucher zeigt, wie stark die regionale Wärmewende und die Aussicht auf langfristig stabile Wärmepreise die Menschen vor Ort beschäftigen. mehr...

Oberschwaben: LGRB startet seismische Messkampagne im Herbst

[20.05.2026] In Oberschwaben beginnt im Oktober 2026 eine groß angelegte 2D-Seismik zur Erkundung tiefer geothermischer Potenziale. Die Messkampagne soll Kommunen und Energieversorgern belastbare Daten für klimaneutrale Wärmeprojekte liefern und gilt als wichtiger Baustein der Wärmewende in Baden-Württemberg. mehr...

Kaiserslautern: Pfälzer Wärme aus dem Untergrund

[07.05.2026] Das Unternehmen Deutsche ErdWärme und die Stadtwerke Kaiserslautern prüfen, ob Geothermie künftig zur Wärmeversorgung der Stadt beitragen kann. Dafür werden Daten aus seismischen Messungen im Untergrund ausgewertet. mehr...

Stadtwerke Münster: Untergrundmodell liefert möglichen Bohrstandort

[06.05.2026] Die Stadtwerke Münster haben aus einer groß angelegten 3D-Seismik ein detailliertes Untergrundmodell bis 6.000 Meter Tiefe erstellt und leiten daraus einen ersten möglichen Bohrstandort für Tiefengeothermie am Stadthafen ab. mehr...

Wuppertal: Machbarkeitsstudie zur tiefen Geothermie

[01.04.2026] Die Fraunhofer IEG und die Wuppertaler Stadtwerke starten eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung tiefer Geothermie in Wuppertal. Die Untersuchung soll klären, ob Erdwärme aus mehreren tausend Metern Tiefe künftig zur klimafreundlichen Wärmeversorgung der Stadt beitragen kann. mehr...

Herrsching am Ammersee: Gymnasium nutzt PVT-Module

[26.03.2026] Ein Gymnasium in Herrsching am Ammersee nutzt erstmals PVT-Module in Kombination mit Geothermie für seine Energieversorgung. Das hybride System reduziert den Bedarf an Erdsonden deutlich und zeigt, wie sich Flächen- und Genehmigungsgrenzen in Neubauten überwinden lassen. mehr...