Freitag, 7. August 2026

Green Planet EnergyBiomethan aus Morschen

[07.08.2026] Die Energiegenossenschaft Green Planet Energy baut eine Biogasanlage im hessischen Morschen zu einem Biomethanstandort aus. Das Projekt soll nachhaltiges Gas aus landwirtschaftlichen Reststoffen liefern und den erneuerbaren Anteil der Gasversorgung weiter erhöhen.

Morschen ist nicht nur eine hessische Begrüßungsformel, sondern auch eine Gemeinde. Dort entsteht jetzt eine Biogasanlage.

v.l.: Benjamin Beckert, Julian Tiencken, beide Geschäftsführer bei Green Planet Projects; Roland Zobel, Bürgermeister Morschen; Ottmar und Richard Pfaffenbach, Inhaber Lindenhof

(Bildquelle: Green Planet Energy)

In Morschen in Hessen entsteht aus einer bestehenden Biogasanlage ein Standort zur Erzeugung von Biomethan. Wie Green Planet Energy mitteilt, wird die Anlage modernisiert und um eine Biogasaufbereitung ergänzt, sodass das erzeugte Gas künftig als Biomethan in das öffentliche Gasnetz eingespeist werden kann. Bisher wurde das Biogas vor Ort zur Stromerzeugung genutzt.

Green Planet Energy realisiert das Vorhaben gemeinsam mit dem Landwirtschaftsbetrieb Lindenhof. Für die Umsetzung ist die Tochtergesellschaft Green Planet Projects verantwortlich, die Aufbereitungsanlage liefert das Unternehmen AgriKomp. Mit einem symbolischen Spatenstich haben die Projektpartner Anfang August den Ausbau der seit rund 15 Jahren bestehenden Anlage begonnen.

Kleegras, Zwischenfrüchte, Stroh, Zuckerrübenreste und Mist

Nach der Fertigstellung soll der Standort jährlich rund 15 Gigawattstunden Biomethan erzeugen. Als Einsatzstoffe dienen überwiegend Kleegras, Zwischenfrüchte, Stroh, Zuckerrübenreste und Mist. Damit setzt das Projekt vor allem auf landwirtschaftliche Reststoffe und Substrate, die nicht mit der Lebensmittelproduktion konkurrieren. Nach Angaben des Unternehmens fördern Kleegras und Zwischenfrüchte zugleich vielfältigere Fruchtfolgen und eine nachhaltigere Bewirtschaftung der Flächen. Durch den Einsatz pflanzlicher Reststoffe sollen jährlich mindestens 3.600 Tonnen CO₂ vermieden werden.

„Biogas ist nur dann ökologisch sinnvoll, wenn auch die eingesetzte Biomasse nachhaltig ist. In Morschen setzen wir deshalb auf Reststoffe und ökologisch sinnvolle Substrate. Die neue Anlage hilft uns, den erneuerbaren Anteil unseres Gasangebots noch weiter zu erhöhen, um unseren hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden zu können“, sagt Nils Müller, Vorstand von Green Planet Energy.

Nach Unternehmensangaben besteht der angebotene Gasmix bereits heute zu 75 Prozent aus erneuerbaren Gasen. Bis 2027 soll der Anteil auf 100 Prozent steigen. Das Biomethan aus Morschen soll dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Über das öffentliche Gasnetz kann das erneuerbare Gas sowohl für die Wärmeversorgung als auch zur flexiblen Stromerzeugung genutzt werden.

Versorgung des Standorts mit erneuerbarem Strom

Technisch wird der Standort außerdem mit erneuerbarem Strom versorgt. Den größten Teil des Strombedarfs soll künftig eine Agri-Photovoltaikanlage einer lokalen Energiegenossenschaft decken. Die Flächen werden dabei weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Ergänzend bleibt das vorhandene Blockheizkraftwerk für die Stromversorgung in Betrieb.

„Wir verbinden in Morschen eine bestehende Biogasanlage mit moderner Aufbereitungstechnik und erneuerbarer Stromversorgung. So nutzen wir die vorhandene Infrastruktur effizient weiter und entwickeln den Standort zu einem zukunftsfähigen Erzeuger von Biomethan“, sagt Julian Tiencken, Geschäftsführer von Green Planet Projects.

Auch der Landwirtschaftsbetrieb Lindenhof sieht Vorteile für die Region. „Das Projekt zeigt, wie Landwirtschaft und Energiewende vor Ort zusammenwirken können. Durch die lokale Erzeugung von erneuerbarer Energie entsteht zusätzliche Wertschöpfung in der Region“, sagt Ottmar Pfaffenbach vom Lindenhof in Morschen.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Bioenergie

Lahr: Bau von Biomasse-Anlage

[03.08.2026] MVV Enamic baut für die Rubinmühle in Lahr eine Biomasse-Anlage zur Erzeugung von Prozessdampf aus Haferschalen. Das Projekt soll Erdgas ersetzen, CO2-Emissionen senken und zeigt, wie Industrieunternehmen Produktionsreststoffe energetisch nutzen können. mehr...

EEG-Novelle: Kritik aus der Biogasbranche

[22.07.2026] Ein Netzwerk der Biogasbranche kritisiert den Entwurf zur EEG-Novelle als existenzielle Bedrohung für bestehende Biogasanlagen. Nach Ansicht der Flexperten gefährden die geplanten Ausschreibungsregeln Versorgungssicherheit, Wärmewende und ländliche Wertschöpfung – und fordern deutliche Nachbesserungen. mehr...

Cuxhaven: Biovergärungsanlage macht Baufortschritte

[09.03.2026] Am Entsorgungszentrum Pennigbüttel entsteht eine Biovergärungsanlage, die Bioabfälle aus vier Kommunen zu Biogas und Kompost verarbeitet. Ein Jahr nach dem Spatenstich melden die Betreiber deutliche Baufortschritte und starten nach der Winterpause den nächsten Bauabschnitt. mehr...

Weikersheim: Baustart von Rohbiogasleitung

[05.03.2026] In Weikersheim entsteht eine 4,3 Kilometer lange Rohbiogasleitung mit zwei Satelliten-Blockheizkraftwerken für die kommunale Wärmeversorgung. Das vom Land Baden-Württemberg mit 300.000 Euro geförderte Projekt soll jährlich bis zu 500.000 Liter Heizöl ersetzen und gilt als Modell für den ländlichen Raum. mehr...

Hauptstadtbüro Bioenergie: Kritik am Entwurf des Netzentwicklungsplans

[19.01.2026] Der aktuelle Entwurf des Netzentwicklungsplans blendet nach Ansicht der Bioenergiebranche erneut das Potenzial von Biomasse und Biogas aus. Das Hauptstadtbüro Bioenergie kritisiert eine realitätsferne Fortschreibung früherer Annahmen trotz veränderter energiepolitischer Rahmenbedingungen. mehr...

Stadtwerke Flensburg: Gemeinde übernimmt Biomasse-Heizkraftwerk

[08.01.2026] Zum 1. Januar 2026 hat die Gemeinde Langballig das Biomasse-Heizkraftwerk von den Stadtwerken Flensburg übernommen. Damit geht eine seit mehr als drei Jahren vorbereitete Übertragung der klimaneutralen Wärme- und Stromerzeugung in kommunale Verantwortung über. mehr...

Biogasrat: Warnung vor Wettbewerbsnachteilen

[12.12.2025] Der Biogasrat warnt, dass der neue Kabinettsentwurf zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote die Existenz mittelständischer Produzenten fortschrittlicher Biokraftstoffe gefährde. mehr...

Neutraubling: Biomasseheizwerk ans Wärmenetz gegangen

[08.12.2025] REWAG hat in Neutraubling jetzt ein Biomasseheizwerk offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage soll das Wärmenetz stabilisieren und ein weiterer Schritt zur Dekarbonisierung sein. mehr...

Biogasrat: Kritik an Referentenentwurf

[01.12.2025] Der Biogasrat kritisiert den Referentenentwurf zum Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpaket als unzureichend und warnt vor Rückschritten bei Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Der Verband fordert verlässliche Regeln für den Netzanschluss von Biomethananlagen, den Erhalt bestehender Privilegien und klare Vorgaben zur Investitionssicherheit. mehr...

Putlitz: Umstellung von Gasnetz auf Biomethan

[24.11.2025] Die Stadt Putlitz stellt ihr Gasnetz erstmals vollständig auf nahezu klimaneutrales Biomethan um. Grundlage ist ein Vertrag zum Anschluss der Biogas Produktion Putlitz an das Netz von EMB Energie Brandenburg. mehr...

Bayern: Hopfenveredelungswerk nimmt Biomasseheizwerk in Betrieb

[21.11.2025] Das Hopfenveredelungswerk St. Johann hat ein neues Heizhaus mit Biomassekessel in Betrieb genommen. Damit deckt der Betrieb seinen Wärmebedarf fast vollständig aus Hopfenresten und Holz. mehr...

bmp greengas: Mit Biomethan ins Klimaziel

[20.11.2025] Biomethan kann der deutschen Chemieindustrie helfen, ihre Klimaziele schneller zu erreichen und CO2-Emissionen deutlich zu senken. Laut bmp greengas lässt sich das aufbereitete Biogas ohne technische Anpassungen als Ersatz für Erdgas nutzen. mehr...

Hannover: Biomasse-Heizkraftwerk speist Wärme in Fernwärmenetz

[03.11.2025] In Hannover hat das neue Biomasse-Heizkraftwerk Stöcken erstmals grüne Wärme ins Netz eingespeist. Die Anlage soll die Abschaltung des Kohleblocks I ermöglichen und jährlich rund 300.000 Tonnen CO₂ einsparen. mehr...

Düsseldorf: Neue Biomasseanlage für Betriebshof

[15.10.2025] Am zentralen Betriebshof des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes Düsseldorf ist eine neue Biomasseanlage in Betrieb gegangen. Laut Mitteilung der Landeshauptstadt lassen sich damit jährlich bis zu 1.000 Tonnen CO₂ im Vergleich zu einer Erdgasheizung einsparen. mehr...