Montag, 14. September 2026

EmissionshandelCO₂-Ausstoß im Energiesektor sinkt stark

[18.07.2025] Der Europäische Emissionshandel besteht seit 20 Jahren. In Deutschland sind die Emissionen der beteiligten Anlagen seitdem um fast die Hälfte gesunken. Besonders stark wirkt der Handel im Energiesektor.

Die Treibhausgasemissionen im Energiesektor sanken im Jahr 2024 um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

(Bildquelle: 123rf.com)

Die Treibhausgasemissionen der emissionshandelspflichtigen Anlagen in Deutschland sind im Jahr 2024 um 5,5 Prozent zurückgegangen. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt (UBA) hervor. Der so genannte EU-ETS 1 (Europäisches Emissionshandelssystem, Phase 1) umfasst die großen Emittenten aus der Energiewirtschaft, der energieintensiven Industrie, dem innereuropäischen Luftverkehr sowie seit 2024 auch dem Seeverkehr. Seit dem Start des Systems im Jahr 2005 haben sich demnach die Emissionen der erfassten Anlagen in Deutschland um rund 47 Prozent verringert. Europaweit liegt der Rückgang sogar bei 51 Prozent.

Energiebranche ist Haupttreiber

Besonders stark sank laut dem Bericht der Ausstoß im Energiesektor. Die dortigen Anlagen emittierten 2024 etwa 170 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Das sind 9,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang sei auf mehr erneuerbare Energien, weniger Strom aus Kohlekraft und höhere Stromimporte aus dem Ausland zurückzuführen, so das UBA. Gegenüber 2005 liegt der Rückgang in diesem Sektor bei etwa 54 Prozent.

Die energieintensive Industrie stieß 2024 etwa 102 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus – ein leichter Anstieg um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Emissionen entwickelten sich parallel zur Produktionslage. Während die Emissionen bei der Herstellung von Zementklinker um zehn Prozent zurückgingen, stiegen sie etwa bei der chemischen Industrie um neun Prozent und bei der Produktion von Nichteisenmetallen um 15 Prozent. Seit 2005 beträgt der Rückgang in der Industrie insgesamt rund 29 Prozent.

Luftverkehr wieder auf Vor-Corona-Niveau

Der innereuropäische Flugverkehr ist weiter auf Wachstumskurs. Im Jahr 2024 wurden 8,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestoßen. Das entspricht einem Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt der Luftverkehr wieder auf dem Niveau von 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Der EU-ETS 1 gilt seit 2012 für Flüge innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR).

Seit 2024 gilt der Emissionshandel auch für den Seeverkehr. Erfasst werden Schiffe mit einer Bruttoraumzahl von mindestens 5.000. Für Fahrten innerhalb des EWR sowie für Ein- und Ausfahrten in Häfen der EU gilt eine Abgabepflicht für CO₂-Emissionen. Aussagen über die genaue Höhe der Emissionen im Schiffsverkehr sind noch nicht möglich. Viele Betreiber haben ihre Emissionsberichte noch nicht vorgelegt.

Deutschland liegt im europäischen Trend

Auch europaweit gehen die Emissionen zurück. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sanken sie 2024 um 6,5 Prozent auf etwa eine Milliarde Tonnen CO₂-Äquivalente. Am EU-ETS 1 beteiligen sich alle 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen.

Dirk Messner, Präsident des UBA, sagte: „Der Emissionshandel hat sich seit seiner Einführung Schritt für Schritt zum zentralen Klimaschutzinstrument in Deutschland und Europa entwickelt.“ Laut UBA decken der europäische und der nationale Emissionshandel zusammen derzeit rund 85 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen ab. Daniel Klingenfeld, Fachbereichsleiter für Klimaschutz und Energie im UBA, kündigte weitere Schritte an: „Der Emissionshandel wird maßgeblich dazu beitragen, die gesetzlichen Klimaziele Deutschlands und der EU zu erreichen.“ Ab dem Jahr 2027 soll ein weiteres Handelssystem für Brennstoffe in Verkehr und Gebäuden in Kraft treten, der sogenannte EU-ETS 2.

Laut UBA-Schätzung vom März 2025 sind die Gesamtemissionen in Deutschland im Jahr 2024 um 3,4 Prozent gesunken. Damit fiel die Minderung im Emissionshandelssystem EU-ETS 1 deutlich stärker aus. Dessen Anteil an den deutschen Gesamtemissionen liegt bei etwa 43 Prozent.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Klimaschutz

Leipzig: Flächenkonzept für erneuerbare Energien vorgelegt

[08.09.2026] Leipzig hat ein Flächenkonzept für erneuerbare Energien erarbeitet. Rund zwei Prozent des Stadtgebiets kommen demnach potenziell für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen infrage. Eine wichtige Rolle sollen Photovoltaikanlagen auf Dächern spielen. mehr...

Stadtwerke Osnabrück: Nachhaltigkeitsbericht erstellt

[07.09.2026] Die Stadtwerke Osnabrück haben ihren ersten konzernweiten Nachhaltigkeitsbericht nach CSRD-Logik digital erstellt. Eine PowerApp und ein Power-BI-Dashboard bündeln dafür Nachhaltigkeits- und Emissionsdaten und sollen die Transformation steuerbar machen. mehr...

bericht

Nachhaltige Wirtschaftsflächen: Vom Standort zur passenden Strategie

[02.09.2026] Eine Typologie mit sechs Kategorien zeigt, welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu Gewerbe- und Industriegebieten passen. Die Systematik soll Kommunen helfen, Flächennutzung, Klimaanpassung, Energie und Mobilität schon früh standortgerecht zu planen. mehr...

Braunschweig: Projekt als Klima-Leuchtturm ausgezeichnet

[31.08.2026] Braunschweig erhält für das Beteiligungsprojekt COABS erneut den Preis „Klima-Leuchtturm“. Das Projekt entwickelte mit Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft konkrete Bausteine für die kommunale Klimaanpassung. mehr...

Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen: Elf Kommunen erhalten Auszeichnung

[27.08.2026] Elf Kommunen sind beim Wettbewerb „Klima kommunal“ 2026 für Projekte zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung ausgezeichnet worden. Darunter finden sich auch Vorhaben mit Bezug zu Energieversorgung, Wärme und kommunalen Liegenschaften. mehr...

Photovoltaikanlage auf dem Dach des Stuttgarter Rathauses mit Blick über die Innenstadt. Am Horizont ist der Stuttgarter Fernsehturm erkennbar.
bericht

Stuttgart: Klimaziele nicht erreichbar

[17.08.2026] Stuttgart hat seine Treibhausgasemissionen seit 1990 deutlich reduziert. Für das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, reicht das bisherige Tempo jedoch nicht aus. Das geht aus dem neuen Bericht zur Gesamtstädtischen Klimastrategie hervor. Besonders kritisch bewertet die Stadt die Entwicklung im Wärmesektor. mehr...

Energie-Kommune: Tangerhütte setzt auf Erneuerbaren-Mix

[11.08.2026] In Tangerhütte sind bereits Anlagen zur Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien mit einer Leistung von rund 261 Megawatt installiert. Es sind weitere Wind- und Solarprojekte geplant. Zugleich arbeitet die Stadt an einer nachhaltigen Wärmeversorgung und setzt auf einen großen neuen Batteriespeicher. mehr...

Nürnberg: Maßnahmen zur Klimaneutralität bis 2035 vorgestellt

[05.08.2026] Die Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg baut ihre Eigenenergieerzeugung und Energieeffizienz aus, um bis 2035 klimaneutral zu werden. Ein Sachstandsbericht zeigt, welche technischen Maßnahmen bereits wirken und welche Projekte als Nächstes folgen. mehr...

Westmittelfranken: Vier Kreise legen Energienutzungspläne vor

[03.08.2026] Vier Landkreise in Westmittelfranken haben digitale Energienutzungspläne bis 2040 vorgestellt. Die Analysen zeigen, warum für die Energiewende künftig nicht mehr Jahresbilanzen, sondern das zeitliche Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch, Netzen und Speichern entscheidend ist. mehr...

bericht

Baden-Württemberg: Klima-Impulse aus dem Süden

[23.07.2026] Vier Kommunen in Baden-Württemberg haben sich auf den Weg gemacht, Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen – fünf Jahre früher als vorgeschrieben. Sie verfolgen bewusst unterschiedliche Schwerpunkte. Viele Ansätze lassen sich auf andere Kommunen übertragen. mehr...

Tübingen: Stadt will Klimaschutzprogramm fortsetzen

[23.07.2026] Tübingen hat sein Klimaschutzprogramm bis 2030 fortgeschrieben und den Ausbau der Wärme- und Energie-Infrastruktur bekräftigt. Der Gemeinderat hält trotz schwieriger Rahmenbedingungen am Ziel der Klimaneutralität fest und setzt dabei auf umfangreiche Investitionen von Stadt und Stadtwerken. mehr...

Görlitz: 2030 grenzüberschreitend klimaneutral

[13.07.2026] Görlitz will bis zum Jahr 2030 klimaneutral werden. Daraus ist ein langfristiger Umbau der Energieversorgung, der Stadtentwicklung und der Zusammenarbeit entstanden. Die Stadt arbeitet mit Partnern aus Deutschland und Polen zusammen. Für ihr Engagement wurde die Kommune von der Agentur für Erneuerbare Energien als „Energie-Kommune des Monats Juli 2026” ausgezeichnet. mehr...

Hamburg: CO2-Bilanz vorgelegt

[08.07.2026] Hamburg hat erstmals eine CO2-Schätzbilanz bereits sechs Monate nach Ende des Bilanzjahres vorgelegt. Die vorläufigen Daten zeigen für 2025 einen Anstieg der Emissionen und sollen die Steuerung der Klimapolitik deutlich beschleunigen. mehr...

Bremen: Schornstein macht Platz für Neues

[08.07.2026] Auf dem Kraftwerksgelände der swb im Bremer Hafen beginnt der Rückbau der Schornsteine der ehemaligen Steinkohleblöcke 5 und 6. Mit dem Abriss verschwindet nicht nur das höchste Bauwerk Bremens, sondern es entstehen auch Flächen für den weiteren Umbau des Energiestandorts. mehr...

Konstanz: Neuer Klimaschutzbericht erschienen

[29.06.2026] Der 14. Klimaschutzbericht der Stadt Konstanz verweist auf eine wachsende Lücke zwischen Klimazielen und tatsächlicher Umsetzung. Zugleich nennt der Bericht konkrete Ansätze für schnellere Emissionsminderungen und eine wirksamere Finanzierung des kommunalen Klimaschutzes. mehr...