IT-SicherheitEnergieversorgung sicher gestalten

Mit zunehmender Digitalisierung und Vernetzung wächst die Angriffsfläche für potenzielle Manipulationen.
(Bildquelle: Cristine Lietz/pixelio.de)
Die Herausforderungen der Energiewende sind dieser Tage präsenter denn je. Während der Ausbau der Übertragungsnetze noch immer stockt, nimmt die erzeugte Energiemenge durch die Erneuerbaren weiter zu – und hiermit auch die Belastung für die Netze. Um diese im Gleichgewicht zu halten, musste die Zahl der netzstabilisierenden Maßnahmen zuletzt rapide erhöht werden. Auch mehren sich Stimmen, die einen Netzausbau und eine Smartization im Mittel- und Niederspannungsbereich befürworten. Gleichzeitig wächst die Kritik an intelligenten Netzen – zu groß sind doch die Sicherheitsbedenken.
Stabilität durch Intelligenz
Der Umbau des heutigen Stromnetzes zum Smart Grid setzt voraus, dass Erzeuger, Speicher und Verbraucher kommunikativ miteinander vernetzt werden. Nur so ist es möglich, Energieangebot und -nachfrage in der Balance und damit das Stromnetz stabil zu halten. Experten gehen davon aus, dass von den rund 600.000 über Deutschland verteilten Ortsnetzstationen rund 20 Prozent mit Steuerungsintelligenz ausgestattet werden müssen. Gesetzliche Vorgaben fordern überdies die Integration mehrerer Millionen Smart-Meter-Gateways in das Stromnetz. Wo aber geregelt und gesteuert wird, da fließen Daten. Bedenkt man zudem, dass im Rahmen einer ökonomisch verträglichen Dekarbonisierung auch die Bedeutung der Gasnetze – etwa als Speicher für Wind- und Solarenergie – rapide zunehmen wird, ergibt sich ein komplexes und facettenreiches Geflecht, das einer intelligenten Steuerung bedarf. Denn eines ist längst klar: Ohne zusätzliche Sektorenkopplung keine Energiewende.
Vor diesem Hintergrund finden zunehmend internetbasierte Netzwerktechnologien oder mobile Datendienste Verwendung. Gemeinhin bieten diese Kommunikationswege viel Angriffsfläche für Manipulationen: Auf der Strecke zwischen Energieerzeuger und Leitstelle ebenso wie auf dem Weg zum Verbraucher. Der Abgriff persönlicher Daten oder die Manipulation von Einspeisedaten, wie sie beispielsweise zur Steuerung der Regelenergie erforderlich sind, sind verglichen mit den Auswirkungen, die es haben könnte, wenn Hacker in der Leitstelle eines Netzbetreibers eine Schad-Software platzieren würden, das kleinere Problem.
Gesetzliche Vorgaben erfüllen
Dass dem Datenschutz im Zusammenhang mit dem Ausbau eines intelligenten Stromnetzes eine wichtige Bedeutung zukommt, dokumentiert nicht zuletzt die Verabschiedung des IT-Sicherheitsgesetzes im Sommer 2015. In diesem regelt die Bundesregierung, dass Betreiber von Energieanlagen und Versorgungsnetzen ein Mindestniveau an IT-Sicherheit einhalten müssen. Es schreibt neben regelmäßigen Sicherheitsaudits auch die Meldung von IT-Sicherheitsvorfällen an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor. Darüber hinaus definieren die IT-Grundschutzkataloge mögliche Szenarien und Schutzmaßnahmen, basierend auf der ISO 27001. Auf diesen bauen wiederum die verschiedenen branchenspezifischen Richtlinien und Empfehlungen auf, die Unternehmen verpflichten, die Vertraulichkeit, Integrität, Authentizität und Verfügbarkeit von Daten zu gewährleisten. Leitlinien dazu, wie diese Anforderungen in der Energiewirtschaft umgesetzt werden können, geben das Whitepaper des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der IT-Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur (BNetzA) vor.
Höchsten Anforderungen genügen
Schon heute existieren technische Möglichkeiten, die vermeintlichen Sicherheitslücken im Smart Grid zu schließen. Die Controller PFC 100/200 von WAGO zeichnen sich beispielsweise durch ein plattformübergreifendes Realtime-Linux aus, das als Open-Source-Betriebssystem langzeitverfügbar, skalierbar und updatefähig ist und Tools wie Rsync, Fail2Ban sowie Viren-Scanner unterstützt. Es können außerdem verschiedene Schnittstellen und Feldbusse wie CANopen, PROFIBUS DP und Modbus-TCP/RTU herstellerunabhängig bedient werden. Zudem unterstützt die PFC 200 Plattform die Protokolle IEC 60870, 61850 und DNP3.0.
Natürlich gibt es je nach Einsatz und Risikoanalyse auch unterschiedlich hohe Anforderungen an das Niveau einer Sicherheitslösung. Die WAGO PFC100/200 Familie ist in jedem Fall für die Umsetzung der aktuell höchsten Sicherheitsanforderungen nach ISO 27001 aufgestellt. Sie bietet Onboard-VPN-Funktionalität basierend auf dem so genannten Strongswan Package, einer sicheren Kommunikationslösung für Linux-Betriebssysteme. Dadurch müssen Modems oder Router keinen zusätzlichen VPN-Tunnel aufbauen. Doch was noch entscheidender ist: Die Strecke zwischen Steuerung und Modem ist dadurch direkt mitverschlüsselt, denn die Daten können bereits im Controller mittels SSL/TLS 1.2-Verschlüsselung (Secure Sockets Layer/Transport Layer Security) codiert werden. Der Controller baut den VPN-Tunnel dann über OpenVPN oder IPsec direkt auf. Er wird von Verteilnetzbetreibern und Energieversorgern daher häufig dazu eingesetzt, alle relevanten Mess- und Steuerdaten bei der Stromerzeugung, -wandlung und -verteilung zu erfassen beziehungsweise zu übergeben. Es entstehen abhör- und manipulationssichere Kommunikationsverbindungen zwischen den Controllern und den Netz-Zugangspunkten.
Auch ein vorgeschalteter VPN-Router ist nicht mehr erforderlich. Bei der Kommunikation wird eine verschlüsselte LAN/WAN-Verbindung aufgebaut, deren Inhalt nur die beiden Endpunkte verstehen können. Verbindungen werden nur nach erfolgter Authentifizierung aufgebaut. Mit Pre-Shared-Key kommt ein Verschlüsselungsverfahren zum Einsatz, bei dem die Schlüssel vor der Kommunikation bei den Teilnehmern bekannt sein müssen. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass es einfach zu realisieren ist. Eine zertifikatsbasierte Authentifizierung findet ebenfalls Verwendung.
Der PFC200 von WAGO kann projektindividuell gemäß den hohen Anforderungen des BDEW-Whitepapers gehärtet werden. Dazu zählt etwa die Unterstützung des Patch Managements durch regelmäßiges Bereitstellen sicherheitsrelevanter Updates, die Rollback-Möglichkeit für die Kopfstation zur Umsetzung des Konfigurations- und Change Managements, aber auch die Verschlüsselung der Kommunikation mittels anerkannter kryptografischer Bibliotheken für den sicheren Fernzugriff.
Dieser Beitrag ist in der November/Dezember-Ausgabe von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
kraftwerk Software Systems: Neues Outsourcing-Angebot
[03.11.2026] Mit dem neuen Angebot xPro übernimmt kraftwerk Software Systems komplette Geschäftsprozesse für Energieversorger. Das Modell soll Stadtwerke bei Personalengpässen entlasten und die Betriebs- und Ergebnisverantwortung auf den Dienstleister übertragen. mehr...
KRITIS: Von der Risikoanalyse zur Resilienz
[29.10.2026] Cyber-Angriffe, Naturgefahren und technische Ausfälle erhöhen die Risiken für Energieversorger. Ein ganzheitlicher Ansatz hilft, Risiken finanziell zu bewerten, Maßnahmen zu priorisieren und die Versorgung schneller wiederherzustellen. mehr...
INIT: Stadtwerke Heilbronn setzen auf Cloud-Lösung
[26.10.2026] Die Stadtwerke Heilbronn haben ihr Kunden- und Vertriebsmanagement auf eine Cloud-Lösung von INIT umgestellt. Damit wollen sie interne Abläufe vereinfachen und neue digitale Angebote für Fahrgäste ermöglichen. mehr...
Karlsruhe: KI-Anwendungen für die Energieversorgung entwickeln
[26.10.2026] Bei einer KI-Challenge in Karlsruhe haben Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Kommunen Ansätze für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Energieversorgung entwickelt. Im Mittelpunkt standen Genehmigungsverfahren, der Betrieb Kritischer Infrastruktur und die Widerstandsfähigkeit von Energiesystemen. mehr...
Organisation: Cyber-Schutz ist Chefsache
[22.10.2026] Wer Cyber-Resilienz auf technische Schutzmaßnahmen reduziert, greift zu kurz. Die Technik muss auch in entsprechende organisatorische Prozesse eingebettet sein, mit klaren Verantwortungsstrukturen und Entscheidungswegen. Cyber-Sicherheit wird somit zur Managementaufgabe. mehr...
Cyber-Sicherheit: NIS2-Konformität wirtschaftlich umsetzen
[20.10.2026] Im Rahmen der NIS2-Richtlinie sind auch kleinere Stadtwerke dazu verpflichtet, verbindliche Anforderungen an die Cyber-Sicherheit, das Risikomanagement und die Meldeprozesse umzusetzen. Aufgrund fehlender Security-Experten und begrenzter IT-Budgets ist das jedoch eine große Herausforderung. mehr...
dena: Konzept für Energiedatenraum bis 2032 vorgelegt
[19.10.2026] Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat ein Konzept für einen branchenübergreifenden Energiedatenraum vorgestellt, der den Datenaustausch im Stromsektor bis 2032 verbessern soll. Eine Studie zeigt am Beispiel variabler Netzentgelte, welche Vorteile eine gemeinsame digitale Infrastruktur bieten könnte und wie sich diese schrittweise einführen ließe. mehr...
EnBW: Energiewelt-App überarbeitet
[16.10.2026] Die EnBW hat ihre Kunden-App überarbeitet und um neue Funktionen zur Verbrauchsüberwachung und Steuerung von Energieanlagen erweitert. Die Anwendung integriert nun auch ein Heim-Energie-Management-System, mit dem sich unter anderem Wärmepumpen und Elektroautos steuern lassen. mehr...
Schleupen/Hansen: Zusammenarbeit verlängert
[16.10.2026] Die Softwareunternehmen Schleupen und Hansen Technologies setzen ihre Zusammenarbeit im Energiedatenmanagement für weitere fünf Jahre fort. Mehr als 80 Energieversorger mit über drei Millionen Messstellen nutzen die gemeinsame Lösung bereits. mehr...
Cyber-Sicherheit: Risiken für Wind- und Solarparks
[13.10.2026] Eine neue Studie hat Tausende über das Internet erreichbare Systeme im Umfeld europäischer Wind- und Solarparks identifiziert. Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland warnt vor wachsenden Risiken für die Energieversorgung durch die zunehmende Dezentralisierung. mehr...
Stadtwerke Flensburg: Instandhaltung auf neue Softwarelösung umgestellt
[06.10.2026] Die Stadtwerke Flensburg haben ihre mobile Instandhaltung auf eine neue Softwarelösung umgestellt. Das Maintenance Portal von argvis soll papierbasierte Abläufe ersetzen und die Arbeit in Netzen, Erzeugung und Service auf einer gemeinsamen Plattform bündeln. mehr...
Soluvia: Abrechnungsplattform für Stadtwerke eröffnet
[29.09.2026] Soluvia Energy Services bietet seine Abrechnungsplattform SESuite erstmals Energieversorgern außerhalb des MVV-Energie-Konzerns an. Das Full-Service-Angebot richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Versorger, die ihre Abrechnungssysteme ablösen oder neu aufstellen wollen. mehr...
data analytics institute: Neuer Konsortialpartner von energy data-X
[28.09.2026] Das data analytics institute wird Konsortialpartner von energy data-X und bringt seinen Datenraum HEAT-X für die kommunale Wärmeplanung ein. Damit sollen Daten aus Strom- und Wärmesektor künftig über eine gemeinsame Infrastruktur verknüpft werden. mehr...
Greenflash: Dezentrale Energiesysteme in Echtzeit steuern
[25.09.2026] Greenflash hat mit Greencore AI eine Software zur Echtzeitsteuerung dezentraler Energiesysteme entwickelt. Sie soll Erzeugung, Speicherung und Verbrauch anhand von Prognosen und aktuellen Marktdaten wirtschaftlich aufeinander abstimmen. mehr...
items: ITS Group übernimmt Fernwärme-Software
[24.09.2026] items überträgt seine Fernwärme-Software Grid Insight: Heat zum 1. November 2026 an die ITS Group. Mit der Software wechselt auch das zuständige Team zum Dortmunder Unternehmen. mehr...














