Samstag, 31. Oktober 2026

EmissionshandelCO₂-Ausstoß im Energiesektor sinkt stark

[18.07.2025] Der Europäische Emissionshandel besteht seit 20 Jahren. In Deutschland sind die Emissionen der beteiligten Anlagen seitdem um fast die Hälfte gesunken. Besonders stark wirkt der Handel im Energiesektor.

Die Treibhausgasemissionen im Energiesektor sanken im Jahr 2024 um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

(Bildquelle: 123rf.com)

Die Treibhausgasemissionen der emissionshandelspflichtigen Anlagen in Deutschland sind im Jahr 2024 um 5,5 Prozent zurückgegangen. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt (UBA) hervor. Der so genannte EU-ETS 1 (Europäisches Emissionshandelssystem, Phase 1) umfasst die großen Emittenten aus der Energiewirtschaft, der energieintensiven Industrie, dem innereuropäischen Luftverkehr sowie seit 2024 auch dem Seeverkehr. Seit dem Start des Systems im Jahr 2005 haben sich demnach die Emissionen der erfassten Anlagen in Deutschland um rund 47 Prozent verringert. Europaweit liegt der Rückgang sogar bei 51 Prozent.

Energiebranche ist Haupttreiber

Besonders stark sank laut dem Bericht der Ausstoß im Energiesektor. Die dortigen Anlagen emittierten 2024 etwa 170 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Das sind 9,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang sei auf mehr erneuerbare Energien, weniger Strom aus Kohlekraft und höhere Stromimporte aus dem Ausland zurückzuführen, so das UBA. Gegenüber 2005 liegt der Rückgang in diesem Sektor bei etwa 54 Prozent.

Die energieintensive Industrie stieß 2024 etwa 102 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus – ein leichter Anstieg um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Emissionen entwickelten sich parallel zur Produktionslage. Während die Emissionen bei der Herstellung von Zementklinker um zehn Prozent zurückgingen, stiegen sie etwa bei der chemischen Industrie um neun Prozent und bei der Produktion von Nichteisenmetallen um 15 Prozent. Seit 2005 beträgt der Rückgang in der Industrie insgesamt rund 29 Prozent.

Luftverkehr wieder auf Vor-Corona-Niveau

Der innereuropäische Flugverkehr ist weiter auf Wachstumskurs. Im Jahr 2024 wurden 8,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestoßen. Das entspricht einem Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt der Luftverkehr wieder auf dem Niveau von 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Der EU-ETS 1 gilt seit 2012 für Flüge innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR).

Seit 2024 gilt der Emissionshandel auch für den Seeverkehr. Erfasst werden Schiffe mit einer Bruttoraumzahl von mindestens 5.000. Für Fahrten innerhalb des EWR sowie für Ein- und Ausfahrten in Häfen der EU gilt eine Abgabepflicht für CO₂-Emissionen. Aussagen über die genaue Höhe der Emissionen im Schiffsverkehr sind noch nicht möglich. Viele Betreiber haben ihre Emissionsberichte noch nicht vorgelegt.

Deutschland liegt im europäischen Trend

Auch europaweit gehen die Emissionen zurück. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sanken sie 2024 um 6,5 Prozent auf etwa eine Milliarde Tonnen CO₂-Äquivalente. Am EU-ETS 1 beteiligen sich alle 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen.

Dirk Messner, Präsident des UBA, sagte: „Der Emissionshandel hat sich seit seiner Einführung Schritt für Schritt zum zentralen Klimaschutzinstrument in Deutschland und Europa entwickelt.“ Laut UBA decken der europäische und der nationale Emissionshandel zusammen derzeit rund 85 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen ab. Daniel Klingenfeld, Fachbereichsleiter für Klimaschutz und Energie im UBA, kündigte weitere Schritte an: „Der Emissionshandel wird maßgeblich dazu beitragen, die gesetzlichen Klimaziele Deutschlands und der EU zu erreichen.“ Ab dem Jahr 2027 soll ein weiteres Handelssystem für Brennstoffe in Verkehr und Gebäuden in Kraft treten, der sogenannte EU-ETS 2.

Laut UBA-Schätzung vom März 2025 sind die Gesamtemissionen in Deutschland im Jahr 2024 um 3,4 Prozent gesunken. Damit fiel die Minderung im Emissionshandelssystem EU-ETS 1 deutlich stärker aus. Dessen Anteil an den deutschen Gesamtemissionen liegt bei etwa 43 Prozent.





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