Montag, 19. Januar 2026

EnzkreisBis 2040 treibhausgasneutral

[19.01.2026] Der Landkreis Enz setzt auf den Ausbau von Solar- und Windenergie sowie auf Beratung und Beteiligung. Dafür wurde er von der AEE zur Energie-Kommune des Monats gekürt.

Für denkmalgeschützte Bauten gibt es im Enzkreis angepasste Sanierungsmöglichkeiten.

(Bildquelle: Landratsamt Enzkreis Denkmalnetzwerk)

Der Enzkreis in Baden-Württemberg treibt seine Energiewende seit 2010 systematisch voran. Ziel ist die Treibhausgasneutralität bis 2040, wobei der Kreis nicht nur auf neue Anlagen für Strom und Wärme, sondern auch auf Information und Beteiligung der Bürger setzt. Der Enzkreis umschließt die Stadt Pforzheim und liegt zwischen den Metropolregionen Karlsruhe und Stuttgart. In 28 Städten und Gemeinden leben knapp 200.000 Einwohner. Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) kürte den Landkreis nun zur Energie-Kommune des Monats Januar 2026.

Eigene Klimastrategie

Der Landkreis verfolgt seit mehr als einem Jahrzehnt eine eigene Klimastrategie. Unter dem Motto „Enzkreis-Klima-Wendekreis“ hat das Landratsamt Ziele festgelegt und diese im Leitbild verankert. Zudem nimmt der Enzkreis am „European Energy Award“ teil. Dabei handelt es sich um ein europäisches Qualitätsmanagement- und Zertifizierungsverfahren für kommunalen Klimaschutz.

2024 wurde der Enzkreis eigenen Angaben zufolge zum vierten Mal in Folge mit Gold ausgezeichnet. Dafür müssen mehr als 75 Prozent der Bewertungskriterien erfüllt werden. Die Verwaltung nennt als Gründe ein neues Konzept zur Treibhausgasneutralität mit zehn Maßnahmen sowie ein energiepolitisches Arbeitsprogramm. Damit sollen unter anderem die Kohlendioxid-Emissionen (CO₂) in Gebäuden, im Fuhrpark und bei der Wärmeversorgung sinken.

Bis 2030 will der Enzkreis die Emissionen um 65 Prozent senken. Grundlage ist das Jahr 1990 und die Ziele orientieren sich am Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg.

Zudem verweist der Enzkreis auf seine Nachhaltigkeitsstrategie. Als Rahmen nennt er die „Agenda 2030“ mit ihren 17 globalen Nachhaltigkeitszielen. Die Fortschritte werden über ein Online-Dashboard und Indikatorenberichte veröffentlicht. Darüber hinaus berichtet der Kreis in einem „Voluntary Local Report“ direkt an die Vereinten Nationen.

Projekte mit Bürgern

In der Klimastrategie wird zwischen Maßnahmen in der Verwaltung und Projekten außerhalb des Landratsamts unterschieden. Laut Mitteilung geht es intern unter anderem um energetische Sanierungen, regenerative Wärmeversorgung, Photovoltaik, einen optimierten Fuhrpark und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Seit 2010 sind die Emissionen im Landratsamt pro Personalstelle um 31 Prozent gesunken.

Extern setzt der Kreis auf Beratung und Bildungsangebote. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Klimaschutz- und Energieagentur Enzkreis Pforzheim (KEEP), die gemeinsam mit der Stadt Pforzheim betrieben wird. Sie berät Kommunen, Haushalte und Unternehmen. Themenschwerpunkte sind Energieeffizienz, erneuerbare Energien und klimafreundliche Wärmeversorgung. Die Agentur erstellt CO₂-Bilanzen und bietet Programme an Schulen und Kindergärten an. Das Umweltministerium Baden-Württemberg fördert die Arbeit der Agentur im Bereich der kommunalen Wärmeplanung. Seit Januar 2025 gibt es zudem eine Klimaschutzkoordination.

Der Enzkreis verweist außerdem auf Energiegenossenschaften. Aktuell gibt es fünf Genossenschaften im Kreisgebiet. In der Mitteilung wird besonders die Bürgerenergie Region Mühlacker hervorgehoben. Diese habe im Jahr 2023 mit 16 Photovoltaik- und sechs Windenergieprojekten knapp über 15.000 Megawattstunden erzeugt. Das reicht rechnerisch für knapp 5.000 Zwei-Personen-Haushalte.

Hilde Neidhardt, die als Erste Landesbeamtin für Klimaschutz zuständig ist, sagt: „Durch regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit und zahlreiche Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung auf verschiedensten Ebenen möchten wir möglichst viele Menschen jeglichen Alters beim wichtigen Thema Klimaschutz mitnehmen und kompetent beraten. Der Zuspruch bei unseren Vortragsveranstaltungen und Aktionstagen zeigt, dass uns das auch gelingt. Ich bin daher optimistisch, dass wir – auch dank der guten Vernetzung mit weiteren engagierten Mitstreitern und den Kommunen im Enzkreis – die Energiewende voranbringen werden.“

Solar, Wind und flexible Technik

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sieht der Enzkreis nach eigenen Angaben klare Handlungsfelder. 2019 lag die Region bei der lokalen Erzeugung von Strom und Wärme noch unter dem Landesdurchschnitt. Daraufhin wurde der weitere Ausbau von Photovoltaik, Windenergie und Biomasse priorisiert. Wasserkraft und Geothermie sind durch Topografie und Wasserschutzgebiete begrenzt.

Als Beispiele nennt der Kreis Solar- und Windparks. Die größte Photovoltaik-Freiflächenanlage befindet sich in Wiernsheim-Iptingen. Sie kann rechnerisch alle Privathaushalte im Ort versorgen. Fünf weitere große Anlagen sind in Betrieb. Allein im Jahr 2024 wurden Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 38 Megawatt Peak installiert. Das entspricht rechnerisch dem Strombedarf von rund 10.500 Haushalten. Der Windpark Straubenhardt liefere rechnerisch mehr Strom, als die Gemeinde verbraucht. Seit 2024 gibt es zudem einen interkommunalen Windpark in Neuenbürg.

Für die Gebäude wurde ein Denkmalnetzwerk aufgebaut. Dieses soll die energetische Sanierung denkmalgeschützter Häuser erleichtern. In diesem Netzwerk arbeiten Eigentümer, Handwerksbetriebe, Architekten sowie Energieberater zusammen.





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