Mittwoch, 26. August 2026

MünchenSeismik-Messungen gestartet

[26.08.2026] Im Großraum München wird der tiefe Untergrund in den kommenden Monaten großflächig untersucht. Die Daten sollen ein dreidimensionales geologisches Modell ermöglichen und die Planung weiterer Geothermieprojekte unterstützen. Die Messungen sind Teil des Forschungsprojekts GIGA-M.

Seismik-Kampagne: An den einzelnen Messpunkten dauern die Arbeiten jeweils nur wenige Minuten.

(Bildquelle: Stadtwerke München)

Die groß angelegte Seismik-Messkampagne des Forschungsprojekts GIGA-M (wir berichteten) hat begonnen. Wie das Projekt mitteilt, sind mehrere Messflotten gleichzeitig in der Region München gestartet. Erste Messungen fanden unter anderem bei Hofolding im südlichen Landkreis München statt. Nach Angaben von GIGA-M handelt es sich um die bislang umfassendste seismische Untersuchung eines Geothermiepotenzials in Deutschland.

3D-Bild des Untergrunds

Ziel der Kampagne ist ein durchgängiges dreidimensionales Bild des tiefen Untergrunds im Großraum München. Die gewonnenen Daten sollen dazu beitragen, weitere Geothermieprojekte genauer und besser aufeinander abgestimmt zu planen. Auf Grundlage der Messdaten soll ein geologisches 3D-Modell entstehen. Nach Abschluss des Projekts soll es allen Interessierten kostenlos über das Bayerische Landesamt für Umwelt zur Verfügung stehen.

Für die Untersuchungen kommen sogenannte Vibrotrucks zum Einsatz. Die Spezialfahrzeuge geben kontrollierte Schwingungen in den Untergrund ab. Diese werden teilweise an den Grenzschichten verschiedener Gesteine reflektiert. Tausende kleine Messgeräte, sogenannte Geophone, zeichnen die Signale auf. Aus den Daten lässt sich anschließend ein hochauflösendes dreidimensionales Modell des Untergrunds erstellen.

Messungen in mehreren Landkreisen

Die Messkampagne läuft blockweise. Mehrere Teams arbeiten parallel und bewegen sich von Messpunkt zu Messpunkt durch das Untersuchungsgebiet. Die Arbeiten sind nach Angaben von GIGA-M vom Bergamt bei der Regierung von Oberbayern genehmigt. Die Arbeiten haben zunächst im südlichen Landkreis München begonnen. Von dort sollen sie sich durch den nördlichen Teil des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen sowie durch Teile der Landkreise Miesbach, Starnberg und Fürstenfeldbruck bewegen.

Im September sollen Messungen in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau sowie in Teilen des westlichen Münchner Stadtgebiets folgen. Ab Oktober sind Teile des nördlichen und östlichen Stadtgebiets von München sowie der nördliche und östliche Landkreis München vorgesehen. Auch in den Landkreisen Dachau und Freising soll dann gemessen werden. Die abschließenden Untersuchungen sollen zudem die Landkreise Ebersberg und Erding umfassen.

Leichtes Vibrieren

An den einzelnen Messpunkten dauern die Arbeiten laut GIGA-M jeweils nur wenige Minuten. Anwohnerinnen und Anwohner könnten die Schwingungen als leichtes Vibrieren wahrnehmen. Das Projekt vergleicht dies mit den Erschütterungen durch einen vorbeifahrenden Zug oder Schwertransport. Die Schwingungen liegen nach Angaben des Projekts innerhalb definierter Anhaltswerte nach DIN-Norm und werden kontinuierlich überwacht. Fachkräfte begleiten die Arbeiten vor Ort und kontrollieren die Einhaltung der Vorgaben. Bei der Planung und Überwachung werde auch bestehende Infrastruktur wie unterirdische Leitungen berücksichtigt.

Rund 50 Geothermie-Bohrungen in Betrieb

Im Großraum München wird Erdwärme bereits zur Wärmeversorgung genutzt. Als geothermische Energiequelle dient heißes Thermalwasser aus durchlässigen Kalksteinschichten des sogenannten Malms. Das Wasser wird über Tiefbohrungen an die Oberfläche gefördert. Wärmetauscher entziehen ihm dort Energie. Anschließend wird das abgekühlte Wasser über weitere Bohrungen wieder in dieselbe Gesteinsschicht zurückgeführt.

Nach Angaben von GIGA-M wird das Thermalwasserreservoir im Großraum München derzeit von verschiedenen Betreibern über rund 50 Bohrungen genutzt. Die thermische Gesamtleistung liegt demnach bei etwa 400 Megawatt. Das noch verbleibende Potenzial wird auf mehr als 1.000 Megawatt beziehungsweise mehr als ein Gigawatt geschätzt.

Forschungsprojekt unter Leitung der TUM

GIGA-M steht für „Großräumige Integrierte Gesamt-Analyse des tiefengeothermischen Potentials und seiner synergetischen Nutzung im Großraum München“. Das Forschungsprojekt untersucht das Potenzial der Tiefengeothermie in der Region und soll Grundlagen für eine abgestimmte Nutzung schaffen. Koordiniert wird das Vorhaben von der Technischen Universität München (TUM). Beteiligt sind außerdem die Stadtwerke München (SWM), die EWG Garching, die Energieagentur Ebersberg-München, die Landeshauptstadt München und der Landkreis München. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Forschungsprojekt.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geothermie

Fraunhofer IEG: Forschungsprojekt zu Kalkgestein in der Rhein-Ruhr-Region

[17.08.2026] Ein Forschungsprojekt entwickelt neue Werkzeuge für die Tiefengeothermie in der Rhein-Ruhr-Region. R3Chain soll das Potenzial von Kalkgestein genauer bestimmen und Stadtwerken sowie Energieversorgern frühere Planungssicherheit geben. mehr...

Fraunhofer IEG: EU-Projekt entwickelt neue Bohrtechnik

[13.08.2026] Das EU-Projekt UPLIFT entwickelt mit der MTD-Technologie eine Bohrtechnik, die bestehende Geothermiebohrungen durch seitliche Mikro-Bohrungen erweitern soll. Das Verfahren wird in einer drei Kilometer tiefen Bohrung in Tschechien getestet und soll höhere Wärmeleistungen bei geringerem Erschließungsrisiko ermöglichen. mehr...

Hamburg: Tiefengeothermie-Projekt steht kurz vor Inbetriebnahme

[10.08.2026] Hamburgs erstes Tiefengeothermie-Projekt steht vor der Inbetriebnahme. Noch 2026 soll Erdwärme aus mehr als 1.300 Metern Tiefe in das Fernwärmenetz von Wilhelmsburg eingespeist werden. mehr...

Badenova: Vorbereitung von Tiefbohrungen

[10.08.2026] Das Geothermieprojekt Erdwärme Breisgau hat die bergrechtliche Genehmigung für die nächste Projektphase erhalten. Badenova und Herrenknecht bereiten nun die Bohrungen vor und investieren gemeinsam in die Erschließung eines Tiefengeothermie-Reservoirs. mehr...

Rheinisches Revier: Vorbereitung zu seismischen Messungen

[27.07.2026] Fraunhofer IEG bereitet seismische Messungen zur Erkundung des geothermischen Potenzials im Rheinischen Revier vor. Die Untersuchungen sollen die Datengrundlage für kommunale Wärmeplanung und künftige Geothermieprojekte verbessern. mehr...

EWP Potsdam: Bohrstart für Tiefengeothermie

[17.07.2026] Die Energie und Wasser Potsdam hat am Heizkraftwerk Süd die Bohrungen zur Erschließung von Tiefengeothermie begonnen. Mit dem Projekt soll eine weitere erneuerbare Wärmequelle für die Fernwärmeversorgung der Landeshauptstadt erschlossen werden. mehr...

München: Große Seismik-Kampagne

[14.07.2026] Im Großraum München beginnt Ende August eine groß angelegte seismische Messkampagne zur Erkundung von Geothermiepotenzialen. Nach Angaben des Forschungsprojekts GIGA-M soll dabei erstmals ein durchgängiges dreidimensionales Modell des tiefen Untergrunds entstehen. mehr...

Ruhrgebiet: Größtes Geothermie-Erlaubnisfeld

[25.06.2026] Im Ruhrgebiet entsteht das bislang größte Geothermie-Untersuchungsfeld in Deutschland. Für das Projekt „Erdwärme Metropole Ruhr“ wurde nun die entsprechende Erlaubnis erteilt. mehr...

Potsdam: Verlängerung von Projekt zur Tiefengeothermie

[24.06.2026] EWP und das GFZ erschließen in Potsdam gemeinsam weitere Standorte für die Tiefengeothermie. Die vierjährige Kooperation soll den Umbau der Wärmeversorgung beschleunigen und den Weg für den Ersatz des bestehenden Heizkraftwerks ebnen. mehr...

Münster: Forschungsbohrung für 2027 geplant

[22.06.2026] In Münster soll 2027 eine Forschungsbohrung prüfen, ob sich heißes Thermalwasser in mehr als einem Kilometer Tiefe nutzen lässt. Das Projekt könnte die Grundlage für eine klimafreundliche Wärmeversorgung legen und wichtige Entscheidungen für die Wärmewende in der Region beeinflussen. mehr...

Schematische Darstellung einer Anlage zur tiefen Geothermie. Die Grafik zeigt einen Querschnitt durch den Untergrund mit mehreren Gesteinsschichten. Zwei Bohrungen reichen bis in rund 3.500 Meter Tiefe zu einer etwa 150 Grad Celsius heißen wasserführenden Schicht. Heißes Wasser wird über eine Förderbohrung an die Oberfläche geleitet, zur Erzeugung von Fernwärme und Elektrizität genutzt und anschließend über eine zweite Bohrung wieder in den Untergrund zurückgeführt. An der Oberfläche sind Gebäude, Felder, Stromleitungen und technische Anlagen dargestellt. Die Beschriftungen „Fernwärme“ und „Elektrizität“ verdeutlichen die Nutzung der geothermischen Energie.

Baden-Württemberg: Landesregierung setzt auf Geothermie

[12.06.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will den Ausbau der tiefen Geothermie vorantreiben. Nach Angaben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sollen Hemmnisse für die Technologie abgebaut werden. Derzeit befinden sich 17 Anlagen im Land in Planung, eine weitere wird gebaut. mehr...

Stadtwerke Husum: Tiefengeothermie für Wärmeversorgung

[02.06.2026] Die Stadtwerke Husum lassen die Möglichkeiten für eine Nutzung von Tiefengeothermie untersuchen. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob und wo Bohrungen möglich sind und unter welchen Voraussetzungen sich das Vorhaben umsetzen lässt. mehr...

München: Geothermie-Messungen im Projekt GIGA-M

[01.06.2026] Mit einer Seismik-Kampagne sollen im Großraum München bislang ungenutzte Erdwärme-Potenziale untersucht werden. Mehrere Stadtwerke und kommunale Unternehmen haben sich dazu im Forschungsprojekt GIGA-M zusammengeschlossen. mehr...

Mehrere weiße Vibro-Trucks stehen auf einer Straße am Rand eines Feldes. Die Spezialfahrzeuge werden für seismische Messungen zur Untersuchung des Untergrunds eingesetzt. Der Himmel ist bewölkt.

Nürnberg: N-ERGIE plant Erdwärmeprojekt

[27.05.2026] N-ERGIE will in der zweiten Jahreshälfte 2026 den Untergrund in und um Nürnberg mit 2D-Seismik-Messungen untersuchen. Die Daten sollen helfen, das Potenzial von Erdwärme in der Region Nürnberg genauer zu bewerten. mehr...