Donnerstag, 11. Juni 2026

Stadtwerke StuttgartBei Windparkprojekt ist die Luft raus

[23.01.2026] Stadtwerke Stuttgart und Uhl Windkraft stoppen ihre Windkraftpläne im Vorranggebiet Zollernalb. Messdaten zeigen deutlich geringere Windgeschwindigkeiten als prognostiziert und machen einen wirtschaftlichen Betrieb unmöglich.

Weil der Wind nicht anhob, opferte Agamemnon seine Tochter Iphigenie. Aus dem gleichen Grund müssen die Stadtwerke Stuttgart nun ein seit langem geplantes Windparkprojekt auf der Zollernalb opfern.

(Bildquelle: aremac/123rf)

Die Stadtwerke Stuttgart und Uhl Windkraft beenden ihre Planungen für Windenergieanlagen im Vorranggebiet ZAK-01 auf der Zollernalb bei Rangendingen und Grosselfingen. Wie die Stadtwerke Stuttgart mitteilen, sind die Ergebnisse der durchgeführten Windmessungen ausschlaggebend für diesen Schritt. Demnach liegen die tatsächlich gemessenen Windverhältnisse je nach Standort rund zehn bis 15 Prozent unter den ursprünglichen Prognosen. In Verbindung mit gestiegenen Investitions- und Betriebskosten lasse sich das Projekt wirtschaftlich nicht mehr darstellen.

Projekt läuft seit 2023

Geplant war der Bau und Betrieb von insgesamt sieben Windenergieanlagen, davon drei durch die Stadtwerke Stuttgart und vier durch Uhl Windkraft. Beide Projektträger hatten das Vorhaben seit 2023 vorbereitet (wir berichteten). Die Stadtwerke Stuttgart schlossen im September 2023 nach einer Ausschreibung des Hauses Hohenzollern einen Pachtvertrag für Flächen im Vorranggebiet ab, Uhl Windkraft vereinbarte eine entsprechende Nutzung mit der Gemeinde Grosselfingen. Das Areal ist im Entwurf der Fortschreibung des Regionalplans Neckar-Alb als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen.

In der Projektphase wurden umfangreiche technische und fachliche Untersuchungen durchgeführt. Dazu zählen Windmessungen, Umwelt- und Artenschutzprüfungen, Schall- und Schattenwurfprognosen, Netzanschlussanalysen sowie Transport- und Logistikkonzepte. Die Genehmigungsanträge nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz reichten beide Unternehmen im Juni 2025 ein. Eine Entscheidung der Genehmigungsbehörde war für das Jahr 2026 vorgesehen.

Peter Drausnigg, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Stuttgart, erklärte, die Entscheidung sei nach sorgfältiger Prüfung aller relevanten Faktoren gefallen. Ziel sei gewesen, einen Beitrag zur Klimaneutralität in Baden-Württemberg zu leisten. Gleichzeitig stehe das Unternehmen für einen wirtschaftlich tragfähigen und verantwortungsvollen Ausbau erneuerbarer Energien, wozu auch gehöre, Projekte bei unzureichender Wirtschaftlichkeit einzustellen. Franz Uhl, Geschäftsführer von Uhl Windkraft, verwies darauf, dass mit dem Projekt eine nennenswerte kommunale Wertschöpfung sowie eine breite Bürgerbeteiligung geplant gewesen seien. Das Aus des Vorhabens bedauere man daher ausdrücklich.

Kurs soll fortgesetzt werden

Begleitet wurde das Projekt durch eine Öffentlichkeitsarbeit mit Informationsangeboten für die Bevölkerung, darunter eine fortlaufend aktualisierte Projektwebseite sowie ein gemeinsam organisierter Infomarkt in Grosselfingen.

An ihrer grundsätzlichen Ausrichtung halten beide Unternehmen fest. Die Stadtwerke Stuttgart kündigten an, ihr Portfolio an erneuerbaren Energien weiter auszubauen, unter anderem durch das Repowering der bestehenden Windenergieanlage am Standort Grüner Heiner. Nach Unternehmensangaben soll die modernisierte Anlage einen bis zu siebenfach höheren Energieertrag erzielen. Auch Uhl Windkraft betont, den Schwerpunkt weiterhin auf leistungsfähige Standorte mit nachhaltiger und wirtschaftlicher Stromerzeugung zu legen.





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